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Aktueller Online-Flyer vom 17. November 2018  

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Globales
Hintergrundinformationen zur konterrevolutionären Rolle der Saudis in Nahost
Der Clan der Sudairi – Teil 1
Von Thierry Meyssan

Ein Saudi-Arabischer Clan, die Sudairi, steht im Mittelpunkt der konterrevolutionären Welle, die im Nahen Osten von den Vereinigten Staaten und Israel ausgelöst worden ist. In einer umfassenden Übersicht, die in Fortsetzung in der wichtigsten russischen Tageszeitung erschien, zeichnet Thierry Meyssan von Damaskus aus das allgemeine Bild der Widersprüche, welche die Region bewegen.


G.W. Bush und Kronprinz Abdullah – inzwischen König von Saudi-Arabien
Quelle: http://de.academic.ru
  
In wenigen Monaten, sind drei pro-westliche Regierungen in der arabischen Welt gefallen: Das Parlament im Libanon hat die Regierung von Saad Hariri gestürzt, währen die Volksbewegungen in Tunesien Zine el-Abbidine Ben Ali verjagt und danach in Ägypten Hosni Mubarak verhaftet haben. Diese Regimewechsel sind von Protesten gegen die Vorherrschaft der Vereinigten Staaten und des Zionismus begleitet. Sie profitieren politisch von der Achse des Widerstands, die auf staatlicher Ebene von Iran und Syrien und auf innerstaatlicher Ebene durch Hezbollah und Hamas gebildet wird. Um die Konterrevolution in dieser Region zu betreiben, haben Washington und Tel Aviv an ihre beste Stütze appelliert: den Clan der Sudairi, der mehr als alles andere den Despotismus im Dienste des Imperialismus verkörpert.
 
Die Sudairi
 
Sie haben vielleicht noch nie davon gehört, aber die Sudairi stellen seit Jahrzehnten die reichste politische Organisation der Welt dar. Die Sudairi, das sind unter den dreiundfünfzig Söhnen des Königs Ibn Saud, des Gründers von Saudi Arabien, die sieben, die von der Prinzessin Sudairi geboren wurden. Ihr führender Kopf war König Fahd, der von 1982 bis 2005 regierte. Seit seinem Tode sind sie nur noch sechs. Der älteste ist der Prinz Sultan, seit 1962 Verteidigungsminister, 85 Jahre alt. Der jüngste ist der Prinz Ahmed, seit 1975 stellvertretender Innenminister, 71 Jahre alt. Seit den 60er Jahren ist es ihr Clan, der die pro-westlichen Marionettenregimes des "Großen Mittleren Ostens“ organisiert, strukturiert und finanziert hat. Hier ist zunächst eine historische Rückschau unerlässlich.
 
Saudi Arabien ist eine juristische Einheit, die während des ersten Weltkriegs von den Briten geschaffen wurde, um das Ottomanische Reich zu schwächen. Obwohl Lawrence von Arabien das Konzept der "arabischen Nation“ erfunden hat, ist es ihm nie gelungen, aus diesem neuen Land eine Nation zu machen, und noch viel weniger einen Staat. Es war und ist immer noch das Privateigentum der Saudis. Wie im 21. Jahrhundert die gerichtliche Untersuchung im Al-Yamamah-Skandal gezeigt hat, gibt es immer noch keine Bankkonten oder einen Haushalt des Königsreichs; Es sind die Konten der königlichen Familie, die der Verwaltung ihres privaten Bereichs dienen.
 
Ende des zweiten Weltkriegs, als das Vereinigte Königreich nicht mehr die Mittel zur Aufrechterhaltung seines eigenen Imperiums hatte, geriet dieses Territorium unter die Oberherrschaft der Vereinigten Staaten. Präsident Franklin D. Rosevelt schloss mit König Ibn Saud einen Vertrag: Die Familie der Saudis garantierte die Öl-Versorgung der Vereinigten Staaten, im Gegenzug gewährten diese die nötige Militärhilfe, um die Saudis an der Macht zu halten. Diese Allianz ist unter dem Namen Quincy-Vereinbarung bekannt, denn sie wurde an Bord eines Kriegsschiffs dieses Namens ausgehandelt. Es ist eine Vereinbarung, kein Vertrag, weil sie nicht zwei Staaten gegenseitig bindet, sonder einen Staat und eine Familie.
 
Die Quincy-Vereinbarung bindet die USA und die Familie der Saudis
 
Da der Gründer-König, Ibn Saud, 32 Gattinnen und 53 Söhne hatte, blieben eines Tages ernste Rivalitäten unter den potentiellen Nachfolgern nicht aus. Schließlich wurde entschieden, dass die Krone nicht vom Vater auf den Sohn überging, sondern von Halbbruder zu Halbbruder. Fünf Söhne Ibn Sauds haben den Thron schon bestiegen.
 
Der heutige König, Abdullah der Erste, 87 Jahre alt, ist ein eher aufgeschlossener Mann, wenngleich völlig abgehoben von den gegenwärtigen Realitäten. In dem Bewusstsein, dass das gegenwärtige dynastische System seinem Untergang entgegen geht, möchte er die Nachfolge-Regelungen reformieren. Der Souverän sollte von einem Rat des Königreichs bestimmt werden, d.h. von Vertretern der verschiedenen Zweige der königlichen Familie, und er sollte einer jüngeren Generation angehören.
 
Diese weise Idee ist der Sache der Sudairi nicht dienlich. Denn die drei nächsten Thronprätendenten gehören unter Berücksichtigung verschiedener Thronverzichte, die aus Gründen der Gesundheit oder bedingt durch Neigung zu privater Genusssucht erfolgten, tatsächlich dem Clan an: Der schon erwähnte Prinz Sultan, Verteidigungsminister, 85 Jahre alt, der Prinz Nayef, Innenminister, 78 Jahr alt, und der Prinz Salman, Gouverneur von Riad, 75 Jahr alt. Sollt die neue dynastische Regel angewandt werden, wäre sie zu ihrem Schaden.
 
Verständlich also, dass die Sudairi, die ihre Halbbrüder nie im Herzen getragen haben, König Abdallah inzwischen hassen. Verständlich auch, dass sie sich entschlossen haben, ihre ganze Kraft in die gegenwärtige Schlacht zu werfen.
 
Prinz Bandar und sein "Bruder“ George W. Bush
 
Ende der 70er Jahre wurde der Clan der Sudairi von dem Prinzen Fahd geleitet. Er bemerkte die seltenen Qualitäten des Prinzen Bandar, eines Sohnes seines Bruders Sultan. Er schickte ihn zu Verhandlungen über Waffenlieferungsabkommen nach Washington und schätzte seine Art, Präsident Carter den Vertrag abzuhandeln.
 
Als Fahd im Jahre 1982 den Thron bestieg, machte er Prinz Bandar zum Mann seines Vertrauens. Er ernannte ihn zum Militärattaché und später zum Botschafter in Washington. Diesen Posten bekleidete er während der ganzen Regierungszeit Fahds bis zu seiner brutalen Absetzung durch König Abdullah im Jahre 2005.
 
Prinz Bandar, Sohn des Prinzen Sultan und einer libyschen Sklavin, eine brillante Persönlichkeit und ohne Skrupel, hat sich trotz des seiner mütterlichen Herkunft anhaftenden Makels innerhalb der königlichen Familie durchzusetzen verstanden. Er ist heute der aktive Arm der Gerontokraten des Sudairi-Clans.
  

Prinz Bandar bin Sultan
Quelle: wikipedia
Während seines langen Aufenthalts in Washington hat Prinz Bandar freundschaftliche Bande zur Familie Bush geknüpft, insbesondere zu George H. Bush, mit dem er unzertrennlich war. Bush stellt ihn gern als einen Sohn vor, den er gern gehabt hätte, was ihm in der US-Hauptstadt den Spitznamen „Mister Bandar Bush“ einbrachte. Was George H. – früherer Direktor der CIA, dann Präsident der Vereinigten Staaten – an ihm am meisten schätzte, war seine Neigung zu Geheimaktionen.
 
„Mister Bandar Bush“ erhielt Zugang zu den höchsten Kreisen der Gesellschaft der Vereinigten Staaten. Er ist ebenso Administrator auf Lebenszeit des Apsen-Instituts (einflussreiches Dialog-Forum für globale Fragen/Anm.d.Ü.) wie Mitglied des Bohemian Grove (kulturell ambitionierter Club der Geldmachtelite/Anm.d.Ü.). Die britische Öffentlichkeit entdeckte seine Existenz im Zusammenhang mit dem Al-Yamamah-Skandal: Dabei ging es um den größten Rüstungsliefervertrag der Geschichte und zugleich die bedeutendste Korruptionsaffäre. Im Laufe von etwa zwanzig Jahren (1985-2006) verkaufte British Aerospace, bald in BAE Systems umbenannt, für 80 Mrd. Dollar Rüstungsgüter an Saudi Arabien und überwies dabei einen Teil dieses Manna zurück auf Bankkonten Saudi arabischer und wahrscheinlich auch britischer Politiker, davon 2 Mrd. Dollar allein für Prinz Bandar.
 
Seine Hoheit hat eben viele Ausgaben. Prinz Bandar übernahm auf sein Konto viele arabische Kämpfer, die im Kalten Krieg von den Geheimdiensten Saudi Arabiens und Pakistans rekrutiert wurden, um auf Wunsch von CIA und MI6 in Afghanistan gegen die Rote Armee zu kämpfen. Die bekannteste Figur dieses Milieus war niemand anderes als der zum jihadistischen Guru mutierte anti-kommunistische Milliardär Osama Bin Laden.
 
Es ist unmöglich, genau zu sagen, über wie viel Leute Prinz Bandar verfügt. Im Laufe der Zeit sieht man seine Hand in vielen Konflikten und Terrorakten in der islamischen Welt von Marokko bis ins chinesischen Xinjiang. Man erinnere sich beispielsweise an die kleine Armee, die er unter dem Namen Fatah al-Islam in das libanesische Palästinenserlager in Nahr el Bared eingeschleust hatte. Diese Kämpfer hatten den Auftrag, die mehrheitlich sunnitischen palästinensischen Flüchtlinge aufzuwiegeln, ein unabhängiges Emirat auszurufen und die schiitische Hezbollah zu bekämpfen. Die Sache ging schief, die Gehälter der Söldner waren nicht rechtzeitig gezahlt worden. Schließlich, 2007, verschanzten sich die Männer des Prinzen Bandar im Lager. 30.000 Palästinenser mussten fliehen, zwei Monate lang musste sich die libanesische Armee eine Schlacht liefern, um das Lager wieder einzunehmen. Die Operation kostete das Leben von 50 Söldnern, 32 palästinensischen Zivilisten und 68 libanesischen Soldaten.
 
Anfang 2010 zettelte Bandar einen Staatstreich an, um König Abdullah zu stürzen und seinen eigenen Vater, Prinz Sultan, auf den Thron zu setzen. Das Komplott wurde entdeckt, und Bandar fiel in Ungnade, ohne jedoch seine offiziellen Titel zu verlieren. Aber Ende 2010 verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Königs und seine chirurgischen Operationen wurden häufiger; die Sudairi gewannen wieder die Oberhand und konnten mit Unterstützung der Regierung Obama seine Rückkehr durchsetzten.
 
Der saudisch-libanesische Doppelstaatler Saad Hariri hat sich den Sudairi angeschlossen. Als abgewählter libanesischer Premierminister blockiert er seit drei Monaten die Bildung einer neuen Regierung und führt die laufenden Geschäfte weiter.
 

Doppelstaatler Saad Hariri
Quelle: Wikipedia
Saad Hariri hatte dem König im Krankenhaus in Washington einen Besuch abgestattet und ein wenig zu schnell geschlossen, dass dieser im Sterben lag, worauf er sich den Sudairi anschloss. Hariri ist Saudi, in Riad geboren, aber im Besitz der doppelten Staatsan-gehörigkeit. Er erbte sein Ver- mögen von seinem Vater, der alles den Saudis verdankte. Er ist daher dem König verpflichtet und auf dessen dringende Bitte war er Premierminister des Libanon ge- worden, wobei man sich hinsicht- lich seiner Fähigkeit, den Posten einzunehmen, im US-Außenmi-nisterium der USA Fragen stellte.
 
Solange er auf König Abdullah hörte, begann Saad Hariri, sich mit Präsident Bashar al-Assad zu versöhnen. Er nahm die Beschuldigungen zurück, die er im Bezug auf den Mord an seinem Vater, Rafik el-Hariri, gegen ihn ausgesprochen hatte, und bedauerte, manipuliert worden zu sein, künstlich Spannung zwischen Libanon und Syrien zu schaffen. Als Saad sich den Sudairi anschloss, machte er eine politische Kehrtwendung. Von einem Tag auf den anderen sagte er sich von der Befriedungspolitik des Königs Abdullah gegenüber Syrien und der Hezbollah los und setzte sich für eine Offensive gegen das Regime Bashar al-Assad und für die Entwaffnung der Hezbollah und einen Kompromiss mit Israel ein.
 
Indessen erwachte König Abdullah aus seinem halb-komatösen Zustand und verlangte unverzüglich Rechenschaft. Ohne unverzichtbare saudische Unterstützung wurden Hariri und seine Regierung zu Gunsten eines anderen bi-nationalen Milliardärs, Najib Mikati, der weniger auf Abenteuer aus ist, vom libanesischen Parlament gestürzt. Zur Strafe leitete König Abdullah eine Steuerfahndung gegen die bedeutendste Firma der Hariri in Saudi Arabien ein und ließ mehrere seiner Mitarbeiter wegen Betrugs verhaften.
 
Die Legionen der Sudairi
 
Die Sudairi beschlossen, an allen Fronten eine Konterrevolution einzuleiten. In Ägypten, wo sie mit einer Hand das Mubarak-Regime, mit der anderen die Moslembrüder finanzierten, haben sie inzwischen eine Allianz zwischen der Bruderschaft und pro-amerikanischen hohen Militärs durchgesetzt. Diese neue Koalition hat sich die Macht geteilt und die Führer der Revolution vom Tahrir-Platz ausgeschlossen. Sie lehnte es ab, eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen und gab sich mit minimalen Verfassungsänderungen zufrieden.
 
Als erstes erklärte sie den Islam zur Staatsreligion, zu Lasten der christlichen Minderheit der Kopten (ungefähr 10%), die von Hosni Mubarak unterdrückt worden waren und in Massen gegen ihn mobilisiert hatten. Ferner rief Doktor Mahmoud Izzat, die Nummer Zwei der Brüder, zu einer schnellen Einführung der Scharia und der Wiedereinführung der islamischen Strafen auf. Der Sprecher der Moslembrüder in Ägypten, Essam Elarian, konzentriert seine Wahlkampagne nicht auf die Außerkraftsetzung der Camp-David-Abkommen sondern auf die Kriminalisierung der Homosexualität. Seiner Meinung nach, ist ein muslimischer Staat, selbst wenn die Mehrheit der Bevölkerung dieses "Laster“ akzeptiert, verpflichtet, es nach der Scharia zu unterdrücken.
 
Dem jungen Waël Ghoneim, der eine führende Rolle beim Sturz des Tyrannen gespielt hatte, wurde bei der Siegesdemonstration am 18. Februar mit fast 2 Millionen Menschen das Podium untersagt. Stattdessen äußerte sich lang und breit der Starprediger der Brüder, Youssef al-Qardawi, der nach 30 Jahren aus dem Exil in Katar zurückgekehrt ist. Er, dem Gamal Abdel Nasser die ägyptische Staatsbürgerschaft aberkannte, spielte sich als Verkörperung der neuen Ära auf, der Ära der Scharia und der friedlichen Koexistenz mit dem zionistischen Regime von Tel Aviv.
 
Nobelpreisträger Mohammed el-Baradeï, den die Moslembrüder während der Revolution als ihren Sprecher ausgesucht hatten, um sich ein offenes Image zu geben, wurde während des Verfassungsreferendums von denselben Moslembrüdern angegriffen und von der politischen Szene entfernt.
 
Die Moslembrüder vollzogen ihr reguläres Erscheinen auf der politischen Szene mit der Gründung der Partei der Freiheit und Gerechtigkeit, die von der US-amerikanischen Nationalen Stiftung für Demokratie (NED) unterstützt wird und das Image der türkischen AKP imitiert. (In Tunesien hat man bei der Partei der Renaissance dieselbe Strategie gewählt.)
 
In diesem Zusammenhang kam es zu Gewaltakten gegen religiöse Minderheiten. So wurden zwei koptische Kirchen niedergebrannt. Weit davon entfernt die Angreifer zu bestrafen, gab ihnen der Premierminister eine Gewähr für seine Einstellung: Er entließ den von ihm gerade ernannten Gouverneur der Provinz Qenna, den angesehenen General Imad Mikhael, weil dieser nicht sunnitischer Moslem ist sondern koptischer Christ.
 
Ziel: Störenfried Gaddafi aus dem Weg räumen
 
Der Golf-Kooperationsrat wünschte die NATO-Intervention in Libyen und veranlasste den Einsatz der Armee Saudi Arabiens und der Polizei der Vereinigten Arabischen Emirate, um die Protestbewegung in Bahrain zu zerschlagen.
 
In Libyen verlegten die Sudairi, noch bevor Franzosen und Briten das Signal zum Aufstand gegen die Macht von Tripolitanien gaben, bewaffnete Kämpfer in die Cyrenaika. Sie verteilten Waffen und rot-schwarz-grüne Fahnen mit Stern und Halbmond, den Symbolen der Senussi-Monarchie, der historischen Schutzmacht der Moslembrüder. Ihr Ziel ist es, den Störenfried Gaddafi aus dem Weg zu räumen und Prinz Mohammed wieder auf dem Thron des einstigen Vereinigten Königreichs Libyen einzusetzen. Der Golf-Kooperationsrat verlangte als erster eine bewaffnete Intervention gegen die Regierung in Tripoli. Im Rat der Golfstaaten war es die Saudi Arabische Delegation, die durch diplomatische Manöver darauf hinwirkte, dass die Arabische Liga den Angriff der westlichen Armeen guthieß.
 
Gaddafi hatte in mehreren Reden seinerseits behauptet, dass es in der Cyrenaika keine Revolution gebe, dass sein Land sich vielmehr gegen eine Destabilisierungsoperation von Al Qaïda wehren müsse; Behauptungen, über die man sich lustig gemacht hat, doch zu Unrecht, denn sie wurden durch den Kommandeur von AFRICOM persönlich bestätigt: Man erinnere sich der peinlichen Lage von General Carter F. Ham, Kommandant der ersten militärischen Operationen der USA, bevor seine Ablösung durch die NATO erfolgte. Er war darüber erstaunt gewesen, sich bei der Auswahl seiner Angriffsziele auf Spione am Boden stützen zu müssen, die bekanntermaßen die alliierten Truppen in Afghanistan bekämpft hatten, d.h. auf die Leute von Bin Laden.
 
Bahrain – nur fiktiv unabhängig
 
Bahrain präsentiert sich seit 1971 als ein unabhängiges Königreich. In Wirklichkeit ist es immer noch ein von den Briten regiertes Territorium. Diese hatten zu ihrer Zeit den Prinz Khalifa als Premierminister ausgewählt und diesen nach der fiktiven Unabhängigkeit seit 40 Jahren ununterbrochen und heute immer noch auf diesem Posten gehalten. Eine Kontinuität, die den Sudairi nicht missfällt.


König Hamad von Bahrain
Quelle: http://shiapost.com/
 
König Hamad von Bahrain gewährte den Vereinigten Staaten eine Konzession; und diese errichteten im Hafen von Juffair das Marinehauptquartier des Central Command und der Fünften Flotte. Unter diesen Umständen bedeutet die populäre Forderung nach einer konstitutionellen Monarchie den Schritt zu einer wirklichen Unabhängigkeit, das Ende der britischen Vorherrschaft und den Abzug der US-Truppen. Eine solche Entwicklung würde unweigerlich auf Saudi Arabien übergreifen und die Grundlagen des Systems bedrohen. Die Sudairi überzeugten den König von Bahrain, alle populären Hoffnungen im Blut zu ersticken. Garant der bestehenden Ordnung ist Prinz Nayef, seit 41 Jahren schonungsloser saudischer Innen- und Informationsminister.
 
Am 13. März traf US-Verteidigungsminister Robert Gates ein, um für die Koordination der Operationen in Manama die nötigen Vorkehrungen zu treffen, die am folgenden Tag mit dem Einmarsch der saudischen Sondertruppen unter dem Kommando von Prinz Nayef, bekannt als „Nayefs Adler“ begannen. In wenigen Tagen wurden alle Symbole des Protestes zerstört, darunter das einst auf dem Perlenplatz errichtete öffentliche Denkmal. Hunderte Menschen wurde getötet oder als vermisst gemeldet. Die Folter – die seit etwa zehn Jahre fast abgeschafft war – wurde erneut allgemein eingeführt. Die Ärzte und Krankenschwestern, welche die verwundeten Demonstranten versorgt hatten, wurden in ihren Krankenhäusern verhaftet, im Geheimverfahren eingesperrt und vor Militärgerichte gebracht.
 
Doch das Wichtigste an dieser brutalen Repression ist die Absicht, einen Konflikt zwischen einer ganzen Bevölkerung und einer Klasse von Privilegierten, die sich an den ausländischen Imperialismus verkauft hat, d.h. einen typischen Klassenkonflikt in einen sektiererischen Konflikt zu verwandeln. Da unter einer sunnitischen Herrscherfamilie die Mehrheit der Bahrainer Schiiten sind, wurde das Schiitentum – das Vehikel des revolutionären Ideals von Ruallah Khomeini – als Zielscheibe ausgemacht. In einem Monat haben „Nayefs Adler“ 25 Moscheen dem Erdboden gleich gemacht und 253 weitere zerstört.
 
21 Anführer des politischen Protestes werden demnächst von einem Sondertribunal abgeurteilt. Sie müssen mit der Todesstrafe rechnen. Mehr noch als auf die Schiiten stürzte sich die Monarchie auf Ibrahim Chérif, den Präsidenten der linken laizistischen Partei Waed, der sie vorwirft, als sunnitische Organisation das Konfessionalismus-Spiel nicht mitzumachen.
 
Mangels der Möglichkeit, den Iran zu destabilisieren, haben die Sudairi ihre Angriffe auf Syrien konzentriert. (PK)
 
Übersetzung Klaus von Raussendorff
Mehr zum Thema in Teil II in der nächsten NRhZ-Ausgabe
 
Thierry Meyssan ist ein französicher Intellektueller, Gründungspräsident des Réseau Voltaire und der Konferenz Axis for Peace. Er veröffentlicht Analysen zur Außenpolitik in der arabischen, lateinamerikanischen und russischen Presse. Sein letztes Werk auf Französisch: L’Effroyable imposture : Tome 2, Manipulations et désinformations (éd. JP Bertand, 2007)
Artikel von ihm finden Sie unter http://www.voltairenet.org/article169815.html
Einen Artikel von ihm mit dem Titel "Obama, der Finanzkrieg der USA und das Gold des Libyschen Dinars - Gründe zur Beseitigung von Strauss-Kahn unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16607


Online-Flyer Nr. 307  vom 22.06.2011

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