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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Sport
Aufsteiger SC Freiburg triumphiert gegen FC Bayern München Frauen
Dämpfer für Lok Leipzig
Von Bernd J.R. Henke

Der 1. FFC Frankfurt, Rekordmeister und diesjähriger Meisterschaftsfavorit, wollte den Dreier, bekam ihn auch nach längerem Kampf auf Augenhöhe. Das numerisch klare 4:0 Endergebnis für Frankfurt gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig täuscht, denn nur ein Tor von Melanie Behringer zum Torzähler 4 war souverän herausgespielt. Dies war auch die Meinung von Frankfurts Trainer Sven Kahlert, der die geschlossene kompakte Abwehr von Leipzig im heimischen Bruno-Plache-Stadion lobte, aber hinzufügte, dass die Leipzigerinnen durchaus etwas offensiver hätten spielen können, um selbst ein Tor zu erzielen. Seine Mannschaft, so Kahlert, hätte noch erhebliche Defizite im Zusammenspiel, da er nicht immer alle Mannschaftsteile in der Vorbereitungszeit zur Verfügung gehabt hätte.


Melanie Behringer (FFC) und Marie-Luise Hermann (LOK), dahinter Erika Szuh (LOK)
Fotografin: Annemarie Fischer
 
International
 
In den Osten der Liga mußte der Cheftrainer, der selbst einmal in Pirna zur Schule ging, ohne seine fernöstlichste Spielerin fahren. Die WM 2011 Weltmeisterin Saki Kumagai trainiert zur Zeit in ihrer Heimat, um sich für das erste Olympia-Qualifikationsspiel der Japanerinnen gegen Thailand vorzubereiten, das am kommenden Donnerstag ausgetragen wird. Trainer Sven Kahlert wiederum traf sich am Rande des Spieltages mit seinen Eltern in der sächsischen Messestadt. Seine US-Amerikanerin Gina Lewandowski, die in der vergangenen Saison die meisten FFC-Spiele in der Innenverteidigung absolvierte, fehlte ihm ebenso wie seine Japanerin. Sie spielte während der gesamten Sommerpause als Leihspielerin im Trikot der Western New York Flash. An der Seite von Weltfußballerin und Fußball-Globetrotterin Marta erreichte Lewandowski genau an diesem Sonntag das Finale um die US-amerikanische Meisterschaft gegen Philadelphia Independence. 120 Minuten lang lieferten sich die beiden Teams ein packendes Duell, ehe sich Western New York Flash im Sahlen Stadium in Rochester (NY) vor 10.461 Zuschauern mit 5:4 (0:0, 1:1) nach Elfmeterschießen durchsetzte. FFC Girl Lewandowski wurde somit im Jahre 2011 nicht nur Deutsche Pokalmeisterin, sondern auch US-amerikanische WPS Meisterin. Sie wurde zwar nie in die US-Nationalmannschaft berufen, aber sie wurde in zwei Kontinenten in einem Jahr Gewinner einer nationalen Meisterschaft.


Lyn Meyer (9), Fatmire Bajramaj (19), verdeckt Anne Heller (13), im Hintergrund Melanie Behringer (7)
Fotografin: Annemarie Fischer 
 
Ohne Torerfolg
 
Ziemlich gewöhnungsbedürftig für traditionell fühlende deutsche Fans ist der Umstand, dass Gina Lewandrowski als frischgebackene US-Meisterin schon eine Woche später beim nächsten Heimspiel der Frankfurterinnen gegen den FF USV Jena wiederum das Trikot des 1. FFC Frankfurt überstreifen wird. Leipzigs Cheftrainerin Claudia von Lanken, musste gleich zwei wichtige Leistungsträgerinnen der linken Seite ersetzen, die noch in Duisburg gegen Laudehr, Popp und Co. so stark gespielt hatten - die Verteidigerin Jobina Lahr und die Mittelfeldspielerin Gabriella Toth. Doch die Neuzugänge, die 19-jährige Jil Ludwig und die 22-jährige Ann-Katrin Schinkel, nutzten ihren Einsatz mit den Aufgaben so gut, dass die torgefährliche, im Vorjahr so trefferstarke Nationalspielerin Kerstin Garefrekes auch an diesem zweiten Spieltag zu keinem Torerfolg kam.
 
Verheddert
 
Nach anfänglicher Totalumklammerung durch die Frankfuter Offensive gelangen der aus der Tiefe spielende Leipziger Stürmerin Kathrin Patzke in der 33., 34 und 36. Minute ansatzweise gute Spielzüge, um Lücken ins Abwehrnetz Frankfurts zu reißen. Das temporäre Aufbäumen bekam gleichzeitig einen Dämpfer. In der 38. Minute erwischte Frankfurts Nationalspielerin und Verteidigerin Saskia Bartusiak einen verhedderten Ball im Leipziger Strafraum und schob ihn durch die vielbeinige Lok-Abwehr zum 1:0 Führungstor ins gegnerische Gehäuse. Dabei blieb es auch bis zur Halbzeit. Die knapp 1.700 Zuschauer beklatschten ihre Lok-Spielerinnen zur Pause, ein großer Torreigen des Pokalmeisters war verhindert worden. Und spieltechnisch und konditionell war man immer noch gut im Spiel. Während der Pause verweilte „Mädchen-Vorbild“ Kim Kulig seelenruhig alleine in kamerareifer Pose mit hochgestrecktem geschientem Bein und üppig gelocktem Haar stilgerecht auf der Mannschaftsbank, vertieft beim sms-sen mit ihrem wohl neuesten Handy. Das MDR-Kamerateam dokumentierte den recht amüsanten Vorgang für den 2.18 Minuten Bericht in der abendlichen Sportschau. 
 
Twitter
 
Nach dem Spiel stürzten zahlreiche Mütter mit Töchtern auf das Spielfeld, um von Angerer, Bajramaj und Co. die nicht gerade preiswerten Merchandising-Trikots der adidas Frauen-Nationalmannschaft und Getty Images Portraitfotos mit Autogrammen gegengezeichnet zu bekommen. Ein Zeichen dafür, dass der Frauenfußball bei jungen Mädchen sehr populär geworden ist. Eine andere Erfolgsfrau vom Main, die neue Vize-Weltmeisterin und US-Amerikanerin Alexandra Krieger bediente sich nach dem Sieg auf der Busfahrt der neuesten i-Phone Technik, um weltweit über den Kanal Twitter den Fans mitzuteilen: „On the way back to Frankfurt...we won 4:0 and I got my first goal of the season.“ Schon in der 57. Minute rätselte der Stadionsprecher nach der Torschützin, als eine Hereingabe Alexandra Kriegers einen abgefälschten unverhofften Torerfolg zum 2:0 ergab, wer die Torschützin wirklich war. Zuerst nannte man Garefrekes. Im DFB-Spielbericht stand dann der Name Krieger. Das MDR-Kamerateam dokumentierte den Fall und löste ihn. Nicht Krieger war es, sondern die Lok Verteidigerin Lysann Schneider hatte den Querpass von Krieger unglücklicherweise mit dem Schienbein abgefälscht.
 
Pfiffe
 
Dieses recht blöde Eigentor kam recht ungelegen für die erwartungsvolle Grundstimmung und starken Anfeuerungsrufe der Lok-Fans zu Beginn von Hälfte zwei. Vier Minuten später fiel die endgültige Entscheidung für Frankfurt. Die sonst uneffektiv spielende Fatmire Bajramaj zog eine Ecke in Loks Strafraum, der Ball segelte durch die unzähligen Beine, sodass wiederum die zufällig dastehende Bartusiak den zweiten Abwehrfehler ausnutzte. (61.) Auffällig war, dass Leipzig konditionell ebenbürtig war, dass aber beim Ausrücken aus der Defensive in die Offensive die Leipzigerinnen recht schnell ballverlustig wurden und eine Weltklassespielerin wie Melanie Behringer die Bälle abfangen konnte. Aus so einer Situation entstand auch ein super herausgespieltes Tor. Behringer nutzte ihre Chance und schoss platziert ins halblinke Eck zum 4:0 Endstand. (78.) Erwähnenswert waren die berechtigten Pfiffe gegenüber Bajramaj, die in der 62. Minute die Leipziger Spielführerin Anne van Bonn sehr unfair foulte, mit dem Ergebnis, dass die Kapitänin wahrscheinlich wegen einer Fußverletzung beim nächsten wichtigen Heimspiel gegen den Hamburger SV fehlen wird. Da immer noch die trickreiche Stürmerin Safi Nyembo mit schwerer Verletzung pausieren muss und eventuell operiert werden muss, ist nach zwei Saisonspielen der spielfähige Lok Kader um ein Lazarett mit Namen wie van Bonn, Lahr, Nyembo und Toth reduziert worden.
 
Trendsportart
 
Spielerin des Tages war mit Abstand bei Frankfurt Melanie Behringer, die schon bei der WM nicht durch Anzahl ihrer Werbeverträge auffiel, sondern durch Leistung. Bei Lok gefiel Ann-Katrin Schinkel, die pfälzische Fußballerin aus Baumholder, die ihre Koffer packte, als der Vorstand vom 1.FC Saarbrücken wieder vorgab, etwas von Frauenfußball zu verstehen, um am Etat zu sparen. Pechvogel des Tages war die Lok Frau Lysann Schneider, die es mit ihrem Eigentor Frankfurt leichter machte in einem doch sehr spannenden Spiel. Zahlreiche Lok-Fans, die bisher sonst nur die Spiele der Männermannschaft besucht haben, waren begeistert vom Abwehrkampf ihrer Frauenmannschaft gegen wohl Europas beste Vereinsmannschaft und versprachen zum nächsten Heimspiel wiederzukommen. Ein Beweis dafür, dass auch in einem von Männern geführten Verein, der bei den Mädchen in Mode gekommene und bei den TV-Zuschauern populär gewordene Frauenfußball seine Zukunft als eine Trendsportart haben wird. Der nächste Gegner Lok Leipzigs, der Hamburger SV verlor zu Hause gegen den FCR 01 Duisburg mit 2:0. Schon in der ersten Halbzeit konnten Simone Laudehr (5.) und Luisa Wensing (44.) den verdienten Sieg nach Hause fahren. Hamburg und Leipzig erleben in einer Woche das erste Endspiel um den Abstieg, ein Dreier wird dem Gewinner einen Punktevorsprung sichern.
 
Siegesfeier 
 
Volksfeststimmung entwickelte sich im Freiburger Mösle-Stadion. Familien, Rentner, Studenten und Nachwuchsfußballerinnen, die ins Mösle kamen, brachten dem Verein SC Freiburg 1.500 verkaufte Karten ins Vereinsbudget, sonst waren es meist nur 200 bis 300. Beobachter sprachen von einem enorm gesteigerten Interesse für den Frauenfußball in Freiburg. Der Aufsteiger besiegte den Fünften der vergangenen Bundesliga-Saison mit 3:1(1:2) und ließ sich anschließend von den Fans gebührend feiern. Die Freiburgerinnen begannen die erste Halbzeit mit hohem Tempo, vor allem Lydia Miraoui und Hasret Kayikci wirbelten die Bayern-Abwehr gehörig durcheinander. Freiburg kam zwar erst nach 20 Minuten zum ersten Schuss aufs Tor – diesen verwandelte Melanie Leupolz dann aber auch souverän. Bayern hätte zu dem Zeitpunkt schon führen können, wenn der SC nicht eine so starke Torfrau wie Marisa Brunner hätte. Die Schweizer Nationaltorhüterin war die Frau des Tages. Melanie Leupolz erzielte die ersten Treffer für die Gastgeberinnen (19./30.), ehe Ivana Rudelic verkürzte (37.). Für die Entscheidung sorgte Marina Makanza (58.).
 
Druck 
 
Die drei Punkte für den Aufsteiger Freiburg erhöhen Druck auf Abstiegskandidaten wie den Hamburger SV und Lok Leipzig, denn auch die Partie der SG Essen-Schönebeck und dem FF USV Jena endete mit einem Dreier der Essener Heimmannschaft durch ein spätes Tor von Vanessa Martini in der 90. Minute. Das Spiel endete 1:0 (0:0). Der Deutsche Meister Potsdam überzeugte am zweiten Spieltag mit einem 3:0 (2:0) bei Bayer Leverkusen. Die im Sommer verpflichtete WM-Teilnehmerin Genoveva Anonma (24.) mit ihrem dritten Saisontor und Nationalspielerin Bianca Schmidt (44.) brachten das Team von Trainer Bernd Schröder schon vor der Pause auf die Siegerstraße. Viola Odebrecht (84.) setzte den Schlusspunkt. Frankfurt und Potsdam führen die 1. Bundesliga an, beide haben sechs Punkte und ein Torverhältnis 7:0.


Ehrung von Conny Pohlers als Torschützenkönigin durch DFB Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg
Fotograf: Jan Kuppert
 
Klassenerhalt
 
Nachdem Conny Pohlers als Torschützenkönigin der vergangenen Saison geehrt worden war, begann die Partie ihres VfL Wolfsburg gegen den SC 07 Bad Neuenahr. Die Kontrahenten trennten sich 1:1 (0:1). Zunächst waren die Gäste am Zug. Ramona Petzelberger erzielte das 1:0 (10.). In der 78. Spielminute zeigte Pohlers ihre Klasse und glich aus. Die Mannschaft des favorisierten VfL Wolfsburg, der seinen Kader für diese Saison stark ausgebaut und qualitativ mit großen Namen verbessert hat, scheint mit diesem Unentschieden noch nicht seiner eigenen Erwartungshaltung entsprechen zu können. Für den SC Bad Neuenahr hingegen bedeutet sein zweites Unentschieden immerhin, schon zwei Punkte Abstand vor den vier Abstiegsaspiranten der Liga: FF USV Jena, Aufsteiger 1. FC Lok Leipzig, Bayer 04 Leverkusen und dem Schlußlicht Hamburger SV. Für den 1. FC Lokomotive Leipzig bedeutet das nächste Heimspiel gegen den Hamburger SV also ein erstes Endspiel für den Klassenerhalt. (PK)


Online-Flyer Nr. 317  vom 31.08.2011

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Von Kostas Koufogiorgos
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