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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2021  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Blogs und Blockdenken, Achsen und Portale
Von Evelyn Hecht-Galinski

Brauchen wir Schubladen wie Rechts und Links? Nein! Brauchen wir Neid, Gier und Hass? Nein! Und nochmals nein! Unsere Gesellschaft, die echte und die virtuelle, verkommt mittlerweile zu einem Gegeneinander anstatt Miteinander. Ich war am 17.11.2011 in Mulhouse bei einer Gerichtsverhandlung gegen 12 französische Aktivisten, die gegen die israelischen Menschenrechts-verletzungen mit Boykottaufrufen gegen israelische Waren in französischen Supermärkten wie Carrefour Aktionen gemacht hatten. Wir, mein Mann und ich, kamen mit vielen Mitstreitern, auch aus der Schweiz und Luxemburg. Wir kamen aus Solidarität, wie auch schon vor einiger Zeit in Paris/Bobigny, um den französischen Aktivisten aus Solidarität Beistand und Unterstützung zu leisten.  
Seit ich durch Günter Schenk, einen deutschen Friedensaktivisten und Mitstreiter aus Straßburg, darüber Kenntnis erhalten hatte, war ich sofort bereit, Unterstützung zu leisten. Von Beginn an begeisterte mich, im Gegensatz zu Deutschland, die uneingeschränkte Solidarität über alles "Schubladendenken" hinaus. Man ist solidarisch untereinander, ohne sich verleugnen zu müssen. Man begegnet sich auf gleicher Augenhöhe und ohne Aggressionen, man akzeptiert sich ohne Vorurteile. 
Ich bewundere diese 12 Aktivisten, die sich ohne Rücksicht auf ihre Person für den Boykott gegen israelische Waren eingesetzt und sich diesem Gerichtsverfahren ausgesetzt haben. In Frankreich existiert nämlich ein Gesetz von 1889, das nur "Staatsboykott " erlaubt, nicht aber Boykott von Privatpersonen. Deshalb darf Frankreich auch zu Boykotten gegen Iran aufrufen, oder "Staatsprotektion" betreiben: "Kauft nur französisch"(Peugeot)“, dies aber ist Bürgern verboten. 
Die Angeklagten konnten sehr gut zur Geltung bringen. dass sie keinesfalls, wie ihnen unterstellt wurde, Diskriminierung betreiben, sondern Waren eines Staates boykottieren, der - solange er besetzt und besiedelt und unterdrückt - ein Unrechtsstaat ist. Ich betone nochmals: Als aufgeklärte Kunden haben wir die Wahl, unseren Einkauf zu selektieren. Müssen wir israelische Waren kaufen? Warum soll es nur dem jüdischen Staat erlaubt sein, zum Boykott z.B. gegen Iran aufzurufen? Wir haben genug von zweierlei Maß, das Maß ist übervoll. 
Zum Schluss noch ein persönlicher Nachtrag zu einem Nachtrag und anderem "Geschreibsel". Es gibt Blogs, die mit dem Wort „Palästina“ meinen, der Sache dienlich zu sein, aber in Wirklichkeit nur persönliche Verunglimpfungen verbreiten. Dies geschieht z.B. unter der Ägide eines gescheiterten Künstlers mit zum Teil äußerst geschmacklosen Collagen, mit Artikeln eines schnorren- den Verlegers mit unlauteren Verkaufsmethoden und Fäkaliensprache, durch einen voller Hass und Unkenntnis aus dem Keller rezensierenden und belehrenden Beamten und "Nahost- Experten" und durch einen von seiner Schweizer Frau lebenden vermeintlichen "Enthüllungsjournalisten", einen in der Schweiz lebenden ehemaligen Israeli. 
Es gibt wirklich schlimme Sachen im Internet, mit denen man sich eigentlich auch gar nicht befassen sollte. Von Achse zu Portal. 
Auch aus diesem Grund bin ich sehr froh, dass es Zeitungen wie die NRhZ gibt, die diesen Schmutz nicht nötig haben und Artikel bringen, die ehrlich eintreten für Wahrheit und Gerechtigkeit - ohne Schubladendenken. Eben Artikel, die man in Mainstream-Zeitungen nicht lesen kann (und darf!). Das ist natürlich fast unmöglich, wenn man nicht Solidarität übt, sondern dieses Wort nur als Begriff ohne Bedeutung verwendet. Solidarität muss gelebt werden, aber man kann und sollte erst gar nicht versuchen, von ihr zu leben! Machen wir uns frei von „Links“ und „Rechts“, von der „Mitte“ und von Kategorien und Schubladen. Es gibt nur Benehmen, Anstand, Gerechtigkeit und Recht und Unrecht. 
Die Angriffe auch gegen Gilad Atzmon haben ein Maß des Erträglichen undHinnehmbaren überschritten. Wie groß muss der Neid auf einen begnadeten Musiker, zudem auch erfolgreichen Buchautor, sein, der es als seine Lebensaufgabe als ehemaliger Israeli ansieht, die Menschen über die Missetaten Israels gegenüber den Palästinensern aufzuklären. Dieselben Leute versuchten auch - übrigens machten sie da gemeinsame Sache mit einem AKA-Bündnis von so genannten Antideutschen und einer jüdischen Gemeinde - Gilad Atzmon in Göttingen vor einem Konzert anlässlich eines Jazzfestivals zu verunglimpfen. Ich konnte aus diesem Anlaß mit einem Journalisten einer Göttinger Zeitung sprechen, der mich auch aus der NRhZ zitierte und dann einen sehr objektiven Artikel schrieb. Was haben sie erreicht? Das Konzert war ausverkauft. 
Ich weiß, wovon ich spreche! Als "Tochter", die sich nicht schämen muss, als solche bezeichnet zu werden. Bleibt man nicht immer und ewig Tochter und Sohn? Warum also neidische Verunglimpfungen? Keiner kann etwas für sein Elternhaus, für seinen weiteren Lebensweg aber sehr wohl! (PK)
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Mit diesem Kommentar setzt sie ihre Serie fort, die sie "vom Hochblauen", ihrem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, schreibt.


Online-Flyer Nr. 329  vom 23.11.2011

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