NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

zurück  
Druckversion

Sport
Potsdam Tabellenführer, Duisburg stolpert in Essen, Conny Pohlers mit vier Toren
Lok Leipzig mit Spur- und Trainerwechsel
Von Bernd J.R. Henke

Als die Leipzigerin Anne Heller mit dem Lok-Team ins VfL-Stadion am Elsterweg einlief, hatten sich in der Woche zuvor dramatische organisatorische Veränderungen für sie und die Mannschaft ergeben. Anne Heller, noch im Aufstiegsjahr Mannschafts-Führerin, galt nach der Inthronisierung der neuen Cheftrainerin Claudia von Lanken als abgewählt und musste einem Neuzugang, der Ex-Duisburgerin Anne van Bonn, weichen. Dass ihre Nachfolgerin aber schon nach fünf Ligaspielen und drei Pokalspielen ihr das Amt wieder zurückgeben musste, war der Höhepunkt eines rigorosen Spur- und Trainerwechsels durch den Lok-Vorstand. Nach der überraschenden Entmachtung - sprich Beurlaubung - der Cheftrainerin von Lanken durch die Vereinsspitze in der Vorwoche war die Wiedereinsetzung Hellers möglich geworden.
 

Anne Heller, neue und alte
Mannschaftsführerin
Foto: Annemarie Fischer, Leipzig (Archiv)
Schlüsselfigur
 
Mittelfeldsspielerin Heller, als ehemalige Potsdamerin von Turbine zur Lok nach Leipzig gewandert, gilt in Leipzig als eine sehr kämpferische und energische Führungsspielerin. Sie ist eine der Schlüsselfiguren des Aufstiegsjahres. Überregional bekannt wurde sie auch durch Länderspiele in der U-17 und U-23-Nationalmannschaft. Der relativ kühle Herbst am 6. Spieltag auswärts in Wolfsburg wird für sie denkwürdiger bleiben als für andere Spielerinnen. Mit der neuen Kapitänsbinde schoss sie ihr erstes Tor in der 1. Bundesliga. Cheftrainer Jürgen Brauße – Entschuldigung: das neue Trainergespann ergänzt durch Frank Tresp, den langjährigen erfahrenen Aufbaumanager der Lok-Frauenabteilung, hatte sich erkennbar für alle sportlichen Kenner der Leipziger Szene für die alte Lok-Variante des Aufstiegsjahres entschieden – man spielte wieder Fußball nach vorne, um den Ball laufen zu lassen und Tore zu schießen.. Das bedeutete, dass das sehr erfolgreiche Spielsystem des Aufstiegesjahres - 4-2-3-1 – angewendet wurde.

Conny Pohlers, bedrängt von Jil Ludwig und Anne van Bonn (8)
Foto VfLKontraproduktiv                                                                                                                      
Rein optisch für den Zuschauer gesehen stand Fußballlehrer Jürgen Brauße alleine in typisch wachsamer Haltung mit tief gezogener Sportkappe am Spielfeldrand. Der bei den im neuen Kader verbliebenen Aufstiegsfrauen sehr beliebte Frank Tresp nahm Platz auf dem zweiten Trainerstuhl, dirigierte Auswechselung und mentale Ansprache der Spielerinnen. Tresp betreut auch die Mannschaft 1. FC Lokomotive Leipzig II, die zur Zeit sehr erfolgreich in der Regionalliga Nordost vorne mithalten kann und das hinlegt, was die 1. Mannschaft zurzeit wenig drauf hat – das Toreschiessen. Lok II-Torjägerin Christina Nauesse schoss schon in fünf Spielen acht Tore und führt die Torjägerinnen-Liste der Liga an. Die beurlaubte Cheftrainerin Claudia von Lanken saß mit männlicher Begleitung auf der Zuschauertribüne, wirkte gefasst und diszipliniert. Keine bösen Worte fielen, alle Beteiligten konzentrierten sich mit ihren Gedanken auf die Mädchen und Frauen auf dem Spielfeld.
 
„Ja, in Leipzig hat sich der Vorstand Ziele gesetzt. Die wissen, dass die Mannschaft schnell in Schwung kommen muss, um nicht abzusteigen. Da sind jegliche persönlichen Händel innerhalb des Teams kontraproduktiv“, kommentierte Frauenfußballexperte Joe Blaha. Lokomotive-Vorstand Bernd Wickfelder hatte zuvor mittels TV-Auftritt, Presseerklärung und Kurzinterviews klar gemacht „dass nach fünf Punktespielen bei insgesamt nur zweiundzwanzig Saisonspielen knapp ein Viertel der Saison schon gelaufen sei und man mindestens mit sechs Punkten gerechnet hatte.“ Hauptsponsor und Vorstand Bernd Wickfelder gilt als kluger Kaufmann und Rechner, der wichtige Entscheidungen nicht lange vor sich herschiebt. Der gelungene Aufstieg nach etlichen Jahren der Konsolidierung scheint ihm Recht zu geben.


Kopfball Conny Pohlers (26), daneben Anne Heller (13), Torfrau Caroline-Sophie Härling und Anne van Bonn (8)
Foto VfL
 
Gelassenheit 
                                                                                                                          
Alle Vereinsverantwortlichen und auch die Betroffenen selbst vermieden in der Öffentlichkeit persönliche Kränkungen oder Bloßstellungen. Jürgen Brauße lobte die professionelle Einstellung von Anne van Bonn, die die Entscheidung des Vereins mit Gelassenheit angenommen hätte. Ihr Einsatz gegen den favorisierten VfL Wolfsburg war wie immer vorbildlich in Kampfgeist und Spielfreude. Das Trainergespann verzichtete diesmal in der Startelf auf die Schweizer Torhüterin Gaelle Thalmann, die 20-jährige Carolin-Sophie Härling kehrte auf die Einser-Position zurück. Sie konnte mit Verlaub gesagt den VfL-Torreigen mit vier Conny Pohlers Toren nicht verhindern, zu klar waren die Chancen heraus-gespielt. Conny Pohlers, amtierende Torschützenkönigin der 1. Bundesliga in der Vorsaison 2010/2011 mit 25 Toren für den 1. FFC Frankfurt und auch bei Turbine Potsdam Torkönigin der Jahre 2005/2006 mit 36 Toren und 2001/2002 mit 27 Toren, war in dieser Partie voll im Lauf und kompromisslos in der Tor- ausbeute. Kritisch ist anzumerken, dass Bundestrainerin Neid für die Torjägerin bei der WM 2011 keine Verwendung fand. Sie gab jüngeren Spielerinnen mit weniger Erfahrung den Vorzug.
 

Conny Pohlers (VfL)
Foto Jan Kuppert
Kongenial

Die frischgebackene japanische Frauenfußball Weltmeisterin Homare Sawa, ist knapp zwei Monate älter als Conny Pohlers und wurde als beste Spielerin des WM-Turniers 2011 vom Weltfußballverband FIFA ausgezeichnet. Conny Pohlers, die im November dieses Jahres noch 33 Jahre alt werden wird, fand im kongenialen Zusammenspiel mit Nationalspielerin Martina Müller zu höchster spielerischer Effektivität. Dabei kam die schnelle Conny Pohlers vor allem über die Außenpositionen. „Wir haben mit drei Spitzen gespielt und häufig die Positionen gewechselt. Gegen solche Teams wie Lok Leipzig funktioniert das ganz gut“, bemerkte Martina Müller über das sehr gradlinige Sturmspiel des VfL. Conny Pohlers war von ihrer neuen Rolle überrascht, als sie in der Mannschaftsbesprechung davon hörte: „Wir haben das zuvor nicht trainiert. Ein Problem war die Außenposition für mich jedoch nicht, weil ich sie früher bereits gespielt habe
 

Martina Moser (VfL)
Foto Jan Kuppert
Anschlusstreffer
 
Der VfL Wolfsburg führte schon sehr schnell und überlegen durch Tore von Conny Pohlers (14.) und Martina Müller (27.). Die nächste hochkarätige Chance hatten die Wolfsburgerinnen in der 33. Minute. Die zierliche Schweizerin Martina Moser setzte sich bis in den Strafraum durch und zog dann aus zirka elf Metern auf das Lok-Gehäuse ab. Zehn Minuten später wurde im gegnerischen Strafraum die Leipzigerin Anna Heller von Katrin Patzke optimal angespielt, sodass sie den Ball ins linke kurze Eck zum 2:1 Anschlusstreffer (37.) einschießen konnte. Cheftrainer Jürgen Brauße signalisierte seiner Mannschaft, weiterhin den Ball laufen zu lassen und schaffte es, dass Leipzig ziemlich selbstbewusst ohne weiteres Gegentor in die Pause gehen konnte. Die Wölfinnen nutzen zu Beginn der 2. Halbzeit ihre spielerische Überlegenheit aus und ließen den Gästen keine Möglichkeit, um gefährlich vor dem Tor von Alisa Vetterlein in Erscheinung zu treten. In der Abwehr spielte Rebecca Smith in der Innenverteidigung neben Josephine Henning und Maren Tetzlaff auf der rechten Seite von Beginn an. Davor blieb die Doppelsechs mit Lena Goeßling und Nadine Keßler bestehen.


Lena Gößling (VfL)
Foto Jan Kuppert
Torreigen                                                    
Neu im Team war auch Martina Moser, die auf der zentralen Position hinter den Spitzen zum Einsatz kam. Die drei Angreiferinnen waren Conny Pohlers, Martina Müller und die Ungarin Zsanett Jakabfi. Die Feldspielerinnen Navina Omilade, Stephanie Bunte und Ivonne Hartmann nahmen zunächst auf der Bank Platz. Nach Wiederbeginn dominierten erneut die mit mehreren Nationalspielerinnen gespickten Gastgeber. In schöner Regelmäßigkeit netzte die 32-Jährige Pohlers nun zum 3:1 (55.), 4:1 (77.) und 5:1 (90.) ein. Die Wölfinnen nutzen ihre spielerische Überlegenheit weiter aus und ließen den Gästen keine Möglichkeit, um gefährlich vor dem Tor von Alisa Vetterlein in Erscheinung zu treten. "Ich hätte mir schon einen besseren Einstand gewünscht", sagte Cheftrainer Jürgen Brauße noch ziemlich gelassen. "Wir haben gut dagegen gehalten, gekämpft und den Ball laufen lassen. Wolfsburg war eine starke Truppe und hat individuelle Fehler ganz schnell bestraft. Jetzt gilt es, die nach der taktischen Umstellung unvermeidbaren Ungenauigkeiten im Zusammenspiel schnell abzustellen.“ Die Frauen-Bundesliga Mannschaft des VfL Wolfsburg ist zurück auf dem Erfolgskurs.

Anschlusstor für Lok Leipzig, Torschützin Anne Heller nicht sichtbar, VfL- Torfrau Alisa Vetterlein hat keine Chance
Foto VfL
 
Schicksalsspiele                                                                                                                   
 
Nach zuletzt zwei Niederlagen gegen den 1. FFC Turbine Potsdam (0:2) und beim FCR 2001 Duisburg (0:3) haben die Wölfinnen am sechsten Spieltag den dritten Dreier eingefahren. Im VfL-Stadion am Elsterweg hat die Mannschaft  den Aufsteiger 1. FC Lokomotive Leipzig mit 5:1 (2:1) bezwungen. In der Tabelle belegt der VfL den vierten Rang. Die nächsten Partien werden für 1.FC Lokomotive Leipzig wohl zu Schicksalsspielen werden. Die SG Essen-Schönebeck, der FF USV Jena, SC 07 Bad Neuenahr und der FC Bayern München stehen bis zum 27. November, dem 57sten Geburtstag von Chef- trainer Jürgen Brauße, auf dem Spielkalender. Sein Ziel: "Wenn wir da auf einem Nichtabstiegsplatz stehen, bin ich zufrieden.“ Das nächste Heimspiel geht gegen den Tabellenfünften SG Essen-Schönebeck, der schon sieben Punkte Abstand zu Lok Leipzig erspielt hat. Die nächsten Wochen werden in Leipzig um das Sein oder Nichtsein - Abstieg oder Bleiben - zum Thema haben. Da das Trainergespann Brauße/Tresp auf Kampfstärke setzt, werden die Leipziger Zuschauer sicher attraktive Spiele erwarten können.

VFL-Sturmspitzen Zsanett Jakabfi vor Lok-Torfrau, daneben Martina Müller (VfL) und Conny  Pohlers (VfL) beim Überlaufen der Lok-Abwehr
Foto VfL
 
Tabellenführung
 
Nicht zu stoppen war Potsdams Genoveva Anonma an alter Wirkungsstätte in Jena. Der Deutsche Meister 1. FFC Turbine Potsdam hat dank eines 7:0 (5:0) im Ostderby beim FF USV Jena auch am sechsten Spieltag der Frauen-Bundesliga seine weiße Weste gewahrt und die Tabellenführung vor dem punktgleichen 1. FFC Frankfurt übernommen. Yuki Nagasato (26., 35.) und Genoveva Anonma (33., 38.) trafen dabei im Wechsel zur 4:0-Führung, Anja Mittag stellte den Pausenstand in der 40. Minute sicher. In der 48. Minute steuerte Anonma ihren dritten Treffer des Tages bei und schraubte ihr Torekonto auf elf. Antonia Göransson sorgte mit ihrem Treffer zum 7:0 (73.) nicht nur für den Endstand. Auf Grund der mehr geschossenen Tore stehen die "Torbienen" nun an der Ligaspitze.
 
Weiter ohne Sieg am Tabellenende bleibt der SC 07 Bad Neuenahr, der sich dem FC Bayern München zuhause 0:1 (0:1) geschlagen geben musste. Katharina Baunach markierte den einzigen Treffer der Partie kurz vor der Halbzeit (43.).
 
Großer Schritt
                                                                                                               
Hamburg gewann in Freiburg nach 0:2-Rückstand. Der HSV hatte zuvor am Vormittag ein schon verloren geglaubtes Spiel noch gedreht und mit dem 3:2 (1:2) bei Aufsteiger SC Freiburg einen großen Schritt aus dem Tabellenkeller gemacht. Dabei hatten die Breisgauerinnen schon wie der sichere Sieger ausgesehen, nachdem die Finnin Essi Sainio in der elften Minute und ein Eigentor von Frederike Engel (32.) für eine 2:0-Führung gesorgt hatten. Noch vor der Halbzeitpause gelang den Gästen aber durch Aferdita Kameraj (43.) der Anschluss. Ein verwandelter Foulelfmeter von Silva Lone Saländer brachte in der 59. Minute den Ausgleich für den HSV, ehe Kameraj mit ihrem zweiten Treffer des Tages (66.) den Sieg der Hansestädterinnen sicherstellte.

Sabrina Döringhaus (SGS Essen)
Foto SGS (Archiv)
 
Ohne Gegentreffer
                                                                                                                  
Der bisherige Tabellenführer FCR 01 Duisburg musste sich mit einem 1:1 (0:0) bei der SG Essen-Schönebeck begnügen und ließ gleichzeitig die ersten Punkte der Saison liegen. Die Essenerinnen knüpften vor 1316 Zuschauern vom Anpfiff an die starke Leistung aus der Vorwoche an. Das Team von Markus Högner machte den Duisburgerinnen das Leben schwer, die bis zum Halbzeitpfiff keine Mittel fanden, um den Abwehrverbund der Gastgeberinnen zu durchbrechen. Nach einer torlosen ersten Halbzeit blieb es weiterhin ein Geduldsspiel auf Messers Schneide. Mit zunehmender Spielzeit konnten die Duisburgerinnen immer mehr Druck auf den Strafraum der Essenerinnen ausüben. Jedoch erzielte Isabelle Wolf in der 81. Minute dann die überraschende Führung für Essen-Schönebeck. Als die Essenerinnen sich noch freuten, schlug Duisburg aber postwendend zurück. Nach einer Flanke von rechten Seite köpfte Vanessa Martini den Ball unglücklich zum 1:1-Endstand in die eigenen Maschen (82.). Durch ein 5:0 (2:0) bei Bayer Leverkusen behielt der 1. FFC Frankfurt den zweiten Tabellenplatz und ist noch ohne Gegentreffer. Der Rücktritt von Birgit Prinz ist noch immer nicht überwunden, trotz gegenteiliger Behauptungen von Manager Siegfried Dietrich. (PK)


Online-Flyer Nr. 324  vom 19.10.2011

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Männerbünde
Aus dem KAOS-Kunst- und Video-Archiv
FOTOGALERIE


Schwarzer Freitag für H&M
Von Arbeiterfotografie