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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Arbeit und Soziales
Hohe Jugendarbeitslosigkeit treibt weltweit Protestierende auf die Straßen
Um die Zukunft beraubt
Von Heike Langenberg

Die Jugend rebelliert. Aus Frankreich und Spanien werden anhaltende Proteste gemeldet. In mehreren englischen Städten gab es kürzlich des Nachts Unruhen, die mit Plünderungen und Brandstiftungen einhergingen. Schnell werden sie abgetan als Werk des ewig unzufriedenen Pöbels, der auch mal am Konsum teilhaben möchte. Warum sonst sollte sich der Zorn der nächtlichen Aktivist/innen in erster Linie in Plünderungen von Markenshops entladen?

Jugendproteste in Spanien
Quelle: www.trtdeutsch.com
 
Zahlen, die das Statistische Bundesamt Mitte August veröffentlicht hat, zeigen einen anderen Grund. In der EU sind 20,5 Prozent der 15- bis 24-Jährigen erwerbslos. Seit Beginn der Krise ist die Erwerbslosenquote unter jungen Menschen um mehr als fünf Prozentpunkte angestiegen. Deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt Spanien mit 45,7 Prozent, gefolgt von Griechenland mit 38,5 Prozent. Großbritannien liegt mit 19,6 Prozent knapp unter dem Durchschnitt, hat aber für die Krisenjahre einen Anstieg von knapp sechs Prozentpunkten zu verbuchen. Deutschland liegt mit 9,1 Prozent mit am Ende der Tabelle.
 
Die Generation, die sich wehrt, sieht sich in vielen Ländern um ihre Zukunft beraubt. Sie bekommt - wenn überhaupt - nur einen prekären Einstieg ins Berufsleben. Spekulanten setzen Länder wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Die Länder reagieren darauf mit Sparprogrammen, häufig auch bei der Bildung.
 
Chance auf Teilhabe sinkt
 
Ein Teufelskreis, denn ohne Bildung sinkt die Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weiter. Die jungen Menschen wollen Verantwortung übernehmen, bekommen aber keine Möglichkeit dazu. Die Politik sollte sich nicht nur um die kümmern, die bereits zu den Habenden der Gesellschaft gehören, sondern auch und erst recht um die, die am Anfang der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe stehen. Das ist längst nicht nur ein europäisches Problem.
 
In Chile protestieren Schüler/innen und Studierende seit Wochen. In Israel gingen tausende meist junger Menschen auf die Straße. Unzufriedenheit eint die Jugend weltweit. Wohlwollend werden sie von der westlichen Politik und den Medien dann erst betrachtet, wenn sie, wie in vielen arabischen Ländern, deren autoritäre Regierungen unter Druck setzen. Eskalieren die Proteste wie in Großbritannien, wird allein mit harten Strafen gedroht, mit der Kürzung von sozialen Leistungen.
 
Ein entschiedenes Umdenken der Politik fordert die ver.di Jugend. "Ein Wirtschaftssystem, das über 70 Prozent der Bevölkerung nur neun Prozent des gesellschaftlichen Reichtums beschert, hat grundsätzlichen Fehler", heißt es dazu auf der Website der ver.di Jugend.(1) Und: Statt neuer Rettungsschirme, von denen vor allem private Banken und Finanzmarktakteure profitieren, solle die Politik besser in Bildung investieren. (PK)
(1) https://jugend.verdi.de/news/jugend-ohne-zukunft
 
Diesen Beitrag haben wir von der Gewerkschaftszeitung http://www.verdi-news.de übernommen.


Online-Flyer Nr. 317  vom 31.08.2011

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