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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Rettet den Regenwald fordert den sofortigen Ausstieg aus der Agroenergie
Dioxine aus der Biodiesel-Raffinerie
Von Peter Adolffs

Der Skandal um Dioxin-verseuchte Futtermittel des Herstellers Harles & Jentzsch aus Uetersen wirft viele Fragen auf: Wie kann es sein, dass Industrieabfall aus der Biodieselproduktion zu Tierfutter verarbeitet wird? Warum dürfen solche giftigen Abfälle offensichtlich ohne ausreichende Kontrolle frei auf dem Markt verkauft werden, um am Ende über die Futtermittel- und Agrarindustrie auf dem Tisch der deutschen Verbraucher zu landen – in Eiern, Milch oder Fleisch? Und wieso fallen überhaupt beim Emdener Biodieselhersteller Petrotec tonnenweise Dioxin-verseuchte Mischfettsäure aus Palm-, Soja- und Rapsöl an?

„Seit Jahren versuchen uns Politiker und Industrie einzubläuen, dass „Biodiesel“ ein ökologischer Kraftstoff sei und bei dessen Verbrennung kaum mehr als Kohlendioxid freigesetzt wird“, sagt Klaus Schenck, Energiereferent des Vereins Rettet den Regenwald. „Die Realität ist: Agarsprit bedeutet katastrophale Umweltzerstörung, Regenwaldvernichtung, Tod und Vertreibung von Menschen und Tieren, die Vergiftung von Böden, Gewässern und Luft durch Pestizide, Abwässer und Emissionen – und nun auch giftige Dioxine. Das Märchen vom angeblich sauberen Agrarsprit muss endlich beendet werden.“

Jedes Jahr werden - angeblich um das Klima zu schützen - über die gesetzlich vorgeschriebenen Beimischungsquoten 3,5 Millionen Tonnen (2009, Quelle Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe FNR http://www.bio-kraftstoffe.info/kraftstoffe/) sogenannte „Biokraftstoffe“ an den deutschen Tankstellen verkauft. Die insgesamt etwa 45 Millionen Kraftfahrzeuge auf den deutschen Straßen verbrennen jährlich 2,5 Millionen Tonnen Biodiesel, 100.000 Tonnen reines Pflanzenöl und 900.000 Tonnen Ethanol – als Beimischung zum (herkömmlichen) fossilen Kraftstoff.

Außerdem werden mit Pflanzenöl als Brennstoff zirka 1.500 Blockheizkraftwerke in Kellern, Gewerbehöfen und Gärtnereien betrieben. Zum Teil mitten in Wohngebieten verbrennen zur Produktion von Strom und Heizwärme jährlich bis zu 450.000 Tonnen Palmöl – ohne besondere Auflagen, ohne spezielle Filtereinrichtungen und weitgehend ohne Kontrollen. Was dabei an Giften und schädlichen Emissionen aus den Schornsteinen ausgestoßen wird, überwachen die Behörden praktisch nicht.

Dabei haben Wissenschaftler längst nachgewiesen, dass große Mengen an Schadstoffen entstehen, wenn Agrardiesel und Ethanol in Fahrzeugen und Öfen verbrennen. Aus den Auspuffrohren werden diese dann in die Straßen- und Atemluft geblasen. Das Forscherteam um die Professorin Dr. Katharina Kohse-Höinghaus von der Universität Bielefeld (siehe http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201001648/abstract) weist dem Agrarsprit außerdem ein „stark Ozon bildendes Potenzial" und die Bildung „organischen Smogs" nach. Die Untersuchungen sollen dabei genau unter den Bedingungen stattfinden, wie sie in den Automotoren herrschen, und die dabei freigesetzten Emissionen werden mit jenen verglichen, die bei der Verbrennung von fossilem Diesel entstehen.

Auch Dioxin wurde in Biodiesel-Emissionen bereits in Kanada nachgewiesen (siehe http://gradworks.umi.com/MR/50/MR50880.html). Die Umwelt- und Gesundheitsrisiken von Dioxinen für Menschen sind dabei enorm. Die in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich im Gewebe von Tieren und Menschen an. In der Europäischen Union dürfen beispielsweise Eier höchstens drei Pikogramm (billionstel Gramm) Dioxin pro Gramm Fett enthalten. (PK)
 
Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Stoppt den E10-Kraftstoff!" in dieser NRhZ.


Online-Flyer Nr. 283  vom 05.01.2011

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