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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Bauernbewegung in Haiti will “Saatgut-Geschenk“ von Monsanto verbrennen
Biologisches Erdbeben befürchtet
Von Peter Kleinert

Die ersten sechzig Tonnen einer 475-Tonnen-„Saatgutspende“ im Wert von vier Millionen US-Dollar des US-Konzerns für Biotechnologie Monsanto sind als „Entwicklungshilfe“ für das durch das Erdbeben geschwächte Haiti dort eingetroffen. Während die haitianische Regierung diesen Frevel unterstützt, bezeichnet Kleinbauern-Führer Chavannes Jean-Baptiste von der Bauernbewegung Papay (MPP) die Nachricht als “ein neues Erdbeben”. Die MPP-Bauern würden dieses hochgiftige Gschenk verbrennen.

Die ersten sechzig Tonnen der 475-Tonnen-Spende bestanden laut VOA NEWS aus Mais- und Gemüsesamen. Die nächsten Sendungen sollen Samen von Kohl, Karotten, Auberginen, Melonen, Zwiebeln, Tomaten, Spinat und Wassermelonen bestehen und teilweise hochgiftige Pestizide enthalten. „So sieht US-amerikanische Hilfe aus, die die Situation der Armut des zerstörten Landes benutzt, um die gentechnisch veränderten Pflanzenkörner auf der ganzen Welt zu verbreiten“, erklärt petrapez in einem von „Radio Utopie“ auch schriftlich verbreiteten Beitrag dazu am 15. Mai mit dem Titel “Haiti wird von Monsanto biologisch komplett in Wüste verwandelt”.
 
„In Politik und Medien der Bundesrepublik Deutschland regte sich danach kein Sturm der Entrüstung“, so petrapez. „Nicht einmal ein laues Lüftchen bewegte den Blätterwald, sondern im Gegenteil duldete man mit dem Schweigen die Umweltzerstörung auf der Karibikinsel, will man doch auch in der Europäischen Union und in Deutschland der Gentechnik-Industrie blutrote Teppiche auslegen.“ Und: „Die Landwirtschaft in Haiti, die eigentlich mit Spendengeldern aus aller Welt neu aufgebaut werden sollte“, solle nun „unter dem Vorwand humanitärer Hilfe unter tatkräftiger Mitwirkung der US-Regierung völlig zerstört werden“.
 
Radio Utopie: Dass die haitianische Regierung diesen Frevel unterstützt, sei kein Wunder. Am Freitag, den 14.Mai habe ihr Landwirtschaftsministerium die Genehmigung erteilt, diese brisante Spende zuzulassen - mit der Begründung, dass die ausgewählten Samen sich hervorragend für die haitianische Anbaubedingungen und Bewirtschaftungsmethoden eignen und die Versorgung der Bevölkerung gewährleisten würden. „Elizabeth Vancil, Direktorin für globale Entwicklung bei Monsanto, habe erklärt, Haiti eröffneten sich damit „unglaubliche Möglichkeiten“.
 

Ein neues Erdbeben trifft Haiti
Petrapez: „Vernunftbegabte Länder, in denen Bevölkerung und Regierungen gentechnisch veränderte Pflanzenprodukte strikt ablehnen, werden um die haitianischen Erzeugnisse einen hohen Bogen machen und damit die Ausfuhren der Erzeugnisse in ihre Volkswirtschaft verbieten. Somit gehen den haitianischen Bauern Einnahmen aus dem Exportgeschäft verloren. Des Weiteren werden sie in Nachfol-gekulturen von den Lizenzen Monsantos abhängig gemacht und zu Sklaven des Multi-Konzerns. Dazu werden die gesundheitlichen Folgen der Bewohner im eigenen Land kommen, die unüberschaubar sind.“
 
Laut Radio Utopie teilte Monsanto mit, dass der Transport von dem US-Frachtunternehmen UPS und dem in der Schweiz ansässigen Logistikunternehmen Kühne und Nagel gesponsort wird, das wären deren Leistungen an dem Saatgut-Programm. Die Verteilung des Saatguts in Haiti werde von dem WINNER-Projekt organisiert, dass ein Programm entwickelt hat, um die Produktivität der Bauern zu erhöhen und von der US Agency for International Development finanziert wird.
 
Kleinbauern-Führer Chavannes Jean-Baptiste von der Bauernbewegung Papay (MPP), der - wie von Radio Utopie berichtet - das Monsanto-„Geschenk“ als “ein neues Erdbeben” bezeichnete, schrieb in einem offenen Brief am 14.Mai: „Es ist ein sehr starker Angriff auf die kleine Landwirtschaft, auf die Landwirte, auf die biologische Vielfalt, auf Creole Samen…und es ist ein Angriff auf unsere Umwelt in Haiti.”
 
Die haitianischen sozialen Bewegungen kämpften gegen dieses Agrobusiness, das die lokale Saatgut-Produktion unterminiere. Sie hätten die besondere Besorgnis über die Einfuhr von genetisch veränderten Organismen (GVO) ausgedrückt. Aber es gehe nicht nur um die Gefahren der Chemikalien und die Möglichkeit der künftigen Einfuhren von GVO sondern auch darum, dass die Zukunft Haitis gefährdet sei, dass die lokale Produktion mit lokalen Speisen für den lokalen Verbrauch abhängig von Monsanto werde und Haiti die Ernährungssouveränität verliere. Nun auf einmal heisse es aus dem haitianischen Ministerium für Landwirtschaft, dass man ohne ein Gesetz zur Regelung der Verwendung von GVO in Haiti die Offerte von Monsantos Roundup Ready Angebot von GVO-Saatgut abgelehnt hätte. Das Angebot bleibe aber weiterhin bestehen, denn in einem E-Mail-Austausch hätte ein Vertreter von Monsanto dem Ministerium für Landwirtschaft versichert, dass die gespendeten Samen keine GVO wären. Ein Narr sei, wer dieser Versicherung Glauben schenken würde. Auf diese Weise sollten die Saatgutkörner doch noch im Land verteilt werden - keine Behörde in Haiti könne die Saatkörner auf die Schnelle im Labor untersuchen, denn sie sollten ja sofort auf die Felder.
 
„Die Menschen in den USA brauchen, um unserer Wirtschaft zu helfen, keine Lebensmittel und kein Saatgut zu schicken. Sie ruinieren damit unsere Chance, uns selbst zu helfen”, erklärte Bauer Jonas Deronzil aus einer bäuerlichen Genossenschaft in der ländlichen Region von Verrettes. „Die Politik, die wir für die Ernährungssouvärenität brauchen werden ist es, dass die Gemeinden das Recht haben, unsere Landwirtschaftspolitik zu definieren, das heisst, zuerst die Familie zu versorgen und dann den lokalen Markt – gesunde Lebensmittel im Einklang mit der Umwelt, der Natur und mit Respekt für die Mutter Erde.”
 
Das für Haiti „gespendete“ Hybrid-Mais-Saatgut von Monsanto enthält das Fungizid Maxim XO, und die Calypso Tomatensamen sind mit Thiram behandelt. Thiram gehört zu einer Klasse von hochgiftigen Chemikalien, den Ethylen bisdithiocarbamates (EBDCs). Tests von EBDCs an Mäusen und Ratten riefen grosse Bedenken in der US Environmental Protection Agency (EPA) hervor, die daraufhin neue spezielle Untersuchungen anordnete. Die EPA hatte festgestellt, dass mit EBDC-behandelte Pflanzen so gefährlich sind, dass Landarbeiter im Umgang mit ihnen spezielle Schutzkleidung tragen müssen.
 
Zusammen mit Syngenta, Dupont und Bayer kontrolliert Monsanto inzwischen schon mehr als die Hälfte der weltweit angebotenen Samen. Der Konzern hat fast 650 Saatgut-Patente, die meisten von ihnen für Baumwolle, Mais und Soja und fast 30% seines Aktienkapitals in die Biotechnik-Forschung und –Entwicklung gesteckt.
 
Via Campesina, der weltweit grösste Dachverband der Landwirte mit Mitgliedsorganisationen in mehr als sechzig Ländern hat Monsanto als einen der “Hauptfeinde der Bauern in der nachhaltigen Landwirtschaft und in der Ernährungssouveränität für alle Völker” bezeichnet. Die Bauernbewegung von Papay hat inzwischen dazu aufgerufen, die Saaten von Monsanto zu verbrennen. Zusätzlich soll es einen Protestmarsch am 4. Juni zum Weltumwelttag gegen dieses geplante Verbrechen geben. (PK)
 
Quelle: radio-utopie.de


Online-Flyer Nr. 252  vom 02.06.2010

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