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Aktueller Online-Flyer vom 30. Oktober 2020  

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Lokales
Aufruf zum Bildungsstreik am 17. November in Köln – Startschuß am 1. Oktober
Gemeinsam auf die Straße – Für bessere Bildung!
Von Peter Kleinert

Hunderttausende junge Menschen gingen in den letzten Jahren gegen die Missstände in Schulen, an Hochschulen und auf dem Ausbildungsmarkt auf die Straße. Sie bestreikten den Unterricht und besetzten Hörsäle. Damit setzten sie die Abschaffung der Studiengebühren und der Kopfnoten sowie die Wiedereinführung der Drittelparität für die Schulkonferenzen durch. Ein Kölner Bündnis organisiert nun für den 17. November eine Bildungsstreik-Demonstration durch Köln. Der Startschuss für die neuen Bildungsstreik- aktivitäten in der Stadt findet bereits am 1. Oktober statt, an dem das Kölner Bündnis für Bildungsproteste den Aufruf zum IG-Metall-Jugend-Aktionstag unterstützt und sich an der dafür geplanten Großdemonstration beteiligen wird.

Aufruf am Kölner DGB-Haus
Quelle: AStA Uni Köln
 
Leonard Haas, aktiv bei der BezirksschülerInnenvertretung Köln, begründet den Zusammenschluß verschiedener Organisationen: „Ob Azubis, Schüler oder Studierende: Wir haben gemeinsame Interessen! Noch immer ist das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem ungerecht und sozial selektiv, es wird zu wenig Geld investiert und viel zu viele von uns erhalten keine vernünftige Perspektive für ihr Leben. Deswegen gehen wir auf die Straße!“
 
Lisa Schopp, Mitglied der IG-Metall-Jugend, fügt hinzu: „Am 1. Oktober kämpfen wir gemeinsam für die unbefristete Übernahme von Auszubildenden. Doch wir fordern noch mehr: Viele Jugendliche bekommen keine Ausbildungsplätze, müssen ohne Abschluss die Schule verlassen oder werden in Warteschleifen-Maßnahmen geparkt. So darf es nicht weiter gehen!“
 
Für ein prinzipielles Umdenken im Bildungsbereich
 
Katharina Sass, Mitglied im Vorstand des Allgemeinen Studierendenaus-schusses der Universität zu Köln: „Offensichtlich ist die Botschaft unserer letzten Proteste nur begrenzt angekommen. Zwar sind Studiengebühren und Kopfnoten Geschichte, doch die Einführung einer Schule für Alle, die Abschaffung der Hochschulräte und das Recht auf ein Vollstudium lassen weiter auf sich warten. Wir demonstrieren daher weiter für ein prinzipielles Umdenken im Bildungsbereich!“
 
Außerdem werde darüber diskutiert, die Hochschulen demokratischer zu gestalten und Bachelor/Master zu überarbeiten. Das zeigt: Wir können etwas erreichen, wenn wir uns gemeinsam für unsere Interessen einsetzen. Jetzt kommt es darauf an, etwas für grundsätzliche Reformen zu tun, denn es gibt noch genug Probleme. Auch der sogenannte „Schulfrieden“ löst diese nicht.
 
Gemeinsamer Aufruf
 
In einem gemeinsamen Aufruf verschiedener Unterstützerorganisationen heißt es unter anderem: "Immer noch werden Kinder nach der 4. Klasse aussortiert; Studien- und Ausbildungsplätze sind ein umkämpftes Luxusgut, und ständiger Leistungsdruck raubt uns jeden Spaß am Lernen. Repressionen, wie Elektro- verbote in der Schule und Zwangsexmatrikulationen an den Hochschulen, sind der Alltag. Indem es uns in Angst vor der Zukunft hält und gegeneinander ausspielt, soll das Bildungssystem vor allem billige und brave Arbeitskräfte heranziehen. Genau die gleichen Mechanismen wirken auf dem Arbeitsmarkt: Hartz 4 und prekäre Arbeitsverhältnisse sichern keine Arbeitsplätze, sie dienen dem Interesse der Unternehmen.



VerliererInnen sind nicht nur wir, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Wie können wir an einer Lösung für so drängende Probleme wie Armut, Wirt- schaftskrise, Unterdrückung, Krieg und Klimawandel arbeiten, wenn jedeR von der Schule an nur noch damit beschäftigt sein soll, nicht in der Konkurrenz unterzugehen?
 
Die Konkurrenz um Studien- und Ausbildungsplätze hat sich in diesem Herbst weiter verschlimmert, weil die Wehrpflicht wegfällt und die doppelten Abitur- jahrgänge da sind. Die Hochschulen platzen aus allen Nähten und weisen massenhaft BewerberInnen ab, die auf den ohnehin überfüllten Ausbildungsmarkt strömen.
 
Angeblich ist in einem der reichsten Länder der Welt, das für hunderte Milliarden Euro Banken vor sich selbst rettet und Krieg führt, kein Geld da für mehr Studienplätze oder auch nur für ein bezahlbares Mittagessen an Schulen.
 
Gleichzeitig wächst das Vermögen der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung (denen über 60% des gesamten Vermögens gehören) jede Sekunde um mehr als 8.100 EUR . Alle Bildungsausgaben zusammen – von der Kita bis über das Studium hinaus betragen dagegen weniger als 3.900 EUR pro Sekunde. Würden also die reichsten zehn Prozent einen Teil ihrer zusätzlichen Gewinne als Steuern abgeben, wären damit alle notwendigen Verbesserungen bezahlbar.
 

Schüler und Studenten protestieren seit
Sommer in ganz Chile
Quelle: Portal amerika21
In Chile und in Spanien hat sich dieses Jahr eine ganze Genera- tion gegen Bildungsabbau und Perspektivlosigkeit erhoben. Die Politik kann sie nicht mehr ignorieren. Machen wir selbst Geschichte - kämpfen wir gemeinsam für unsere Zukunft, statt uns gegeneinander ausspielen zu lassen!
 
Wir wollen ein ausreichend mit öffentlichen Mitteln finanziertes Bildungssystem, das allen, unabhängig von sozialer Herkunft, Zuwanderungs-geschichte und finanziellen Möglichkeiten gute Arbeit ermöglicht. Bildung und Arbeit müssen jedeN befähigen, kritisch und selbstständig zu denken und kooperativ zu einer demokratischen, gerechten und menschlichen Gesellschaft beizutragen.
 
Raus auf die Straße zur Demo am 17.11.!
 
Wir, SchülerInnen, Studierende und Azubis fordern:
Bildung und gute Arbeit für alle
> Eine Schule für alle
> Studien- und betriebliche Ausbildungsplätze für alle
> "100% Übernahme" - Die Auszubildenden nach Beendigung der Lehre in ein Vollzeitarbeitsverhältnis übernehmen
> gesetzlichen Mindestlohn
> Abschaffung von prekären Arbeitsverhältnissen, sowie von Zeit- und Leiharbeit
> Lernen, forschen und arbeiten für persönliche Entfaltung und gesellschaftlichen Fortschritt statt für Profite
> Lernen braucht Zeit, keinen Leistungsdruck: G8 und Regelstudienzeiten abschaffen
> Modularisierung des Studiums und credit points abschaffen; Vollstudium (z.B. Master) für alle
> Bildung für den Frieden: Bundeswehr und Rüstungsindustrie raus aus allen Bildungseinrichtungen
> Alle Gremien paritätisch besetzen und undemokratische Hochschulräte abschaffen
> Bedarfsdeckende öffentliche Finanzierung statt Kürzungspolitik
> Abschaffung der Bildungsgebühren von der Kita bis ins hohe Alter; elternunabhängiges BAFöG
> Mehr LehrerInnen, maximal 20 SchülerInnen pro Klasse
> gewünschter Kitaplatz für jedes Kind
 
Unterstützer dieses Aufrufes sind:
 
Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) der Uni Köln
BezirksschülerInnenvertretung (BSV) Köln
campus:grün Uni Köln
DGB-Jugend Köln
Die Linke.SDS Köln
Juso Hochschulgruppe Köln
Juso SchülerInnen Köln
GEW-Studis NRW
Grüne Jugend Köln
Linksjugend ['solid] Köln
Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Köln
Sozialistische Jugend Deutschlands (SJD) - Die Falken Köln (PK)


Online-Flyer Nr. 322  vom 05.10.2011

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