NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

zurück  

Filmclips
Die Entbehrlichen
Von Hans-Dieter Hey



Ungefähr 1,7 Millionen Kinder gibt es in Deutschland, die in Armut leben oder von Armut bedroht sind. Nun sind es aber nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Eltern, die man nicht vergessen sollte. Für die Zustände gibt es Ursachen. Der Neoliberalismus und seine hemmungslose Gier, sein Marktradikalismus und seine Ausgrenzungsstrategien haben zur Folge, dass darunter immer mehr Menschen leiden. Einer von ihnen ist Junge Jakob Weiss, der in solchen prekären und verzweifelten Verhältnissen seines Umfeldes aufwächst. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte.

Im Zusammenhang mit dem Film taucht öfter der Begriff „Unterschicht“ auf, der merkwürdige Assoziationen zur Deutschen Vergangenheit aufwerfen könnte. Prekäre Lebensverhältnisse, Armut und Ausgrenzung wären nach meiner Meinung Begriffe, die Probleme treffend ausdrücken.

Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Andreas Arnstedt: „Die Entbehrlichen sind das Portrait einer chancenlosen Familie, wie es sie in unserer Gesellschaft schon jetzt zahlreich gibt und zeigt auf, wie sich durch die Veränderung der sozialen Situation das Miteinander dramatisch verändert hat. An jenen Orten, wo der Traum einer Karriere und das Streben nach einem hoch bezahlten Job keine Rolle spielen, sondern wo es um das nackte Überleben geht.“Das ist deutlich genug.

Während die meisten Menschen im Lande Armut in Form von Zahlen, Nachrichten oder Diskussionen – relativ entrückt von der bitteren Wirklichkeit der Betroffenen – wahrnehmen, bietet der Film einen Einblick in die inneren Zustände eines jungen Lebens wie die unseres Darstellers Jakob. Mit 11 Jahren ist für ihn schon die Kindheit vorbei. Er findet seinen Vater zu Hause tot vor und kämpft aus Furcht vor einer Heimeinweisung mit Lügengeschichten und der Aufrechterhaltung der Fassade an.

In Rückblenden wird erzählt, wie es unweigerlich zur Katastrophe kommen musste. Hautnah erlebt man, wie Schicksal und prekäre Lebensverhältnisse auf Dauer Lebensmut, Perspektiven und ein schützendes und umsorgendes Familienumfeld zerstören. Trotz der zunehmenden Härte, verbunden mit Alkohol und Agression, fasst Jakob aber immer wieder erfrischenden Lebensmut und bewältigt seine Traumata oft allein. Gelegentlich unterstützt dann wieder aufkommende Nähe, Sinnlichkeit und Feinfühligkeit in der Familie, aber auch Solidarität seinen Überlebenskampf gegen den völligen Absturz.

Wer bei diesem Film ein Happyend erwartet oder oberflächlich die gesellschaftlichen Hintergründe und Ursachen ausblendet, nämlich das Menschen „Produkte“ ihres politischen und gesellschaftlichen Umfeldes sind, könnte leicht dazu verleitet werden, seine Vorurteile bestätigt zu bekommen.

Der Film „Die Entbehrlichen“ – inzwischen mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet – wird von der Neuen Rheinischen Zeitung ausdrücklich als sehenswert empfohlen, weil er den Mythos von sozialer Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft der rücksichtslosen Ellenbogen und Leistungsträger und zunehmender Ausgrenzung und Verarmung eindrucksvoll widerlegt. (HDH)











Drehbuch, Regie: Andreas Arnstedt
Produktion: Qestionmark Entertainment
Verleih: drei-freunde-Filmproduktion- und Verleihges. mbH
Vertrieb: Kinostar Theater GmbH

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 265  vom 17. Oktober 2017



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


Kalkar imagine
Von Arbeiterfotografie
FOTOGALERIE