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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Filmclips
Zensur, Gefängnis, Folter
Von Peter Kleinert



Nach Ausbruch der ersten Intifada in Palästina im Dezember 1987 wurde die kleine jüdisch/arabische Wochenzeitung "Derech Hanitzotz/Tariq Al Sharara" von der israelischen Regierung verboten, die Redaktionsräume, Schreib- und Druckmaschinen wurden von Polizeikommandos zertrümmert. Einige der JournalistInnen, Juden wie Araber, wurden zeitweise festgenommen, weil sie in dem viel beachteten Blatt die Forderungen der PLO und des Aufstands nach einem unabhängigen, gleichberechtigten palästinensischen Staat unterstützt und unzensiert über das inhumane Verhalten von Armee und Polizei gegenüber Palästinensern berichtet hatten.

 
Als wir als Mitglieder der Deutschen JournalistInnen-Union in der IG Druck und Papier von diesem Verstoß gegen die Pressefreiheit erfuhren und mit Anfragen zu diesem Projekt bei verschiedenen Fernsehsendern aufgelaufen waren, fragten wir beim Vorstand unserer Gewerkschaft an, ob dieser einen Film zur Unterstützung der KollegInnen in Tel Aviv finanzieren könne. Auf Empfehlung unserer Gewerkschaft, die damals Mitglied der Internationalen Organisation der Journalisten (IOJ) war, übernahm diese tatsächlich die Finanzierung des Filmprojektes, das so nicht nur in Deutschland, sondern auch international verbreitet werden und zur Solidarität aufrufen konnte.
 
Als Begleiter der KollegInnen, die ihre Arbeit kurz vor unserer Ankunft in Israel wieder aufnehmen durften, hatten wir so die Möglichkeit, die Intifada, ihre Ursachen und Folgen sozusagen von Innen zu dokumentieren. Von Anfang an ließ die Armee uns spüren, daß wir als offiziell angemeldete aber von den übl(ich)en Medien unabhängige Beobachter nicht allzu willkommen waren. Deshalb mußten wir kurz nach Beginn der Dreharbeiten einen Tränengasangriff auf unser Team dokumentieren. Wir hatten es gewagt, ohne Erlaubnis der Behörden, ein Flüchtlingsdorf zu besuchen, dessen Bewohner bereits mehrfach von der Armee terrorisiert worden waren. Solidarisch luden die Menschen uns in eine ihrer Hütten ein, damit wir uns dort von dem Giftgas einigermaßen erholen und wieder atmen konnten.
 
Wir konnten aber auch erfreulichere Ereignisse als Überfälle und Bombenangriffe und deren Opfer in Krankenhäusern und bei einem Begräbnis dokumentieren. So lud uns ein Rabbi aus der Friedensbewegung zu einer (damals noch möglichen) Diskussionsveranstaltung mit jungen israelischen Soldatinnen und Soldaten ein, in der er die TeilnehmerInnen über das verbrecherische Wirken des Besatzungsregimes aufzuklären versuchte, an dem sie selbst mit der Waffe in der Hand beteiligt waren.
 
Zurück in Köln, konnten wir dann sogar einen 12 Minuten-Beitrag aus unserem Filmmaterial für das IOJ-Projekt im WDR-Magazin ZAK senden. Daraufhin wurde Roni Ben Efrat, die jüdische Redakteurin von Derech Hanitzotz, die als unsere Begleiterin und Interviewpartnerin im Film offenbar den Zorn der Behörden besonders erregt hatte, verhaftet. Erst nach einem halben Jahr kam sie vor Gericht. Nicht zuletzt die internationalen Proteste von Journalistenorganisationen erzwangen ihren Freispruch. Roni und ihr Mann Yacov Ben Efrat machen zusammen mit weiteren jüdischen und palästinensischen KollegInnen ihre inzwischen mehrfach verbotene Zeitung nach diversen Namenswechseln heute unter dem Titel CHALLENGE (www.challenge-mag.com/) und haben gelegentlich auch in der NRhZ publiziert.
 
 
 
Zum Positiven verändert hat sich aber seit 1988 in Israel so gut wie nichts, weil sich niemand traut, diese Regierung endlich zur Vernunft zu bringen, wie man es ja aktuell mit dem angeblichen Präsidenten der Elfenbeinküste versuchen will. Damals, vor 22 Jahren, hatte uns ein Interview mit einem Knesseth-Abgeordneten und das oben erwähnte Gespräch des Rabbi mit den israelischen Soldaten etwas Hoffnung gegeben.
 
Über ihre aktuelle Erfahrung mit der Ermordung eines ihr gut bekannten, friedlich im Grenzgebiet zwischen Israel und Palästina seine Schafe weidenden Schäfers in der Weihnachtszeit 2010 durch israelische Soldaten berichtet in dieser Ausgabe der NRhZ Vera Macht in dem Beitrag "Warum dieser Text kein Zeitungsartikel werden konnte - Weihnachten in Gaza". Und in der deutschen Linken herrscht auch immer noch Streit darüber, ob die Palästinenser nicht endlich einen eigenen Staat erhalten oder ob sie weiter unter diesem brutalen Besatzungsregime rechtlos dahinvegetieren sollen. Dazu der Beitrag von Attia und Verena Rajab zur "Stuttgarter Erklärung". (PK)
 
"Zensur, Gefängnis, Folter - Pressefreiheit - wie Israels Regierung sie sieht"
Autoren: Peter Kleinert und Michael Opperskalski, Kamera: Manfred Linke, Ton: Peter Kleinert, Grafik: Stephan Thonett, Schnitt: Peter Kleinert, Übersetzungen: Eva Schreiber und Mustafa, Produktion: KAOS Film- und Video-Team Köln, Auftraggeber: Internationale Organisation der Journalisten (IOJ) und WDR, Produktionsjahr: 1988, Länge: 59 und 12 min.
 
 


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Online-Flyer Nr. 282  vom 17. Oktober 2017



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