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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2017  

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Die Aktionskunst von Heiko Beck
Dies ist keine Übung!
Von Milena Dünkel

Wollten Sie schon immer mal sagen, was Sie wirklich denken? Dazu brauchen Sie lediglich eine stabile Holzlatte, eine großes weißes Pappschild und fette schwarze Lettern. Und natürlich genauso viel Spaß an Abenteuer und Kontakt zu Menschen wie Heiko Beck, der mit diesem Equipment im öffentlichen Raum in Erscheinung tritt.





Aber fassen Sie sich kurz!


Heiko Becks Interventionen funktionieren auch aufgrund seines verbalen Minimalismus - der den Betrachter jedoch maximal zum Denken anregt. Die Themen, mit denen Heiko Beck die Passanten konfrontiert sind vielfältig: von (nur scheinbar) alltäglichen Banalitäten bis zu philosophischen Fragen zur Existenz und Aufgabe des Menschen.








Heiko Beck, von Hause aus Kommunikationsdesigner, hatte die Arbeit in einer Eventagentur satt. Immer funktionieren, aus Sch…. Frikadellen machen, den Burnout drohend im Blick. Er machte einen radikalen Schnitt, kündigte und betreibt heute einen Kunstladen in Düsseldorf, in dem er gleichzeitig wohnt. Dieser dient als Schau- und Ausstellungsraum, Heimat für Aktionen, das Schaufenster ist ein Sprachrohr zur Straße.

Heute lebt Heiko Beck nach seinen Worten "das, was einen besseren Moment ausmacht". Und weist andere darauf hin, was im eigenen Leben und in dieser Gesellschaft vielleicht anders laufen könnte. Denn "jetzt ist Schluss mit dem Selbstmitleid, dem Gejammer und den Ausreden". Jeder einzelne hat die Fähigkeit und Möglichkeit zur Gestaltung.  Beck gibt mit seinen Aktionen Anstoß zum Hinterfragen alter Muster - was der Rezipient seiner Kunstaktionen daraus macht, ist dessen Sache.








Zwei Themenkomplexe ziehen sich durch Heiko Becks Aktionen und Installationen:

Die Befreiung des Individuums:

Heiko Beck strebt danach, genau das zu tun, was er schon immer tun wollte. Dazu bedarf es Aktivität und Eigenverantwortung statt stillem Ergeben in den Strom der Mehrheit. Die Befreiung von Zwängen und das Ausbrechen aus dem Alltagstrott stellen erste Schritte in diese Richtung dar. Bei einer Aktion in einer Telefonzelle prangt über der Wahltastatur in fetten Lettern: "Schrei es raus!". 

Mit der Aktion "Wünsch Dir was!", bei der Passanten dazu eingeladen wurden, ihren größten Wunsch zu nennen, wollte Beck ergründen, was die Menschen denn eigentlich wollen, anstreben und erträumen. Die Bandbreite der geäußerten Wünsche war so bunt wie die Bewohner der Stadt. Von "1,5 Meter Neuschnee" über "Echte Ziele" und "Mal wieder nach allen Regeln vögeln" bis "Einfach mal nichts sagen müssen".

Ausbruch aus Anonymität und Vereinzelung:

Eine Installation auf dem Geländer der Zeche Zollverein macht das Verlorensein des Individuums in Geschichte, Zeit und Welt fühlbar.








An anderer Stelle, über einer stark befahrenen Straße, antwortet Papa im übertragenen Sinne: da ist jemand, der für einen da ist, der Halt gibt.








Die Aktionen von Heiko Beck regen aber nicht nur zur Reflexion an - er macht auch Angebote. Das Leben läuft zu schnell? Nehmen Sie einen Gang raus! Heike Beck legte sich Mitten am Tag in Anzug und mit Aktentasche, auf Zeitungen gebettet, in der Düsseldorfer Königsallee schlafen - das kleine Schild neben ihm titelte "Ich bin müde!".





Manchmal macht Heiko Beck auch Geschenke. Zum Beispiel freundliche Worte, wie "Schön, Dich zu sehen!" oder "Du siehst gut aus heute!".  Bei seiner letzten Schild-Aktion wünschte er "Schönen Feierabend!". Dazu legte ein Kollege hübsche Musik auf und ein Liegestuhl stand für die spontane Nutzung durch Passanten bereit. Heiko Beck erntete dafür viele freundliche und lachende Gesichter - bis ein Bürger, dem so viel Uneigennützigkeit Spanisch vorkam, das Ordnungsamt informierte…

Die Arbeitsserie, bei der Heiko Beck rote Rahmen bzw. ein rotes Fernrohr an eher unauffälligen Stellen im öffentlichen Raum installiert, subsumiert noch einmal gut, um was es ihm in seiner Kunst geht: beim Gang durch das Leben die Augen aufzuhalten, zu fokussieren und die Umwelt bewusster wahrzunehmen. Vom ausgetretenen Pfad abweichen - mal sehen, was passiert. Denn: Dies ist keine Übung! Unsere Existenz ist einmalig, jeder ist für seine eigene Geschichte und sein eigenes Glück verantwortlich. Für manches gibt es kein zweites Mal und für einiges ist es am Ende zu spät.








Heiko Beck ruft dazu auf, "nicht von aufregenderen, echteren, mutigeren und besseren Tagen zu träumen", sondern genau diese schon heute zu leben.





Der "Dies ist keine Übung"-Laden befindet sich in der Brunnenstraße 22 in Düsseldorf.)


Online-Flyer Nr. 261  vom 04.08.2010

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