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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Sport
1. FFC Frankfurt erreicht zum zwölften Mal das Pokal Viertelfinale im Deutschen Frauenfußball
Torwirbel mit Nachhaltigkeit
Von Elke Behrendt

Nach einer beachtlichen Siegesserie von sieben Bundesliga-Spielen in Folge traf der 1. FFC Frankfurt im DFB-Pokal Achtelfinale am Sonntag, den 24. Oktober  im heimischen Stadion am Brentanobad  auf den FV Löchgau, dem aktuellen Tabellensiebten der Zweiten Bundesliga Staffel Süd. Es kamen 810 Zuschauer in die „Traditionsarena“ des Deutschen Frauenfußballs, 810 Ehrengäste für den Frauenfußball wie Fußball-Legende und Event-Stadionsprecher Klaus Töpperwien bis zum heutigen Tage bei der Durchgabe der Zuschauerzahlen immer wieder charmant behauptet.



Torfabrik Frankfurt - Conny Pohlers in Topform, dahinter Dzsenifer Marozsan

Nachdem der Ihnen als Leser/in der NRhZ bekannte Sportjournalist Bernd J. R. Henke sowie der Ihnen ebenso vertraute Fußballexperte Joe Blaha sich an diesem Wochenende auf die Reise nach Jena begeben hatten, sich das deutsche Pokal Ostderby FF USV Jena gegen 1. FFC Turbine Potsdam ansahen, um sie als Leser damit in gewohnter  Weise professionell durch Ihre Reportage einbinden werden, werden sie an dieser Stelle heute zusätzlich vom Spiel des 1.FFC Frankfurt gegen den FV Löchgau aus meinem Blickwinkel der Wahrnehmung den Spielverlauf erfahren.

Persönliches

Ich heiße Elke Behrendt  und arbeite hauptberuflich als Trainerin für Wahrnehmung, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung mit 14 Jahren Erfahrung als Neugeschäfts- und Pressemanagerin in einer internationalen Werbeagentur. Ich habe  über 25 Handballerfahrung als Torfrau, bis in die Bundesliga. Da ich 1959 geboren bin, hatte ich nach meinen reichlichen Straßenfußballerfahrungen als Mädchen unter Jungs nicht die Möglichkeit als weibliche Fußballspielerin meine Erfahrungen in den 60igern und in den 70igern zu sammeln. So bin ich im Handball bis in die Bundesliga gelangt. Abgesehen davon, habe ich in den 90igern noch aktiv Frauenfußball Kleinfeld im gewohnten Terrain, im Tor, gespielt und eine Männermannschaft Betriebssport Fußball aufgebaut und auch hier und da diese Männermannschaft auf Kleinfeldturnieren aktiv im Tor unterstützt habe.


Jasmin Herbert's Premiere im Erstliga-Team der großen Namen

Durchsetzungskraft

Das heutige Spiel begann, wie es auch aufhörte. Ein kraftvolles, spielerisches, dynamisches Spiel auf ein Tor. Das Tor von der Keeperin des FV Löchgau, Tanja Arnold. Der Torreigen begann bereits in der 8. Minute mit einer Birgit Prinz, die zeigte, was Durchsetzungskraft alles bewirken kann. Immer das Ziel vor Augen, mehrere inkonsequente Abwehrspielerinnen des FV Löchgau umspielend. Zielstrebigkeit, Durchsetzungskraft, dem Drang zum Tor unbeeindruckt von den Gegenspielerinnen folgend. Eine gegnerische Abwehr, die den Eindruck hinterließ, zu sehr beeindruckt von der durchsetzungsstarken Nationalspielerin Prinz zu sein. Die Reaktionen auf den Druck von Prinz wirkten ungenau, langsam, nicht Punktgenau. Das 1: 0 war ein regelrechtes Versenken des Balls links unten. „Basta, sitzt, das Nächste,“ könnte ihr Gedanke gewesen sein. Ein druckvoller Zug aufs Tor.

Selbstlos
                                                                                                                                                         
Es war erneut Birgit Prinz, die in der 14. Minute ihre Mitspielerin mit der Nr. 18, Kerstin Garefrekes hervorragend ins Spiel brachte, die leider den Ball knapp am linken Pfosten vorbei schoss. Dieser Angriff war ein Beispiel für den gesamten Spielverlauf. Nicht selbstlos nur sich in Position bringend und einzelkämpferisch sich durchzusetzen, sondern ein wunderbares umsichtiges, seine Mitspieler einbindend und als Team sich erfolgreich präsentierende Mannschaft. Das ist der Stil des neu erweckten Rekordmeisters. Frühes, konsequentes Eingreifen der FFC Spielerinnen verhinderte ein Spiel auf zwei Hälften. Alles konzentrierte sich von Anfang an auf eine Platzhälfte. Der Druck auf den FV Löchgau war von der ersten bis zur letzten Minute extrem hoch.


Jasmin Herbert (1.FFC Frankfurt)

Seminarstunde
                                                                                                                                                
So war es nur eine Frage der Zeit, wann der Torreigen seine Fortsetzung fand. In der 20. Minute war es erneut Prinz die von den beiden Spielerinnen mit der Nummer 20, der erstmals in ersten Mannschaft spielenden Jasmin  Herbert und mit der Nummer 6, der Nationalspielerin Conny Pohlers, im Zusammenspiel so fantastisch ins Spiel gebracht wurde, dass das 2:0 mit einem direkten flachen Ball der Torhüterin Tanja Arnold keine Chance.Und immer wieder war es der Mannschaftsgeist, den anderen sehend, ja zeitweise eher energetisch spürend, der ein meines Erachtens blindes, direktes Zusammenspiel durch Verständnis zuließ. An dieser Stelle stellte ich mir die Frage, warum nicht der eine oder andere Manager aus Wirtschaft Politik und Verwaltung mit Führungskompetenz sich einfach mal eine Eintrittskarte zum Spiel der 1. FFC Damen kauft, um zu erfahren, was es heißt, im Team erfolgreich anzutreten. Eine günstige, erfolgreiche Seminarstunde, meine Herren.                                                                                                                                            

Minisekunden
                                                                                                                                                    
In der 25. Minute flankte Dzsenifer Marozsán direkt auf Kerstin Garefrekes, die ein sauberes Kopfballtor den Zuschauern präsentierte. Das 4:0 durch Conny Pohlers in der 30. Minute dagegen war ein Spiel Pohlers gegen die Torhüterin des FV Löchgau. Frau gegen Frau um den Elfmeterpunkt. Die konsequent sich einsetzende Pohlers punktete durch Durchsetzungskraft, Zielstrebigkeit. Bis unter die Haarspitzen so aufgestellt, dass es nicht ansatzweise eine Minisekunde des Zögerns gab.  Diese zielstrebige, Kraft gebende, mentale Einstellung war für mich deutlich zu spüren. Kampf, Durchsetzung, Ball, in der Ecke zielstrebig versenkt.


U-20-Weltmeisterin Svenja Huth - dahinter in Lauerstellung Conny Pohlers und Ariane Hingst
                                                                                                                                             
Ziel vor Augen

Der FV Löchgau schaffte es weiterhin nicht sein Spiel den Frauen  des 1. FFC aufzudrücken. Es gab nur eine Mannschaft, die drückte. Das war der 1. FFC. Frühes Angreifen und Stören verwies den Gegner in eine permanente Abwehrhaltung. Das Spiel der zwei weit auseinander liegenden Mannschaften, in vielen Bereichen.  In der 34. Minute war es erneut Conny Pohlers, die sich direkt am gegnerischen Pfosten mit drei Gegenspielerinnen, einem Ball und einer Torhüterin auseinandersetzte. Ein wirres Gewusel am rechten gegnerischen Pfosten. Und erneut: Niemals aufgebend, niemals locker lassend, das Ziel vor Augen: Tor! 50 cm aus den Wirren heraus, alleine gegen den Rest schob Conny den Ball ins Tor. Was für eine Lehrstunde. „Wie wichtig ist das Ziel vor Augen für meinen Erfolg?“

Tickerpunkt  
                                                                                                                                               

In der 40. Minute eine anderer Spielzug, eine andere Situation aber der

Nationalspielerin Kerstin
Garefrekes - Weltklasse
in Beständigkeit
gleiche spürbare Druck nach Vorne, den Ball zu versenken. „Sprintig“  wurde der Ball der 1.FFC Damen konsequent nach vorne gespielt. Es erschien, als ob jemand auf einen Knopf gedrückt hätte. Welcher Tickerpunkt war es wohl? Kerstin Garefrekes spielte von der Außenposition in die Mitte zurück auf die zentral stehende Birgit Prinz, die am Elfmeterpunkt stehend, direkt kraftvoll abzieht und eine Gegenspielerin glücklicherweise den Ball auf der Torlinie rettete. Auch hier. Ist es eine allgemeine weibliche Eigenschaft, sich eher zurückzunehmen und den anderen ins Spiel zu bringen, der eine etwas bessere Ausgangsposition hat?  Kerstin Garefrekes von der Außenposition kommend, vor dem Torhüter stehend,  hatte sicherlich auch die Chance den Ball im spitzen  Winkel zu versenken. Teamgeist als weibliches Phänomen des Erfolges?

Freiräume                                                                                                                                                     

Mir kommen die Gedanken auf, was das übertragen auf Teamarbeit und Führungsqualitäten der Frau in der Wirtschaft für Auswirkungen haben könnten. Nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern die bessere Chance des anderen erkennen und erfolgreich im Sinne des Zieles des Unternehmens nutzen. Gibt es Parallelen?  Und so war es auch Kerstin Garefrekes, die in der 42. Minute das 6:0 zur Halbzeit für den 1. FFC schoss. Kerstins Tor war reif. Sie war erneut dran, mit Ihrem zweiten Treffer in diesem Spiel. Und an dieser Stelle ein Lob dafür, dass sie es schaffte, konsequent ihre Außenposition zu halten und somit die Mannschaft sich breit aufstellen konnte. So entstanden immer wieder die Freiräume in der Mitte.

Geburtstagsgeschenk
                                                                                                                              
Jetzt,  in umgekehrter Funktion, war es Birgit Prinz, die übrigens morgen (am 25. Oktober)  Ihren Geburtstag feiert, die Ihren kraftvollen, energischen Lauf auf das gegnerische Tor regelrecht unterbrach, aus meiner Sicht regelrecht einen Gang zurückschaltete, um Ihre Teamkollegin Conny Pohlers ins Spiel zu bringen, die dann leider dieses Angebot  nicht erfolgreich umsetzen konnte. Für mich waren diese beiden Angriffe ganz klare  Zeichen für das berühmte „Geben und Nehmen“, für den spürbaren kraftvollen Teamgeist, der diese Mannschaft auszeichnet. Jeder der Spielerinnen setzt seine Persönlichkeit, seinen Spielstil ein, um gemeinschaftlich zu punkten.

Wechsel
                                                                                                                                                    
Nach der Halbzeit präsentierte sich der 1. FFC in der 46. Minute mit drei frischen Spielerinnen. Für die Nr. 25, Saskia Bartusia, kam die Nr. 2 G. Lewandowski, für die Nr. 9, Birgit Prinz, kam die Spielerin mit der Nr. 15, Svenja Huth und für die Spielerin mit der Nr. 18, Kerstin Garefrekes, kam die Polizeikommissarin Sandra Smisek, mit der Nr. 28, die sich mit einem kraftvollen, wendigen, am Ball stark, motivierenden Spiel zeigte. Auch die gegnerische Mannschaft wechselte in der zweiten Halbzeit 3 Spielerinnen aus. Dennoch veränderte sich der Spielverlauf nicht. In der 48. Minute war es erneut Conny Pohlers , der somit das 3. Tor in diesem Spiel gelang. Und in der 50. Minute war es Svenja Huth, die Nummer 15, die den Abstand zum 8:0 weiter ausbaute.


Birgit Prinz - scheinbar abwartend, motiviert wie in besten Tagen

Kompliment                                                                                                                                                 

Die Gegner kamen auch in der zweiten Halbzeit kaum über die Mittellinie und das Ergebnis hätte noch höher zu diesem Zeitpunkt ausfallen können, da auch noch der Pfosten des FV Löchgau von den 1. FFC Frauen abgeschossen wurde. Kompliment an dieser Stelle den an Gegner. Obwohl es offensichtlich war, dass der FV Löchgau dem 1. FFC Frankfurt nicht ansatzweise das Wasser reichen konnte, kam es niemals zu unfairen Szenen, die gerne durch Übermotivation bei Spielern in unterschiedlichen, dicht beieinander liegenden Klassen, durchaus üblich sind. Ein durchaus akzeptierendes, faires Spiel auf beiden Seiten.

Dranbleiben                                                                                                                                                 

Das 9:0 von Dzsenifer Maroszsán, eine der U 20-Weltmeisterinnen des 1. FFC Frankfurt, ist auf ein kraftvolles durchgreifen und immer wieder Nachhaken und Dranbleiben zurückzuführen. Jasmin Herbert hatte zuvor von rechts auf die in der Mitte spielende Conny Pohlers gespielt, die so direkt vorm Tor stand, aber in einem hin und her der Ball an irgendeinem Gegenspieler immer wieder abprallte. Auch hier: Der Ball ist rund und das Spiel dauert 2 mal 45 Minuten. Dranbleiben, nachhaken, den Überblick behalten, Dzsenifer ins Spiel bringen, die dann befreit von dem Gewusel den Ball direkt oben unter der Latte mit „Schmackes“ zum 9:0 versenkte.

Unterschied                                                                                                                                                    

Im ganzen Spiel macht sich unterschiedliche körperliche Konstitution der Spielerinnen des FFC und des FV Löchgau bemerkbar. Aus meiner Sicht gibt es in allen Facetten einen sehr großen Unterschied zwischen der  1. und der 2. Bundesliga. Somit war es zum Abschluss Gina Lewandowski,  die nach „Auswertung der Fernsehbilder“, so der Kommentar des Stadionsprechers Ralf Töpperwien, den Ball zum 10:0 versenkte. Das 11:0 und Abschlussergebnis war erneut ein Beispiel des kraftvollen, immer den Überblick behaltenden, motivierten Teams von Sven Kahlert.  Dzsenifer Marozsán flankte von der Eckfahne in die Mitte auf Conny Pohlers, bis dann erneut die US-Amerikanerin Gina Lewandowski nach versuchter Ballabwehr des Gegners auf der Linie, das runde Teilchen versenkte.


Lüchgaus Torfrau Tanja Arnold rettet den Ball, daneben ihre Mitspielerin Stefanie Schuster, dahinter in Lauerstellung Conny Pohlers
Alle Fotos: Event- und Sportbildagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg
                                                                                                                      
Abgleich im Gehirn

Mädels herzlichen Glückwunsch. Ihr seid vorne dran. Bleibt dran. Ihr habt aus meiner Sicht der Wahrnehmung heute konsequent eure Chancen heraus gespielt, mit wenigen Kontakten, in einer spielfreudigen Partie. Und ich freue mich, dass ich in der Pressekonferenz durch Cheftrainer Sven Kahlert´s Worte die Bestätigung zu meiner Wahrnehmung erhalten habe. Und auch der Trainer des FV Löchgau, Uwe Schweizer,  sprach bereits in der Pressekonferenz vom Pokalfinalisten 1. FFC Frankfurt. Schweizer, der offen zugegeben hat, dass es ihm als Trainer Freude bereitet hat dem übermächtigen 1. FFC zuzusehen.

Mein Rat: Nehmt die herausragenden Szenen aus diesem Spiel in Euren Köpfen mit zum Spiel gegen den FC Bayern am nächsten Sonntag. Und dabei meine ich nicht die taktischen Details, sondern die Energie, die Emotion, die aus den herausragenden Szenen hervorgeht. Denn: Nur ca. 6% ist unser Auge mit dem daher gehenden SEHEN an dem Wahrnehmungsprozess beteiligt. Der Rest ist immer ein Abgleich des Gehirn, mit dem was es zuvor schon einmal wahrgenommen hat. Ereignisse, Erfahrungen aus der Vergangenheit prägen unsere Wahrnehmung. Und bei dem 11:0 ist eine Menge Zündstoff dabei, den es gilt abzuspeichern und beim nächsten FC Bayern Meisterschaftsspiel wieder abzurufen. Die Auslosung für die Viertelfinalrunde erfolgt im Rahmen des Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft am kommenden Donnerstag gegen 18 Uhr, in der Wolfsburger Arena gegen Australien. (HDH)

Neue Errungenschaft für die NRhZ: Elke Behrendt ist Trainerin für Wahrnehmung, Kommuni-kation und Persönlichkeits-entwicklung, links: Fotograf Horst Hamann anlässlich einer Vernissage am 2.Juni 2010
in der Galerie KunstRaum, Bernusstrasse 60487 in Frankfurt am Main.



Online-Flyer Nr. 273  vom 27.10.2010

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