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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Lokales
1943 wie 2010: Rechts-„Europa ist angetreten“.
Der pro Köln-Freund Brinkmann – Teil 3
Von Dr. Maryam Dagmar Schatz

Das Bild vom gegen einen gemeinsamen Feind „angetretenen Europa“ wurde das letzte Mal ausgiebig bei der Rekrutierung der ausländischen Freiwilligen für den „Endsieg“ bemüht und hat sich bis heute gehalten. Verteidigt werden muss es jedenfalls immer gegen das als bedrohlich phantasierte „Andere“. Das sind die Juden, die „Mohammedaner“ oder die „Ostküste“, das internationale Finanzkapital (1), das das nationale Kapital – raffend versus schaffend – kaputt macht, wenn das „Volk“, das schon 1981 im Heidelberger Manifest als „Grundgesetzlicher Grundwert“ abgefeiert wurde, nicht dagegen aufsteht.


1943 wie 2010: Der Feind setzt Europa in Flammen.
Quelle: Website des Nederlands Institut voor Oorlogsdocumentatie /youtube

Mittlerweile haben sich die nach dem Krieg zur Bekämpfung des Kommunismus gebildeten und zu diesem Zweck in westliche Geheimdienste integrierten Netzwerke der Kollaborateure und Faschisten mit ihren Gesinnungsgenossen im Osten verbündet. Übrigens gehören zu denen, die damals den westlichen Geheimdiensten nützlich waren, der in Syrien wirkende Alois Brunner, sowie der Urvater aller Spezialeinheiten, Otto Skorzeny, der den ägyptischen Geheimdienst auf Vordermann brachte. So wehte ein weiterer, kräftiger antisemitischer Wind nach Arabien, der noch heute den MuslimInnen, und nicht etwa seinen Exporteuren ins Gesicht bläst.

Die linke Hälfte des obigen Bildes, ein aussagefähiger Vorläufer für die heutigen europaweit gesteuerten und graphisch vereinheitlichten Anti-Moschee-Kampagnen, ist ein Rekrutierungsplakat aus den Niederlanden, die belgische Variante rekrutiert für die „Legion Vlaanderen“. Das Plakat zeigt ein aus meiner Sicht zu wenig beachtetes Detail: es wurden für die heutige islamfeindliche Hetze nicht nur antisemitische, sondern auch antikommunistische Bilder herangezogen, die ihrerseits die Neuauflage älterer juden- und oder islamfeindlicher Stereotype sind. Auf diesem Bild ist der Angreifer ein „Asiate“, der statt mit „Feuer und Schwert“ mit Feuer und Sturmgewehr/Handgranate und mit rasendem Furor die christlichen europäischen Werte zertrampelt.

Die „Feuer“-Metapher wird auch heute gern bemüht. Dieser Asiate ist „jüdisch-bolschewistisch“, und die Vernichtung des „jüdischen Bolschewismus“ hält NPD-Pastörs auch heute noch für eine „gute Idee“. Was die Hereinnahme von „jüdisch“ betrifft, so hat sich dazu die jüdische US-Autorin, Lektorin und Übersetzerin Elise Hendricks in einem herrlichen Blogbeitrag geäußert, eleganter und besser, als ich das je könnte:      
„… der Schwachsinnsnobelpreis geht eindeutig an „jüdisch-christliche Kultur“. Schon mal gehört? Das ist es, was von diesen bösen Moslems bedroht wird. Man muß sich klarmachen, was hier auf dem Spiel steht. Jahrhundertelang haben in Europa Juden und Christen freundschaftlich zusammengelebt. Haben Sie bestimmt schon von gehört. Zweitausend Jahre lang haben wir an dieser wunderschönen gemeinsamen Kultur gebastelt…“  (2)  Dem ist nichts hinzuzufügen.

Patrik Brinkmann über Europa

Auch Patrik Brinkmann hat dazu einiges zu sagen, denn „Europa“ bzw. eine bestimmte Auffassung davon war schon zu DVU-Zeiten für ihn ein so wichtiges Thema, daß er darüber mehrere Kolumnen verfasst hat, die auf dem Internetauftritt der DVU – nach dem Aus- und Übertritt begreiflich – nicht mehr aufzufinden sind. Eine davon steht – noch – bei der ehemaligen Fankurve „gesamtrechts.info“, gibt aber außer gegen NPD-Chef Voigt („…Ihr Parteivorsitzender schleppt das Geld der Partei in billige Puffs…“) und kleinen Homophobien („…Gutmenschen mit und ohne Federboa…“) nichts her. Herr Brinkmann hatte seinen Tiefenmesser betätigt und kam mit dem Niveau ganz schön tief (3). Somit darf man schon jetzt darauf gespannt sein, was er dereinst über Markus Beisicht, Judith Wolter und Manfred Rouhs schreiben wird.

In einer weiteren von Gesamtrechts veröffentlichten „Kolumne“ (4) widmet er sich nochmal ausdrücklich dem Thema „Homosexualität“ , salbadert in der Tradition des weiter unten angesprochenen „Heidelberger Manifests“ von „Naturrecht“, zitiert – nach meinem Eindruck zustimmend – daß eine „Homo-Mafia“ „Überlegenheit behaupten“ und mit einem „Machtanspruch den öffentlichen Raum besetzen“ will. Auffallend ist aus meiner Sicht die Textgleichheit mit der Anti-Minarett-Debatte.

Fast wort-und inhaltsgleich wird übrigens in der Februarausgabe der neuen Rechtspostille „Zuerst!“ die neue Familienministerin als „Superstar der Homosexuellen-Lobby  (5)“ denunziert und ihre Arbeit als „Schnullipulli“ verspottet. Mit wohlig-warmem Schauder kolportiert „Zuerst!“, sie sei auf einem Christopher-Street-Wagen „der Unionshomos“ mitgefahren. Pfui, Kristina!

Aber zurück zu Europa: in seinem bei youtube am 4.11.2009 eingestellten Video: „Europa ist stärker als die EU  (6)“, stellt er ein solches Europa gegen das „Monster von Brüssel“, die EU. Er lobt die „Freiheitsbewegungen“. Weiter konstatiert er die angebliche Unterwerfung der deutschen Politik unter sämtliche EU-Beschlüsse. So undifferenziert schreibt das nicht nur Professor Schachtschneider, sondern viele, die sich für links halten. Wohlgemerkt: es geht hier nicht um die tatsächlichen Schwächen, es geht darum, wie diese Schwächen im rechten Diskurs interpretiert und wirkmächtig werden. Ein Detail am Rande: die Brinkmann-Videos werden eingestellt von einem User, der sich nach der Hagalrune (7) nennt: hagal2000. Der Name dürfte Programm sein.

Auf einem gemeinsamen Wahlvideo von NPD und DVU – ebenfalls von „hagal2000“ eingestellt  – erscheint er gleich als erster Sprecher. Die Botschaft dieses Videos: Europa brennt. Feuer und Schwert. Siehe oben.
Es zeigt sich etwas Bemerkenswertes: bei aller Anti-Haltung der EU gegenüber behält man doch stets  den Nutzen, den man aus ihren Institutionen ziehen kann, im Auge: „Die Wahl zum neuen Europaparlament ist gerade für die Deutschen eine wichtige Angelegenheit. Deutschland ist das Herz Europas… Es ist unabdingbar, dass es über kurz oder lang endlich eine starke deutsche Fraktion Deutschland eine Stimme geben wird im Straßburger Parlament, das durch die neuen Kompetenzzuweisungen immer entscheidender sein wird.“

Lebensraum und Revolution

Im ersterwähnten Video macht Brinkmann auch den Störenfried aus: das „Flüchtlingsproblem“ aus Afrika, das die Lebensräume für die angestammte Bevölkerung „immer enger“ macht. Islamisierung, so Brinkmann, bedeute „Abbau der kulturellen Wurzeln“ und „Schwächung“ für die Bewältigung von eben jenen Problemen, die das Flüchtlingsproblem dann so schafft. Mit solchen Zumutungen sei man „vor 400 Jahren“ besser fertig geworden, als die „Osmanische Revolution“ vor den Toren Wiens zurückgeworfen worden sei. 

Ganz alte Kameraden


Sinnbild der Kontinuität: Professor Dr. Dr.
Theodor Oberländer
Quelle: Standbild: aus dem Film „Zwischen
Halbmond und Hakenkreuz“
Die nächste Europakolumne fand ich bei den mittlerweile nur noch im Google-Cache auffindbaren „Netzseiten“ der Gesellschaft für Freie Publizistik (8), eingerahmt von einer Menge geschichtsrevisionistischer Bücher. Diese Verbindung ist wiederum für uns interessant, und das nicht nur, weil sie vom Verfassungsschutz beobachtet wird (9), sondern weil sich unter den Namen der Gründungsmitglieder (10) ein Name findet, der wie kein zweiter die Kontinuität rechtsextremen Gedankengutes vom Ersten Weltkrieg bis heute personifiziert: Theodor Oberländer. Es gibt sehr gute Quellen, wie auch diesen lesenswerten englischen Wikipedia-Artikel (11), und so kann ich mich auf das Wesentliche beschränken: Teilnahme am Hitlerputsch 1923 und trat in die SA ein. .. Zur Zeit der Nach-Rapallo-Kooperation testete er Panzer in der Sowjetunion, als Hochschullehrer betrieb er – wie der Ritter Niedermayer, bloß an anderer Stelle – „Ostforschung“ im Dienste der deutschen Lebensraumpolitik. 

Besonderen Anstoß erregten nach dem Krieg seine militärischen Verwendungen: erstens als deutscher Kommandeur des ukrainischen Nachtigall-Bataillons (12), eins der beiden ersten osteuropäischen Freiwilligen-Bataillons, das im Rahmen von „Barbarossa“ wunschgemäß nach dem Abzug der Sowjets als erstes die Stadt Lwiv/Lwow erreichte - Zitat Wikipedia: „Sie machten keine Gefangenen.“  Besonders kontrovers diskutiert  (13) wird ihre Teilnahme an einem Judenpogrom, das 1959 in der DDR im Rahmen eines in absentia geführten Verfahrens gegen Oberländer wieder aufgerollt wurde. Die nächste Verwendung fand Oberländer im deutsch-kaukasischen „Sonderverband Bergmann“ (14), in dem ca. 900 übergelaufene kaukasische Rotarmisten dienten, dazu 300 Mann „deutsches Rahmenpersonal“. Naturgemäß – dieser Verband war ein Gebirgsjäger-Verband – dienten in ihm auch viele aus der damaligen „Ostmark“, also Österreich. Im Grazer Leopold-Stocker-Verlag wurde ein Erinnerungsbuch verlegt, das das Wirken des Verbandes in rosigen Farben malt und Oberländers gedenkt.

Der Grazer Leopold-Stocker-Verlag (15) wurde lange Jahre von Ilse Dvorak-Stocker geleitet, der von der Gesellschaft für Freie Publizistik 2002 die „Ulrich von Hutten“-Medaille verliehen wurde, eine Auszeichnung, die sie mit dem notorischen Holocaustleugner Udo Walendy gemeinsam hat. Es werden auch gute Beziehungen zur Zeitschrift „Aula“ (16) gepflegt, die der FPÖ-Politiker Andreas Mölzer (s.u.) herausgibt, und die nach meinem Eindruck Vorbild für die neue Rechtspostille „Zuerst!“ ist.

In dem Buch werden die Handlungen Oberländers im Osten natürlich in Bausch und Bogen als "Pankower Lügengeschichten" abgetan. Die Auseinandersetzung mit Oberländer wurde sicherlich durch den Kalten Krieg zugespitzt, und auch „Bergmann“ war keineswegs so „sauber“ wie sich die Verfasser erinnern wollen, das manche gar – entgegen dem gültigen "Traditionserlass" der Bundeswehr gerne für die gesamte Wehrmacht – postulieren. Die "Bergmänner" wurden u.a. in Mittenwald ausgebildet. In Mittenwald wird seit einigen Jahren von einem breiten Bündnis von AntifaschistInnen, GewerkschafterInnen, Shoa-Überlebenden wie Esther Bejarano und besorgten BürgerInnen, die sich um den "Arbeitskreis angreifbare Traditionspflege“ gruppieren, gegen das jedes Jahr stadtfindende Jahrestreffen der Gebirgstruppe demonstriert. Das Bündnis befürchtet, daß die stattgefundenen Kriegsverbrechen eben jener Gebirgsjäger im 2. Weltkrieg, z.B. in Frankreich, Griechenland und Italien von "angreifbarer Traditionspflege" vernebelt (17) werden. Mag die Motivation der Organisatoren auch honorig sein, so gibt der revisionistische Text des Erinnerungsbuches (S.16) den DemonstrantInnen recht: "Was sagt der Blick auf das Ehrenmal auf dem Hohen Brendten in Mittenwald den Überlebenden? Und was vermag es den Nachkommen zu vemitteln? Für die Überlebenden symbolisiert es die Erinnerung an die Gefallenen, Vermißten und Verstorbenen der Gebirgstruppe und damit auch der "Bergmänner", deutsch und kaukasisch. Den nachgeborenen Betrachter aber erinnert es an das schreckliche Schickal vieler Kaukasier nach ihrer Auslieferung an die Sowjetunion. Sie alle bleiben unvergessen:" Kein Wort über die Opfer – uneinsichtig und reuelos bis heute.
Hier sehe ich Handlungsbedarf, zumal andere, anscheinend ebenso beliebte Rituale (18) zurzeit die Aufmerksamkeit des Wehrbeauftragten und des  Verteidigungsministers (19) in Anspruch nehmen.

Als nächstes war Oberländer dann Verbindungsoffizier bei Wlassow, siehe Teil 2 dieser Serie.

Die Aufarbeitung nach dem Krieg lässt sich kurz wie folgt subsummieren: „Hätten wir gegenüber den  Völkern, die sich mit uns verbündet haben, unsere Versprechen gehalten und das mit den Juden sein gelassen, hätten wir den Krieg gewinnen können.“ In der Laudatio anlässlich der Verleihung der Hutten-Medaille für die Prinzipalin des Stocker-Verlages hörte sich das so an: „Sehr früh wandte man sich der Zeitgeschichte in bestem revisionistischem Geiste zu. Diese sich ständig ausweitende Sparte des Verlages erfreut sich natürlich des besonderen Zuspruches unseres Gesinnungskreises…“

Kontinuitäten


Griff nach Europa: gestern „der Mongole“,
heute „der Islam“.
Quelle:Website des Deutschen
Historischen Museums
Nach dem Krieg wurde Oberländer Vertriebenenminister in zwei Kabinetten Adenauers, 1959 wurden in Moskau und Ostberlin Verfahren gegen ihn eröffnet. Zur Eröffnung des Ostberliner Verfahrens wurde ein Aufruf verfasst, der von Persönlichkeiten des DDR-Kulturlebens unterzeichnet war, die  auch im wiedervereinigten Deutschland einen guten Klang haben: Arnold Zweig, Helene Weigel, Ludwig Renn (20). Leider hat der KGB die ganzen Anstrengungen, Oberländer zur Verantwortung zu ziehen, dermaßen verschlimmbessert, daß die juristische Aufarbeitung nicht gelang. Oberländer trat zwar – laut Wikipedia nach Erreichen seines Pensionsanspruchs – zurück, gehörte aber nach einer Schamfrist mit Unterbrechungen dem Bundestag wieder an und war bis zu seinem Tod mit Gerichtsverfahren beschäftigt. In den siebziger Jahren engagierte er sich nicht nur als Gründungsmitglied der Gesellschaft für Freie Publizistik, sondern auch im „Verein für das Deutschtum im Ausland“. Laut § 1 der Gründungssatzung lag der Vereinszweck darin, die Deutschen außerhalb des Mutterlandes, „… dem Deutschtum zu erhalten und sie nach Kräften in ihren Bestrebungen, Deutsche zu bleiben oder wieder zu werden, zu unterstützen“. 1938 wurde die Vereinsführung von Professor Karl Haushofer übernommen.

1982 unterzeichnete Oberländer mit anderen das sogenannte „Heidelberger Manifest“ (21), dessen Text bereits 1981 alle Elemente vorwegnahm, die heute den rechten Diskurs auszeichnen – es lohnt sich wirklich, den eine Seite langen Text komplett zu lesen! Kostprobe:

„Grundgesetzlicher Grundwert – deutsches Volk. Mit großer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug vieler Millionen von Ausländern und ihrer Familien, die Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur…Die deutsche Bevölkerung wurde…nicht gefragt…und nicht aufgeklärt…Jedes Volk hat ein Naturrecht auf Erhaltung seiner Identität…Die Integration großer Massen nichtdeutscher Ausländer ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht möglich und führt zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften.“ Klar: Parasiten zerstören den Wirtskörper… Ich kann wirklich empfehlen, den gesamten Text zu studieren!

Zwei seiner Mitunterzeichner brachten noch folgendes zu Papier: „Unser Problem sind nicht die Gastarbeiter schlechthin, sondern ihr asiatischer Anteil. (...) Wenn man das Spezialproblem Süditalien ausklammert, so kann man feststellen, daß die aus dem europäischen Raum zu uns kommenden Gastarbeiterfamilien nach ihrer Fertilität, ihrem kulturellen, soziologischen und religiösen Kontext Aussicht auf Akkulturation bieten (...). Auf die Asiaten trifft all das nicht zu… Und „der Asiate“, im zweiten Weltkrieg Bolschewik, Jude oder „Mongole“ – wie hier in einem CDU-Wahlplakat verbildlicht – pflegt ja heute in Deutschland eher in Form des Türken daherzukommen, den man eigentlich glaubte, vor Wien zurückgeschlagen zu haben: fruchtbar, parasitär und nicht integrierbar, weder im Deutschen Volk noch in Europa.
Andere „alte Kameraden“ fanden eine andere Heimat: die in Süddeutschland gestrandeten Kollaborateure und Rotarmisten wurden von der CIA unter anderem für die Radiostationen „Radio Liberty“ und „Radio Free Europe“ eingesetzt, und für die Muslime unter ihnen gab es zur Belohnung eine Moschee: das heutige Islamische Zentrum München. Daß das heute als Beleg für „Islamofaschismus“ herangezogen wird, wie in dem Film „Zwischen Halbmond und Hakenkreuz“, und diese muslimischen Überläufer (und wohlgemerkt: ausschließlich sie!) als „Nazis“ diffamiert werden, ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird.

Die Kosaken (22), die ich bisher noch nicht erwähnt habe, konnten, soweit sie die Repatriierung durch die Briten überlebten, unter anderem in Südamerika Fuß fassen. Der bekannteste ihrer Atamane, Generalataman Pjotr Krasnow (23) wurde ausgeliefert und hingerichtet, sein noch in Tirol geborener und später nach Chile ausgewanderter Neffe, Miguel Krasnoff Marchenko (24) soll einer der berüchtigtsten Folterknechte der DINA von Pinochets Gnaden gewesen sein, wurde aber 2000 in letzter Instanz mangels Beweisen von allen Anklagen freigesprochen. Vom „solidaristischen“ Ausbilderpersonal Wlassows gründeten einige die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“, die sich vor der Wende fast ausschließlich mit dem Ostblock beschäftigt hat: Heute liegt ihr Schwerpunkt auf der „Islamkritik“.

Parasiten, Kannibalen, Kopftuchmädchen, Sozialsysteme


Juden, verhungernde Rotarmisten, Muslime: Blutsäufer, Kannibalen
Quellen: judentum-projekt.de/“Die Verbrechen an der Wehrmacht, S 364“/PI-news.net

Die Dehumanisierung des jüdisch-bolschewistischen Feindes bediente sich zweier Motive: der des Kannibalen und der des Parasiten. Beide Motive werden im heutigen ausgrenzenden Diskurs über Muslime und Migranten fortgeführt. In der Eingangssequenz des Films „Der Ewige Jude“ wird das Gewimmel von Ratten mit dem Treiben von als jüdisch erkennbaren Menschen in einem Ghetto überblendet. Die in islamkritischen Kreisen hoch verehrte ex-linke Italienerin Oriana Fallaci aktualisierte das Motiv in ihrem Buch „Die Kraft der Vernunft so: „…ein Satz... mit dem ich mich ins Französische übersetzt hatte:  ‚Ils se multiplient comme les rats.‘ – ‚Sie vermehren sich wie die Ratten‘“.

Bekanntermaßen starben in deutscher Kriegsgefangenschaft 3,5 Millionen Rotarmisten, die meisten von ihnen verhungerten. Eine Wehrmachts-Untersuchungsstelle versuchte schon während des zweiten Weltkrieges, die eigenen Verbrechen durch Hinweis auf angebliche oder tatsächliche Kriegsgräuel der Roten Armee  zu relativieren. Der emeritierte Münchner Historiker Franz W. Seidler hat die Ergebnisse dieser „Untersuchungsstelle“ zwischen Buchdeckel gepackt und 1997/98 beim  einschlägigen Verlag „Pour le Mérite“ als zweibändiges Werk herausgebracht mit dem bezeichnenden Titel „Verbrechen an (!) der Wehrmacht“, das er ausdrücklich als Antwort auf die damals höchst aktuelle Reemtsma’sche „Wehrmachtsausstellung“ verstanden wissen wollte. Seidler wird in einer 1998 gestellten Kleinen Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen, die sich u.a. mit seinem Wirken als Dozent an der Bundeswehruniversität München befasst, aus gutem Grund als Revisionist bezeichnet.

In diesem Sammelband lässt man sich – Fall 302-306 – in epischer Breite und mitleidlos darüber aus, daß es unter den verhungernden Gefangenen zu Fällen von Kannibalismus gekommen war. Es  steht  ohne jedwede Distanzierung  folgendes angebliche Zitat eines ukrainischen Rotarmisten im Text (Bd. 1, S.352): „In der Schule ist uns gesagt worden, daß einige asiatische Stämme…Menschen fräßen…“ Bei der Hungersnot in der Ukraine 1932/33 „…ging damals das Gerücht, daß insbesondere Juden dem Handel mit Menschenfleisch oblagen…“ Dieses Menschenfresser-Motiv, das im 2. Band auf 30 Seiten nochmals ausgewalzt wurde, findet sich – in der Abwandlung „Blutsäufer“ – auch in einer von der Rassistenseite Politicallyincorrect 2008 begeistert beworbenen Postkartenserie. Im Sarrazin-Interview findet es sich in „zivilisierter“ Form (Kopftuchmädchen und Gemüsehändler), und als Motiv von der – unproduktiven – Einwanderung in die Sozialsysteme ist es mittlerweile Allgemeingut.

Das ganze Deutschland soll es sein


Erst die Arbeit, dann das Vergnügen:v.l.n.r.:
Brinkmann, Dewinter (schwarz-weiss-rot)
und Beisicht - Quelle: AFF-Verzet.be
Das große Vorbild Brinkmanns ist die FPÖ, und es gibt mehrere Quellen, in denen er anspricht, sein Ziel sei es, in zehn Jahren da zu stehen, wo die FPÖ heute steht. Bei den Bestrebungen um eine Vereinigung der Rechten auf internationaler Ebene ist, neben dem Vlaams Belang, die FPÖ die treibende Kraft und dies ist verknüpft mit Andreas Mölzer. Herr Mölzer ist Europa-abgeordneter der FPÖ, gibt u.a. die Zeitschriften „Zur Zeit“ und „Aula“ heraus und kann für den Anfang mit zwei Zitaten umfassend charakterisiert werden:

„Ich glaube, dass das US-Amerikanische Interesse, das israelische Interesse, das Interesse des Bundeskanzlers Schröder...sich bündeln.“ (National- und Soldatenzeitung 2005) und: „Ich habe seit meinen Jünglingstagen unbeirrbar für die rechte, die Deutschnationale Sache in Österreich gearbeitet.“  Somit kann man sicher sein, daß das Deutschland, um das es den Herren geht, „von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“ geht. In Österreich kann man das noch dezidierter nicht sagen, weil man sonst mit dem in Verfassung und Friedensvertrag verankerten Anschlussverbot in Konflikt kommt. Sowas kann in Österreich leicht ins Strafbare abgleiten. Aber Herr Brinkmann darf das sagen und er tut es auch: „Auf diese Weise löst sich auch ein anderes Problem, nämlich die unnatürliche Trennung der beiden deutschen Kulturnationen in der Europäischen Union: Österreich und Deutschland...“ Nach Auffassung österreichischer Freunde ist Mölzer in der FPÖ wesentlich einflussreicher als der medial omnipräsente HCStrache.

Eurasische Querfront


Alte Herren 2010: Strache und Mölzer mit Damenflor 2009
Quelle. Wkr-ball.at/Andreas-Moelzer.at

The-place-to-be ist Anfang des Jahres immer der Ball des „Wiener Korporationsringes“, der Dachorganisation der Deutschnationalen Studentenverbände Österreichs, ganz standesgemäß in der Hofburg. Dort trifft sich alles, was bei Europas Rechtspopulisten und Rechtsextremen Rang und Namen hat  (25); laut belgischem Antifa-Portal „aff-verzet“ (26) war Brinkmann im vergangenen Jahr auch schon da. Dieser Event stößt in Wien jedes Jahr auf erheblichen Widerstand (27). Wie jedes Jahr wurde auch dieses Jahr die ausbleibende bis lauwarme Reaktion des offiziellen Österreich (28) kritisiert. FPÖ-Nationalratspräsident Graf, der auch der rechtsextremen Burschenschaft Olympia angehört, fand den Ball jedenfalls so wichtig, daß er vorzeitig eine Parlamentssitzung verließ, um pünktlich dort zu sein. Mittlerweile macht die Burschenschaft durch die Einladung eines Rassetheoretikers (29) von sich reden. In Österreich sind – aus historischen Gründen – Burschenschaften und Burschenschafter wesentlich aktiver, einflussreicher und in der Öffentlichkeit präsenter als in Deutschland. Ausführlichere Erörterungen hierzu würden den Rahmen dieses Artikels sprengen und so verweise ich auf das Interview mit Herbert Schiedel vom Dokumentationsarchiv Österreichischer Widerstand, das man hier hören kann (30). Übrigens gibt es auch in Belgien „Burschis“: zurzeit formiert sich in Gent – unter anderem auch mittels zweier Facebook-Gruppen – der Widerstand gegen den „Nationalistischen Studentenverband“, der Schwarz-Weiss-Rot (sic!) trägt: erstens (31) dagegen, daß der in Gent besonders aktive Verband in die lokale Dachorganisation, den „Politisch-Philosophischen Konvent“ aufgenommen wird, zweitens dagegen, daß die Universität wie in den vergangenen Jahren – immer unter Protest – Gastgeber wird, wenn der islamophobe Wanderzirkus in Gent Station macht, was er am 24. Februar wieder tun wird. Nur zwei Namen von der Gästeliste: Andreas Mölzer sowie der britische Holocaustleugner und – ebenfalls – Europaabgeordnete Nick Griffin.

Wieso spreche ich von „Querfront“? Die Wiener „Rosa Antifa" (32) zählt einen im Rahmen unseres Themas interessanten Gast auf: Alexander Dugin (33), dessen Theorien im Artikel von Markus Mathyl als Weiterentwicklung des Nationalbolschewismus beschrieben werden, der auch Elemente des Bolschewismus aufgenommen habe. Ich füge hinzu: auch des Stalinismus, denn schon Stalin wandte sich gegen die „wurzellosen Kosmopoliten“ und meinte damit hauptsächlich die Juden.  Allerdings macht ihn die Betonung des „Nationalen“ und „Völkischen“ für bestimmte Querfront-Strategen auch hier in Deutschland anschlussfähig, genauso, wie ein undifferenzierter Antiamerikanismus, der alles in einen Topf wirft und Obama und die amerikanische Linke mit dem rechten Bade ausschüttet. Ich verweise hier auf meine auch in der NRhZ veröffentlichte „Bombing Mecca“-Serie und – was die Verflechtung „atlantischer“ und „eurasischer“ Netzwerke angeht – auch auf den hier erschienenen Artikel des belgischen Journalisten Tom Cochez, „das gelobte weiße Land.“

Wo soll das hinführen?

Zusammenfassend halte ich es mit der These das russischen Autors Vladimir Ivanov, der in seinem Buch (34) über die internationalen Verflechtungen der russischen Neuen Rechten sinngemäß geschrieben hat, daß die nach dem Krieg zwecks Abwehr des Kommunismus gebildeten und in die westlichen Dienste aufgenommenen Netzwerke von Faschisten und Kollaborateuren nach der Wende mit östlichen Brüdern im Geiste neue Netzwerke gebildet haben.

In diesem Gedankengebäude und Netzwerk bewegt sich Patrik Brinkmann. Seine Amerika- und Israelfreundschaft, für die ich in der Vergangenheit keine Belege gefunden hatte, hat nicht nur mich erstaunt.

Übrigens hat sich Patrik Brinkmann anscheinend auch von der „Kontinent-Europa“-Stiftung mit Misstönen abgewandt (35). Und nachdem, was der Kölner Stadtanzeiger (36) – neben allen anderen Seltsamkeiten über das Brinkmannsche Finanzgebaren schreibt, wurde das Vermögen von Patrik Brinkmann, der noch 2008 von einem Stockholmer Gericht für „zahlungsunfähig“ erklärt worden war, wohl samt Berliner Villa auf die Kinder sowie Ehefrau Swetlana überschrieben. Welches Interesse hat aber eine „aus Litauen stammende Frisörin“ an der deutschen Pro-Bewegung?

Junge-Freiheit-Autor Felix Krautkrämer leitet einen Artikel über Brinkmann wie folgt ein: „Für Pro-NRW-Chef Markus Beisicht ist der jüngste prominente Parteibeitritt nur die logische Konsequenz des Aufwärtstrends der vergangenen Monate. Pro NRW sei mittlerweile im Westen zum „Marktführer“ rechts der Mitte aufgestiegen. „Patrick Brinkmann hat das große politische Potential unserer Bürgerbewegung erkannt, so wie das FPÖ, Vlaams Belang und andere schon vor einigen Jahren getan haben“, sagte Beisicht der jungen freiheit. Seine Begeisterung ist verständlich. Der Beitritt des schwedischen Unternehmers (JF 4/10), der durch Immobiliengeschäfte und Mineralienabbau zu einem Vermögen gekommen sein soll, hat der Pro-Bewegung erhebliche mediale Aufmerksamkeit beschert.“ Der JF-Autor hat aber auch dem Brinkmannschen Finanzgebaren ebenfalls hinterher recherchiert (jf 6/10 vom 5.2.10, S. 4). Das Ergebnis wird dort (37) in einer Zusammenfassung wiedergegeben.

Ich denke übrigens nicht, daß der öffentlich angestrebte Gebäudekauf für Pro Köln nur ein Pressecoup ist. Die Entscheidung für den Lutherturm habe ich im Internet nachvollziehen können: in fußläufiger Entfernung von der Regentenstraße 42 hätten nicht nur mein altes Gymnasium sondern auch das Medienzentrum Köln-Mühlheim gelegen – und die symbolträchtige Keupstraße, die „Türkenallee“. Kann man von Standorten der Objekte der Begierde auf Absichten schließen?

Und ausgerechnet JF-Autor Krautkrämer erwähnt – zu Recht – zwei nicht ganz unwesentliche Kleinigkeiten: „Nach Informationen der JF existiert in der Hauptstadt bereits ein Verein mit dem Namen „Pro Berlin“, den einige Personen aus dem Umfeld der Berliner NPD gegründet haben. Zum anderen verfügt Brinkmann, dessen Mutter 1945 in Berlin geboren wurde, nach eigenen Angaben noch nicht über die deutsche Staatsbürgerschaft und darf somit gar nicht zur Wahl antreten.

Was also will und für wen steht Patrik Brinkmann? Darüber mehr demnächst in der NThZ. (PK)

(1)http://www.youtube.com/watch?v=woxD6G9qSSc
(2)http://meldungen-aus-dem-exil.noblogs.org/post/2009/10/15/abendl-ndische-nostalgie
(3)http://gesamtrechts.wordpress.com/2009/08/11/die-europa-kolumne-voigts-people-temple-hat-jeden-realitatsbezug-verloren/
(4)http://gesamtrechts.wordpress.com/2009/09/22/die-europa-kolumne-kampf-gegen-die-schwulenlobby-eine-herausforderung-der-zeit/#more-4249
(5)http://www.zuerst.de/archives/192
(6)http://www.youtube.com/watch?v=vuELw11ASX8
(7)http://www.netz-gegen-nazis.de/lexikontext/die-hagal-rune
(8)http://tinyurl.com/yg4hlrj
(9)http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/der-verfassungsschutz-zur-gesellschaft-fuer-freie-publizistik
(10)http://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/GFP.htm
(11)http://en.wikipedia.org/wiki/Theodor_Oberländer
(12)http://en.wikipedia.org/wiki/Nachtigall_Battalion
(13)http://en.wikipedia.org/wiki/Controversy_regarding_the_Nachtigall_Battalion
(14)http://de.wikipedia.org/wiki/Sonderverband_Bergmann
(15)http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Stocker_Verlag
(16)http://www.ikg-wien.at/IKG/Members/irene/1049709045631/1114082264173?portal_skin=Gemeinde&id=1114169989332
(17)http://venceremos.antifa.net/specials/Mittenwald/mittenwald2009.htm
(18)http://www.welt.de/politik/deutschland/article6321614/Soldaten-mussten-rohe-Schweineleber-essen.html
(19)http://www.welt.de/politik/deutschland/article6334177/Guttenberg-will-Missbrauchsvorwuerfe-pruefen.html
(20)http://tinyurl.com/yjb5vac
(21)http://www.apabiz.de/archiv/material/Profile/Heidelberger%20Kreis.htm
(22)http://www.kosaken.de/geschichte/zeittafel.html
(23)http://en.wikipedia.org/wiki/Pyotr_Krasnov
(24)http://www.statemaster.com/encyclopedia/Miguel-Krasnoff
(25)http://raw.at/texte/andere_sprachen/englisch/antifascismbanned.htm
(26)http://aff.skynetblogs.be/post/7649205/filip-dewinter-in-wenen-zweedse-multimiljonai
(27)http://www.youtube.com/watch?v=dWHEhiFmoE4&feature=related
(28)http://nowkr.wordpress.com/2010/02/02/offizielle-reaktionen/
 (29)http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100208_OTS0128/rudas-naechster-skandal-der-graf-burschenschaft-olympia
(30)http://cba.fro.at/show.php?lang=de&eintrag_id=15832
(31)http://www.geennsv.be/argumenten.html
(32)http://raw.at/texte/andere_sprachen/englisch/antifascismbanned.htm
(33)http://en.wikipedia.org/wiki/Aleksandr_Dugin
(34)Vladimir Ivanov: Alexander Dugin und die rechtsextremen Netzwerke, ibidem-Verlag, Stuttgart 2007
(35)http://www.redok.de/content/view/1208/36/
(36)http://www.ksta.de/html/artikel/1264185793278.shtml
(37)http://dokmz.wordpress.com/2010/02/07/„junge-freiheit“-mit-zweifeln-am-neuerlichen-engagement-des-pro-sponsors-brinkmann/


Online-Flyer Nr. 237  vom 17.02.2010

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