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Aktueller Online-Flyer vom 20. November 2017  

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Lokales
Endlich ist es soweit – zwischen Schanzen-, Keup- und Markgrafenstraße
Ein neues Viertel für Köln-Mülheim entsteht
Von Heinz Weinhausen

Jahrzehnte lang lagen 15 ha mitten in Köln-Mülheim brach, und niemanden interessierte es. Wirklich niemand? Eine Gruppe von Bürgern um die Sozialistische Selbsthilfe Mülheim in der Düsseldorfer Straße arbeitete gemeinsam mit dem Kölner Nachwuchsarchitekten Bodo Marciniak Pläne für die Fläche zwischen den alten Industrien an der Schanzenstraße und der Wohnbebauung an der Berliner Straße aus. Ihr Motto: "Selbsthilfe tut Not!"


Bürgerprotest im Mülheimer Rathaus
NRhZ-Archiv
 
Erste Pläne erschienen und es erschien ein Plakat, welches die Politiker um Karlheinz Schmalzgrüber (SPD) fragte: „Was plant die SPD auf der Industriebrache Alter Güterbahnhof Mülheim“? – Was den damaligen SPD-Frontmann Klaus Heugel anbelangt, so wurde diese Frage schon bald von der Vorläuferin der NRhZ, der KÖLNER WOCHE, beantwortet: Oberstadtdirektor Heugel plante, sich an der Spekulation um die Industriebrache persönlich gesund zu stoßen.
 

Beinahe-OB Klaus Heugel
NRhZ-Archiv
Auf sein Betreiben hin hatte die Stadt die Sperrminorität, mit der sie bis dahin die Zerschla- gung von Felten & Guilleaume verhindert hatte, verkauft und den Mülheimer Traditionskonzern seinem Schicksal überlassen. Heugel hatte, in Erwartung von Kurssteigerungen, persönlich Aktien gekauft. Im August 1999 musste er – weil die KÖLNER WOCHE seine Insidergeschäfte öffentlich gemacht hatte – mitten im OB-Wahl- kampf von seiner Kandidatur zurücktreten. Seine Partei, die SPD, erlebte einen historischen Ab- sturz. Der F&G-Konzern, einst größter Arbeit- geber Kölns, taumelte dem Abgrund entgegen.
 
"Mülheimer Erklärung“
 
Dies war die Stunde der Mülheimer Initiativen. In der "Mülheimer Erklärung", unterschrieben von 100 Vereinen und Initiativen, verlangten diese von der Stadt die Förderung von Selbsthilfe und Eigeninitiative und die Zurverfügungstellung von Grund und Boden für alle, die Wohnung und Arbeit schaffen wollen.
 
"plan 04"
 
In der Planwoche "plan 04" arbeiteten Bürger mit Fachleuten, unterstützt vom Bund deutscher Architekten BDA erstmals konkrete Pläne für die Gestaltung dieser zentralen Fläche für Mülheim aus. Während andere, wie der hochgefeierte Präsident der IHK, Bauwens-Adenauer, sich an seinem Masterplan, den er mitsamt seinen Unternehmerkollegen der Stadt angeblich geschenkt hatte, bei der Umwandlung der Gelände im Kölner Süden eine goldene Nase verdiente (die Rundschau sprach von 10 Millionen), hatten Mülheimer Bürger – alle Klein- und Kleinstverdiener – mit Hilfe von Freunden und sozial verantwortlichen Architekten und Filmemachern der Stadt Köln für Mülheim längst einen Masterplan geschenkt, ohne dass die Öffentlichkeit darüber in Lobeshymnen ausgebrochen wäre. "plan04" und "plan05" arbeiteten die Grundlagen aus – advocacy-planning hilft den Bürgern, konkret zu planen.
 
"Mülheim 2020" knüpft an die Bürgerplanung an
 
In "Mülheim 2020", erstmals als Konzept vorgelegt 2008, vom Rat beschlossen 2009, ist nun erstmals in ein Programm gefasst, was Mülheimer Bürger seit 1997 planen: ein Viertel für die Mülheimer, in dem sich Wohnen und Arbeiten mischen und wo Initiativen und Selbsthilfen ihren Beitrag zur Entwicklung des Viertels leisten. Der Rat hat darin vorgeschrieben, dass die Verwaltung ein Entwicklungskonzept und ein Nutzungskonzept verfassen soll. Beides liegt bis heute nicht vor. Ja, es fragt sich, ob der neoliberale CDU-Dezernent Streitberger überhaupt in der Lage ist, ein solches integratives Konzept zu entwickeln und wie lange OB-Roters, der für die Stadtentwicklung persönlich zuständig ist, ihn noch werkeln lassen will.
 
Industriebrache: das neue Sanierungsgebiet
 
Denn jetzt ist schon klar: bis zum Ende des Programmes im Jahr 2013 wird sich die Entwicklung nicht mehr umsetzen lassen, zuviel Zeit ist inzwischen verstrichen. Um die Entwicklung langfristig zu gewährleisten und um endlich Zugriff auf die Schlüsselgrundstücke zu erhalten, muss die Stadt gemeinsam mit dem Land das Gelände zum Sanierungsgebiet machen, um Initiativen und Selbsthilfen preiswerten Boden und geeignetes Baurecht zur Schaffung von Wohnungen und Arbeitsplätzen zur Verfügung zu stellen. Die alten Güterhallen in der Schanzenstraße müssen endlich ihre Rolle als Gründerzentrum wahrnehmen, wie das in "plan04" und "plan05" vorgesehen ist.
 
Der nächste "Veedelsbeirat" tagt am Montag den 14.03.11 um 18h im VHS-Saal, Bezirksrathaus Wiener Platz. Hier wird Rainer Kippe als Vertreter der Grünen die Vorlage des vom Rat beschlossenen Entwicklungskonzeptes und des Nutzungskonzeptes einfordern und beantragen, den Erlass einer Sanierungssatzung zu prüfen. (PK)

Links:
(1) "Mülheimer Erklärung"
http://wiwateg.org/start.htm
Einen 14 Minuten-Dokumentarfilm von Rea Karen und Peter Kleinert zur Mülheimer Erklärung aus dem Jahr 1997 können Sie im KAOS Kunst- und Video-Archiv Köln bestellen:
www.kaos-archiv.de – Mehr dazu in der Rubrik "Dokumentarfilme"
info@KAOS-archiv.de
KAOS Kunst- und Video-Archiv e.V.
Gladbacher Str. 33
50672 Köln
Tel.: 0221 - 9521297
 
(2) plan04
http://wiwateg.org/unbestelltes_land.html

(3) advocacy-planning
http://muelheimplant.wiwateg.org/advocacy/advocacy.html

(4) "Mülheim 2020"
http://rettet-unsere-veedel.ina-koeln.org/


Online-Flyer Nr. 292  vom 09.03.2011

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