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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Filmclips
Ein Staat sieht ROT
Von Peter Kleinert



Ein Staat sieht rot - Niemals werden unsere Kinder Kommunisten„Die Form“ schrieb Jürgen Salm zum 5. Geburtstag von KANAL 4 in der Kölner StadtRevue 10/93, „wie Politik, Satire und Kunst im Magazin Z miteinander verknüpft werden, hebt sich angenehm ab von der trommelfeuerartigen Aufbereitung der Themen in ZAK. Trotzdem fehlt es dem Magazin nicht an Schärfe.“ So wurde im Fall der Roma Nidar Pampurowa „die Kölner Polizei der Zusammenarbeit mit den Neonazis bildkräftig überführt.“ Eine „geplante Ausstrahlung im WDR wurde nach Einspruch des Kölner Polizeipräsidenten Hosse gestoppt… Der Beitrag kam deshalb in Z.“ Und als unser „unabhängiges Fernsehfenster“ KANAL 4 „Z“ einstellen mußte, weil SAT 1 durch eine Papst-Satire der Ostberliner Clowns Mensching & Wenzel „religiöse Gefühle verletzt“ sah, “erfanden“ wir das Magazin TWIST. Das war, wie der Kölner Stadt-Anzeiger erkannte, genau so gut: „Z heißt jetzt TWIST“, schrieb dessen TV-Kritiker nach der ersten Folge völlig richtig.

Natürlich hatte es schon wegen der ersten Ausgabe von "Z" für unser „unabhängiges Fernsehfenster“ auf den Frequenzen von RTL und Sat1 Ärger gegeben. Nicht wegen der Reportage "Lügen vom Staatsschutz" von Oliver Ness über das seit Jahren besetzte Stadtteilzentrum "Rote Flora" in Hamburg. (Der Kollege wurde erst einige Monate später von Hamburger Polizisten schwer mißhandelt, weil er - unwidersprochen - vom Innensenator gedecktes, illegales Verhalten von zwei Geheimpolizisten in "Z" veröffentlicht hatte.

Auch nicht wegen des ungewöhnlichen Musikvideos des Leipziger Jazzmusikers und Komponisten Erwin Stache "Rondo ad Surr", der zu dieser Zeit seinen Lebensunterhalt noch als Küster und Organist in einer evangelischen Kirche verdiente. Das Video dürfte seinem Pastor nicht unbedingt gefallen haben. Und ebensowenig wegen der durchaus quer zum Kabarett-Mainstream liegenden Satiren über den "Tag der Deutschen Einheit" und seine Folgen der beiden Ost-Berliner Clowns Mensching & Wenzel.

Sondern: Wegen eines satirischen Werbe-Clips für Sanella, mit dem die West-Berliner Video-Künstler von “dogfilm“ die Werbeunterbrechungen im privaten Fernsehen offenbar zu gut auf die Schippe genommen hatten. So etwas dürfe "nie wieder vorkommen", verlangten die RTL-Gewaltigen vom KANAL 4-Geschäftsführer. Doch dieser wies mit Recht darauf hin, daß wir - im Gegensatz zum übl(ich)en Fernsehen - ohne jede Zensur alles senden dürften, was nicht gegen strafrechtliche Vorschriften verstoße. Und so durften die dogfilmerInnen auch weiter in künstlerischer Freiheit "Werbe-Clips" via KANAL 4 auf RTL einbringen. Das waren Zeiten! Sie können deshalb ruhig mal bei dem einen oder anderen "Z" oder TWIST unter der Rubrik "Magazine" auf der Webseite www.kaos-archiv.de reinschauen. Viel Spaß!

Und natürlich macht es heute wie vor 16 Jahren immer noch Sinn, in das Magazin hier vorliegende "Z"-Magazin "Ein Staat sieht ROT" reinzuschauen. Passend zu dem aktuellen Artikel von Hans Fricke über den 14. Bundeskongress der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen vom 17. April 2010 in Neustrelitz informieren wir hier darüber, wie ehemalige Nazirichter unter Konrad Adenauer mit den Opfern der Nazizeit umgingen, und wie der Staat – schon 1994 fast so schlimm wie heute – Arbeits- und Wohnungslose behandelte. (PK)

Autoren: Rolf Gössner, Peter Kleinert und Hans-Peter Bordien
Satire: Steffen Mensching und Hans-Eckart Wenzel, Berlin.
SF-Video: dogfilm, Berlin.
Musik-Video: Erwin Stache, Leipzig.

Aus der KANAL 4-Sendereihe "Z" - Magazin für Kunst, Politik und Satire. Produktion: KAOS Film-und Video-Team Köln, 30 Minuten, 1994.

Mehr Infos unter www.kaos-archiv.de
 
 
 
 
 


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Online-Flyer Nr. 247  vom 18. Dezember 2017



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