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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Filmclips
Das "Gottesgeschenk“ Konrad Adenauer
Von Peter Kleinert



„Wir danken heute Gott, daß er uns Konrad Adenauer geschenkt hat“, zitiert Werner Rügemer in dieser NRhZ-Ausgabe aus Kardinal Meisners Predigt beim Pontifikalamt anlässlich der Feiern zum 125. Geburtstag des ehemaligen Kölner OB, später CDU-Gründungsvater und Bundeskanzler, am 5. Januar 2001. Während sich der Autor von COLONIA CORRUPTA damit befasst, „dass nach Adenauerscher Beichttafel und katholischem Katechismus Selbstbereicherung, Insidergeschäfte und die Haltung schwarzer Kassen, aber auch etwa Korruption im engeren Sinne immer noch nicht im kirchlichen Sündenregister aufgeführt sind“, hat der Kirchenkritiker und -historiker Karlheinz Deschner sich in der Fernsehserie „Mit Gott und den Faschisten“ mehr mit der Haltung des "Gottesgeschenks“ zum Faschismus beschäftigt.    


Empfang bei Johannes XXIII – Konrad Adenauer
Quelle: www.vatikan.diplo.de
„Das römische Papsttum – durch Kriege und Betrug groß geworden, durch Kriege und Betrug groß geblieben – hatte durch Pius X. den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gefördert und durch Pius XI. entscheidend die Heraufkunft des Faschismus in Italien und Deutschland.“ So beginnt Karlheinz Deschner seinen Vortrag in der KANAL 4-TV-Sendereihe „Mit Gott und den Faschisten“. In der Folge über die zwischen Mussolini und Pius XI. abgeschlossenen Lateranverträge berichtet Deschner: „Am 20. Dezember 1926 verkündete der „Heilige Vater“ wieder einmal: „Mussolini wurde uns von der Vorsehung gesandt.“ Der Duce hatte kurz zuvor die Mandate der nicht faschistischen Kammer- und Senatsmitglieder für ungültig erklärt, ihre Parteien aufgelöst und mit der faschistischen Umgestaltung des Staates begonnen.


Durch den Vatikan zu Ansehen gebracht
– Hitler und Mussolini
Quelle: www.masonicinfo.com
Drei Jahre später, am 11. Februar 1929, unterzeichneten im Lateran, dem päpstlichen Palast, Benito Mussolini und Kardinal-staatssekretär Pietro Gasparri die Lateranverträge. Es war das bedeutendste kirchenpolitische Ereignis im Pontifikat Pius XI., die wichtigste außenpolitische Entscheidung des Papsttums seit 1870. Das Vertragswerk umfaßte einen Staatsvertrag, ein Finanzabkommen, ein Konkordat, Verträge, die das Ansehen der Faschisten enorm steigerten, vor allem aber der Kurie gewaltige Vorteile brachten.“ Dazu gehörten uneingeschränkte Souveränität auf dem Gebiet der Vatikanstadt und als Abfindung „das Kapital einer Weltbank“, die (nach damaliger Währung) ungeheure Summe von einer Milliarde Lire in Staatspapieren und 750 Millionen Lire in bar, bei fünfpro-zentiger Verzinsung eine Jahresrente von fast 90 Millionen. Der Katholi-zismus wurde Staatsreligion, die kirchliche Ehe der bürgerlichen ebenbürtig, die Scheidung unmöglich, der Religionsunterricht obligatorisch. Antikirchliche Bücher, Zeitungen, Filme wurden unter Zensur gestellt, die Kritik des Katho-lizismus unter Strafe. Der Staat verpflichtete sich, seine ganze Gesetzgebung mit dem kirchlichen Recht abzustimmen.“ Die Kirche erlaubte dafür der Regierung, bei der Ernennung von Bischöfen und Pfarrern politische „Bedenken“ zu äußern. Und sie untersagte – das schönste Geschenk für Mussolini – allen Geistlichen die parteipolitische Betätigung, nachdem nicht wenige von ihnen offen gegen den Faschismus aufgetreten waren.
 
In München pries, so Deschner, „Adolf Hitler die klerofaschistische Verbrüderung kaum minder als sein späterer Gefolgsmann Kardinal Faulhaber, der sie „nicht Menschenwerk“, nein „eine Gottestat“ nannte“. Und das katholische „Gottesgeschenk“ Adenauer prophezeite dem Faschisten Mussolini in einem Glückwunschtelegramm, sein Name werde in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen werden“ (siehe http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11587).


Eugenio Pacelli, später Papst Pius XII., und Pius XI.
Quelle: www.asamnet.de Radio Vatikan

Vier Jahre später am 20. Juli 1933 schloß der Vatikan das noch weit über die Lateranverträge hinausgehende Konkordat mit der Naziregierung, nachdem Hitlers Vizekanzler Franz von Papen und Hermann Göring von  Pius XI. mit großen Ehren empfangen und für das Verbot der Kommunistischen Partei gelobt worden waren. Es war, so Deschner, der einzige maßgebliche außenpolitische Vertrag, der noch heute in der Bundesrepublik geltendes Recht darstellt, und an dem Eugenio Pacelli, später Pius XII., als Kardinalstaatssekretär wesentlich mitgearbeitet hatte – Hitlers erster völkerrechtlicher Kontrakt. Und mit dem Papst und dessen Nachfolger geschlossen! Der „Heilige Vater“, bescheinigten alle katholischen Bischöfe Deutschlands Hitler später, hat derart „das moralische Ansehen Ihrer Person und Ihrer Regierung in einzigartiger Weise begründet und gehoben“. Das Umschwenken des deutschen Episkopats zu Hitler wurde – so Deschner – deutlich durch einen Satz von Adolf Bertram, Kardinal von Breslau. Der pries „dem hochverehrten Herrn Reichskanzler“ die Katholiken als „zuverlässige Stützen der staatlichen und kirchlichen Autorität“ an und versicherte, sie seien „freiwillig und aus edelsten Motiven zur Mitarbeit“ bereit, „auch gern...zu Geländesport und Wehrertüchtigung… Wieder hat sich gezeigt, daß unsere Kirche an kein politisches System, an keine weltliche Regierungsform, an keine Parteikonstellation gebunden ist. Die Kirche hat höhere Ziele...“  

Ratgeber Kölnische Zeitung

Deschners Kommentar: „Ja, alle biederten und bräunten sich jetzt an – bis hin zu Konrad Adenauer wieder. Denn dieser lebenslange Opportunist, der als Oberbürgermeister Kölns 1917 die Stadt „untrennbar mit dem Deutschen Reich vereinigt“ sehen, sie 1919 aber „direkt oder als Pufferstaat zu Frankreich“ bringen wollte, erklärte im Winter 1932/33 öffentlich, „daß nach meiner Meinung eine so große Partei wie die NSDAP unbedingt führend in der Regierung vertreten sein müsse“. Erfolgreich vorgebetet hatte ihm dies schon 1930 die Kölnische Zeitung der Familie Neven DuMont. Nachdem Hitler nach einem gemeinsam Besuch mit dem Zentrumspolitiker von Papen bei Reichspräsident Paul von Hindenburg die ihm angebotene Vizekanzlerschaft abgelehnt hatte, konnte man dort lesen, „dass die Nationalsozialisten an der Verantwortung beteiligt werden sollten, weil ihre Partei zu groß geworden (sei), um in der Opposition zu bleiben.“ (PK)

Teile des hier vorliegenden Textes finden Sie auch in dem Ausschnitt aus dem TV-Film „Das Konkordat“, den wir in der Sendereihe "Mit Gott und den Faschisten" mit Karlheinz Deschner produziert haben. Den ganzen Film können Sie bei www.kaos-archiv.de bestellen.

Filmautor Karlheinz Deschner, 1924 in Bamberg geboren, im Krieg Soldat, studierte Jura, Theologie, Philosophie, Literaturwissenschaft und Geschichte. Über seine literarischen, literatur- und kirchen-kritischen Werke berichtet der Dokumentarfilm "Im Grunde bin ich ein aus lauter Zweifeln bestehender gläubiger Mensch" (siehe www.kaos-archiv.de). Deschner arbeitet zurzeit am 10. Band seines Werks „Kriminalgeschichte des Christentums“ (siehe www.deschner.info) und erhielt – nach einigen anderen Literaturpreisen – Anfang 2007 in Mailand den Giordano Bruno-Preis.

Auftraggeber:
Kanal 4
Produktion:
KAOS Film-und Video-TeamKöln
Produktionsjahr:
1992
Länge:
9,15 min
Regie:
Peter Kleinert
Marianne Tralau
Kamera:
Tom Kaiser
Ton:
Lars Klietsch
Stephan Thonett
Schnitt:
Peter Kleinert
Produktionsleitung:
Peter Kleinert





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Online-Flyer Nr. 243  vom 17. Dezember 2017



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