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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Das Paradies, in dem für alle Milch und Honig fließen, wäre machbar
Aber nicht durch EU- und BRD-Agrarpolitik
Von Klaus Blees

„Für ein Land, wo Milch und Honig fließen“ lautete das Motto des “Neujahrsempfangs 2010 der AKTION 3.WELT SAAR“ in der Fellenbergmühle in Merzig. Roland Röder, Geschäftsführer der A3WS, begrüßte in seinem Eröffnungsvortrag die Anwesenden, darunter auch Parteienvertreter von CDU, Grünen und LINKE. Er erläuterte das Motto: Trotz weltweit genügend produzierter Nahrungsmittel würden nicht alle Menschen satt. Doch das Paradies, in dem für alle Menschen Milch und Honig fließen, sei machbar.


Quelle: www.weidemilch.ch
Dem entgegen stehe nicht zuletzt die Milchpolitik von EU und BRD, die eine gezielte Überproduktion von 5 % fördere, um den Preis niedrig zu halten, auf Kosten von Bauern und Bäuerinnen hier und in der Dritten Welt. Dorthin werde ein Teil der überschüssigen Milch als Milchpulver mit EU-Subventionen billig verkauft, womit letztere nicht konkurrieren könnten. Das treibe Bauern und Bäuerinnen hier wie dort in den Ruin. Gewinnerin sei die industrielle Landwirtschaft. Notwendig sei eine bäuerliche Landwirtschaft ohne Gentechnik. Analoges gelte für die Imkerei. Denn auch die Imker schafften es einfach nicht, ihren Bienen den Unterschied zwischen Feldern mit und ohne Gentechnik beizubringen.

Kinderarbeit

Schließlich gab Röder einen Ausblick auf die im neuen Jahr geplanten Aktivitäten der A3WS. So sollen unter anderem Rundfahrten zu den Stätten des NS-Terrors und des Widerstandes im Kreis Merzig-Wadern angeboten werden. Als Thema benannte Röder außerdem die kritische Auseinandersetzung mit Kinderarbeit, wozu die A3WS soeben eine neue Flugschrift herausgebracht habe. Mit dem Slogan „Islamismus bekämpfen – Menschenrechte wahren“ verwies er auf einen weiteren Schwerpunkt: Islamistisch begründete Menschenrechtsverletzungen, nicht zuletzt vor der eigenen Haustür, in den Blick zu nehmen. Der erfolgreiche Kochevent „Fair kochen“ – unter Anleitung eines Profikochs mit Produkten aus fairem Handel – werde 2010 wiederholt.

Um den Widerstand gegen eine gentechnikfreundliche, die Ernährungsgrundlagen eines Großteils der Menschheit zerstörende Agrarpolitik zu vernetzen, arbeitet die AKTION 3.WELT SAAR mit Organisationen zusammen, die Ausdruck dieses Widerstandes sind, insbesondere der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)“ und dem „Bundesverband deutscher Milchviehalter (BDM)“. Joachim Boesen, BDM-Landesvorsitzender Saarland und Jürgen Binder, Bioland-Berufsimker aus Baden-Württemberg, waren daher als Gastredner zum Neujahrsempfang eingeladen.

Abschaffung der Milch-Subventionen!

Boesen schilderte zunächst seine eigene Situation. Sein Betrieb verfügt über 75 Kühe. Damit konnte er im letzten Abrechnungshalbjahr gerade seine Kosten decken. Nominell blieben ihm 93 € in dem betreffenden Halbjahr zum Leben. Die noch bestehenden Familienbetriebe seien verschuldet. Er forderte die Senkung der Milchquote und die Abschaffung der Subventionen, im Interesse sowohl der einheimischen Landwirte wie auch der in der Dritten Welt, die sich nicht mehr ernähren könnten. Eine Milliarde Menschen lebten von Milchwirtschaft. Der BDM habe sich vom Deutschen Bauernverband abgespalten und umfasse heute 34 000 milcherzeugende Betriebe. Verantwortlich für die wirtschaftliche Not der Milchwirte machte er nicht zuletzt Discounter wie ALDI und LIDL, die ihre Milchprodukte auf deren Kosten so billig verkaufen könnten. Grundlage sei die Abhängigkeit der Produzenten von den Molkereien. Im hiesigen Fall sei das die Hochwald-Molkerei (Bärenmarke u.a.). Ebenso kritisierte er den ressourcen- und umweltbelastenden hohen Kraftstoffverbrauch, den der Import- und Export der Produkte mit sich bringe, was durch den Konsum regionaler Produkte vermieden werden könne.


Quelle: www.imkerei-jandl.com
Binder berichtete, wie er seine Tätigkeit als Haupterwerbsimker mit 300 Bienenvölkern begann, für die er 150 000  € investiert habe. Ab einem Bestand von 70 bis 80 Völkern könne ein Imker vom Ertrag leben. Beim großen Bienensterben 2002 seien ihm 250 Völker eingegangen, dann habe es Jahre gedauert, bis er wieder bei etwa 150 angelangt sei. Von zuletzt 100 seien ihm jetzt wieder 70 Völker eingegangen. Die Entwicklung sei von den Umgebungsbedingungen  abhängig. Zu den Ursachen des Bienensterbens gehöre das Spritzen für Bienen gefährlicher Unkrautvernichtungsmittel, da diese auch auf so genanntes Unkraut fliegen würden.  Ebenso spiele beispielsweise die Züchtung von Sonnenblumen auf hohen Ölertrag hin eine Rolle, denn dadurch werde den Bienen Nahrung entzogen. Die Imkerei sei also abhängig von der Landwirtschaft. Seit 25 Jahren mache außerdem ein aus Indien eingeschleppter, seinen Wirt tötender Brutparasit den Imkern zu schaffen. Dagegen wiederum habe Bayer ein Mittel entwickelt, das dann im Honig zu finden sei. Deshalb plädierte Binder für ökologische Imkerei.

Bei hochwertigem Honig aus ökologischer Imkerei koste das Glas allerdings 6 €, gegenüber 1,38 € für ein Glas Billighonig von LIDL. Die freie Marktwirtschaft funktioniere ja doch nicht, schlussfolgerte Binder, die Märkte müssten geregelt werden. Als Interessenvertretung der Imker gebe es verschiedene Verbände wie zum Beispiel den Deutschen Imker Bund. Mit dem Berufsimkerbund existiere jetzt auch ein politischer, der AbL vergleichbarer Verband.  Die Imker hätten ein Interesse an einer bäuerlichen, ökologischen Landwirtschaft. (PK)

Weitere Infos unter http://www.a3wsaar.de/

Online-Flyer Nr. 237  vom 17.02.2010

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Von Kostas Koufogiorgos
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