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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Sport
Hallenspektakel in Frankfurt, Biersponsoring hilft Männerfußball
Kiez Club entführt Licher Hessen-Cup
Von Johann Blaha und Bernd J.R. Henke

Wollte eine Frau wirklich wissen, was für ein Mann in ihrer Wohnung herumtrabt, hätte sie sich am dritten Januar eine Beruhigungstablette eingeworfen und eine Karte für das Frankfurter Hallenfussballturnier, den Licher Hessen Cup 2010, gekauft. Dort hätte sie das natürliche Soziotop ihres vertrauten Lebensabschnittsgefährten zu Gesicht bekommen: die männliche Urhorde mit den Trainern als Medizinmänner, den Mannschaftsmitgliedern als Elitekriegern und den Fans als Fußvolk, Chören und Kampfverbänden.

DFB OK-WM Traumpaar Steffi Jones und Franz Beckenbauer

Desmond Morris, Zoologe und Autor des Buches "Der nackte Affe", hatte herausgefunden, dass sich der zivilisierte Mann auf der einen Seite kulturell veredeln ließe, aber sich jederzeit in einen Rausch versetzen lässt und sich mit anderen seiner männlichen Spezies zusammenschließt, um der Zivilisation auszubrechen.
 
Urhorden unterwegs
 
Männliche Fußballfans verhalten sich zu bestimmten Zeiten wie Stammeskrieger, die sich auf den Kampf vorbereiten. Zum Hallenturnier in die Frankfurter Ballsporthalle hatte die Buschtrommel die männliche Urhorde - genannt Fans - aus ihren weihnachtlichen "Lehmhütten" gelockt, um sich zum großen Versammlungsplatz zu bewegen. Gemeinsam mit polizeilicher Hilfe kamen die Stammeskrieger von Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt und Kickers Offenbach zur gemeinsamen Kampfstätte. Bärenfelle als Kleidungstücke sah man nicht. Den guten Anzug wechselte man mit kultiger Fan-Kleidung, jeweils einem mächtigen Fußballstamm angehörend. Die Rhein-Main-Stämme standen in Derby Stimmung. Zusammen mit der gastgebenen Frankfurter Eintracht spielten die Zweitligisten FSV Frankfurt, Arminia Bielefeld, FC Sankt Pauli und TuS Koblenz sowie Drittligist und Titelverteidiger Kickers Offenbach um den Pokal der Licher Privatbrauerei.
 
Voller Licher Humpen
 
Einen guten Start ins neue Jahr hatten die Jungs vom Kiez Club FC Sankt Pauli. Hamburgs Neuzugang Richard Sukuta-Pasu feierte mit dem Club in Frankfurt seinen ersten Erfolg. Neben dem Titel holte der Neuling auch noch die Auszeichnung als “Spieler des Turniers” und konnte sich zusammen mit Marcel Eger, der mit drei Toren Torschützenkönig wurde, über einen neuen Flachbildschirm der Marke Orion (Dreieich) freuen.


Cup Gewinner FC Sankt Pauli mit der Siegespreisübergabe durch Sängerin Maria Lather | Alle Fotos: A2 Bildagentur Hartenfelser

Noch im vergangenen Jahr war der FC St. Pauli in der Vorrunde des Licher-Hessen-Cups ausgeschieden, doch wie wir spätestens seit dem 2:0 im brisanten Nordderby der 2. Bundesliga gegen Rostock wußten, war dieses Jahr im Hessen Cup alles anders. Nach einem 2:0-Sieg gegen die TuS Koblenz und einer 0:2-Niederlage gegen den FSV Frankfurt gingen die Boys in Brown als Zweiter der Gruppe A aus der Vorrunde hervor. Nach einem eindrucksvollen 3:1 gegen Titelverteidiger Kickers Offenbach, standen sie schließlich im Endspiel den Zweitligafreunden von Arminia Bielefeld gegenüber. Dank den beiden Toren von Marcel Eger siegte der Kiez Club mit 2:0 und gewann den von der Brauerei Licher gesponsorten Hessen-Cup. Hamburgs Mannschaft bekam auch als einzige Mannschaft einen vollen 5 Liter Humpen Licher-Bier zum Siegesumtrunk sowie 5000 Euro für die Mannschaftskasse überreicht.
 
Sängerin überreicht Prämien
 
Die Stammeskrieger von Vorjahressieger Kickers Offenbach mussten zwar im Halbfinale eine 1:3 Niederlage gegen den späteren Sieger FC Sankt Pauli erleiden, doch reichte der Offenbacher Schlachtenlärm aus, um ein wichtiges Ziel der Urhorde "Bieberer Berg" zu erreichen. Die Offenbacher sangen mit lautem Gejohle „Die Nummer eins am Main sind wir“. In der Vorrunde hatten die Kickers die Frankfurter Eintracht mit 4:1 geschlagen. Im Spiel um Platz drei zeigten die Kickers im Duell gegen den höherklassigen FSV Frankfurt erneut eine souveräne Vorstellung und setzten sich mit 3:1 gegen die Mannschaft ihres ehemaligen Trainers Hans-Jürgen Boysen durch. "Wir haben beide Derbys gewonnen, das entschädigt etwas für die verpasste Titelverteidigung," erklärte OFC-Torjäger Ugur Albayrak, der sich mit drei Toren die Torschützenkrone mit FSV-Mann Sebastian Göbig und St. Pauli-Spieler Marcel Eger teilte. Patric Klandt vom FSV Frankfurt war bester Torwart, auf Rang zwei kam Daniel Endres vom OFC. Die Prämienspieler erhielten je einen Pokal und einen 55cm Orion Wide HDready LCD-TV/DVD-Combi mit DVB-T Hybridtuner und DVD-Player. Sie wurden durch die Sängerin Maria Lather überreicht.
 
Keinen Grund zu jubeln für Eintracht Frankfurt
 
Hinter dem FC St. Pauli belegte der DSC Arminia Bielefeld den zweiten Platz. Die Bielefelder Stammeskrieger hatten zwar in der Gruppenphase einen schweren Stand gegen die heimischen Fans der Eintracht aus Frankfurt und den Offenbacher Kickers. Das sah auf dem Kunstrasenfeld allerdings anders aus. Zwar ging das Auftaktspiel gegen die Kickers mit 0:1 verloren, doch den heimischen Frankfurtern spuckte Bielefeld gewaltig in die Suppe, als man sie nach dem 2:1-Sieg frühzeitig aus dem Turnier geworfen hatte. Im Halbfinale besiegten die Arminen dank eines Tores von Jonas Kamper in der 7. Minute den FSV Frankfurt knapp mit 1:0. Erst im Finale musste man sich dem Kiez Club St. Pauli mit 0:2 beugen. Der Mitaufstiegskonkurrent aus dem Norden demonstrierte wie auch draußen auf dem Feld qualitativ hochwertigen Offensivfußball. "Insgesamt haben wir uns bei diesem Turnier gut verkauft. Sankt Pauli hat letztlich verdient gewonnen", befand DSC-Coach Thomas Gerstner, aus dessen Bielefelder Team Jonas Kamper zum zweitbesten Spieler des Turniers gewählt wurde. Keinen Grund zum Jubeln hatten Stammeskrieger der Frankfurter Eintracht. Neben einem 1:2 gegen Bielefeld schmerzte die zahlreich vertretende Eintracht Urhorde wie auch die Spieler das blamable 1:4 gegen die Kickers. Entsprechend unzufrieden zeigte sich der Trainer: "Ich bin sehr enttäuscht über die Leistung", resümmierte Skibbe, der nur den ersten Minuten im Spiel gegen die Kickers etwas Positives abgewinnen konnte. "Aber dann hat meine Mannschaft all das vermissen lassen, was es in der Halle braucht: Kampf und Leidenschaft", so der Trainer.
 
Männerfußball contra Frauenfußball
 
Dem Turnierveranstalter Gert Trinklein, einst Bundesligaprofi bei der Eintracht sowie den Offenbacher Kickers, und seinen Helfern gelang es gemeinsam mit den Sicherheitskräften und der Polizei, den "männlichen Karneval der Gene" im Griff zu halten. Weniger Buschtrommeln, aber eine nicht weniger spannende fußballerische Atmosphäre werden die Fußballfreunde am Samstag, dem 23. Januar, beim das traditionellen DFB-Frauenfußballturnier in der Bördelandhalle in Magdeburg zu erwarten haben. In der Magdeburger Bördelandhalle werden auch internationale Frauenboxkämpfe veranstaltet. Die Frauen werden mit ihren Männern und Kindern kaum lästige männliche Urhorden antreffen, sondern die nette Idee Fußball in femininer Ausrichtung bewundern können. Familiäre Stimmung wird in der Halle zu finden sein, temporären Auszug der Männer aus der Zivilisation wird es dort nicht geben. Gespräche über Taktik werden sicherlich die Oberhand gewinnen, denn Frauen hinterfragen mehr. Kommunikation ist angesagt. OK WM 2011 Präsidentin Steffi Jones meinte in einem Interview hinsichtlich des Stellenwerts erfolgreichen Frauenfußballs gegenüber Männerfußball: " Wenn es darum geht, über sich hinauszuwachsen, wäre ich mir nicht sicher, ob Männer besser sind als Frauen. Beim Marathonlauf sind die Männer natürlich schneller. Aber Männer und Frauen kommen beide ans Ziel. Bei besserem Teamgeist geht der Punkt an die Frauen, auch weil Zickenalarm mit Teamgeist nichts zu tun hat. Bei Emotionen sind sich selbst die alten Philosophen einig: Punkte für die Frauen." Selbst Weißbiertrinker und Kitzbühler "Hausmann" Franz Beckenbauer beteiligt sich seit Neuestem bei der Entwicklung des Frauenfußballs und unterstützt Steffi Jones bei der Promotion für die diesjährige Weltmeisterschaft der U20 Frauen in Deutschland. Nach seiner Übergabe des Präsidentensessels von FC Bayern München an Freund Ulli Hoeness wendet sich wieder mehr den Frauen zu. (PK)
Webseite: Frauenfußball
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Online-Flyer Nr. 231  vom 06.01.2010

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Von Kostas Koufogiorgos
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