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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Sport
Freiburg kann wieder gewinnen, SG Essen-Schönebeck siegt in Schlussminute
Neuer Spitzenreiter: FCR 01 Duisburg
Von Bernd J.R. Henke

Die Rätsel sind gelöst. Alle TrainerInnen orientierten sich nach fast dreimonatiger Winterpause neu über Spielstärke und Stand ihrer Teams. Fassungslosigkeit auf Seiten des 1.FFC Frankfurt, denn Trainer Sven Kahlert und Manager Siegfried Dietrich betrieben seit einigen Wochen Verbaloptimismus, in der Hoffnung das Unvermögen der FFC-Frauen zum Torschießen hätte sich in Luft aufgelöst. Die Münchnerinnen dagegen erreichten im selben Spiel mit einer „spitzbübischen“ Leichtigkeit unter Trainer Günther Wörle den Gipfel der Effizienz: aus vier Chancen fabrizierte Bayern zwei Tore. Konditionell waren die Nationalspielerinnen des FFC dem FC Bayern sogar überlegen, aber wohl emotional nicht. Der Traum zur Königsklasse an der Champions League ist für den Serienmeister aus Frankfurt ziemlich früh zerplatzt, falls nicht in den kommenden englischen Wochen wahre Wunder geschehen.


Jennifer Oster - Torschützin des Tages
Foto: FCR
Durch Spielabsage des bisherigen Spitzenreiters 1. FFC Turbine Potsdam nutzte Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg die unfreiwillige Pause des Mitfavoriten, sich mit einem 3:0 (1:0) Heimsieg ihrer Löwinnen gegen die Frauen des FF USV Jena die vorläufige Tabellenführung zu erobern. Das Duisburger PCC-Stadion war zwar auch unbespielbar, aber beide Vereine einigten sich aufgrund des schlechten Wetters, das Spiel auf einem Polythan-Kunstrasenplatz auszutragen, wohl auch wissend dass englische Wochen an die Substanz gehen. Jenas Trainerin Heidi Vater ließ ihre Mannschaft von Anfang an mit einer gut gestaffelten Abwehr spielen, die durch geschicktes Verschieben die Räume so eng wie möglich machte. Das klappte auch recht gut. Duisburg kam kaum zu gefährlichen Torraumszenen vor Jenas Tor. Bis zur 39. Minute konnte der FF USV Jena ein Unentschieden halten, dann kam die entscheidende Situation. Nach einer Ecke konnte Groll zunächst noch auf der Linie klären, der Ball kam im Getümmel zur Japanerin Kozoe Ando und die staubte aus zwei Metern ab - ein sehr unglückliches Tor zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.


Kozoe Ando, neues Sturm-Ass des FCR 01 Duisburg mit Autor Bernd J.R. Henke
Foto: Privat
                                                                                                                                                          In der zweiten Hälfte war Duisburg dann stärker, auch da der FF USV nun öfters mal versuchen musste, den Abwehrriegel zu lockern und somit mehr Platz für die Heimmannschaft die logische Folge war. Diese nutzte ihre Freiräume geschickt. Nachdem Femke Maes in der 50. Minute noch mit einem Kopfball an der Latte scheiterte, war es dann in der 54. Minute passiert. Die beste Spielerin auf dem Platz, Kozue Ando, lief über das halbe Feld und setzte mit einem Pass Jennifer Oster in Szene, diese ließ sich vollkommen frei nicht die Chance nehmen und erhöhte auf 2:0. In der 76. Minute war es eine fast identische Szene in der wiederum Oster das 3:0 erzielen konnte. Anschließend schalteten die Duisburgerinnen zwei Gänge zurück und schonten sich offensichtlich für ihr Champion League Spiel gegen Arsenal London. Jenas Offensiv-Bemühungen sind dagegen nicht belohnt worden, bei Genoveva Anonmas Schuss knapp am Pfosten vorbei, ist man dem Ehrentreffer noch am nächsten gewesen (82.). Jenas Torhüterin Jana Burmeister verhinderte eine deutlichere Niederlage.

Rot schlägt Schwarz

Der FC Bayern München hat das Topspiel für sich entschieden. Im Verfolger-Duell setzten sich die Münchnerinnen mit 2:1 (1:0) gegen den Tabellendritten 1. FFC Frankfurt durch. Die Gastgeberinnen erwischten dabei einen Traumstart. Schon in der 7. Minute sorgte Isabell Bachor für die Führung. Nach der Pause dann allerdings umgekehrte Vorzeichen: Kerstin Garefrekes brachte die Gäste mit ihrem Treffer zurück ins Spiel (56.). Frankfurt war feldüberlegen, erspielte sich Superchancen dreimal durch Birgit Prinz sowie je ein Mal durch Conny Pohlers, Kerstin Garefrekes, Alexandra Krieger und Sarah Thunebro - Chancen, die jedoch reihenweise vergeben wurden. Die schnellen Konter des FC Bayern bereiteten der Frankfurter Abwehr gewaltige Probleme. Der 1. FFC machte in der zweiten Halbzeit über die linke Seite durch Sarah Thunebro und Birgit Prinz mächtig Druck, während auf der anderen Seite die Abwehrspielerin Bianca Rech die Aktivitäten des Frankfurter Sturmes unterband.

Kaltschnäuzig

Die Freude von Trainer Kahlert beim Ausgleich von Garefrekes währte nicht lange. In einer starken Frankfurter Druckphase entschied FCB Trainer Günther Wörle durch eine richtige Einwechslung das Spiel: Angreiferin Vanesa Bürki kam in der 69. Minute und sorgte nach nur zwei Ballkontakten und 60 Sekunden Spieldauer für den Siegtreffer (70.). Trotz eines spielerischen Übergewichts in der zweiten Halbzeit und einer Vielzahl von Möglichkeiten, blieb das ersehnte Erfolgserlebnis für den siebenmaligen Deutschen Meister 1.FFC Frankfurt aus. Die Signale des Trainers und des Managers an die Konkurrenz, die zu Beginn der Mission einer Aufholjagd  angekündigt hatten, waren gescheitert. Dank des "Dreiers" verbesserte sich der FC Bayern von Rang fünf auf Rang vier und liegt nur noch einen Punkt hinter dem Gegner aus Hessen.

Emotionen

„Das Unvermögen zum erfolgreichen Torschuss des FFC liegt eindeutig mental begründet. Der überraschende Weggang der torgefährlichen spanischen Stürmerin Laura del Rio, mangels Integration in das Team, war ein großer Verlust für den FFC. Der Abschied war wohl nicht nur aus privaten Gründen geschehen, denn Laura del Rio fand sofort einen Verein in den USA. In der Nacht vom 1. auf 2. Februar 2010 meldete der offizielle Twitter Account des General Manager Andy Crossley des amerikanischen WPS Spitzenclubs Boston Breakers, dass Laura del Rio eine Vereinbarung getroffen hätte und eine Vertragsunterzeichnung bevorsteht. Da haben wohl die Vermittler ordentlich kassiert. Sollte das Schule machen, kann eine Spielerin in einem Jahr in drei unterschiedlichen Ligen spielen. Die Kasse der Vermittler stimmt zwar, aber mit fairem Fußballsport hat das immer weniger zu tun. Man stelle sich eine Art Wanderzirkus vor, der hintereinander durch die Ligen zieht“, erklärte Fußballexperte Johann Blaha. Die bekannte Kommunikations- und Mentaltrainerin Elke Behrendt, die selbst Handballtorfrau in höchster Spielklasse war, empfiehlt den Frankfurterinnen: „Bei Leistungstiefs sollten sich die Spielerinnen auf unbewusste Fähigkeiten konzentrieren und diese ausbauen, denn 90% des Handelns sind unbewusst. Zum Torschießen sind Emotionen notwendig.“
 
Zweiter Sieg für Freiburg

Die Frauen des Sportclub Freiburg gewannen ihr erstes Heimspiel in der laufenden Saison gegen den SC 07 Bad Neuenahr im Möslestadion mit 4:1. Für Freiburg trafen Juliane Maier, Martina Moser, Susanne Hartel und US-Girl Mele French. Strahlender Sonnenschein durchflutete das Möslestadion, der Wind pfiff bitterkalt und die Platzwarte hatten ganze Arbeit geleistet. Musste gestern die Begegnung der Regionalligamänner noch abgesagt werden, konnte heute schon wieder gespielt werden und die Bedingungen waren den Umständen entsprechend sehr gut.

Für die Breisgauerinnen war die Ausgangslage klar, alles andere als zumindest ein Punkt gegen den aktuellen Tabellenvierten der Liga, gegen den man seit März 2007 nicht mehr punkten konnte, hätte fast schon den Abschied aus der Liga der Weltmeisterinnen bedeutet, doch mit dem Sieg sind die Breisgauerinnen wieder im Spiel und können weiter hoffen. Trainer Ede Beck konnte personell aus dem Vollen schöpfen und schickte folgende Elf auf den Platz: Marisa Brunner im Tor, Verena Faißt, Valeria Kleiner, Kerstin Boschert und Danique Stein bildeten die Viererabwehrkette, im Vierermittelfeld spielten Juliane Maier, Myriam Krüger, Kelly Parker und Julia Zirnstein hinter dem Sturmduo Susanne Hartel und Martina Moser.

Unbeirrt

Die Kurstädterinnen erwischten den besseren Start, nach dem Yun Hee Cha in der sechsten Minute noch knapp eine Vorlage von Celia Okoyino da Mbabi verpasste und im weiteren Verlauf zunächst der Notizblock leer blieb, fiel nach 20 Minuten das 0:1. Peggy Kuznik legte sich einen Freistoß aus zentraler Position 22 Meter vor dem Tor zurecht, hielt einfach mal darauf und traf (21.). Doch Freiburgs Spielerinnen ließen nicht wie so oft in den vergangenen Spielen die Köpfe hängen, spielten unbeirrt weiter und wurden nur vier Minuten nach dem Rückstand für ihr Engagement belohnt. Juliane Maier, dribbelte drei Gegenspielerinnen aus, und versenkte aus 16 Metern den Ball unhaltbar für Altmann im Netz (1:1, 25.). Im weiteren Verlauf gab es Chancen auf beiden Seiten, doch das Tor fiel für Freiburg. Einen mustergültigen Konter leitete Verena Faißt mit einem langen Ball auf Susanne Hartel ein, die kurz vor Torhüterin Altmann uneigennützig auf die mitgelaufenen Martina Moser ablegte, was Moser die Möglichkeit gab, seelenruhig einzuschieben, was sie auch tat (2:1, 38.).

Morgenluft

Die erste Führung für die Breisgauerinnen in einem Heimspiel in der laufenden Saison - am 15. Spieltag. Ein Gefühl, das viele der Fans und im Umfeld schon gar nicht mehr kannten. Und es sollte noch besser werden. Auch nach der Halbzeit war das Chancenverhältnis eher ausgeglichen, doch Freiburg hatte mit Marisa Brunner einen sicheren Rückhalt im Tor, und die aggressiveren und willigeren Feldspielerinnen auf dem Platz. Und so fielen folgerichtig auch die Tore für die Breisgauerinnen. Nach einer Stunde ein fataler Fehler einer Neuenahrerin Abwehrspielerin, die den Ball per Hinterkopf unglücklich verlängerte und Martina Moser bediente, die jedoch noch von Torhüterin Altmann gestört wurde.Aber diesmal war Susanne Hartel mitgegangen, deren Laufweg sich gelohnt hatte, sie konnte zum 3:1 einschieben. Und drei Minuten vor Schluss kam es noch besser. Die zwischenzeitlich eingewechselte Mele French machte ihr erstes Bundesligator. Myriam Krüger fing einen Abschlag von Neuenahrs Torhüterin ab, bediente den Neuzugang aus Hawaii, und French netzte zum 4:1 Endstand ein. Der SC Freiburg wittert wieder Morgenluft im Abstiegskampf.

Wichtige Punkte für Essen

In einem wichtigen Duell um den Klassenverbleib gelang der SG Essen-Schönebeck ein Auswärtserfolg bei Tennis Borussia Berlin. In der 28. Minute sorgte Caroline Hamann für die Gäste-Führung. Wenig später gelang Franziska Liepack der Ausgleich für TeBe (32.). Doch kurz vor dem Abpfiff sicherte Sofia Nati den Essenerinnen den dreifachen Punktgewinn (90.).
Der harte Winter hatte einen geregelten Spielbetrieb in der Frauen-Bundesliga in den vergangenen Wochen unmöglich gemacht und auch an diesem Wochenende konnte nicht der gesamte Spieltag stattfinden. Neben dem Spiel in Hamburg fiel auch die Begegnung zwischen dem 1. FC Saarbrücken und dem VfL Wolfsburg dem Wetter zum Opfer.

Ende eines erfolgreichen Jahrzehnts

Der Nimbus der Unbesiegbarkeit des mehrfachen Rekordmeisters 1.FFC Frankfurt ist vorbei. Durch die größer gewordene Leistungsdichte in der Bundesliga wird man auch in einem Jahrzehnt nicht mehr diese permanenten Erfolge erreichen können, selbst wenn man sich einen guten Kader zusammenkaufen kann. Dies gilt es in Frankfurt als Realität anzuerkennen. Die Vereinsführung ist gut beraten, der Versuchung zu widerstehen, sich wegen vergangener Erfolge selber unter Druck zu setzen. Der FFC  besitzt nach wie vor eine erstklassige Mannschaft von internationalem Format. Die Zuschauerzahlen sind die besten von allen Spielstätten in der Bundesliga  und stellen auch im europäischen Vergleich absolute Spitze dar. Internationale Freundschaftsspiele gegen Spitzenvereine sowie Testspiele gegen an der WM 2011 teilnehmende Nationalmannschaften wären in den nächsten Monaten eine Antwort, um den Spielerinnenkader wieder mental nach vorne zu bringen, eine verbesserte Jugend- und Nachwuchsarbeit eine andere. Der 1.FFC Frankfurt hat die Substanz und das internationale Ansehen beides zu tun. Planungen für ein eigenes Frankfurter Hallenturnier in der Ballsporthalle Höchst gilt es zu unterstützen. Und die Sportstadt Frankfurt ist gefordert mittels europäischer Städtepartnerschaften Spiele zu organisieren und nach Frankfurt einzuladen. Das Frankfurter Publikum wird es mit reichlichem Besuch honorieren. In Frankfurt wird sicher noch einiges in Bewegung kommen bis zum Endspiel der Frauen WM 2011 in der Commerzbank Arena. (PK)

Online-Flyer Nr. 241  vom 17.03.2010

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