NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 26. September 2016  

zurück  
Druckversion

Inland
Neonazi-Großangriff auf europäische Länder am 6. März 2010
Diesmal mit Rechtsrock
Von AFF/Verzet

Daß die Neonazis – zum Teil sehr erfolgreich – versuchen, junge Leute über Musik zu ködern, dürfte nicht neu sein. Jetzt scheint es – auf europäischer Ebene einen „Großangriff“ zu geben: am 6. März sollen gleichzeitig in Belgien/den Niederlanden, Deutschland, Tschechien, Italien, Großbritannien und Ungarn Konzerte stattfinden. Das mehrfach ausgezeichnete belgische antifaschistische Portal AFF/Verzet (verzet=Widerstand) berichtet darüber (1). Für unsere Übersetzung wurde der Text leicht überarbeitet. – Die Redaktion


Sichelschnitt (2) reloaded: deutsche Horden in Belgien
Quelle: AFF-Verzet

Es kann nur einer der Erste sein. Obwohl Adolf Hitler am 20. April geboren wurde, hatte eine Gruppe Neonazis schon für den 27. Februar zu einem Konzert eingeladen, um diesen Geburtstag zu feiern. Das Konzert hat in Belgien oder den Niederlanden stattgefunden – wo letztendlich, war beim Redaktionsschluß für diese Ausgabe nicht klar. Das Plakat für dieses Konzert (Bild links) wurde auf der Website von „Blood and Honour Nederland & Vlaanderen“, einer Unterabteilung von „Combat 18“ veröffentlicht. Diese Gruppierung organisiert für den  6. März – wahrscheinlich wieder in Belgien – ein Konzert. Das „Blood and Honour“-Netzwerk – „Combat 18“ gilt als sein bewaffneter Arm – ist in Deutschland seit 2000 verboten. Deswegen weicht die Szene gern nach Belgien aus. Aber auch in Italien, Tschechien, Großbritannien, Deutschland und Ungarn finden am selben Abend Neonazi-Konzerte statt.

„Führer und Vaterland“

Die Namen auf dem Plakat für den 6. März stehen alle für deutsche Neonazigruppen. Die Chance, daß es an diesem Abend wieder zu einer kleinen deutschen Invasion kommt, ist groß. Doch sind es nicht die bekanntesten deutschen Neonazi-Musikgruppen, die auf dem Plakat stehen. Die erste, „Exitus“, war selbst unserem Musikexperten nicht bekannt, die anderen Gruppen auf dem Plakat sind alle noch relativ jung. „Dux et Patria“ wurde 2005 gegründet und kommt aus Velbert. In Interviews übersetzen sie ihren Gruppennamen mit „Führer und Vaterland“, und das macht, so sagen sie, ihre politische Vision deutlich. In der gleichnamigen Nummer „Dux et Patria“ auf der CD „Verwirrtes Volk“ besingen sie das mit: "I will stand on the right side forever, I will give up my German pride - Never! My enemy stands here, but this land is our, we swear forever on White Power. Dux means leader, et Patria and fatherland. Dux means leader, et Patria and fatherland." Der Sänger der aus drei Mitgliedern bestehenden Gruppe wurde wegen Gewaltdelikten schon zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Doch die Gruppe achtet darauf, im Rahmen der deutschen Gesetze zu bleiben. So beenden sie ein Interview mit den Worten; „Sieg XXXX“. Es ist nicht viel Phantasie nötig, um zu wissen, wofür die X’e stehen. In der Nummer „Verwirrtes Volk“ aus der CD „Deutsches Jahrtausend“ (Bildmitte), erschienen 2007, wendet man sich gegen Flüchtlinge und Migranten.

„Heil Hitler“

„Devil’s project“, die nächste Gruppe an jenem Abend, ist aus Baden-Württemberg. In der Myspace-Adresse der Band wird die Ziffernfolge „88“ benutzt, die in Neonazi-Kreisen zweimal auf den achten Buchstaben des Alphabets verweist, die Initialen für „Heil Hitler“, Daß diese Gruppe eine Vorliebe für „Nostalgie“ hat, hört man in der Nummer „Im Gedenken“, in der man die deutschen Soldaten an der Ost- und Westfront ermutigt: "Kapitulation gab es für euch nicht, für das Vaterland zu kämpfen war eure Pflicht. Wir gedenken unserer Vorväter, die gekämpft haben, Meter für Meter, Ihr wart die besten Soldaten der Welt." Die Nummer ist auf der CD: „Wir sind bereit“ zu finden, die im Oktober 2009 herauskam. Haupt-Act am 27. Februar war „Non Plus Ultra“, eine aus NRW stammende Gruppe. Am 31. März 2007 spielte sie auf einem „No Surrender Day“ in Neufeld, Schleswig Holstein. Indymedia schrieb damals:

„Dieses Konzert wurde von Neonazis aus dem Spektrum der in der Bundesrepublik verbotenen "Blood & Honour"-Bewegung und der neonazistisch-terroristischen Organisation "Combat 18" organisiert. Unter dem Motto "No Surrender Day" wurde für dieses Konzert seit Wochen geworben. Angekündigt wurde es zum einen auf einer eigens für die Veranstaltung eingerichteten Internetseite, die ein maskierter Mann mit Maschinengewehr "schmückt". Außerdem wurde es auf Internetseiten des international agierenden Neonazimusiknetzwerkes "Blood & Honour" (B&H) angekündigt. So zum Beispiel auf der Homepage von "ISD-Records". Auf der Konzertankündigung wurde ganz offen ein Hintergrund von B&H und C18 gezeigt. In einen Schädel wurde das Kürzel "C18" eingefügt und zwei brennende Billardkugeln tragen den Zahlencode 2 und 8, das Synonym von B&H.

Neben den beiden britischen Bands "Razors Edge" und "Chingford Attack", wurden die deutschen Bands "Oidoxie", "Liebenfels Kapelle/Skalinger", "Words of Anger" und "Non Plus Ultra" angekündigt… Ein Teil der Konzertbesucher nahm vorher am Naziaufmarsch in Lübeck teil… Wieder einmal wurde deutlich, dass das Verbot von B&H eine Farce ist.“ (3)

„Wir sind auf der Straße das Gesetz“

2008 erschien die erste CD von „Non Plus Ultra“: „Kurz und Bündig“. In der gleichnamigen Nummer stellt die Gruppe sich als offen rechtsradikal vor: „Wir sind Non Plus Ultra – kurz und bündig, rechtsradikal.“ In der Nummer „Good Night“ singt die Gruppe über Gewalt auf der Straße, daß sie vor niemanden Angst haben und die Linke einpacken soll und dass sie, „Non Plus Ultra“, auf der Straße das Gesetz sind: „Friday night, boots and braces. Looking round for dirty faces. Having fun and lots of beer. It's our town, we don't know fear. We stand strong, one by one. Watch out scum and run, run, run. Good night, left side. White riot and streetfight. Good night, left side. White riot and streetfight. Wearing tattoos, cut out hair. Fuck the enemy, we don't care. On the streets we are the law."



Großgermanien-Nostalgie
Quelle: einschlägige Websites
Am kommenden Samstag, den 6. März, organisiert auch „Blood and Honour Nederland & Vlaanderen“ seinen eigenen „No Surrender Day“. Dazu werden drei deutsche, eine schweizer, eine estnische und eine amerikanische Gruppe angekündigt. Die letzte Gruppe, „Blue Eyed Devils“, verursachte daß sich eine Kolonne von vorwiegend deutschen Neonazis 2006 auf den Weg nach Weelde (Ravels) bei Turnhout machten. Dieses Konzert wurde durch die deutsche „Blood and Honour/Combat 18“-Abteilung ausgerichtet; deren niederländisch-flämische Geistesgenossen haben glücklicherweise längst nicht die gleiche Schlagkraft. Doch es wird für deren Konzert auch auf deutschen Websites Werbung gemacht.

Wo das jetzt angekündigte Konzert stattfindet, ist nicht bekannt. Die Jungs machen es halt gerne spannend. Auch wenn auf dem Plakat für mehr Information eine niederländische Handynummer steht, gibt es doch Anzeichen dafür, daß dieses Konzert in Belgien stattfindet. Andernorts findet man eine solche Geheimniskrämerei nicht nötig: Die Städte und Gemeinden in Europa, in denen am kommenden Samstag ebenfalls Neonazi-Konzerte geplant sind, sind sehr wohl bekannt: Lontano del Garda, Italien, Italien, Prag (Tschechien), London (Großbritannien), Thüringen (Deutschland), und in Ungarn bei Budapest. Doch darüber mehr in der kommenden Woche. (PK)


A.d.Ü.: Zum Weiterlesen und als Anregung zum Widerstand:

Netz gegen Nazis: http://www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/blood-and-honour
Blue Eyed Devils: http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/blue-eyed-devils
http://de.wikipedia.org/wiki/Combat_18
Bücher des Unrast-Verlages zum Thema, besonders: „White Noise“, http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,6,5.html,
und die deutsche Überarbeitung des britischen Antifaschistischen Magazins „searchlight magazine“, das ebenfalls mit Nachdruck empfohlen wird.
 
(1) http://aff.skynetblogs.be/post/7697377/vanavond-alweer-een-neonaziconcertje-volgende
(2) Name des deutschen Aufmarschplans 1940
(3) http://de.indymedia.org/2007/04/172373.shtml

Online-Flyer Nr. 238  vom 01.03.2010

Druckversion     



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FILMCLIP


100 Meisterwerke
Von KAOS Kunst- und Videoarchiv
FOTOGALERIE