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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Filmclips
Der würgende Tod
Von Peter Kleinert



Der würgende TodDarüber wie der Pharma-Konzern BAYER "für den Umweltschutz forscht", haben wir seit dem Jahr 2005 gelegentlich in der NRhZ berichtet. Weil – angeregt durch die Coordination gegen BAYER-Gefahren – am 29. April ab 10 Uhr nicht nur die üblichen, sondern wohl auch jede Menge kritische Aktionäre zur Hauptversammlung ins Congress-Centrum der Köln-Messe strömen dürften, wollen wir sie durch diesen Film ein wenig mit einem Teil der Geschichte des Konzerns bekannt machen, über die die üblichen Medien lieber nicht berichtet haben.
 
Ein Jahr nach einer MONITOR-Sendung über die chemischen Kampfstoffe der US-Armee in der Pfalz konnten wir der Redaktion eine Fortsetzung anbieten. Wir wußten nun, daß die Massenvernichtungswaffen VX und VE ihren Ursprung in den Labors der BAYER AG hatten. Indizien dafür hatten bereits Ende der 60er Jahre Günter Wallraff und der Umweltschützer und Diplomchemiker Dr. Jörg Heimbrecht in der Zeitschrift KONKRET veröffentlicht. Der damalige BAYER-Vorstandsvorsitzende Kurt Hansen dementierte im ZDF-Magazin, drohte mit Klage, klagte aber nie.
 
Anläßlich der BAYER-Hauptversammlung 1983 befaßte Heimbrecht sich erneut intensiv mit dem Thema und wurde fündig. Er entdeckte, daß die BAYER AG und deren Chemiker Schegk, Schlör und Schrader 1958 in den USA eine Patentschrift für Insektizide hinterlegt hatten, die angeblich sehr effektvoll Milben und Blattläuse töten würde. 1961 bekamen sie dafür ihr US-Patent. Schrader, das wußte Heimbrecht, hatte für die Nazis bei BAYER - damals als Teil der Firma IG Farben - die chemischen Kampfstoffe Sarin, Soman und Tabun entwickelt. Deshalb ging er nach Genf, durchforschte die Akten der Chemiewaffen-Abrüstungskonferenz und stellte fest, daß die dort 1972 von den USA hinterlegten Formeln für die geheimen Kampfstoffe VE und VX in dem UNO-Dokument CCD 365 mit den Formeln des 1961er BAYER-Patents für "Insektizide" identisch waren. Die geheimen US-Kampfstoffe in einem Wald nahe Fischbach, die wir bei MONITOR öffentlich machen durften, hatten ihren Ursprung also bei BAYER.
 
Zwei Chemie-Professoren und ein Patentanwalt bestätigten uns Heimbrechts Recherchen. MONITOR-Chef Gerd Ruge war, als er am Freitag vor dem nächsten Sendetermin unseren Rohschnitt sah, begeistert, hatte aber einen Einwand: Er fände es - obwohl dies in unserem Exposé ausdrücklich nicht vorgesehen war - doch besser, wenn auch eine Stellungnahme der BAYER AG für unsere Reportage eingeholt würde. Wir hielten dagegen: Dann würde die Sendung gefährdet. Herr Ruge schien das einzusehen und gab sein OK für die Fertigstellung des Films in der ihm vorliegenden Rohfassung.
 
Im WDR kamen ihm offenbar erneut Bedenken. Er rief bei der BAYER-Pressestelle an, informierte sie über die geplante Sendung am kommenden Dienstag und kündigte an, daß der Autor am Montag zu einem Interview kommen und ein paar Fragen stellen werde. Am Montag rief Herr Ruge bei uns im Studio an und teilte mit, der Beitrag könne "leider nicht gesendet werden". Die BAYER AG habe "im Hause interveniert". Dem müsse er sich beugen.
 
Wir bekamen das vertraglich vereinbarte Honorar und schnitten nun aus dem MONITOR-Material einen 28-Minuten-Film, der auf verschiedenen Filmfestivals, u.a. in Duisburg und in Leipzig sowie auf zahlreichen Veranstaltungen von Umweltschutz- und Friedensorganisationen gezeigt wurde. Die BAYER AG hat dagegen nie interveniert, rühmte sich dagegen sogar in einer Werkszeitschrift für die leitenden Mitarbeiter, die MONITOR-Sendung verhindert zu haben. In der gleichen Hauszeitschrift "BAYER intern" räumte der Chemie-Multi schließlich auch ein, daß es "innerhalb dieses BAYER-Patentes...eine Übereinstimmung von Formeln mit einigen US-Kampfstoffen gibt".
 
Einige Jahrzehnte früher hatten sich der damalige BAYER-Chef Carl Duisberg und der IG Farben-Chef Carl von Krauch hinsichtlich der für den Ersten Weltkrieg entwickelten Kampfstoffe Chlorgas, Phosgen und Senfgas ehrlicher geäußert. Eine besonders giftige Mischung bezeichnete Krauch als "am köstlichsten". Und über den Tod durch Dimelylsulfat meinte er begeistert: "Die Gegner merken und wissen gar nicht, wenn Gelände damit bespritzt ist, in welcher Gefahr sie sich befinden und bleiben ruhig liegen, bis die Folgen eintreten."

Einen aktuellen Artikel über BAYER und die Antibaby-Pillen des Konzerns finden Sie in dieser NRhZ. (PK)

Der würgende Tod
 
Autor: Peter Kleinert
Kamera: Dieter Oeckl
Ton: Peter Kleinert, Stephan Thonett
Schnitt: Peter Kleinert
Länge: 10 und 28 min
Auftraggeber: KAOS Film- und Video-Team Köln, WDR-MONITOR
Produktionsjahr: 1983
 
Bestellungen auf DVD sind möglich unter www.kaos-archiv.de oder info@kaos-archiv.de




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Online-Flyer Nr. 298  vom 12. Dezember 2017



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