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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Sport
Ally Krieger vom 1.FFC Frankfurt wieder im US National-Kader
Cleveland Womensoccer Defeat
Von Bernd J.R. Henke

Das US National Womensoccer Team ging gut vorbereitet in die Partie gegen eine Deutsche Frauenfußball Nationalmannschaft, die ohne die Spielerinnen vom 1. FFC Turbine Potsdam im Cleveland Browns Stadium antreten musste. Ein Tanz auf zwei Hochzeiten, Nationalelf und Endspiel der UEFA Womens Champions League, war nicht möglich. Es fehlten Anja Mittag, Fatmire Bajramaj, Babett Peter, Jennifer Zietz, Nadine Kessler und Bianca Schmidt. Ein Grund mehr für Bundestrainerin Sylvia Neid das Freundschaftsspiel als Lehrstunde am Saisonende anzugehen. Der amerikanische Fußballverband wählte als Spielstätte ein großes American-Football-Stadion in Cleveland im Bundesstaat Ohio aus. In diesem Stadion mit 73.200 Zuschauerkapazität waren aber nur 10.321 Zuschauer. Sehr enttäuschend für den als wichtigsten Klassiker der Weltfußballfrauen angesehenen Wettkampf. 
 

Comeback für Alexandra (Ally) Krieger
Foto: A2 Bildagentur Hartenfelser
Und die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft kassierte in Cleveland eine der bittersten Niederlagen ihrer Länderspiel-Geschichte. Schon die letzten beiden Treffen gegen die USA wurden von den deutschen Fußballfrauen verloren. Zuletzt gab es ein 0:1 in Augsburg (29. Oktober 2009) und ein 2:3 im Finale des Algarve Cups (3. März 2010). Diesmal erhielt die deutsche Auswahl eine 0:4 Klatsche und musste zusehen, wie eine gut aufgelegte Abby Wambach die deutsche Hintermannschaft viermal so in Bedrängnis brachte, dass es im Kasten von Nadine Angerer klingelte. Vier Gegentore von den USA hatte es seit neun Jahren nicht mehr gegeben. Doch der Sieg der US-Girls war an diesem Abend auch in dieser Höhe hoch verdient. Die Amerikanerinnen wirkten insgesamt agiler, aggressiver und frischer als ihre Gegnerinnen. Die Tore im Cleveland Browns Stadium erzielten Abby Wambach (29. Foulelfmeter), Heather O'Reilly (35.), Kristine Lilly (62.) und noch einmal Wambach (63.).
 








Auch 2008 an der Algarve
Grund zur Freude
- Abby Wambach (rechts) 
Archivfoto: Kahlila Merritt
Für eine Spielerin des 1.FFC Frankfurt Alexandra „Ally“ Krieger war es ein ganz besonderes Aufeinandertreffen. Die 25-jährige US-Amerikanerin ist seit drei Jahren beim siebenfachen Meister und Pokalsieger aktiv und wurde nach langer verletzungs-bedingter Pause vom US-Team ausgerechnet zum Duell mit ihren FFC-Mannschafts-kameradinnen in der deutschen Nationalmannschaft wieder nominiert. Sie wurde in der 46.Minute von US Trainerin Pia Sundhage als rechte Außenverteidigerin gegen Heather Mitts eingewechselt. Ihre letzte Saison in Frankfurt verlief sehr gut. Sie hatte sich nach ihrer Verletzung wieder durchgebissen und sich von Spiel zu Spiel gesteigert. In den letzten sechs Spielen schlugen die Frankfurterinnen den Deutschen Pokalmeister 2010, den FCR 01 Duisburg, und den Deutschen Meister 2010, den 1.FFC Turbine Potsdam, der am Donnerstag UEFA Womens Champions League Gewinner wurde.
 
Back Burner

Pia Sundhage betonte vor vier Wochen in Frankfurt, dass die aktuelle Nominierung für Ally Krieger eine Chance bedeute, sich ganz nach vorne zu spielen, um mit dem US Weltmeisterschaftskader der WM 2011 in Deutschland auftreten zu können. Ally Krieger meinte: „Ich habe gelernt, nur noch von Tag zu Tag zu schauen und da gilt es, mich immer wieder aufs Neue zu beweisen. Jedes Spiel und jede Trainingseinheit sind ein weiterer Schritt, und darauf muss ich mich fokussieren, bevor ich mich mit einem so großen Turnier beschäftigen kann, das dazu noch ein Jahr entfernt liegt. Die aktuelle Nominierung nährt zwar meine Hoffnungen darauf, einen Platz im Kader für die Weltmeisterschaft erreichen zu können, aber das spielt sich alles nur ganz tief im Hinterkopf ab - im “back burner“, wie wir Amerikaner sagen.“ An diesem Tag lief alles gut für Ally und erhöhte ihre Chancen für die WM in Deutschland.
 
Starke Anfangsphase
 
Dabei fand Deutschland zunächst besser in die Partie hinein. Durch geschicktes Pressing setzten die deutschen Frauen die amerikanische Abwehr ständig unter Druck.. Zweimal bot sich für sie sogar die Chance zur Führung. Die Mannschaft war hellwach, kam gut in die Zweikämpfe, schenkte den US-Girls wenig Raum, um zur Entfaltung zu kommen. In der 14. Minute die größte Gelegenheit, als Simone Laudehr von Birgit Prinz eingesetzt wurde, ihr in starker Bedrängnis etwa zehn Meter vor dem Tor der Ball jedoch über den Spann rutschte. Anschließend kam Kerstin Garefrekes in der 26. Minute in aussichtsreicher Position etwa 18 Meter vor dem Tor zum Schuss – allerdings war dieser zu unpräzise. Inka Grings lief in dieser Phase gleich dreimal knapp ins Abseits.
 
Außer Tritt                                                                                                                                            
 
Die USA waren hingegen vor allem durch lange Pässe in die Spitze gefährlich. Einer davon fand in der 29. Minute Abby Wambach, die in der Strafraummitte von Saskia Bartusiak nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Den fälligen Elfmeter verwandelte die Gefoulte höchstpersönlich zur 1:0-Führung für die USA. Dies brachte die DFB-Elf vollkommen aus dem Konzept, und das US-Spiel kam nun immer besser ins Rollen. Deutschland wirkte wie gelähmt. Nach vorn brachten die Spielerinnen kaum mehr etwas zustande. Ariane Hingst, die bei ihrem Comeback im DFB-Dress im defensiven Mittelfeld eingesetzt wurde, hatte etliche Mühen im Aufbauspiel. Zwischen Annike Krahn, Saskia Bartusiak und Sonja Fuss zeigten sich einige Abstimmungsschwierigkeiten in der Verteidigung. Und Birgit Prinz fiel im Angriff nur durch wüstes Reklamieren auf, was ihr zu Recht die Gelbe Karte einbrachte. 
 
Schnelles Spiel                                                                                                                                      
 
Die US-Girls drehten dagegen mächtig auf. Nahezu zwangsläufig fiel in der 35. Minute nach einer Ecke von Kristine Lilly das zweite Gegentor. Zunächst scheiterte Wambach noch mit einem wuchtigen Kopfball an Nadine Angerer, doch Heather O'Reilly hatte im Anschluss keine Probleme, den Abpraller zum 2:0 im deutschen Gehäuse unterzubringen. Fazit zur Pause: eine deutsche Mannschaft, die in der Vorwärts-Bewegung gute Ansätze zeigte, defensiv gegen die athletischen und schnellen US-Spielerinnen aber gänzlich auf verlorenem Posten stand.
 
Abziehbild
 
Die zweite Hälfte wurde ein Abziehbild des ersten Spielabschnitts. Deutschland kam mit neuem Schwung aus der Kabine und hatte durch Garefrekes (58.) und Grinks (60.) aussichtsreiche Chancen. Die Tore erzielten aber erneut die Amerikanerinnen, die in der letzten halben Stunde das Spielgeschehen kontrollierten. Zunächst schraubte Lilly in ihrem 345. Länderspiel das Ergebnis nach glänzender Vorarbeit von Wambach auf 3:0 (62.). Nur eine Minute später markierte Wambach mit ihrem zweiten Tor des Tages den 4:0-Endstand. Bundestrainer Silvia Neid zeigte sich sehr beeindruckt vom US-Team. „Die Amerikanerinnen haben einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Sie sind ein extrem hohes Tempo gegangen, mit dem wir nicht klar gekommen sind. Man hat merken können, dass sie mitten in der Saison stehen, während unsere Spielerinnen am Ende einer Kräfte zehrenden Saison bis ans Limit gegangen sind“, so die DFB-Trainerin.
 
Dritte Niederlage gegen USA in Folge                                                                                                                                         
 
Abby Wambach avancierte damit zur Spielerin des Abends. Dass sie sich erst vor zwei Wochen bei einer Partie in der amerikanischen Profiliga die Nase gebrochen hatte, war der Weltklassestürmerin überhaupt nicht anzumerken. Sie spielte nicht einmal mit der obligatorischen Gesichtsmaske. „Es ist doch bloß eine Nase, was soll's“, gab sie sich bereits vor dem Anpfiff betont lässig. Für die DFB-Elf war es binnen sieben Monaten die dritte Niederlage in Folge gegen den Weltranglistenersten. „Das ist großartig, perfekt und einfach fantastisch“, freute sich die begeisterte US-Trainerin Pia Sundhage. Und Abby Wambach lobte: „Wenn man eine Torhüterin wie Hope Solo hat, hat man alle Chancen WM-Titel und olympische Medaillen zu.
 

Weltklasse Torhüterin Hope Solo
Foto: WPS
„Frauenfußball genießt einen hohen Stellenwert an den Colleges. Der Sport allgemein ist sehr gut in den Schulen integriert. Dadurch ist es natürlich sehr reizvoll, dort zu spielen. So wird der Nachwuchs sehr gut gefördert. In den USA gehen die Mädchen genauso zum Fußball wie zum Ballett“, bemerkte Verteidigerin Sonja Fuss vom 1.FC Köln, die schon einmal in der amerikanischen WPS spielen konnte. Die Bundestrainerin sah Positives. „Wir hatten sechs klare Torchancen, aber US-Torfrau Hope Solo hat stark pariert. Das ist schon eine super Torfrau. Wie sie zum Beispiel den Ball von Birgit rausgefischt hat, war Weltklasse. Dennoch haben wir nie aufgegeben, das spricht für unseren Charakter. Auch Niederlagen können weiterhelfen“, betonte Neid.
 
Das nächste Heim-Länderspiel ist die Begegnung mit Kanada am 15. September in Dresden. Dann sind es nur noch 285 Tage bis zum Start der WM.2011. Silvia Neid wurde in Cleveland allerdings deutlich vor Augen geführt, dass der Weltranglistenerste aus den USA den deutschen Frauen derzeit einen gewaltigen Schritt voraus ist. (PK)


Online-Flyer Nr. 251  vom 26.05.2010

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Von Kostas Koufogiorgos
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