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Aktueller Online-Flyer vom 23. August 2019  

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Krieg und Frieden
„Weil wahres Heldentum keine Strafe verdient“:
Helft Bradley Manning!
Von Mukadder Bauer

Der letzte Scoop von Wikileaks, 92.000 Dokumente „eingestuftes“ Material zu veröffentlichen, ist noch in aller Munde und der Film, der scoop, der unter dem Titel „Collateral Murder“ bekannt wurde, schon nicht mehr so präsent. Während die, die die Akten an Wikileaks geschickt haben, noch gesucht werden, hat man den, der das Video „geleakt“ hat, schon gefunden. Er erwartet seinen Prozess und ihm drohen bis zu 52 Jahren Haft. Ein breites Solidaritätsbündnis in den USA organisiert Unterstützung und sammelt Geld für seine Verteidigung. Wir unterstützen das, damit Manning einen fairen Prozess bekommt.


Absolutely Hollywood, absolutely devastating
Quelle: www.boingboing.net
 
Der 22-jährige Obergefreite Bradley Manning soll von einem Ex-HackerAdrian Lamo, mit dem er sich in einem Internet-Forum angefreundet hatte, als derjenige enttarnt worden sein, der das Video an Wikileaks weitergegeben hat.
 
Wikileaks (hier bitte weiterlesen) schreibt dazu – und ruft ebenfalls zur Unterstützung für Manning auf: „Am 6. Juli wurde der Gefreite Bradley Manning, ein 22-jähriger Geheimdienst-„Auswerter“ der US-Armee in Bagdad, angeklagt, dieses Video veröffentlicht zu haben. Und zwar nachdem er – so ebenfalls die Anklage – mit einem treulosen Journalisten gesprochen habe. Der Whistleblower hinter den Pentagon-Papieren, Daniel Elsberg, nannte Mr. Manning einen „Helden“. Um dem Gefreiten Manning zu helfen, geht man auf die Seite „bradleymanning.org.“
Am 5. April 2010 hat Wikileaks ein „eingestuftes“ US-Militärvideo veröffentlicht, dass das unterschiedslose Töten von mehr als einem Dutzend Menschen, einschließlich zweier Reuters-Journalisten, in irakischen Vorort New Bagdad zeigt. Das Video, aufgenommen aus der Luke der Bordkanone eines Apache-Kampfhubschraubers, zeigte die unprovozierte Tötung eines Mitarbeiters der Nachrichtenagentur „Reuters“ und seiner Retter. Zwei Kinder, die ebenfalls in die Rettungsaktion verwickelt waren, wurden ebenfalls schwer verwundet.“
 
Zu dem, was das Video so einzigartig macht, kommt selbst Die Welt nicht

Held, Verräter, dummer Junge?
Bradley Manning
umhin, zu schreiben: „Selbst das Pentagon konnte nach dem Bekanntwerden der Videobilder nicht anders, als sie "schockierend" zu nennen.(...) Das Tonband aus dem Cockpit bewies nicht gerade die Furcht der Crew: "Schau dir diese toten Bastarde an!", feixt einer der Piloten. "Hübsch", kommentiert ein anderer anerkennend. US-Verteidigungsminister Robert Gates nannte das Video irreführend, weil jeder Kontext fehle. Es zeige Krieg "durch einen Strohhalm."“
 
Manning wird auch angelastet, ein Video über das berüchtigte Garani-Massaker, bei dem 95 Zivilisten, darunter viele Kinder, starben, zugespielt zu haben und steht mittlerweile im Verdacht , auch „die“ 92.000 Dokumente  über den Krieg in Afghanistan an Wikileaks geschickt zu haben. Die Anklageschrift gegen Manning steht auf der Unterstützerseite. Im Charge II, Specification 1 wird über das Video so geurteilt (leicht gekürzt): „Der Obergefreite Bradley E. Manning hat absichtlich ein Video einer militärischen Operation – ausgeführt am oder um den 12. Juli herum - bekanntgemacht, in Umlauf gebracht und einer unberechtigten Person zur Verfügung gestellt, oder veranlasst, daß das Video einer unberechtigten Person bekanntgemacht, in Umlauf gebracht oder zur Verfügung gestellt wird, was den US-Code 18, Sektion 793 (e) verletzt. Solches Verhalten ist nachteilig für Ordnung und Disziplin in den Streitkräften und geeignet, die Streitkräfte in Misskredit zu bringen.“
Wie der Pressesprecher der 1. US-Panzerdivision (in der Manning offensichtlich Dienst tut, dem Blog boingboing in einem Interview mitteilte, würde Manning nach dem Espionage Act“ von 1917 angeklagt. Er sagte, er glaube nicht, dass Manning die Todesstrafe zu erwarten habe, aber es könnten schon maximal 52 Jahre werden.
 
Die Unterstützergruppe hat heute in einer Pressemitteilung mitgeteilt, daß

Breite Unterstützung für Manning
Quelle: www.couragetoresist.org
die Online-Geldsammlung für Manning eröffnet ist. Die Prozesskosten würden „signifikant“ sein und man schätzt als Minimum zwischen 50.000 und 200.000 Dollar, denn die Anwälte müssten sich nicht nur im Militärstrafrecht auskennen sein und eine Sicherheits-„Clearance“ , d.h. Freigabe haben, sie müssten zudem ja auch reisen, um ihn gut verteidigen zu können. Es wäre ja nicht das erste Mal, daß vor einem amerikanischen Gericht das Strafmass davon abhängt, wie gut der Anwalt ist. Wikileaks hat schon angekündigt, einen nennenswerten Betrag zu spenden.
 
Der Projektdirektor von „Courage to Resist“, einer Organisation, die Soldat_Innen unterstützt, die es ablehnen, weiter zu kämpfen, und die sich jetzt auch für Manning einsetzt, sagte: „Falls Manning die Quelle des Videos ist, dann tat er, was er tun musste, um ein mögliches Kriegsverbrechen aufzudecken. Ohne Rücksicht darauf ist er zu Unrecht inhaftiert und wir tun unser möglichstes, ihn zu unterstützen. Ich weiß aus der Erfahrung meiner Arbeit mit Kriegsdienstverweigerern, daß öffentliche Unterstützung und ein gutes Verteidigerteam den Unterschied zwischen einer unehrenhaften Entlassung und Jahren im Knast ausmachen können.“
Damit Manning einen fairen Prozess bekommt, rufen wir auf, die Geldsammlung zu unterstützen und /oder die Petition zu unterzeichnen. Bradleys Postanschrift findet man ebenfalls auf der Seite des Unterstützungsnetzwerks.


Wir können einem Obergefreiten nicht das Recht zusprechen, Dokumente nach eigenem Gutdünken zu veröffentlichen. Wir müssen auch einem Obergefreiten die Pflicht zusprechen, ein Kriegsverbrechen aufzudecken. Das hat der Obergefreite Manning getan und möglicherweise „Collateral Murder“ aufgedeckt. Da wäre das Veröffentlichen der Dokumente ein Kollateralschaden, Collateral Damage, von denen zu verantworten, die die Kriegsverbrechen vertuschen wollten, die Manning offenbar aufgedeckt hat. Sie gehörten eigentlich vor Gericht, denn sie sind eine Gefahr für die ihnen anvertrauten Soldaten: wer Kriegsverbrechen zulässt und vertuscht, bringt auch deren Leben in Gefahr. (HDH)

Hier können unsere Leserinnen und Leser das Video "Collateral Murder" noch einmal sehen:




Online-Flyer Nr. 260  vom 30.07.2010

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Von Kostas Koufogiorgos
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