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Aktueller Online-Flyer vom 26. Oktober 2021  

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Globales
Brasilien gibt grünes Licht für das drittgrößte Wasserkraftwerk weltweit
Megastaudamm bedroht Zigtausende Indios
Von Peter Kleinert

Für den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerks "Belo Monte" im brasilianischen Regenwald - unter Beteiligung der deutschen Firma Voith Hydro, der österreichischen Andritz und der französischen Alstom - soll mehr Erde ausgehoben werden als für den Panama-Kanal. Das Megaprojekt - von der Fläche her fünfmal größer als Paris - am Amazonas-Nebenfluss Xingu bedroht laut Greenpeace und der NGO Südwind die Existenz von mehr als 30.000 Menschen, darunter vor allem indigene Kleinbauernfamilien.


Almir Surui vom Volk der Surui
während einer Widerstandsreise
in Europa|
Foto: Amazon Watch
Am Mittwoch vergangener Woche gab das staatliche "Institut für Umwelt und Naturressourcen" Ibama bekannt, die Lizenz für den Bau des Megastaudamms erteilt zu haben. Die Baukosten werden auf 7,7 bis 12 Milliarden Euro geschätzt. Brasiliens Regierung bezeichnet das von der Stadt Altamira etwa 40 Kilometer geplante Wasserkraftwerk, gegen das vor allem die indigene Bevölkerung seit Jahren Widerstand leistet, als notwendig für die Sicherung der Energieversorgung.
 
In den vergangenen Jahren hatten sich aufgrund des Widerstands der von dem Projekt betroffenen Indigenen und ihrer Unterstützer in den Städten einige Gerichte mit deren Klagen befassen müssen. Zwar hob im April 2010 ein Gericht in Brasília ein Urteil auf, das die Baugenehmigung für ein Konsortium der Bau- und Stromfirmen außer Kraft gesetzt hatte, doch kündigte die Bundesstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Pará dagegen weiteren Einspruch an. Ein Richter in Altamira hatte es ebenfalls als erwiesen angesehen, dass der Bau des Staudamms den Lebensraum indigener Völker bedrohe. "Es ist ein kleiner Sieg für uns", hatte dazu laut taz "Avatar"-Regisseur James Cameron erklärt. Er hatte sich zusammen mit der Schauspielerin Sigourney Weaver in Brasília einer Demonstration gegen das Mammutprojekt angeschlossen.


Tausende Indios leben vom Fischfang im Amazonasgebiet
Quelle: www.suedwind-magazin.at

Südwind und andere NGOs beschäftigen sich nach der unerwarteten Entscheidung der Regierung in Brasilia weiter mit dem Projekt und mit den zu erwartenden Auswirkungen von "Belo Monte". Vor allem Indigene würden durch die dadurch drohende Austrocknung der Flussarme unter der geplanten Staumauer betroffen. Natürlich bedeute das Staudammprojekt auch einen intensiven Eingriff in das sensible Ökosystem des Amazonas. Und Zigtausende Menschen müssten umgesiedelt werden. Große Waldstücke würden verwüstet und die Fischbestände in diesem Teil von Amazonien beeinträchtigt, von denen Tausende indigene Menschen in dem Gebiet leben.
 

Protest der Indios gegen Brasiliens
Regierung
Quelle: suedwind-agentur.at
Die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat gefordert, dieses Bauprojekt so lange auf Eis zu legen, bis die Ureinwohner konsultiert und über die Folgen des Baus aufgeklärt worden seien. Und bereits am 13. September 2007 hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen nach mehr als 20 Jahre andauernden Verhandlungen eine Erklärung zu den Rechten indigener Völker verabschiedet. Diese garantiert das Recht von Ureinwohnern auf Selbstbestimmung und Verfügungsgewalt über ihr Land und die dort liegenden Bodenschätze. Die Deklaration wurde mit den Stimmen von 143 der 192 UNO-Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland und Österreich, angenommen.
 
"Die Andritz AG aus Österreich hat auf der anderen Seite einen millionenschweren Fisch an der Angel", heißt es in der Wiener Tageszeitung Die Presse vom 1. Juni. 330 Millionen Euro soll angeblich allein der Auftrag für Turbinen, Generatoren und andere technische Ausrüstung der deutschen Voith-Siemens, der französischen Alstom und dem österreichischen Unternehmen einbringen.
Der im Widerstand gegen das Megaprojekt engagierte brasilianische Bischof Erwin Kräutler erklärte am 28. Mai in einem Interview mit der NGO Südwind auf die Frage: "Die Regierung argumentiert damit, dass Brasilien diesen Strom braucht. Wer profitiert nun von dieser Energie?" – "Das sind die Bergwerksgesellschaften, die aus Bauxit Aluminium herstellen. Das heißt, dass die Energie eigentlich in Form von Aluminium ins Ausland verkauft wird. Ich bin absolut nicht gegen den Fortschritt, gegen Entwicklung, aber es gibt heute andere Möglichkeiten, die in Brasilien bislang überhaupt nicht in Erwägung gezogen worden sind. Wir haben jeden Tag Sonnenschein von sechs bis 18 Uhr. Man hat nichts investiert in die Solarenergie, in die Windenergie. Wir haben heute Topwissenschaftler an unseren Universitäten, warum investiert man da nichts, damit andere Ressourcen verwendet werden? Das mit den Staudämmen ist doch eine alte Schiene, das ist überholt." (PK)

Zu einem bereits in den 90er Jahren durchgezogenen riesigen Staudammbau und weiteren Zerstörungen des Amazonasgebietes im Interesse von Konzernen und über den Widerstand dagegen finden Sie in dieser Ausgabe den Film "Schneebälle im Regenwald".


Online-Flyer Nr. 305  vom 08.06.2011

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