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Aktueller Online-Flyer vom 26. Mai 2016  

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Lokales
Buchvorstellung mit Farida Akhter aus Bangladesh
Samenkörner sozialer Bewegungen
Von Maria Mies

Sie ist auf dem Weg von Kanada über Köln in die Eifel zu den Moselbauern. Die Wissenschaftlerin und Aktivistin Farida Akhter ist eine begehrte Gesprächspartnerin, wenn es um soziale Bewegungen geht. Zahlreiche polit-ökonomische Bewegungen und Institutionen hat sie in Bangladesh gegründet. Die erste war Ubining, eine Organisation zur alternativen Entwicklungsforschung, deren Geschäftsführerin sie ist. Am 8. Juli ist Farida Akhter im Bürgerzentrum Ehrenfeld auf Einladung von Woman and Life on Earth, Maria Mies und Arbeiterfotografie zu Gast in Köln und stellt ihr soeben auf deutsch erschienenes Buch vor. - Anneliese Fikentscher
 

Farida Akhter - sät soziale Bewegungen
Foto: Arbeiterfotografie
In ihrem Buch „Samenkörner sozialer Bewegungen“ berichtet Farida Akhter über verschiedene soziale und politische Bewegung, die sie mit anderen in Bangladesh und auf globaler Ebene "gesät“ hat. Alle Bewegungen, von denen Farida Akhter spricht, sind Bewegungen "von unten“. Sie berichtet von Landfrauen, die gegen die globalen Chemiekonzerne, die durch ihren Kunstdünger, ihre Pestizide und Herbizide, ihr „Gift“, wie die Frauen das nannten, nicht nur das Land zerstörten, sondern auch sie selbst und ihre Kinder krank machten.Die Frauen überzeugten ihre Männer, dass diese „Gift- Ökonomie“ aufhören müsse. Sie wollten nicht mehr länger aus Verzweiflung Selbstmord begehen, indem sie das Gift tranken, das überall herumstand. 

Die Männer hörten auf ihre Frauen und es entstand eine Bewegung für "giftfreie“ Dörfer. Zu diesen Dörfern hatten Multis wie BAYER und Monsanto keinen Zutritt mehr. Aus dieser Initiative entstand eine neue Frauen- und Bauernbewegung: Nayakrishi Andolon. Die Frauen forderten außer Ernährungssicherheit „ein glückliches Leben“. Sie begannen sofort, ihre Souveränität über das Saatgut wieder herzustellen. Denn sie waren von Alters her die „Hüterinnen des Saatguts“. Kein Bauer konnte ohne sie überleben. Überall entstanden Nayakrishi-Zentren, die sich um die jeweiligen lokalen Probleme kümmerten. Einige Zentren sorgten für die Wiedergewinnung alten Saatguts und die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Sie entdeckten, dass die industrialisierte Landwirtschaft der "Grünen Revolution“ durch eine andere, ökologische ersetzt werden kann. Sie begannen in ihrem von der Natur reich gesegneten Land wieder eine Selbstversorgungswirtschaft, eine Subsistenzwirtschaft aufzubauen.
 
Im Deltagebiet der großen bengalischen Flüsse half Nayakrishi den Küstenfischern die Mangrovenwälder wieder anzupflanzen, die durch die globale Fischindustrie zerstört worden waren. Andere Zentren halfen den kleinen Webern, ihre berühmten alten Webtechniken und Webmuster wieder zu entdecken und zu praktizieren. In Dhaka schuf Nayakrishi einen lokalen und regionalen Markt für diese einheimischen Produkte. Das Ziel dieser Bewegungen war und ist der Wiederaufbau einer vom globalen, kapitalistischen Markt unabhängigen Wirtschaft. Nayakrishi breitete sich schnell in Bangladesh aus und existiert heute auch in Nepal und anderen Regionen. Und überall stehen die Frauen im Zentrum der Aktivitäten.
 
Farida Akhter hat nicht nur in Bangladesh Frauen- und andere Bewegungen "gesät“, sie ist seit 1985 auch aktiv in vielen globalen Bewegungen, z.B. der Bewegung gegen Gen- und Reproduktionstechnik, der Bewegung gegen die Globalisierung und für die Lokalisierung der Wirtschaft. Sie ist aktiv in der internationalen Bewegung für Ernährungssouveränität, Wassersouveränität und Saatgutsouveränität. In ihrem Buch zeigt sie, dass man kein Problem nur auf der lokalen Ebene lösen kann, sondern dass alle diese Probleme im globalem Kontext zu lösen sind. Das gilt insbesondere für das weltweite Problem der Klimakatastrophe. Sie weiß, was die Klimaveränderung für Bangladesh bedeutet. Mit vielen anderen kämpft sie gegen die neuen westlichen Kriege, z.B. im Irak. Farida Akhter ist eine der ersten, die den Bluff von Herrn Yunus entlarvt hat, der durch die "Erfindung von Kleinkrediten" für arme Landfrauen den Nobelpreis bekommen hat.
 
Das Buch zeigt, dass Widerstand auf der lokalen Ebene nur dann Erfolg haben kann, wenn er von einer anderen, globalen Gesamtvision inspiriert ist. Im Gegensatz zu vielen Büchern über die Dritte Welt bleibt Farida Akhter nicht bei der bloßen Beschreibung der schlechten Verhältnisse in den armen und reichen Ländern stehen, sondern zeigt, dass eine "andere Welt" nicht nur möglich ist, sondern dass sie schon begonnen hat. Farida Akhter selbst ist nicht nur eine "Säerin“ sozialer Bewegungen, sie zeigt auch, wie solche Bewegungen Früchte tragen können. (PK)
 
Das Buch ist im CENTAURUS VERLAG, Freiburg erschienen. Preis: 22,80 E.
Erhältlich im Buchhandel oder versandkostenfrei bestellen über www.centaurus-verlag.de
Herausgeberin der deutschen Ausgabe: Maria Mies
 
Buchvorstellung mit Farida Akhter
Freitag, 8. Juli 2011, 19 Uhr im Bürgerzentrum Ehrenfeld, Venloer Straße 429
Einführung: Maria Mies, Moderation: Veronika Bennholdt-Thomsen
 
Maria Mies publiziert in unregelmäßigen Abständen den Infobrief gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik. In der Infobrief-Ausgabe 27 erschien ein Portrait über Farida Akhter - zu beziehen über
Maria Mies
Blumenstraße 9
50670 Köln


Online-Flyer Nr. 306  vom 15.06.2011

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