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Aktueller Online-Flyer vom 28. Juli 2016  

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Sport
Japanische und südkoreanische Legionärinnen in Deutschland
Asiens Fussball-Ladys im Vorwärtsgang
Von Bernd J.R. Henke

Charmante Asiatinnen waren bisher ein Novum in der Deutschen Fussballfrauenbundesliga. Deutsche Pokalmeisterin wurde auch erst eine davon - die Japanerin Rie Yamaki. Sie spielte schon in der Saison 1999/2000 in der Endspielformation des 1.FFC Frankfurt. Mit den ehemaligen Teamkolleginnen Doris Fitschen, Nia Künzer, Renate Lingor, Birgit Prinz und Heidi Mohr gewann sie gegen die Sportfreunde Siegen den DFB-Pokal am 6. Mai 2000 vor großer Kulisse im Berliner Olympiastadion mit 2:1.


Yuki Nagasato (1.FFC Turbine Potsdam) im Länderspiel Deutschland vs. Japan - Foto: Jan Kuppert, Potsdam

In Vorfreude auf die Weltmeisterschaft 2011 erlebt die deutsche Liga nun wieder ein stärkeres Interesse asiatischer Spielerinnen, sich deutschen Spitzenvereinen anzuschließen. In der Winterpause verpflichteten der FCR 01 Duisburg Kozoe Ando (27, Japan), der 1.FFC Frankfurt Frankfurt Jang-Mi Lee (24, Südkorea) und als Knüller am Ende der offiziellen Transferzeit der 1.FFC Turbine Potsdam Yuki Nagasato (22, Japan). Turbine Erfolgstrainer Bernd Schröder spricht treffend aus, was alle ostasiatischen Fussballfans und Offizielle sich erhoffen: „Die Asiatinnen wollen so besser für die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland vorbereitet sein.“

Tore mit Esprit

Freudig kommentierte Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren japanischen Neuzugang: „Kozue Ando wird eine echte Verstärkung für uns sein; mit ihr werden wir in unserem kräftezehrenden Kampf auf drei Hochzeiten – Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League – noch etwas breiter aufgestellt sein“. Die 27-jährige offensive Mittelfeldspielerin kommt vom japanischen Spitzenclub Urawa Reds. Ihr erstes Pflichtspiel für Duisburg absolvierte sie im DFB Pokalviertelfinale gegen den 1.FC Köln (wir berichteten). Ihr Einstandstor für ihr neues Team war sehenswert. Im fussballbegeisterten Japan wurde spontan darüber berichtet. Ihr Vertrag wurde bis Ende 2011 abgeschlossen. Vor ihrem Wechsel nach Duisburg sah man sie letztes Jahr im Sommer 2009 mit der japanischen Nationelf in einem Freundschaftsländerspiel gegen Frankreich. Kozue Ando erzielte in der 38. Minute das zweite Tor der überlegenden Japanerinnen: Kozue Ando nahm eine Linksflanke von Nahomi Kawasumi auf und verwandelte volley – die französische Keeperin dachte, der Ball rolle am Pfosten vorbei ins Aus, doch der artistisch geschossene Ball war drin.

International bewährt

Ihre erste größere internationale Bewährung fand sie mit der japanischen Nationalelf im Viertelfinale bei den Olympischen Spielen 2004 in Griechenland. Japanische Vizemeisterin 2006 wurde sie mit den Urawa Red Diamonds Ladies in der L. League Division 1. Die offensive Mittelfeldspielerin gewann im selben Jahr 2006 mit der Nationalmannschaft auch Silber bei den Asienspielen in Katar, nachdem ihr Team gegen Nordkorea in Doha im Qatar Sports Club Stadium 2:4 nach Elfmeter verloren hatte. 2007 schied Kozue Ando  mit der Nationalmannschaft bereits in den Gruppenspielen der Fußball-Weltmeisterschaft aus. 2008 gewann die Stürmerin mit der Nationalmannschaft die Ostasienmeisterschaft und holte Bronze bei der Asienmeisterschaft. Bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 spielte sie gegen Deutschland um Bronze, verlor jedoch 0:2.

Fernöstlicher Stern aus Südkorea

Auch Rekordmeister 1.FFC Frankfurt versucht sein Glück mit einer Spielerin aus Fernost. Manager Siegfried Dietrich verpflichtete die südkoreanische Top-Nationalspielerin Jang-Mi Lee. Er verstärkte seinen hochkarätigen Kader von Nationalspielerinnen, um mit der erfahrenen und kreativen Spitzenspielerin das Mittelfeld neu zu ordnen. Jang-Mi Lee wurde 2009 in Südkorea zur wertvollsten Spielerin gewählt. Sie wechselte vom südkoreanischen Verein Daekyo an den Main und hat beim dreifachen UEFA-Pokalsieger einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 unterschrieben.


Jang-Mi Lee (1.FFC Frankfurt)
Foto: Framba.de
Der Stern der 24-jährigen Mittelfeldspielerin ging bei der FIFA-U 20-Weltmeisterschaft 2004 in Thailand auf, wo sie in allen drei Spielen ihrer Landesauswahl über die vollen 90 Minuten im Einsatz war, dabei ein Tor erzielte und aufgrund ihrer herausragenden Leistungen ins „Allstar-Team” gewählt wurde. Jang-Mi Lee bestritt 27 A-Länderspiele mit insgesamt 4 Toren. Mit ihrem letzten Verein Daekyo wurde sie 2009 südkoreanische Meisterin. Mit asiatischer Höflichkeit zollte Jang-Mi Lee beim Pressetermin ihrem neuen Verein ihre Bewunderung: „Ich habe bereits im Vorfeld viel vom 1. FFC Frankfurt, seinen Erfolgen und seinen vielen bekannten Spielerinnen gehört und freue mich jetzt, hier sein zu dürfen. Ich kenne die Ziele des 1. FFC Frankfurt und möchte meinen Teil dazu beitragen, diese zu erreichen.” Da sie nicht Englisch sprechen kann, übersetzte ein engagierter Dolmetscher. Aber mit der S-Bahn zum Training fahren würde schon klappen, ergänzte die sympathische Südkoreanerin verschmitzt auf Anfrage eines Frankfurter Journalisten.

Gastfreundschaft für Trainerdelegation

Kurz nach der Verpflichtung von Jang Mi-Lee empfing Annelie Hauptvogel, die stellvertretende Vorsitzende des 1. FFC Frankfurt, gemeinsam mit dem FFC Jugendtrainer Sebastian Beier eine Gruppe südkoreanerischer Frauenfussballtrainer, die in Begleitung von FIFA-Instruktor Stefan Lottermann, einem südkoreanischen Manager, und den beiden Organisationsmitarbeitern Ben Weinberg und Armin Friedrich auf einer 10-tägigen Fortbildung in Deutschland waren. Bei einem anschließenden Trainingsbesuch beim Bundesligakader des FFC Frankfurt sprach die 15-köpfige Delegation, darunter vier Frauen, auch mit dem FFC-Cheftrainer Sven Kahlert über die Talentförderung und das sportliche Konzept bis in den Profibereich beim Rekordmeister vom Main. Ein besonderes Highlight war für die südkoreanischen Trainerinnen und Trainer natürlich das Treffen mit FFC-Neuzugang Jang-Mi Lee, die in ihrem Heimatland ein Superstar ist und sich für die vielen Foto- und Autogrammwünsche nach dem Training Zeit nahm.

Sportpsychologin für Potsdam

Turbine Potsdam holte die Japanerin Yuki Nagasato. Die 22-jährige Offensivspezialistin unterschrieb zunächst einen Vertrag bis Juni 2012. Der listige Trainerfuchs Schröder ist sich sicher: „Wir wissen um die fussballerische Stärke und Qualität der Japanerinnen und sind überzeugt, dass Yuki eine beachtliche Verstärkung für unsere Mannschaft sein wird. Wir haben einen guten Fang gemacht.“


Yuki "Schnee" Nagasato (1.FFC Turbine Potsdam) mit Cheftrainer Bernd Schröder - Fotograf Jan Kuppert, Potsdam

Schröder hatte das Video des Länderspiels zwischen Deutschland und Japan vom Juli 2009 hin- und hergespult. „Japan hat bei dem 0:0 überzeugt. Yuki Nagasato ist eine vielfältige Spielerin, die im Mittelfeld und im Angriff eingesetzt werden kann. Sie ist eine Mischung von Lira Bajramaj und Anja Mittag.“ Schröders Neuzugang vergrößert zwar den Kader, aber um in der Meisterschaft, dem Pokal und der Champions League zu bestehen, sei die Gefahr zu groß, dass eine der gesetzten Frauen ausfällt. Flexibilität sei angesagt, denn jeder kenne doch die Spielweise und könne sich darauf einstellen, ergänzte der Trainerfuchs.

Kindheitstraum erfüllt

Neuzugang Yuki Nagasato ist Studentin der Sportpsychologie und verzeichnete bislang 43 Einsätze mit der A-Nationalmannschaft der Frauen, in der sie 2002 debütierte und für die sie bereits 26 Tore erzielte. In der L. League gewann Nagasato 2006 die Torschützenkrone. 2005 und 2006 wurde sie zu den „Best Eleven“ der Saison gewählt. Sie gewann mit NTV Beleze die japanische Meisterschaft in den Jahren 2002 sowie 2005 bis 2008, in den Jahren 2005, 2006, 2008 bis 2010 den japanischen Pokal. Die quirlige Nagasato meinte diplomatisch versiert: „Seit meiner Kindheit habe ich davon geträumt, in einem europäischen Spitzenclub Fussball spielen zu können. Ich habe in Potsdam tolle Menschen und eine tolle Mannschaft kennengelernt, die mich hervorragend aufgenommen haben, so dass ich mich sofort heimisch fühlte. Ich freue mich sehr auf meine Zeit in Potsdam und darauf, mit solch einer herausragenden Mannschaft spielen zu dürfen.“

Deutsche Kultur

Eine neue Kultur, ein neues Land kennenlernen, Yuki Nagasato hat alle persönlichen Voraussetzungen geschaffen, um ihren Kindheitstraum zu erleben. Shopping gehen und gut gekleidet durch Potsdam flanieren, gehört auch dazu, die modebewußte Fatmire Bajramaj habe sie schon beraten. Der japanische Fußball sei kompakter, die Spielerinnen stehen enger zusammen. In deutschen Mannschaften sind die Räume größer. Beispielhaft wäre Turbine Potsdam. Die Abwehr stände sehr viel weiter hinten, als in japanischen Mannschaften. Außerdem sei Frauen-Fußball ist in Japan noch lange nicht so populär, wie in Deutschland. Dass Kozoe Ando in Duisburg und sie in Potsdam in Zukunft spielen würden, hätte für eine hohe Aufmerksamkeit für den Frauenfussball in der japanischen Öffentlichkeit gesorgt, auch in einem Land, wo bisher nur der Männer-Fussball und Baseball gewürdigt würden. Aber die Frauen wachsen, meinte sie verschmitzt. Ihr Name bedeute  auf japanisch "Schnee", aber überrascht wäre sie gewesen über die weißen Berge um das Stadion herum, als sie in Deutschland endgültig eintraf.

Yuki mit 17

Ihre künftige Mitspielerin Anja Mittag war sich nicht ganz sicher. Aber zuhause hätte sie noch mal im Schrank nachgeschaut. Tatsächlich, dort liegt das Trikot von Yuki Nagasato. Die deutsche und die japanische Fußball-Nationalspielerin hatten ihre Jerseys beim Spiel um die Bronzemedaille der Olympischen Spiele 2008 in Peking getauscht, das Deutschland 2:0 gewann. Damit sich Yuki Nagasato schnell einleben kann, bekommt sie sofort deutschen Sprachunterricht. Eine Rückennummer hat sie schon – die 17, die Nummer vom legendären ehemaligen Mittelfeldstar Ariane Hingst, die jetzt in Frankfurt spielt. „Das kann ja heiter werden in der Bundesliga," erklärt Fussballexperte Johann Blaha in gewohnter Ironie, der sich heute am Aschermittwoch das Länderspiel der Frauen Deutschland gegen Nordkorea im MSV-Stadion in Duisburg ansehen wird, „vielleicht wechseln nächste Saison einige Stars von Kim Jong-il in die Frauenbundesliga. Nordkoreanische Fussball-Legionärinnen mit und ohne Parteibuch, Hauptsache Tore schiessen." (PK)

Online-Flyer Nr. 237  vom 17.02.2010

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