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Aktueller Online-Flyer vom 25. Juni 2016  

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Globales
Mehr als 30 Stunden in den Händen israelischer Flughafenkontrolleure
Bericht eines Palästina-Reisenden
Von Heiner Schmitz

Dieser Bericht eines Teilnehmers der Aktion "Willkommen in Palästina" wurde am Abend seiner Freilassung und endlich geglückten Einreise nach Palästina an seine Ehefrau geschrieben, die ihn der NRhZ zur Verfügung stellte. Heiner Schmitz war 13 Jahre lang Professor im Fachbereich Design an der Fachhochschule Dortmund, ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe "AnDer" und als Vorstandsmitglied des Mülheimer Kunstvereins fotografisch aktiv, wofür er 2009 den mit 5.500 Euro dotierten Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim erhielt. – Die Redaktion.


Professor Heiner Schmitz
Quelle: www.fh-dortmund.de
 
Schon zu Beginn der Reise am 8. Juli war einiges anders als sonst. Der Flug am vergangenen Freitag nach Frankfurt war noch normal, aber die Abfertigung von Frankfurt nach Tel Aviv fand schon in einer separaten Halle statt. Es war eine gewisse Nervosität zu spüren. Die Handgepäckkontrolle war sehr detailliert und gründlich. Eine meiner Kameras, ein Buch und eine Landkarte von Israel wurden neben meinen Schuhen einer besonderen Kontrolle unterzogen.
 
Der Start der Maschine war dann auch alles andere als normal. Kurz bevor die Maschine abheben wollte, gab es eine Vollbremsung und kurze Zeit später waren wir von Feuerwehrwagen umgeben, die die heiß gelaufenen Bremsen mit Wasser kühlten. Die Informationen über diesen Vorfall waren mehr als dürftig. Was danach passierte, kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Der Frankfurter Flughafen hat völlig versagt und es entwickelte sich eine fast neunstündige Verspätung. Davon waren wir über zwei Stunden in der Maschine, ohne zu wissen, was los war.
 
Inzwischen haben einige jüdische Passagiere die Maschine verlassen, weil sie ansonsten mit dem Sabbat in Konflikt gekommen wären. Dann kam die Nachricht, dass der Flughafen Ben Gurion für drei Stunden geschlossen wird. Angeblich gab es Unruhen und Handgreiflichkeiten mit Reisenden, die ähnlich wie einige in unserer Maschine dem Aufruf "Welcome to Palestine" gefolgt sind. Sie wurden angeblich von radikalen jüdischen Passanten am Flughafen bespuckt, beschimpft und geschubst. Kurze Ausschnitte gab es auch in den Nachrichten des Fernsehens.
 
Das Catering während der langen Wartezeit im Flugzeug und später im Flughafen war eine Katastrophe. Die Leute waren absolut überfordert und das Essen ging aus und es gab Bananen und Wasser. Die Nervosität stieg langsam, nur eine Gruppe junger Belgier sang ausgelassen und schien recht unberührt.
 
Der Start war dann statt um 10.15 Uhr endgültig um 18.00 Uhr. Eine Teilnehmerin hatte inzwischen von einer anderen Teilnehmerin, die über Wien nach Tel Aviv geflogen war, schlimmste Dinge gehört. Bei der Landung in Tel Aviv sind einige sofort verhört und arrestiert worden. sie hatte noch kurz die Möglichkeit, diese Nachricht zu geben, bevor man ihr das Handy abnahm. Wir waren deshalb sehr gespannt, ob uns das Gleiche blühen wird. Wir hatten inzwischen auch erfahren, dass heftige internationale Proteste in Israel gegen das Vorgehen der israelischen Behörden eingegangen sind.
 
Gegen 10.45 Uhr Ortszeit landeten wir in Tel Aviv. Schon in den Gängen zur Passkontrolle fielen die vielen Sicherheitsbeamten auf. Eine Teilnehmerin, die während des Fluges neben mir saß und eine der beiden anderen deutschen Teilnehmerinnen mit Kopftuch, wurden schon auf dem Weg zur Passkontrolle von einer Beamtin recht rabiat festgehalten. Wir sind natürlich alle stehen geblieben. Ein männlicher Beamter erreichte nach kurzem Streit mit seiner Kollegin, dass sie bis zur Passkontrolle weitergehen konnten. An den Passkontrollschaltern verlief die Prozedur eigentlich recht unaufgeregt. Allerdings kam hier schon die Frage, ob man beabsichtige, die palästinensischen Gebiete zu besuchen. Nach der Bejahung wurden einfach die Pässe einbehalten und Beamte standen plötzlich hinter einem und man wurde in einen separaten Warteraum geführt. Dieser Raum war ca. 25 qm groß, bestuhlt allerdings nur für ca. 20 Personen, so dass nach einer Zeit wenigstens 10 Personen stehen mussten, da vier Sicherheitsbeamte zusätzlich im Raum verteilt waren. Dieser Warteraum war scheinbar extra für unseren Empfang eingerichtet worden.
 
Es gab keinerlei Erklärungen, warum wir festgehalten wurden. Die Stimmung war anfangs noch recht locker, weil bis dahin noch keine unmittelbare Aggressivität zu spüren war. Es gab eine kurze Unterhaltung zwischen meinem Nachbarn mit norwegischer Staatsangehörigkeit und palästinensischer Herkunft und einem der Sicherheitsbeamten, die zu Heiterkeit betrug: "He, man, do you remember me?" "No, who are you?" "I am the person you arrested last year." Kein weiterer Kommentar.
 
Es wurden die ersten von uns zu Einzelbefragungen aufgerufen und in einen anderen Raum geführt und kamen nicht wieder zurück. Das machte verständlicherweise Unruhe in unserem Warteraum und ließ nichts Gutes ahnen. Kurz vor 24.00 Uhr wurde ich aufgerufen. In dem Raum, in den ich geführt wurde, waren fünf oder sechs Beamte, unter ihnen auch der Chief Officer. Er machte auch die Befragung und wollte natürlich wissen, was ich in Israel vorhätte. Ich habe auch wahrheitsgemäß geantwortet und gesagt, dass ich nicht nur Israel besuchen wolle, sondern auch die palästinensischen Gebiete und dass ich von der Friedensaktion weiß und diese mich auch wegen meiner Tätigkeit als Bildjournalist interessiert. Außerdem wollte ich einige Tage einen guten Freund in Ramallah besuchen. Zu meiner Überraschung sagte er plötzlich: "Welcome to Israel" und fügte noch in einem Nachsatz an: "Don`t visit the Palestinian area" und gab mir meinen Pass. Ich konnte gehen. Ich habe mein Handgepäck aus dem Warteraum geholt und den noch Anwesenden gesagt, dass ich meinen Pass habe und gehen kann.
 
Die böse Überraschung kam dann am Gepäckband. Mein Koffer war nicht dabei. Ich musste also am Schalter Lost and Found die entsprechenden Formalitäten erledigen und das Ganze zum Schluss vom Zoll abstempeln lassen. Das ganze hat ca. eine halbe Stunde in Anspruch genommen und meine Freude über meinen Pass war wieder sehr gedämpft. Denn als ich schon zum Ausgang wollte, wurden wieder viele Gepäckstücke auf das Band befördert. Man sagte mir, dass das Gepäckstücke einer Air France Maschine seien. Überraschenweise war mein Koffer dabei. Ich habe nicht weiter nachgefragt, wie das sein kann, sondern war nur glücklich jetzt endlich alles zu haben und den Flughafen verlassen zu können. Es konnte also losgehen.
 
Wie, war allerdings nicht klar, denn wir hatten schon in Frankfurt erfahren, dass die Israelis verhindert haben, dass die Palästinenser mit Bussen zum Flughafen kommen, um uns abzuholen, um uns nach Bethlehem zu bringen. In der Empfangshalle war neben auffallender Präsenz von Sicherheitsbeamten auch ein Team vom ARD, das seit Stunden auf unsere Ankunft wartete. Ich war der erste der deutschen Teilnehmer, den sie sahen. Es wurde ein kurzer Dreh und ein Interview mit mir gemacht. Irgendwer aus der ARD-Gruppe fragte, was ich denn für einen Stempel in meinen Pass bekommen hätte. Ich hatte in meiner Begeisterung endlich rauszukommen, überhaupt nicht nachgesehen und musste jetzt feststellen, dass man mir keinen Einreisestempel in meinen Pass gemacht hatte. Das hieß, ich musste zurück, um mir diesen Stempel geben zu lassen, um nicht bei der Ausreise Schwierigkeiten zu bekommen. Über die Information in der Empfangshalle habe ich nach langem Reden erreicht, dass mich an der ersten Absperrung jemand abholte und zur Passkontrolle bringen sollte. Der Chief Officer kam persönlich und war extrem freundlich, was ihn mehr als verdächtig machte. Ich hatte tatsächlich geglaubt, dass ich zur Passstelle gebracht würde. Tatsächlich bogen wir plötzlich ab und gingen durch einen längeren düsteren Gang, an dessen Ende eine Gruppe von Soldaten stand. Ich wurde schlicht übergeben und anschließend recht rüde durch eine Tür nach draußen befördert.
 
Draußen stand ein grüner Gefängnisbus, dessen Gepäckklappe offen stand. Ich wurde aufgefordert, alle Taschen zu leeren und all meine Habseligkeiten incl. dem Handy ins Handgepäck zu legen und alles im Gepäckraum zu verstauen. Anschließend wurde ich gepackt und in das Fahrzeug befördert. Drinnen war es sehr düster. Es gab schmale Zellen, aus denen ich deutsche und französische Stimmen hörte. Ich kam in eine Zelle (Breite 75cm, Länge 350cm, Höhe knapp 180cm). Wir waren darin zu sechst, vier Deutsche und zwei Belgier.
 
Ich glaube, dass es inzwischen etwa 1.00 Uhr nachts war. Die Belgier sind eine sehr große Gruppe mit jungen Teilnehmer und Teilnehmerinnen zwischen 25 und Ende 30 Jahren. Diese Zelle war bisher das Schlimmste, was ich auf all meinen Reisen erlebt habe. Dagegen waren Verhaftungen der Geheimpolizei in Libyen oder Syrien ein Kinderspiel. Die Israelis verstehen es Druck auszuüben.
 
Ich weiß nicht, wie viel Grad wir in der Zelle hatten. Es war heiß und stickig. Und eng, so dass man die Beine nicht richtig ausstrecken konnte. Gerade mit meinem neuen Knie hatte ich massive Schwierigkeiten. Die Solidarität unter uns war sehr gut und jeder versuchte es dem anderen leichter zu machen, indem man sich etwas bewegen konnte, um die eingepferchte Situation überhaupt ertragen zu können. Der Ruf aus allen Zellen nach Wasser, der immer wieder durch Ohren betäubendes Hämmern gegen die metallenen Zellenwände unterstrichen wurde, wurde erst nach anderthalb Stunden erhört. Uns wurden kleine Wasserflaschen in die Zellen geworfen. Gegen 3.00 Uhr kam eine Beamtin und nahm noch einmal die Personalien auf, weil wir angeblich jetzt weggebracht würden, um schlafen zu können. Die Zelle wurde immer unerträglicher, und man hatte das Gefühl, dass die Hitze zunahm. Immer wieder wurde in Sprechchören nach einem Kontakt mit den verschiedenen Botschaften und Anwälten gerufen, natürlich ohne jede Resonanz.
 
Ich weiß nicht, wann dieser Wagen und diese Zellen das letzte Mal gereinigt wurden. Unsere Zelle war völlig versifft und in den anderen wird es nicht anders ausgesehen haben. Die Hände waren inzwischen schwarz von dem schmierigen und klebrigen Dreck, der alles im Raum bedeckte. An einigen Stellen hatten Vorbewohner in den grünlichen Lack "Free Palestine" geritzt. Seit einer Stunde konnte man das Rufen von Frauen hören, dass zwei Personen in der Zelle dringend zur Toilette müssten. Scheinbar dauerte es eine Stunde, bis dieser Wunsch erfüllt wurde. Dann kam irgendwie Unruhe auf und es schien loszugehen. Über Stunden schienen die Soldaten den Erfolg der Arrestierung von uns zu feiern. Es kam jemand, der an die Soldaten rote Rosen verteilte.
 
Inzwischen war es 4.30 Uhr nachts und der erste Versuch, den Motor des Busses zu starten wurde unternommen. Es folgten noch unzählige Versuche, die aber alle nicht zum Erfolg führten, weil scheinbar die Batterie völlig leer war. Nach einer halben Stunde konnte man ein Warnblinklicht sehen, wohl von einem Werkzeugwagen, der unseren Bus in Bewegung bringen sollte. Gegen 5.00 Uhr morgens war es endlich geschafft, unser Bus setzte sich in Bewegung und wir hatten die Hoffnung, endlich schlafen zu können. Die Fahrt in der engen Zelle war besonders unangenehm. Der Wagen fuhr mit sehr hoher Geschwindigkeit und durch einen kleinen Schlitz in der äußeren Blechwand konnten wir etwas von der vorbei fliegenden Landschaft sehen. Nach einer dreiviertel Stunde wurde die Landschaft sehr karg, und ich hatte das Gefühl, dass wir schon in der nördlichen Negev wären. Das sollte sich dann später auch als richtig herausstellen, denn man brachte uns zu einem riesigen neu richteten Gefängnis bei Beer Sheva.
 
Es war eine lange Fahrt, die am neunten Juli gegen 7.00 Uhr vor dem ersten Tor des Gefängnisses endete. Dann öffnete sich auch das zweite große Tor und kurze Zeit später standen wir vor einem großen Gebäude, in dem sich die Gefangenenaufnahme befand. Wir wurden ausgeladen und mit 11 jungen Belgiern in einen ca. 15 qm großen Raum gebracht und eingeschlossen. An unser Gepäck durften wir nicht ran. In dem Raum gab es eine steinerne Bank, auf der 5 Personen sitzen konnten, alle anderen mussten auf dem Boden sitzen. Die Jüngeren ließen die Älteren, wie mich, auf der Bank sitzen. Es gab eine notdürftig zu schließende Toilette im Raum, die aufgrund der langen Wartezeit verständlicherweise heftigst benutzt wurde. Alle im Raum waren todmüde und die jüngeren unter uns bedeckten nach kurzer Zeit den gesamten Steinfußboden und versuchten etwas zu schlafen. Im Raum stand eine Kiste mit Äpfeln und Pflaumen. Außerdem hatte man uns Wasser in den Raum gestellt.
 
Gegen 8.00 Uhr haben wir geschellt und darum gebeten, dass drei Personen dringend an ihr Gepäck müssten, um notwendige Medikamente einzunehmen. Dem wurde erst nach über einer Stunde entsprochen, obwohl dieser Wunsch alle zehn Minuten über eine Lautsprecheranlage wiederholt wurde. Auch in diesem Raum wurde es langsam unerträglich, weil es keine Frischluftzufuhr gab. Es war aber nicht so schlimm wie in dem Gefängnisbus. Gegen 10.00 Uhr wurden wir einzeln herausgeholt. Wir sollten in einem recht großen Gepäckraum unsere Gepäckstücke identifizieren und wurden anschließend zu einer weiteren Leibesvisitation geführt. In unserem Beisein wurde das gesamte Gepäck ausgepackt und alle wertvolleren Dinge wie Kameras, Speichergeräte, Speicherkarten, Sprachcomputer, Handys usw. wurden aussortiert und in Plastiktüten gepackt und gelistet. Die Liste mussten wir auf Richtigkeit abzeichnen. Diese Sachen wurden dann in Verwahrung genommen. alles andere kam wieder in die Gepäckstücke.
 
Dann ging es in einen weiteren Warteraum, wo sich alle Männer sammelten. Die Frauen waren scheinbar schon vor uns weggebracht worden. Wir wurden dann über ein freies Gelände an einigen Gefängnisbauten vorbei in das letzte Gebäude Nr.4 auf der linken Seite gebracht. Als wir auf unserem Weg dorthin am Gebäude Nr. 3 auf der rechten Seite vorbeikamen, riefen uns einige der Frauen durch die vergitterten Fenster etwas zu. Es war wie in einem schlechten Film. Das Gebäude war wie ein Hochsicherheitstrakt und wirkte sehr neu und recht modern. Durch längere Gänge erreichten wir eine Halle, in deren Mitte einige fest installierte Tische und Stühle waren. Ringsherum waren Viermann-Zellen angelegt. Alles wirkte sehr sauber. Wir verteilten uns auf die Zellen, die anschließend nicht abgeschlossen wurden, sodass man jederzeit in die Halle treten konnte, wo auch an einer Seite die Duschräume waren.
 
Auf jedem Bett lag ein Plastikbeutel mit einem Betttuch, einer Unterhose, einem Unterhemd, einem Stück Seife, einer Zahnbürste und Zahnpasta, einem Trainings -Schlafanzug und einem Plastiktablett für die Mahlzeiten mit einem Löffel. Es war ein sehr eigenartiges Frühstück in der Halle für uns vorbereitet, aber eigentlich wollten wir nur noch schlafen. Stattdessen gab es wieder Einzelgespräche mit einem Sozialarbeiter, der wissen wollte, wie es einem gehe. Es war schon der gewisse Hohn, der in dieser Situation lag. Dann ein Gespräch mit einem Arzt, der auch wissen wollte, wie wir uns gesundheitlich fühlten und ob wir Medikamente benötigten. Die Müdigkeit wurde unerträglich, man taumelte eigentlich nur noch durch die Gegend. Ich war gerade dabei, mein Bett zu beziehen, als wir wieder in die Halle gerufen wurden. Uns wurde mitgeteilt, dass wir wieder in das vordere Gebäude gebracht würden, da zwei Damen des deutschen Konsulats dort auf uns zu Einzelgesprächen warteten. 
 
Meine Gesprächspartnerin hat alles protokolliert, was ich ihr berichtet habe und mir zugesagt, dass meine Frau verständigt und ihr auch gesagt würde, dass es mir den Umständen entsprechend gut gehe. Das ist dann scheinbar auch geschehen. Sie sagte außerdem, dass die Botschaft davon ausgehe, dass wir alle in den kommenden ein bis zwei Tagen über den Flughafen Ben Gurion abgeschoben würden und außerdem einen Stempel in unseren Pass bekämen, der eine Einreise nach Israel in den nächsten zehn Jahren unmöglich mache. Da das im September zu erwartende Palästina keinen Flughafen mehr hat, da der Flughafen in Raffah im Gazastreifen von den Israelis zerstört wurde, würde das bedeuten, dass Menschen mit einem solchen Pass auch Palästina in Zukunft nicht mehr erreichen können, da Israel sich die Sicherung der Grenze zu Jordanien vorbehält und auch in Zukunft kontrollieren wird. Da wir nicht gemeinsam wieder zurück gebracht wurden und ich mich in der letzten Gruppe befand, erreichte ich gegen 13.00 Uhr wieder die Halle in unserem Gebäude, wo in der Zwischenzeit das Mittagessen ausgeteilt worden war.
 
Obwohl ich auch Hunger hatte, war mir der Schlaf viel wichtiger, aber vorher wollte ich erst einmal gründlich duschen. Ich wollte gerade mein Vorhaben in die Tat umsetzen, als es plötzlich hieß, es sei eine Delegation vom Immigration Office eingetroffen, um mit uns noch einmal Einzelgespräche zu führen. Es war etwa 13.30 Uhr als ich als Erster aufgefordert wurde, einem Beamten in ein kleineres Büro zu folgen. Diese Befragung fand mit vier Sicherheitsdienstlern statt, wobei der Chief Officer auch wieder dabei war, der im Flughafen so ein übles Spiel mit mir getrieben hatte. Eigentlich waren es immer die gleichen Fragen. Man war aber recht freundlich und mir wurde ein Papier hingeschoben, das in Hebräisch verfasst war. Ich habe mich natürlich geweigert, dieses Papier zu unterschreiben. Man bot mir die Freilassung an, wenn ich bereit sei, nicht die palästinensischen Gebiete zu bereisen. Wenn ich nicht unterschreiben würde, würde ich in Kürze abgeschoben. Das habe ich kategorisch abgelehnt, weil ich u.a. auch Israel besuchen wollte, einen guten Freund in Ramallah habe und außerdem als Bildjournalist mir nicht nur in Israel, sondern auch in den palästinensischen Gebieten fotografische Aufgaben gestellt hätte.
 
Man bat mich, wieder aus dem Büro zu gehen, man wolle ein neues Papier vorbereiten und würde mich wieder rein rufen. Inzwischen wurde versucht, auch andere von uns zu überreden, Papiere zu unterschreiben. 39 Stunden ohne Schlaf haben dazu geführt, dass man überall, wo man etwas zur Ruhe kam, einzunicken drohte und eigentlich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Gegen 15.00 Uhr wurde ich nochmal in das Büro gerufen. Jetzt wurde mir ein Papier hingeschoben, das in Hebräisch und Englisch verfasst war. Mit einer Unterschrift würde ich versichern, dass ich in keiner Situation israelisches Militär beschimpfen oder sogar gewalttätig attackieren würde. Da das nie meine Absicht war, habe ich das Papier unterschrieben, aber nicht bevor ich nochmals betont hatte, dass ich in jedem Falle auch in die palästinensischen Gebiete fahren würde.
 
Das wurde dann auch so akzeptiert. Mir wurde dann nur noch gesagt, dass ich meine Sachen packen solle und innerhalb der nächsten ein bis zwei Stunden wieder frei sei und zum Busbahnhof nach Beer Sheva gebracht würde. Die anderen Teilnehmer haben sich unterschiedlich verhalten. Die Belgier haben geschlossen verweigert, etwas zu unterschreiben und ein Teil von ihnen wollte in einen Hungerstreik treten. Ein deutscher Teilnehmer hat ebenfalls unterschrieben und kam mit mir frei. Was aus den anderen geworden ist, weiß ich nicht genau, habe aber gehört, dass alle am Sonntag (10.07.) mit dem besagten Stempel abgeschoben wurden. Um 16.30 Uhr erfolgte noch eine sehr umständliche und zeitaufwändige Abwicklung der Rückgabe der gelagerten Wertgegenstände. Um 17.30 Uhr ging es dann in einem gepanzerten Fahrzeug endlich nach Beer Sheva und dann mit Sammeltaxen über Tel Aviv nach Jerusalem, wo ich um 22.00 Uhr eintraf und glücklicherweise auch ein schönes kleines Hotel in der Altstadt fand.
 
Ich habe bestimmt trotz meiner Ausführlichkeit einiges vergessen, wünsche mir, Interesse für diese Geschichte geweckt zu haben und werde am 23. Juli wieder im Lande sein. Herzliche Grüße. (PK)


Online-Flyer Nr. 311  vom 20.07.2011

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Von Kostas Koufogiorgos
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