NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

zurück  
Druckversion

Sport
Duisburg mit Inka, Potsdam mit Mühe, Frankfurt mit Esprit
Joker Yuki Nagasato erlöste Potsdam
Von Bernd J.R. Henke

In der Hansestadt dauerte es zweiundachtzig Minuten bis der Joker das Siegestor vollstreckte. Die Begegnung Hamburger SV gegen Turbine Potsdam endete 0:1 (0:0). Die japanische Nationalspielerin Yuki Nagasato, Potsdams Vollstreckerin, sowie Frankfurts Joker vom Dienst Conny Pohlers sind zwei der vier Heldinnen des zwölften Spieltages der 1. Frauenbundesliga.
Die 67-fache putzmuntere Nationalspielerin Conny Pohlers schoss ihre beiden Tore (83./89.) innerhalb der letzten acht Minuten. Inka Grings (FCR 01 Duisburg) benötigte dagegen nur siebzig Minuten Spielzeit, um mit allen drei Toren (19./33./70.) für die Löwinnen den Sack gegen die Werkselfen aus Leverkusen zuzumachen. Die Essenerin Kyra Malinowski entschied zur Freude der Ruhrpott Fans das Duell gegen den SC 07 Bad Neuenahr mit den beiden einzigen Toren ihres Teams (5./62.) die wichtigen drei Punkte gegen den Abstieg.
 
Bayer 04 Leverkusen - FCR 2001 Duisburg 2:3 (1:2)
FC Bayern München - Herforder SV 3:2 (0:2)
1. FC Saarbrücken - FF USV Jena 1:1 (1:0)
1. FFC Frankfurt - VfL Wolfsburg 5:1 (2:0)
Essen-Schönebeck - SC 07 Bad Neuenahr 2:1 (1:0)
Hamburger SV - 1. FFC Turbine Potsdam 0:1 (0:0)

 
Bundesliga Joker aus Japan: Kozue Ando (FCR 2001 Duisburg) und Yuki Nagasato (1.FFC Turbine Potsdam) |  Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Steigerung

Inka Grings übernahm mit ihren drei Toren wieder die Führung in der aktuellen DFB Torjägerinnen Tabelle und verwies damit die seit zwei Spielen verletzte Frankfurterin Kerstin Garefrekes auf Platz zwei. Joker Conny Pohlers dagegen, sie wurde erst in der 65. Minute von Cheftrainer Sven Kahlert eingewechselt, gelang mit ihrem zweiten Tor in der vorletzten Minute (89.) eine weitere Steigerung im Ranking der besten Torschützen. Pohlers erzielte in der laufenden Saison das insgesamt 50. Tor für den Rekordmeister vom Main. Für die anwesende Bundestrainerin Sylvia Neid muss es ein Signal gewesen sein. In der Rangliste belegt Pohlers mit zwölf Spielen, davon acht mit späterer Einwechselung und folglich wesentlich weniger Spielminuten nunmehr schon Platz 5.

Ein Zeichen von Instinkt, wenn es darauf ankommt zu gewinnen und in kurzer Zeit den Rhythmus zu finden, wichtige Treffer zu markieren. In zwölf Partien haben die torhungrigen Hessinnen mit fünfzig Toren einen Schnitt von 4,2 Toren pro Spiel abgeliefert. Spitzenreiter Potsdam hat bisher einen Schnitt von 2,6 Toren erreicht. „Der Turbine Motor Bajramaj/Mittag läuft noch nicht so gut wie vergleichsweise im Vorjahr. Cheftrainer Bernd Schröder testet deshalb zur Zeit eine verstärkte Abwehr, um beim Highlight am Main gegen den 1.FFC Frankfurt in vierzehn Tagen einen Punkt entführen zu können,“ analysierte Fußballexperte Joe Blaha das Fernduell der Erzrivalen.
 
1.Grings FCR 2001 Duisburg 17
2.Garefrekes 1. FFC Frankfurt 15
3.Prinz 1. FFC Frankfurt 12
3.M. Müller VfL Wolfsburg 12
5.Pohlers 1. FFC Frankfurt 11
5.Okoyino da Mbabi SC 07 Bad Neuenahr 11


Conny Pohlers:  248 Tore in 262 Bundesligaspielen pro Spiel 1,05 Tore
Foto: Frank Scheuring, Würzburg
 
Torinstinkt

„Pohlers schoss ihre Tore auf Bestellung, Ranking Rivalin Martina Müller blieb gegen die starke Frankfurter Innenverteidigung mit Nationalspielerin Saskia Bartusiak und der US-Amerikanerin Gina Lewandowski diesmal ohne Treffer. Conny Pohlers, die ehemalige FIFA All Star Game Spielerin (2007 in Wuhan/China schoss sie ein Tor vor 31.000 Zuschauer) gehört in dieser Form und Gefährlichkeit in den engsten Kader der Nationalelf für die FIFA WM 2011. Ganze 248 Tore in insgesamt 262 Bundesligaspielen, zumeist in Potsdam und Frankfurt, das gilt es erstmal von anderen Spielerinnen zu toppen,“ erklärte Fußballexperte Joe Blaha. Vor 1.630 Zuschauer traf Conny Pohlers gegen die Wölfinnen aus dem VW-Auto-Mekka im Doppelpack (83./89.), die mit Verena Faißt eine frischgebackene Nationalspielerin, mit Navina Omnilade eine 61-fache Nationalspielerin und mit Alisa Vetterlein eine erfahrene Torfrau in der Abwehr aufbieten konnten.

Unter den Augen von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der neben FIFA-WM-OK-Chefin Tatjana Haenni, DFB-WM-OK-Präsidentin Steffi Jones und Bundestrainerin Silvia Neid auf der Tribüne dem Spiel des 1.FFC Frankfurt gegen den VfL Wolfsburg beiwohnte, steigerte und toppte die unermüdliche Conny Pohlers das Torergebnis gegen den Frankfurter Angstgegner. „Wenn Conny Pohlers eingewechselt wird, fallen (halt noch) Tore“, resümierte Dr. Zwanziger das Spielgeschehen

 
Conny Pohlers im Jubel: Zwei Tore im Doppelpack gegen Angstgegner VfL Wolfsburg, Revanche geglückt | Foto: Frank Scheuring, Würzbur
 
Drucksituation

Aus diesem Statement klang scheinbar etwas zu viel Selbstverständlichkeit des Präsidenten über die Leistung von Pohlers. Der wiedergewählte DFB-Präsident war sichtlich überrascht darüber, wie Frankfurt die Elf aus der Autostadt sprichwörtlich vorführte. Er hatte sich wohl ein knapperes Ergebnis gewünscht und schien mangels Spannung sichtlich enttäuscht. Mit einem so eindeutigen Ergebnis 5:1 (2:0) hatte wohl keiner gerechnet an diesem November Morgen im Stadion am Brentanobad. Wohl auch nicht der Potsdamer Cheftrainer Bernd Schröder, der mit seiner Mannschaft auswärts beim Hamburger SV antreten musste.

Die Ergebnisdienste verkündeten schon das klare Ergebnis des Rivalen vom Main, als nachmittags gegen 14 Uhr die Potsdamerinnen aus der Kabine kamen. Das hohe Ergebnis in Frankfurt schien die Stimmung der Turbine-Mannschaft noch nicht zu trüben, aber Cheftrainer Schröder wusste insgeheim, dass die hohen Erwartungen des näheren Umfeldes und der Öffentlichkeit , die an seine Elf seit dem Gewinn der Champions League Trophäe gestellt werden, einige Spielerinnen offensichtlich ziemlich unter Druck setzen. Denn zur Zeit glänzen in der Liga nur Inka Grings, Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz mit der notwendigen Abgezocktheit. Die Havelstädterinnen sind sichtlich gehemmter.
 
Vorteil

Im Fernduell mit Frankfurt gelang den Potsdamerinnen bisher, außer dem vernichteten 8:0 Pokalsieg gegen Jena, noch keine „Generalmobilmachung“ ihrer Offensivkräfte. Es vollzog sich für Potsdam ein extrem schwieriges Spiel in der Hansestadt. Sämtliche Turbine-Frauen bedankten sich bei ihrer japanischen Nationalspielerin Yuki Nagasato, die mit ihrem Tor den späten Sieg perfekt machte. Joker Yuki Nagasato verhinderte damit das Abrutschen der Potsdamerinnen auf den zweiten Tabellenrang der Bundesliga.

Sie verhinderte damit einen möglichen Vorgang, den Cheftrainer Bernd Schröder bis zum vorentscheidenden Meisterschaftsspiel gegen Frankfurt auf jeden Fall verhindern möchte. „Und wenn wir nur mit dem einen Punkt Vorsprung dorthin fahren“, sinnierte der routinierte „General aus Babelsberg“ in der Pressekonferenz, „psychologisch ist es immer von Vorteil, als Spitzenreiter zum ärgsten Rivalen zu kommen.“ Seine Taktik, dass ein Remis mit einer verstärkten Abwehr besser sei als eine Niederlage in Frankfurt, scheint wohl der richtige Weg zu sein, um seinen Spielerinnen, das nötige Selbstvertrauen zu geben. Seine Turbinen ließen immerhin in zwölf Spielen nur acht Gegentore zu, vier Tore weniger als der Rivale vom Main mit zwölf Gegentreffer.

 
Joker Yuki Nagasato in Aktion, dahinter Carolin Simon
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Mützen-Lady

Der 1. FFC Frankfurt revanchierte sich gegen den VfL Wolfsburg mit dem sicheren 5:1 (2:0)-Erfolg für die im Saisonauftaktspiel erlittene 3:4-Niederlage. Cheftrainer Sven Kahlert verzichtete kurzfristig auf die erkrankte Torfrau Nadine Angerer. Die „Mützen-Lady“ vom Main saß am Tribünenrand und fieberte mit der Mannschaft, ihrer Grippe und ihren Medikamenten, die wohl keine Doping Kontrolle negativ durchlaufen hätten. Ein weiterer Tribünengast war die jüngst laut DFB Umfrage gekürte beste Spielerin der Vorrunde: Kerstin Garefrekes. Umringt von zahlreichen Mädchen. Kids und Fans war sie der Star der Tribüne an diesem Tag.

Sie toppte sogar Steffi Jones, die laut Event- und Stadionsprecher Rolf Töpperwien direkt von der Tanzfläche der Alten Oper Frankfurt, wo der Deutsche Sportpresseball alljährlich Sportlegenden wie Franz Beckenbauer (diesmal mit Gattin) zum Klassentreffen der Sportelite mit Schauspielern und Politdarsteller u.a. Landesfürsten wie Bouffier, Mappus und ehemals Koch sowie diesmal Deutschlands angeblich beliebtester Politpromi „Wirtschaftsriegsminister“ Baron Karl-Theodor zu Guttenberg, zusammentreffen, und die Luftlinie von drei Kilometern direkt herübergekommen war.

Angreifen, nicht warten

Sport und Politik, Hand in Hand, die letzten Skandale bei FIFA, UEFA und DFB sind ein Zeichen dafür, dass die Unabhängigkeit und demokratische Kontrolle der Sportverbände notwendiger denn je sind. Die integrative gesellschaftspolitische Kraft des Sports, insbesondere des Frauenfußballs, sind ein humanes Gut der Daseinsvorsorge der Bevölkerung. Die volkstümliche OK-Präsidentin Steffi Jones meistert ihre repräsentative Aufgabe mit Bravour, ein wenig Distanz zur Politik wäre aber auch ihr anzuraten, insbesondere weil ihre Rolle der Regentschaft am Finaltag der Frauen WM 2011 zu Ende gehen wird. Ihre Generation erfolgreicher Sportlerinnen sollte sich dann mit ihrem Wissen und Können gesellschaftspolitischen Fragen stellen und Reformen im Sportbetrieb des DFB durchsetzen. Die Ägide Theo Zwanziger wurde vom DFB mit großer Mehrheit in Essen verlängert. Die kritischen Frauen im DFB sollten jetzt aber schon Positionen aufbauen, angreifen und nicht abwarten.

 
Sarah Thunebro (FFC) verfolgt die schnelle Zsanett Jakabfi (VfL)
Foto: Frank Scheuring, Würzburg
 
Schnelle Führung

Für die US-Amerikanerin Ally (Ali) Krieger, die mit dem US-Womensoccer National Team übrigens bei der WM-Qualifikation in Mexiko im Halbfinale überraschend den Gastgeberinnen unterlag und daher auf dem Weg nach Deutschland deshalb eine Zusatzschicht am 20. November gegen Italien in Padua in Kauf nehmen muss, spielte Meike Weber, vorne stürmte neben Spitze Birgit Prinz die schwedische Nationalspielerin Jessica Landström. Die erste Halbzeit stand ganz im Zeichen der Frankfurterinnen, die wie die Feuerwehr loslegten. „Wir hatten uns vorgenommen, Wolfsburg permanent unter Druck zu setzen und so den Gegner in Bewegung zu halten.

Das gelang uns von Anbeginn sehr gut“, lobte Cheftrainer Sven Kahlert sein Team. Bereits in der vierten Minute setzte sich Birgit Prinz links durch, passte flach auf Höhe des Fünfers nach innen, wo die völlig frei stehende Melanie Behringer mit einem Direktschuss das 1:0 markierte. „Diese schnelle Führung war angesichts der schweren Bodenverhältnisse Gold wert“, so der Frankfurter Coach weiter. In der sechzehnten Minute legte Jessica Landström einen Ball auf die nachrückende Meike Weber ab, die defensiv wie offensiv überzeugte, und die rechte Verteidigerin zog aus zwanzig Metern flach ab. Torfrau Alisa Vetterlein klärte mit einer Glanzparade. Nur sechzig Sekunden später spielte Jessica Landström den Ball quer zu Svenja Huth, deren Direktabnahme genau in den Winkel gepasst hätte, allerdings war auch hier die Wolfsburger Torhüterin glänzend zur Stelle.

 
Conny Pohlers | Foto: Frank Scheuring, Würzburg
 
Spektakuläre Rettung

Wolfsburg kam nach neunundzwanzig Minuten zur ersten halbwegs gefährlichen Chance: Stephanie Ullrich, die die erkrankte Nadine Angerer gut zwischen den Pfosten vertrat, lief aus dem Strafraum rechtzeitig raus und schlug den Ball wieder nach vorne. Allerdings landete der Ball bei der Ungarin Zsanett Jakabfi, die nach einem kurzen Dribbling aus rund 30 Metern Richtung Tor schoss. Saskia Bartusiak klärte spektakulär auf Höhe des Elfmeterpunktes für die zurückeilende FFC-Keeperin. Bis zur Pause blieb es die einzige Chance der Gäste. Dem 1. FFC gelang in Person von Jessica Landström jedoch noch eine gute Aktion vor dem Halbzeitpfiff: Nach einem Rückpass von Melanie Behringer und direkter Flanke von Meike Weber stand die 1,80 m große Schwedin goldrichtig am Fünfer und köpfte den Ball unhaltbar zum 2:0 ins Netz (41.).Die zweite Hälfte begann mit einem weiteren Paukenschlag. Nur sechsundfünfzig Sekunden nach dem Seitenwechsel landete ein mehrfach abgeprallter Ball vor den Füßen von Birgit Prinz und diese bedankte sich auf ihre Weise, mit einem platzierten Schuss zu ihrem zwölften Saisontreffer. Wolfsburg antwortete postwendend. Ausgerechnet die frühere Frankfurterin Ivonne Hartmann markierte das 1:3 (48.).
 
„Eigentlich war nach dem 3:0 das Spiel schon gelaufen. Mit dem Anschlusstreffer kam noch einmal ein wenig Hoffnung auf, aber der Sieg war letztlich völlig verdient. Aus meiner Sicht lediglich ein bis zwei Tore zu hoch“, meinte Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann anschließend.

 
Yuki Nagasato trifft zum 1: 0 gegen Hamburger SV
Foto: Jan Kuppert. Potsdam
 
Konzentration

Sven Kahlert sah hier durchaus noch Grund zur Beunruhigung: „Nach den 3:1 mussten wir unsere volle Konzentration auf die Defensive legen, um Wolfsburgs Ansturm standzuhalten.“ Innenverteidigerin Gina Lewandowski rettete nach einem schönen Zusammenspiel von Martina Moser und Zsanett Jakabfi. Doch der 1. FFC Frankfurt blieb mit schnellen Gegenangriffen gefährlich. Gerade in dem Augenblick, als VfL-Cheftrainer Ralf Kellermann alles auf eine Karte setzen wollte und mit der aus taktischen Gründen zunächst draußen gebliebenen norwegischen Nationalspielerin Melissa Wiik eine zusätzliche Stürmerin bringen wollte, traf nach einem Doppelpass mit Sandra Smisek die eingewechselte Conny Pohlers zum 4:1.

Damit war der Torhunger noch nicht gestillt. In der 89. Minute konnte Alisa Vetterlein einen Distanzschuss von Birgit Prinz nicht festhalten und Conny Pohlers bewies ihren Torinstinkt, indem sie geistesgegenwärtig genau diesen Ball vor der VfL-Torfrau erreichte. „Die beiden ersten Tore waren perfekt gemacht. Ich bin sowohl mit der Leistung als auch mit dem Resultat zufrieden,“ sagte Cheftrainer Sven Kahlert. Die Neuzugänge Melanie Behringer und Jessica Landström werden zunehmend ein Teil eines kompakt agierenden Mannschaftskörpers. Damit erhöht Frankfurt seine Schlagkraft für kommende Begegnungen gegen europäische Spitzenmannschaften wie Potsdam und Duisburg. Die Stimmung in Frankfurt ist besser als der Tabellenplatz. Ob gegen eine verstärkte Potsdamer Abwehr in zwei Wochen ein Sieg möglich sein wird, werden die Trainingseinheiten der nächsten Tage sowie der mentale Zustand der Köpfe ausschlaggebend sein.
 
Fazit
 
„Die Mannschaft hat sich Morgen einen trainingsfreien Montag verdient, “ versprach Cheftrainer Sven Kahlert, der zunehmend in Frankfurt das Vertrauen der Spielerinnen genießt. Sven Kahlert findet den Weg zur Mannschaft. Seinem Gespür und seiner Forderung nach Tempofußball von Anfang bis zum Ende folgt die Mannschaft. Und das ist ganz allein Erfolg des Vierzigjährigen. Auch Manager Siegfried Dietrich weiß es zu schätzen. Sollte Frankfurt mit Kahlert in das internationale Fußballgeschäft zurückkehren, wird Manager Dietrich sich bemühen müssen, den erfolgreichen Trainer halten zu können. Der VfL Wolfsburg verlor nach überragendem Kampf auf Augenhöhe. Die Mannschaft spielte weite Teile temperamentvoll mit.

Es fehlte lediglich die Genauigkeit beim finalen Pass und die Torgefährlichkeit à la Conny Pohlers. Die Wolfsburger Spielführerin Martina Müller und die schweizerische Nationalstürmerin Martina Moser waren sichtlich erfolglos, da die aufmerksame Frankfurter Innenverteidigung mit Saskia Bartusiak und Gina Lewandowski alles wegputzte, was in ihre Richtung kam. Die Leistungssteigerung der US-Amerikanerin Gina Lewandowski erfolgte maßgeblich durch eine Veränderung ihrer inneren Einstellung zu mehr Körperspannung und Aggressivität. Dies ist ein weiterer positiver Beweis der Trainingsarbeit von Kahlert und seinem Trainerteam. „In dieser Form wäre sie auch erste Wahl für die amerikanische Nationalmannschaft. Lewandowski ist mit der gebürtigen Hessin Meike Weber die eigentliche Neuentdeckung im kleinen Frankfurter Kader. Die Höhe des Sieges geht in Ordnung, da Frankfurt auf jeder Spielposition ein Quentschen besser war,“ erklärte Fußballexperte Joe Blaha nach dem Spiel.

 
Tabea Kemme im Zweikampf mit Nina Jokuschies (HSV)
Foto: Jan Kuppert, POtsdam
 
Beweglich

Rivale Turbine Potsdam gelang dagegen an diesem Wochenende spielerisch wenig. Der Hamburger SV als Heimmannschaft im Wolfgang-Meyer-Sportpark war von Trainer Achim Feifel gut eingestellt worden, operierte mit einer kopfballstarken und beweglichen Deckung und startete gefährliche Konter. Turbine fand nicht zu ihrem zwingenden Kombinationsspiel. Auch die sonst nervenstarke Spielmacherin Fatmire Bajramaj ließ sich verunsichern und servierte ihrer direkten Gegenspielerin Carolin Simon den Ball auf den Fuß (34.). Doch Nationalspielerin Bianca Schmidt konnte im letzten Moment klären. Vier Minuten später brannte es erneut im Gästestrafraum. Die Schweizer Nationalspielerin Ana-Maria Crnogorcevic ging durch, überspielte auch noch Torhüterin Desirée Schumann, also eine hundertprozentige Chance, dann sie jedoch rutschte mitsamt dem Ball über die Torauslinie. Mit etwas Glück hätten die Hamburgerinnen in Führung gehen können. Begünstigt wurde die Spielweise der HSV-Frauen durch taktische Umstellungen bei den Potsdamerinnen. Anstatt einer Dreier-Abwehr probierte Cheftrainer Schröder eine Vierer-Kette , die hinten gut stand, aber das Umschalten nach vorne klappte überhaupt nicht.

Nadine Kessler im Zweikampf mit Aferdita Kameraj (HSV)
Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Zittersieg

Folglich wechselte Cheftrainer Bernd Schröder zu Beginn der zweiten Halbzeit die für ihre Schnelligkeit und Angriffslust bekannten Yuki Nagasato und Isabell Kerschowski ein. Das in der ersten Hälfte praktizierte ungewohnte 4-4-2-System stellte Schröder wieder um auf das 3-4-3 System. Viel besser wurde das Spiel aber nicht. Die Potsdamer Kombinationen wurden von der stabilen Hamburger Deckung abgewehrt. Beide Mannschaften wurden schwächer und schienen sich auf ein Remis einzulassen. Die Rechnung von Schröder ging verspätet auf. Beide eingewechselte Offensivkräfte überraschten die Hamburger Abwehr.

Per Kopf hatte Yuki Nagasato nach einer Flanke von Isabel Kerschowski den Ball aus sechs Metern über die Torlinie gedrückt (82.). Jetzt legte auf einmal der HSV wieder zu, erarbeitete in den letzten Minute Druck gegenüber den Gästen. Ein Schuss von Ana-Maria Crnogorcevic parierte Desirée Schumann mit einer Glanzparade. Die Schiedsrichterin entschied auf vier Nachspielminuten. Der HSV warf alles nach vorne. Potsdam zog sich zurück und lauerte auf Konter. Fatmire Bajramaj narrte in den letzten Sekunden die Hamburger Abwehr, aber es fehlte die Konsequenz im Abschluss. Dann Schlusspfiff und der Potsdamer Zittersieg war perfekt.

Bianca Schmidt und Heike Freese (HSV) |  Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Sportlich fair
 
Potsdams Cheftrainer Bernd Schröder kommentierte gelassen: „Ein typisches 0:0-Spiel, in dem wir das Glück auf unserer Seite hatten. Die Hamburgerinnen waren sehr spritzig und außerordentlich kampfstark. Es war ein schweres Spiel, beide Mannschaften haben sich auf Augenhöhe bewegt. Im ersten Durchgang haben die Hamburgerinnen gut zugestellt und wir nicht gegensteuern können.

Ich war mir in der Schlussphase zu einem relativ hohen Prozentsatz sicher, dass wir dieses Spiel heute nicht mehr gewinnen würden. Man muss nach so einem Spiel einfach auch einmal den HSV loben, der ein wirklich starker Gegner war. Wir haben leider nicht unseren besten Tag erwischt, waren im Spiel nach vorne relativ einfallslos. Trotzdem freuen wir uns natürlich über den Sieg. Einige meiner Spielerinnen kommen mit der Drucksituation, immer Siegen zu müssen, nicht zu recht. Aber wir müssen die Feste feiern wie sie fallen.“ Ehrlicher, sportlich fair und klarer geht es nicht.
  
Enttäuschung
 
Am Ende hingen sie dann doch sehr tief, die Köpfe der HSV Frauen. Zweiundachzig Minuten lang hatte die Mannschaft von Trainer Achim Feifel dem amtierenden Deutschen Meister und Champions League-Sieger 1. FFC Turbine Potsdam einen großen Kampf geboten. Bis, ja bis der einzige Stellungsfehler in der Hintermannschaft der Rothosen eiskalt mit dem entscheidenden Gegentreffer betraft wurde. Nach einer Flanke von der linken Seite fehlte in der Abwehrzentrale die Zuordnung, Nagasato sagte Danke und schoss die Turbinen mit 1:0 in Front.

Fassungslosigkeit in Reihen des HSV. Denn mit veränderter Taktik hatte der HSV ohne die verletzte Nationalspielerin Kim Kulig einen großen Kampf geliefert, leidenschaftlich dagegen gehalten und sich sogar ein Plus an Chancen erspielt, ehe all das nun entscheidend an Wertigkeit zu verlieren drohte. HSV-Trainer Achim Feifel bemerkte mit einem lachenden sowie weinenden Auge, aber doch ziemlich konsterniert: „Zuerst einmal möchte ich meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen.

Sie hat mich heute wirklich beindruckt. Jede einzelne konnte hundert Prozent abrufen und hat unsere taktischen Vorgaben sehr gut umgesetzt. Genau so, wie wir es heute getan haben, muss man eine stets brandgefährliche Mannschaft wie Potsdam bearbeiten. Das Team ist als eine Einheit aufgetreten und hat wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht. Umso bitterer ist es natürlich, dass wir am Ende mit leeren Händen dastehen und uns nicht für unseren enormen Aufwand belohnen konnten. Leider hat es am Ende nicht gereicht, das ist sehr bitter.“


Jubelszene mit Yuki Nagasato und Anja Mittag
Foto: Jan Kuppert. Potsdam
 
Gelassenheit
 
Dabei waren die Chancen, das Spiel positiv zu gestalten, da, sogar noch in den dramatischen Minuten nach dem Gegentor. Doch weder die Deutsch-Albanerin Aferdita Kameraj, noch die Schweizerin Ana Maria Crnogorcevic, noch die Schwedin Antonia Göransson, die beide für ihre Nationalteams im Sommer bei der U-20-Juniorinnen Weltmeisterschaft teilnahmen, konnten den Ball im Tor des deutschen Herbstmeisters unterbringen, der trotz über weite Strecken schwacher Leistung dennoch mit drei Punkten im Gepäck die Heimreise antrat. Am kommenden Mittwoch tritt das Potsdamer Team im Achtelfinale der Champions League weitaus gelassener beim österreichischen Meister SV Neulengbach an. Turbine gewann das Hinspiel gegen Österreichs Serienmeister mit 7:0. Bianca Schmidt dachte angesichts des deutlichen Erfolgs bereits an den nächsten Gegner. Ihr größter Wunsch für das Viertelfinale: "Bitte nicht Duisburg."
 
Überforderung
 
Der FCR 01 Duisburg erscheint auch am zwölften Spieltag im Start der Rückrunde noch nicht so erfolgreich wie in den beiden Vorjahren, als Frankfurt spielerisch und kämpferisch überholt wurde. Immer mehr entscheidet die Tagesform der Kapitänin der Löwinnen. Die nervenstarke und trickreiche Inka Grings verhinderte mit drei Toren eine drohende Niederlage. Im Defensivspiel der Duisburgerinnen gab es Schwächen. Es drohte ein überraschender Punktverlust. Die Abwehr um Alexandra Popp und Luisa Wensing zeigte Nervosität. Die Doppelbelastung durch internationale Spiele des FCR im Champions League machte sich bemerkbar. Die Überforderung der jungen Spielerinnen lag natürlich auch am Fehlen der erfahrenen Nationalspielerinnen Linda Bresonik und Annike Krahn, die eine Abwehr führen und ordnen können. Die Löwinnen waren von Anfang an feldüberlegen, aber ohne zwingende Tormöglichkeiten.

 
Inka Grings |  Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Vertändelt

Als die Ex-Duisburgerin Shelley Thompson die Gastgeber nach einer Unachtsamkeit in der FCR-Abwehr die Führung (15.) knapp verfehlte und den Ball verzog, war die Werkself zum ersten Mal vor dem Tor von Nationaltorhüterin Ursula Holl in Aktion. Auch Duisburg bekam nun seine Chance. Eine herrliche Flanke von rechts von Jennifer Oster erreichte in zentraler Strafraumposition Inka Grings (19.), die mit einem trockenen Schuss den wiederspenstigen Aufsteiger abstrafte zum 1:0. Doch die Leverkuserinnen spielten weiter auf Augenhöhe mit.

Nach einem Fehler in der sorglosen Löwinnen Abwehr durch Luisa Wensing, die einen schon sicheren Ball vertändelte, ergriff Kasperczyk die Chance und zog noch stark bedrängt von der Duisburgerin Himminghofen (31.) aus kurzer Distanz zum Ausgleich 1:1 ab. Die ärgerliche Inka Grings startete daraufhin einen energischen Alleingang und wurde im Leverkuserner Strafraum von mehreren Bayer-Elfen zu Fall gebracht. Elfmeter, Grings schoss (33.) , Grings traf, Grings sicherte in die erneute Führung. Ein weiteres Tor der überragenden Grings wurde von Schiedsrichterin Rafalski als Abseitstor nicht anerkannt.
 
Angekommen

Die Standpauke in der Kabine von Cheftrainerin Martina Voss-Tecklenburg half nichts. Der Duisburger Schlendrian ging weiter. Mehr Ballbesitz ohne irgendeine Torchance war die Devise. Als dann Alexandra Popp schon im Mittelfeld einen unnötigen Ballverlust verursachte, versuchten Torfrau Holl und Verteidigerin Wensing noch zu klären. Den Ausgleich von der schnellen Lisa Schwab (63.) konnten auch sie nicht verhindern. Das war nicht sehr überzeugend für die zahlreich mitgereister Duisburger Anhängerschaft. Die Anfeuerungsrufe der FCR-Fans für Inka Grings wurden lauter.

Schon im Pokalspiel in Wolfsburg hatte Inka Grings den VfL Wolfsburg schon alle fünf Tore erzielt. Die Ausnahmespielerin war auch diesmal nicht zu stoppen. Einen schon geklärten Ball von Leverkusen erkämpfte sie sich im gegnerischen Strafraum (71.) und schoss unhaltbar für die Torhüterin zum 3:2 Siegtreffer ein. Leverkusen hielt spielerisch dagegen. Duisburgs Sieg war mühsam erkämpft. Leverkusen zeigte mit seiner Leistung auf Augenhöhe, dass das Team in absolut Bundesliga reifer Verfassung spielt und das Saison-Hinspiel, die 0:9 Schlappe in Duisburg, nicht mehr als ein früher Ausrutscher zu werten ist. Diesmal stand das Spiel gegen Duisburg lange Zeit auf des Messers Schneide. „Leverkusen ist in der ersten Liga angekommen. Was wäre gewesen wenn Inka Grings die zweite Halbzeit für Leverkusen gespielt hätte?“fragte Fußballexperte Joe Blaha.

 
Inka Grings |  Foto: Jan Kuppert, Potsdam
 
Fore-Checking
 
Der zweite Aufsteiger neben Bayer 04 Leverkusen ist derzeitige Tabellenletzte Herforder SV Borussia Friedenstal. Auch Herford hatte im Hinspiel zu Hause gegen FC Bayern München eine 0:6 Schlappe hinnehmen müssen. Mittlerweile gab es einen Trainerwechsel in Herford. Der neue Trainer Jürgen Prüfer trainierte zuletzt die Landesliga_Männer des SC Herford. Nun traf man sich in Aschheim bei Ismaning. Eine Halbzeit mithalten ohne Gegentore war das Ziel der Westfälinnen. Spiele gegen den Tabellenletzten können ähnlich wie Pokalspiele eine gefährliche Eigendynamik entwickeln. Herford spielte in ersten Halbzeit denn auch unglaublich selbstbewußt und agressiv. Der FC Bayern München fand nicht zum Spiel. Die Münchnerinnen wurden im Zweikampf und im Forechecking zu Fehlern gezwungen. Somit erarbeitete sich der Tabellenletzte etliche Spielchancen.
 
Vorsprung

Die Münchnerin Viki Schnaderbeck verlor im Vorwärtsgang den Ball an die Österreicherin Marion Gröbner, die den Ball an ihre Landsmännin Laura Feiersinger schickte, die wiederum mit dem runden Leder auf und davon zog (19.). Sie überspielte bei diesem Konter Carina Wenninger und Sandra de Pol. Es fiel das erste Tor Herfords gegen die Bayern im vierten Bundesligaspiel. Laura Feiersinger erzielte ihr sechstes Tor insgesamt in der Saison und steht im Tore Ranking der Bundesliga auf Platz 10. Auch die Herforderin Jennifer Voss versuchte ihr Schussglück, scheiterte aber an der Bayern Torfrau Kathrin Längert. Als dann Marie Pollmann zum 2:0 für Herford einschob (31.), war die Sensation perfekt.

Der FC Bayern München ging mit einem zwei Tore Rückstand gegen den Tabellenletzten in die Kabine. Die Unbekümmertheit von Herfords Team in der ersten Halbzeit wurde nach der Pause abgelöst durch die Angst vor dem Gewinnen. Die sehr junge Mannschaft zog sich zu sehr ins eigenen Spielfeld zurück und ließ den Bayern den Raum, den die zuvor nicht gehabt hatten. Außerdem schwand die Kraft mehr und mehr, der Gastgeber setzte zudem alles auf eine Karte. Schnell gelang München der Anschlusstreffer durch die Schweizerin Nicole Bürki (54.). Dem Ausgleich mit einem Fallrückzieher ebenfalls durch Vanessa Bürki in der 62. Minute folgte dann die Führung durch Nicole Banecki in der 70. Minute. Die Herforderinnen gaben sich nicht geschlagen und kämpften verbissen um einen Punkt. Die Herforderin Anna Laue nutzte in der Nachspielzeit auch nicht ihre Chance. Das Spiel endete 3:2 (0:2)

 
Nicole Banecki (FC Bayern München) | Foto: Frank Scheuring, Würzburg
 
Befreiung

Kyra Malinowski heißt die neue Heldin von Essen-Schönebeck. Ihre beiden Tore (5./62.) erbrachten der SG Essen-Schönebeck drei Punkte im Kampf gegen den Abstieg. Die U-17-Nationalspielerin spielte für Deutschland im September 2010 auf der U-17-Weltmeisterschaftin Trinidad und Tabago. Im Punktspiel gegen die Spitzenmannschaft des SC 07 Bad Neuenahr nutzte Kyra Malinowski in der 5. Minute einen Fehler der gegnerischen Torhüterin Nadine Richter und netzte zum 1:0 ein. In der 50. Minute gelang Nicole Rolser für Bad Neuenahr der Ausgleich durch ein Abstaubertor am langen Pfosten. Insgesamt bewegte sich die Partie auf einem niedrigen Niveau. Technische Unzulänglichkeiten, Ballverluste und teils grobe Fehlpässe auf beiden Seiten prägten das Bild. Die drei Punkte hatte sich Essen letztlich nur verdient, weil es den größeren Einsatzwillen zeigte. Kurz darauf (62.) gelang der Heim-Mannschaft die erneute Führung. Malinowski verlängerte die Flanke von Michele Weissenhofer per Kopf zum 2:1. Wieder machte Torfrau Richter keine glückliche Figur.
 
Freude

Was für die SG Essen-Schönebeck ein wichtiger Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt war, war für den SC 07 Bad Neuenahr ein Rückschlag. Immerhin bleiben die Kurstädterinnen trotz der Niederlage Tabellenvierter, nur der Abstand zu den besten drei Teams aus Potsdam, Frankfurt und Duisburg ist gewachsen, da das Spitzentrio seine Partien am ersten Rückrunden Spieltag gewinnen konnte. „Es war unser schlechtestes Saisonspiel. Wir haben einfach zu wenig Fußball gespielt,“ stellte der enttäuschte Trainer Bad Neuenahrs Thomas Obliers fest. In der Tabelle kletterte Essen mit nunmehr 13 Zählern auf Rang acht. Die Freude in Essen war groß. In vierzehn Tagen empfängt die SGS zu Hause den Universitätssportverein FF USV Jena. Eine Woche später fährt die SGS ins Saarland und spielt gegen den 1.FC Saarbrücken. „Die Essener Mannschaft setzt auf Kampfstärke. Das passt sicher gut im Abstiegskampf,“ sagte Fußballexperte Joe Blaha, der der Ansicht ist, dass Fußballspielen vorrangig etwas mit Tore schießen zu tun hat.

Caroline Schiewe (FF USV Jena) erzielt den Ausgleich im Tor Romina Holz
 (1.FC Saarbrücken) |  Foto: Lothar Weisner, Jena
 
Motivation

In der Woche zuvor gab es den zweiten Trainerwechsel dieser Saison. Das Bundesligateam des FF USV Jena begab sich auf den Weg ins Saarland. Nach der Freistellung von Trainer Thorsten Zaunmüller unter der Woche wurde von der Mannschaft eine Reaktion erwartet. Der 26-jährige Thüringer Daniel Kraus als Interimstrainer und Jugend-Vorstand Dr. Michael Zahn als Co-Trainer saßen auf der Bank im Stadion am Kieselhumen in der saarländischen Hauptstadt. Mit einem Sieg könnte das Team auf den achten Tabellenplatz vorrücken und sich etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen. „Wir wollen Vollgas geben. Alle werden sich hundertprozentig dafür einsetzen, dass wir unser Ziel erreichen und das heißt, die drei Punkte mit zu nehmen und den ersten Schritt in Richtung Klassenerhalt zu gehen.“ Auch U-20-Weltmeisterin Sylvia Arnold meinte vor dem Spiel: „Ich denke, es weiß jede, worum es geht. Das Spiel ist entscheidend, es geht um den Klassenerhalt. Aber wenn wir als Mannschaft zusammenhalten, können wir Saarbrücken auch besiegen.“
 
Heimgekehrt
 
Saarbrückens Cheftrainer Stephan Fröhlich setzte als primäres Ziel, dass Jena in der Tabelle hinter seiner Mannschaft bliebe. Dafür reichte ein Unentschieden. Wichtig für ihn war die Rückkehr der Afrikanerin Cynthia Uwak, die schon Freitag vom Afrika Cup wohlauf zurückgekehrt war. Der 1. FC Saarbrücken erwischte einen Traumstart und konnte bereits nach sechs Minuten in Führung gehen. Uwak setzte sich gegen die Jenaer Abwehr durch, legte auf die US-Amerikanerin Juliana Edwards ab und die schloss präzise ins kurze Eck ab. Das Trainertteam Jenas begriff die Situation und ließ die quirlige Uwak besser markieren. Lisa Seiler machte die linke Abwehrseite in der Viererkette dicht und Stübing arbeitete mit Susann Utes im defensiven Mittelfeld, beide bekamen Cynthia Uwak immer besser in den Griff. Die erste Chance für Jena gelang in der 10. Minute, Sabrina Schmutzler setzte sich auf rechts durch, in der Mitte kam Heinze an den Ball, wurde gerade noch abgeblockt. Stübing haut nach siebzehn Minuten einfach mal drauf – gehalten von der überragenden Torfrau Romina Holz.

 
Juliana Edwards mit Laura Brosius (23) und Julia Arnold (4) | Foto: Privat

Nieselregen

Eine Schrecksekunde erlebten die Fans des FCS, als in der 27. Minute Sabrina Schmutzler zog frei von rechts in den Sechszehner, schoss ab und die beste Saarbrückens Torhüterin Romina Holz klärte mit den Fingerspitzen über die Latte. Bei ungemütlichem Nieselregen und tiefem Boden kämpften beide Teams verbissen. Saarbrücken hatte noch eine große Chance in der 35. Minute, doch Uwak wurde auf der Linie angeschossen. Es blieb beim 1:0. In der letzten Minute der ersten Hälfte hatte Sabrina Schmutzler noch eine Kopfballchance, doch auch dieser Ball ging drüber. Nach der Pause kam Groll für Stübing, fügte sich im Mittelfeld gut ein.

Jena kämpfte um jeden Ball, kombinierte ordentlich und in der 51. Minute lief Sabrina Schmutzler nach grandioser Vorarbeit von Julia Arnold frei auf Saarbrückens Torhüterin zu. Doch wieder hieß die Siegerin Romina Holz. Der Ausgleich fiel dann in der 70 Minute durch Caroline Schiewe, die eine Flanke von Susann Utes per Kopf verwertete. In der Schlussphase hielt Saarbrücken noch mal dagegen, beide Teams schenkten sich nichts, doch die letzte Chance vergab die eingewechselte Lehnert. Sie ging rechts im Strafraum durch, doch der Winkel wurde zu spitz und der Ball ging am Tor vorbei (86.). Am Ende sollte es aber dennoch bei einem 1:1 Unentschieden bleiben. Das Kellerduell endete mit viel Spannung. Beide Mannschaften bewiesen eine große Kampfmoral.
 
Fazit

„Es bleibt oben wie unten in der Liga spannend. Zuschauen lohnt sich!,“ bekannte jüngst DFB Kommunikationsfrau Annette Seitz. Dem ist nichts hinzuzufügen. (HDH)


Juliana Edwards im Zweikampf mit Julia Arnold |  Foto: Privat


Romina Holz rettete viele Bälle für den 1.FC Saarbrücken | Foto: Privat


Online-Flyer Nr. 275  vom 10.11.2010

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Männerbünde
Aus dem KAOS-Kunst- und Video-Archiv
FOTOGALERIE


Schwarzer Freitag für H&M
Von Arbeiterfotografie