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Aktueller Online-Flyer vom 29. Juni 2016  

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Globales
Warum die USA, England und Frankreich Gaddafi beseitigen wollen
„NATO - Hände weg von Libyen!“
Von Brigitte Queck und Dr. Hans-Jürgen Falkenhagen

Für jeden aufmerksamen Beobachter der Ereignisse in den arabischen Ländern der letzten Monate dürfte mit den Eingreifen durch Vertreter der NATO-Staaten und den Bombardements Libyens klar geworden sein, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen den Aufständen gegen die herrschenden Regimes in den anderen arabischen Ländern und Libyen gibt. Warum wird gerade der Libysche Revolutionsführer Gaddafi von den Westmächten, allen voran der USA, so gehasst, dass man sich das Ziel stellt, ihn entweder zu töten oder vor den so genannten Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu bringen, von dem die ehemalige US-Außenministerin Albright einst sagte: "Das ist unser , d.h. der Gerichtshof der NATO, und wir sind niemandem rechenschaftspflichtig." (1)
 

Muammar al-Gaddafi
NRhZ-Archiv
Dafür gibt es 4 wesentliche Gründe:
1. Der bekannte Währungsexperte Berry Eichengreen warnte schon seit langem, dass der Dollar seine Weltwährungsfunktion verlieren wird (derzeit haben die USA ein Defizit ihres Staatshaushaltes von über 14 Billionen Dollar !). Der libysche Revolutionsführer Gaddafi hatte bereits 1986 und nochmals im Jahre 2000, in Tripolis zu einer Konferenz eingeladen, auf der der Vorschlag der Einführung eines Golddinars, einer einheitlichen und krisenfreien Währung für ganz Afrika vorgeschlagen wurde. Das hätte bewirkt, dass sich Afrika in Geldangelegenheiten unabhängig von der US-Währung gemacht und der Gold-Dinar womöglich den US-Dollar als Weltwährung abgelöst hätte. Afrika, das man immer als Armenhaus der Welt bezeichnet, als Retter der kapitalistischen Weltfinanzkrise, noch dazu mit einer antikapitalistischen Führungspersönlichkeit an der Spitze, wie Gaddafi, das durfte nicht sein !
 
2. Stattdessen beabsichtigen die USA mit den reichen Ölvorkommen Libyens ihren eigentlich wertlosen Dollar zu sanieren (wie sie es übrigens mit der Bombardierung und schließlichen Inbesitznahme des Irak getan haben!). Der Dollar kann sich als Weltwährung ohnedies nur so lange halten, wie die Entwicklungsländer weltweit bereit sind, den USA ihre wertvollen Rohstoffe für den wertlosen Dollar auszuhändigen!!
 
3. Der, wie er von den westlichen Politikern abfällig genannt wird, „wahnsinnigeGaddafi“ hat 1980 ein riesiges Projekt zur Wasserversorgung für Libyen, Ägypten, Sudan und den Tschad begonnen und beinahe fertiggestellt. Es ist gefährlich, ohne einen Cent der Weltbank und des IWF ein Projekt durchzuziehen, welches das Potential hat, ganz Nordafrika in einen blühenden Garten zu verwandeln. Das steht dem Ziel der Destabilisierung der Region entgegen, welche die Londoner City anstrebt, um die Weltdikatur der Konzerne durchzusetzen. Am 01. September 2010 konnte der erste Großabschnitt des Projektes nach dreißigjähriger Planung und Bauzeit in Betrieb genommen werden. Das war 5 Monate vor Beginn der Unruhen, also bevor das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes Früchte tragen konnte.
 
Dieses Wasserprojekt hätte langfristig gesehen, Afrika vom Weizenimport aus den USA unabhängig machen können. Die Beseitigung der US-„Weizenwaffe“, als Druckmittel auf afrikanische Länder bei UNO-Abstimmungen im Sinne der USA abzustimmen, hätte auch die politische Unabhängigkeit Afrikas befördert!
 
4. Zbigniew Brzezinski (US-Regierungsberater schon seit den 60er Jahren) sprach sich am 28.4.2011 in einem Interview mit dem Tagesspiegel für eine militärische Intervention der NATO gegen Libyen aus, indem er sagte: “Ich war der Meinung, es sei unter den gegebenen Bedingungen besser, zu intervenieren, als Gaddafi die Kontrolle über Libyen zu überlassen und ihm so die Möglichkeit zu geben, zum bedeutendsten antiwestlichen Leader der arabischen Welt aufzusteigen.“
 
Das ist also der Hauptgrund, weshalb Vertreter der NATO Libyen bombardieren. Nicht wegen der angeblichen Nichteinhaltung der Menschenrechte dort. Jedem Normalsterblichen dürfte das nach der Bombardierung der Millionenstadt Tripolis klar geworden sein!
 
Einige Fakten über Libyen
 
Libyen ist das Land mit dem höchsten Lebensstandard auf dem afrikanischen Kontinent. Während der Zeit von König Idris übrigens, den Teile der Opposition in Bengasi wieder haben wollen, gehörte Libyen zu den ärmsten Ländern auf der Welt. Das also zu den Korruptionsvorwürfen gegenüber Gaddafi!
 
Bengasi ist übrigens kein monolitischer Block, bzw. NUR eine Rebellenhochburg, wie es in den westlichen Medien dargestellt wird. Seit dem 17.Februar 2011 fanden dort ca. 3 grosse Pro-Gaddafi-Demonstrationen statt, bei denen von den Oppositionellen etliche Menschen ermordet und ca. 7000 Menschen inhaftiert worden sind!
 
- Es hat ein entwickeltes, kostenloses Bildungssystem.
- Das Land besitzt eine kostenlose Gesundheitsversorgung.
- Es hat fortschrittliche Milliarden-Projekte zur Ernährungssicherung seiner Bevölkerung (z.B. das Riesenprojekt der Trinkwassersicherung) realisiert.
- Libyen hat ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm realisiert (Mieten für die Bevölkerung sind übrigens kostenlos - Gaddafi sagte dazu: “Das erste Recht eines Menschen ist, ein Dach über den Kopf zu haben!“
- Das Land hat stabile Preise für Grundnahrungsmittel.
- Es ist ein Land, in dem die Gleichberechtigung der Frau weit vorangeschritten ist, wie in keinem anderen Land in Afrika.
- Es lebt mit allen im Lande vertretenen Religionen (auch mit dem Christentum) in Frieden und Eintracht.
- Libyen hat die Ölvorkommen verstaatlicht, damit sie nicht nur den Ölmultis, sondern auch der eigenen Bevölkerung zugute kommen, wie die oben genannten Fakten eindrucksvoll bestätigen.
 
Gaddafi und das "Heilige Triumvirat"
 
Das "Heilige Triumpherat" - die USA, die Europäische Union und die NATO -, nunmehr erstmals im Verbund mit der UNO, hatten vor ihrem brutalen militärischen Angriff auf den souveränen Staat Libyen anfangs scheinheilig nur von einer "Flugverbotszone" für libysche Flugzeuge über den Rebellenhochburgen Bengasis gesprochen. Aber mit der schließlichen Verabschiedung der UNO-Resolution 1973 wurde nicht nur die UNO-
Charta außer Kraft gesetzt, gemäß der die UNO sich verpflichtet, die Souveränitätsrechte eines jeden UNO-Mitgliedsstaates zu schützen, wenn dieser selbst keine Angriffskriege gegen einen anderen Staat unternimmt, sondern sogar die zu Libyen angenommene UNO-Resolution 1973 selbst missachtet, indem die UNO zuließ, dass die Dreierkoalition (USA, Großbritannien und Frankreich) einseitig für die Rebellen Partei ergriff, ja, sogar die Millionenstadt Tripolis und andere libysche Städte ohne UNO-Einspruch bombardieren durfte.
 
Gaddafi selbst hat sich in der UNO niemals respektvoll gegenüber diesem “Heiligen Triumpherat” verhalten, das keine höhere Gewalt anerkennt und die UNO für seine eigenen Zwecke ausnutzt! Deshalb nehmen die Westmächte mittlerweile auch kein Blatt mehr vor den Mund, dass es ihnen letztendlich um den Sturz von Gaddafi geht und die Einsetzung eines ihnen untergebenen Gefolgsmannes, der weder
1.die Unabhängigkeit Libyens und der Staaten Afrikas vom Internationalen Währungsfond und der Weltbank (also vom internationalen Monopolkapital) durch eine eigene stabile afrikanische Währung, noch
2.eine eigene Ernährungssicherheit und damit politische Unabhängigkeit Afrikas anstrebt. Es geht dem "Heiligen Triumpherat“ um Neokolonialisierung des afrikanischen Kontinents durch die Westmächte, vor allem die USA, die durch militärische Stützpunkte überall auf dem afrikanischen Kontinent abgesichert werden soll!
 
Dieses Ansinnen der Westmächte entspricht nicht den Vorstellungen der Bevölkerung ihrer Länder. Deshalb gilt für alle, denen Humanität und Menschenrechte keine leeren Worthülsen darstellen, alles dafür zu tun, diesen brandschatzenden Mördern (NATO) in den Arm zu fallen. Die Aktionen könnten vielfältig sein - vom persönlichen Boykott von Waren aus den Krieg führenden Staaten angefangen, bis zum Druck auf Politiker, Parlamentsangehörige, bzw. Medien, Rundfunk- und Fernsehstationen, über die reale Lage in Libyen zu berichten. Widerstand gegen einen Bruch des Völkerrechtes, sowie die Verfassungen der westlichen Länder durch ihre Politiker und ihre Medien, ist Pflicht eines jeden von uns, genau wie vor dem 3. Golfkrieg gegen den Irak! (PK)
 
(1) Die Nato ist das eigentliche militärische und der so genannte Internationale Strafgerichtshof das politische Vollzugsorgan der internationalen Monopolbourgeoisie zur Durchsetzung ihrer Machtinteressen
 
Hinweis: Am 21.5.2011 fand unter der Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin eine Manifestation für Libyen und die Forderung nach der Einhaltung des Völkerrechts durch die westlichen Staaten statt. Diese Manifestation wird am 4. Juni, um 11.00 Uhr, ebenfalls unter der Weltzeituhr am Alexanderplatz, wiederholt.
 
Brigitte Queck vertritt den Zusammenschluß "Frauen gegen den Krieg Berlin/Brandenburg". Dr. Hans-Jürgen Falkenhagen ist Mitbetreiber der Homepage "Goethe-Stübchen" - www.goethestuebchen.de.


Online-Flyer Nr. 304  vom 01.06.2011

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