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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Wie Monsanto Bauern weltweit in Abhängigkeit zu bringen versucht
Dringende Warnung vor Agro-Gentechnik
Von Kirsten Sundermann

Gut besucht war am Samstagnachmittag im Sternensaal des Erbacher Brauhauses eine Informationsveranstaltungen der Odenwälder Interessengemeinschaft für Gesundes Leben mit dem gelernten Landwirtschaftsmeister und Bankkaufmann Josef Feilmeier aus dem Landkreis Passau. Als Futtermittelhändler befasst er sich seit 1996 mit dem Thema Agro-Gentechnik und ist überzeugt davon, dass deren Einsatz weder für die Landwirtschaft noch für die Verbraucher Nutzen bringt, sondern ausschließlich Nachteile. Eine besondere Brisanz erhielt der Vortrag dadurch, dass im Rahmen der Grünen Woche in Berlin zeitgleich rund 22.000 aufgebrachte Bürger unter dem Slogan „Wir haben es satt!“ gegen Gentechnik und Dioxine in Lebensmitteln demonstrierten.
 

Josef Feilmeier
Foto privat
„Rund 80 Prozent aller Bundesbürger lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab, da sie unkontrollierbare Auswirkungen auf die Gesundheit und Gefahren für die Umwelt befürchten!“ erklärte Feilmeier in seinem Vortrag. Befürworter dieser Technik seien vor allem Wissenschaftler, Funktionäre und Politiker, die sich von den Hochglanzpros-pekten und Versprechungen der Saatgutkon- zerne blenden ließen. Immer wieder fiel hierbei der Name des Branchen-Riesen Monsanto. Der stellt gentechnisch verändertes Saatgut für Mais, Baumwolle, Soja und Raps her, und gleichzeitig Herbizide für die Landwirtschaft, darunter das Breitbandherbizid Roundup. Der Konzern werbe mit vier Argumenten für den Einsatz von Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO), die Feilmeier einzeln zerpflückte.
 
Um den Welthunger zu bekämpfen, brauche man keine Gentechnik, meinte er, denn es gebe weltweit rund 4,2 Milliarden Hektar nutzbarer Agrarfläche, die derzeit nur zu rund einem Drittel (etwa 1,5 Milliarden) genutzt würden. „Das reicht, um Bio-Lebensmittel für alle anzubauen“. Und solange in den Industrienationen Nahrungsmittel weiterhin massenhaft weggeworfen oder vernichtet würden (rund 50 Prozent in den USA und 30 Prozent in Europa) wäre das Wort „Welthunger“ ohnehin relativ. Auch das Argument, durch den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen weniger Spritzmittel einsetzen zu müssen, lässt er nicht gelten, da die Unkräuter, denen man mit dem Spritzen zu Leibe rücken will, schnell auch gegen starke Gifte resistent würden. In den USA müssten beim Soja-Anbau daher bis zu 15 Liter Roundup pro Hektar gespritzt werden, was den engen Zusammenhang zwischen Futter, Gülle, Bodenqualität und Erntegut massiv beeinflusse. Zudem lasse Monsanto Landwirte überwachen, die seine patentierte Saat anbauen. Auch Arbeitsplätze würden durch die neue Technologie nicht geschaffen, zumindest nicht in Deutschland. Im Gegenteil; jedes Jahr müssten hierzulande Tausende von Kleinbauern ihre Betriebe aufgeben. Die versprochene Ertragssteigerung sei ebenfalls ein Märchen und gelte allenfalls für die Aktionäre der Konzerne.


Josef Feilmeier bei einem Vortrag im niederbayerischen Mamming
Quelle: www.zivilcourage-dingolfing-landau.de/
 
Seit April 2009 ist der kommerzielle Anbau des Genmaises Mon 810 - die einzige Sorte, die zwischen 2005 und 2008 auch tatsächlich zum Einsatz kam - in Deutschland verboten. Gerhard Didion, der im Amt für den Ländlichen Raum in Reichelsheim für den Bereich „Nachhaltige Landwirtschaft“ zuständig ist, konnte bestätigen, dass es im Kreisgebiet auch keine Versuchsfelder gibt, auf denen mit GVO-Pflanzen experimentiert werde.
 
Feilmeier ist überzeugt davon, dass alle 27 Staaten der EU ohne jeglichen Engpass sofort auf gentechnikfreie Futtermittel einschließlich Soja umstellen könnten. Sie müssten es nur wollen. Wirklich teurer käme das nicht, belegte er mit einigen Rechenbeispielen, da sich durch die bessere Qualität des Futters bislang einkalkulierte Kosten für Tierarzt und Medikamente verringern würden. Um Druck zu machen, sollten Landwirte von ihren Futtermittellieferanten Saatgutbescheinigungen verlangen und darauf achten, nur Ware einzukaufen, die ausdrücklich als „GVO-frei“ deklariert ist. Auch der Verbraucher könne durch bewusstes Einkaufen Einfluss auf das Angebot im Lebensmittelhandel ausüben. Da eine Kennzeichnung von Nahrungsmitteln, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln erzeugt wurden, gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, sollte man die Finger lassen von dubiosen Einfuhrprodukten aus fernen Ländern. Besser wäre es, regional erzeugten Lebensmitteln den Vorzug zu geben.


Auch in der Pause gingen die Diskussionen unter Fachleuten weiter. Von links: Hans Trumpfheller aus Momart, Stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbands Starkenburg, Referent Josef Feilmeier, Initiatorin Gudrun Kaufmann, Fränkisch-Crumbach, Milchbauer Gerd Arras aus Gumpen, und der Vorsitzende der Odenwälder Direktvermarkter Reinhard Lenz, Sensbachtal
Foto: Kirsten Sundermann
 
Das war Wasser auf die Mühlen von Reinhard Lenz, dem Vorsitzenden der Odenwälder Direktvermarkter. Er wies darauf hin, dass in den 60er Jahren ein deutscher Haushalt noch rund 45 Prozent seines Einkommens für Ernährung ausgegeben habe, während man sich heute mit rund zehn Prozent begnüge. Urlaub, Auto und Lifestyle seien dem Verbraucher offensichtlich wichtiger geworden als die eigene Gesundheit. Er bedauerte darüber hinaus, dass die Kochkunst in Deutschland immer mehr verloren gehe und Convenience-Produkte (also küchenfertig vorbereitete Speisen mit oft unbekannten Inhaltsstoffen) auf dem Vormarsch seien.
 
Der Abend war der vierte einer Reihe von Informationsveranstaltungen unter dem Motto „Gesund sein/bleiben/werden“ der Odenwälder Interessengemeinschaft für gesundes Leben. Gesundheitsberaterin Gudrun Kaufmann, Sprecherin der IG, kündigte an, dass die nächste Veranstaltung am 25. März 2011 um 20 Uhr stattfinden wird. Dann spricht im Erbacher Brauhaus, Jahnstraße 1, 64711 Erbach/Odenwald, der bekannte Agrotechniker Antonio Inacio Andrioli. Thema: "Feindliche Übernahme - Wissenschaft und Demokratie am Beispiel der Agro-Gentechnik". (PK)
 
Von der Autorin leicht veränderte Fassung eines Artikels in http://www.echo-online.de/region/odenwaldkreis/erbach/Eindrueckliche-Warnung-vor-Gentechnik;art1269,15
 
Kirsten Sundermann ist von der Ausbildung her Übersetzerin und fremdsprachliche Wirtschaftskorrenspondentin. Seit elf Jahren (nach Familienpause) freie Mitarbeiterin beim Odenwälder und dem Starkenburger Echo. Schreibt gelegentlich auch für den Hessenbauer und verschiedene gastronomische Fachzeitschriften.

 
Ergänzende Informationen von Josef Feilmeier über „QS“

Hiermit wende ich mich als Sprecherin der Odenwälder Interessengemeinschaft für gesundes Leben besonders an Sie, Herr Kübler als Landrat, Frau Kniß vom Amt f. ländlichen Raum und Herrn Trumpfheller vom Bauernverband, aber auch an die Bürgermeister, sich dafür einzusetzen, dass derartige Vorgehensweisen  der QS – Qualität und Sicherheit GmbH gestoppt werden.

Die Mail mit dem Text von Herrn Feilmeier geht zur Kenntnisnahme und Weiterleitung in meinen Verteiler. Ich bitte die Presse, über die unten stehenden Informationen zu berichten.
Mit besten Wünschen
Gudrun Kaufmann
 
Ein System für „Qualität und Sicherheit“?

Liebe Freunde, das Internet macht es möglich. Schaut euch einmal die Leute an, die QS (Qualität und Sicherheit GmbH) beraten und ratet, welche Ziele sie verfolgen. Es findet sich in allen Gremien kein einziger Vertreter der Erzeuger. Selbst der Bauernverband ist durch den FNL eindeutig die Stimme der Industrie.
 
Ich glaube immer mehr, dass folgende Aussage doch zutrifft: QS ist ein Werkzeug der Industrie. Mit QS sollte ein System aufgebaut werden, das alle Bauern umfasst. Damit würden alle zum völlig gleichen Standard erzeugen. Dann könnten die Lebensmittelvermarkter dort einkaufen, wo es am billigsten ist, weil ja alle gleiche Norm haben. Die Erzeugnisse der Bauern werden dann versteigert – und zwar nach unten. Wer bietet weniger!!! Verlierer sind Bauern und Verbraucher.
 
In allen Pressemitteilungen erklärt die Führung von QS, dass man ein System für „Qualität und Sicherheit“ aufgebaut hat. Sicherheit für wen??? - für Gebühren oder für Verbraucher - oder für sich selbst??? „Jeda Grama lobt sei woar“ = übersetzt auf Deutsch: „Jeder Händler lobt seine Ware“.
 
Ich komme aus der Wirtschaft und kann Zahlen deuten. Wir haben derzeit eine Eigenversorgungsrate für Lebensmittel in Deutschland von unter 80 %. Das heißt, wir können die deutsche Bevölkerung nicht ernähren und Euere Erzeugnisse sind gefragt. Sogar beim Rindfleisch sind wir unter 100 %. Deshalb werden auch in Argentinien riesige Produktionsanlagen aufgebaut, um den europäischen Markt zu bedienen. Die Fleischvermarkter erklären uns, QS vor allem auch für den Export zu brauchen. Dann wird aber die heimische Ware noch mal weniger. Ist dann das importierte Fleisch auch nach den Richtlinien von QS erzeugt? Meiner Kenntnis nach nicht, weil es QS in diesen Ländern nicht gibt. Kann es sein, dass der Verbraucher wieder einmal in höchstem Maße für dumm verkauft wird??? Ein sicheres Qualitätsprogramm JA - aber unabhängig und von allen Seiten getragen.
 
Die Mitgliederliste ist sehr interessant. Es finden sich interessante Namen - auch Euere Abnehmer! Man erklärt den Bauern, dass die Konkurrenz so groß sei. Dabei sitzt man beim Kaffeekränzchen zusammen und regelt den Markt. Man darf aber QS deshalb nicht einmal einen Vorwurf machen. Das ist ihr gutes Recht, Eigenwerbung zu machen. Schlimmer ist, dass es immer noch Bauern gibt, die sich einreden lassen, ohne QS ließen sich die Tiere nicht mehr verkaufen. Wie man mit einem „einheitlichen Massenprogramm“ die Erzeugerpreise langfristig erhöhen kann, ist mir unerklärlich. Unsere heimischen Bauern erzeugen hochwertigste Lebensmittel, und dafür sollen sie auch, ohne aufwendige Zettelwirtschaft, faire Preise bekommen.
 
Schaut mal in die Fachbeiräte (1) - insbesondere Rind-, Kalb- und Schweinefleisch..... Ratet mal: Welches Ziel könnten die Herrschaften nun verfolgen? (PK)
 
(1) http://www.q-s.de/unternehmenorganisation/gremien/fachbeirat/
Josef Feilmeier ist gelernter Landwirtschaftsmeister und Bankkaufmann, war Geschäftsführer einer großen Agrarhandelsgenossenschaft, aus der er 1978 austrat und 1981 die elterliche Landwirtschaft übernahm. Mischfutterhersteller: 1986 gründete die Familie einen eigenen Agrarhandel und 1989 ein Mischfutterwerk. Mit dem Thema Gentechnik befasst sich Josef Feilmeier bereits seit Beginn des Jahres 1996 und hält dazu seit 2003 in Deutschland, Österreich und der Schweiz Vorträge. 2007 wurde er Nachhaltigkeitspreisträger. www.feilmeier-mischfutter.de
 
Ein Film über Josef Feilmeier von Bertram Verhaag „Der Landhändler - ganz ohne Gentechnik“ läuft am Samstag, 20. Februar 2011, im Bayerischen Fernsehen!
 
Gudrun Kaufmann von der Odenwälder Interessengemeinschaft für gesundes Leben ist ärztlich geprüfte Gesundheitsberaterin. E-Mail: guka-ernaehrung@web.de
www.oigl.de, www.gudrunkaufmann.de
 


Online-Flyer Nr. 287  vom 02.02.2011

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