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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Sport
Bayern patzt, Duisburg und Potsdam eine Runde weiter
Kopfballduo Laudehr/Popp schlägt Linköpings FC
Von Johann Blaha und Bernd J.R. Henke

In der NrhZ Ausgabe 224 vom 18.11.2009 erschien der  Kommentar „No time for losers…?!“ zum tragischen Tod von Robert Enke und der projizierten Trauer vieler Menschen in Deutschland. Auf den folgenden Artikel über die laufende UEFA Women´s Champion League Saison 2009/2010 wurde deshalb aus besonderem Anlass verzichtet. Doch die die zeitnahe Aktualität über das spannende Achtelfinale besteht immer noch,  da die nächsten Paarungen des Halbfinales mit zwei deutschen Teams feststehen.

Für das deutschen Trio in der UEFA Women´s Champion League 2009/2010 war es wie eine Reise nach Jerusalem. Am Ende des Achtelfinales waren nur noch zwei freie Plätze für drei deutsche Teams auf den Plätzen der letzten Acht, die am 10. und 17. März 2010 das Viertelfinale bestreiten werden. Der FC Bayern München erlitt in der Verlängerung zu Hause gegen die Südfranzösinnen vom Montpellier Hérault SC eine unglückliche 0:1 Niederlage durch ein Tor der angriffslustigen Rekord-Nationalspielerin Hoda Lattaf.


HSC Montpellier Trikotvorstellung / li.: Trainerin Sarah M´barek mit Taktik
re.: Hoda Lattaf, die Spielentscheiderin | Foto:HSC

Aufgewacht

Wie schon beim 1:1 (0:1) Hinspiel in Oberhausen, als Inka Grings, aufmerksam gedeckt von den Schwedinnen, nicht wie am Laufband zum Tore schießen kam, agierten die Gastgeberinnen aus Linköping die erste Viertelstunde äußerst überlegen mit den höheren Spielanteilen. In der 14. Minute hatte denn auch die Schwedin Caroline Seger das Führungstor auf dem Fuß, nachdem kurz zuvor Annike Krahn in brenzliger Situation klären musste. Die aufgewachten und schockierten Duisburgerinnen kamen besser ins Spiel. Grings lief mehrere Male in die schwedische Abseitsfalle. Erst in der letzten Minute vor der Pause  gelang FCR Stürmerin Marina Hegering ein exzellenter Torschuss, den die Linköping Torhüterin Sofia Lundgren abprallen ließ. Den Nachschuss von Femke Maes klärte die Keeperin aber bravourös.


Martina Voss-Tecklenburg, die Erfolgstrainerin des Jahres 2009
Foto: A2 Bildagentur Hartenfelser

Kopfball


FCR-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg gelang in der Pause, ihren Spielerinnen weitere taktische Vorgaben mitzugeben. Nachdem Inka Grings zum wiederholten Male ins Abseits gelaufen war, gelang der pfiffigen Simone Laudehr eine Ecke sehr hoch in den gegnerischen Strafraum hineinzujagen. Die großgewachsene Außenverteidigerin Alexandra Popp sprang am Höchsten und verwandelte per Kopf zur verdienten 1:0 Führung. Nach diesem Treffer aus einer Standardsituation wechselte Trainerin Voss-Tecklenburg die Innenverteidigerin Marith Prießen für die noch nicht topfite Annike Kiesel-Griffhoen ein, um der nun folgenden Offensive von Linköping mit neuen Kräften zu entsprechen. Linköping drehte auf. Durch einen Eckball von Maria Karlsson I und einem Torschuss von Kosovare Asllani kam der FCR unter Druck. Die couragierte Prießen fing sich eine gelbe Karte ein (79.), zuvor verhedderten sich Konter von Laudehr und Maes in der Abseitsfalle der gut formierten Linköping-Abwehr. Bresonik verursachte einen Freistoß nach einem Foul an Caroline Seger. Es ging hart zu in diesen Minuten vor 1200 Zuschauern in Nörrköpping .

Wechselfieber


Kurz nach der Gelb-Karte für Prießen wechselte Linköping Trainer Magnus Wikman eine Mittelfeldspielerin aus.  Jessy Sharro kam für Tilda Heimersson (80.) Noch in der selben Minute gelang Sharro ein Torschuss, kurz danach lief Inka Grings ins Abseits. Die Einwechslung von Mittelfeldstar Maria Karlsson II  (88.) für Namensvetterin Verteidigerin Maria Karlsson I signalisierte weiteren Offensivdrang der Schwedinnen, um doch noch zu erzwingen, in die Verlängerung zu gehen. Als die ungarische Schiedsrichterin Cristina Dorcioman auf drei Minuten Nachspielzeit signalisierte, pokerte FCR Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Mit der Einwechselung der U-19 Nationalspielerin und Außenstürmerin Hasret Kayikci für Femke Maes verzögerte sie ein wenig das Spiel und brachte dadurch Ruhe in das Spiel ihrer Mannschaft.

Nachspiel

Als die Nachspielzeit (90 + 3) schon fast abgelaufen war, schlug die Stunde der Wahrheit für die Spitzenmannschaft Linköpings FC. Das Unglaubliche geschah. Nach einem furiosen Superalleingang von Simone Laudehr erwischte Inka Grings das runde Leder. Die wiederum schoss ziemlich hart aus kurzer Entfernung, scheiterte zunächst an Torhüterin Sofia Lundgren, erwischte aber den Abpraller, umspielte in eleganter Manier die Torfrau und schob zum 2:0 ein. Der Kampf war entschieden. Die „diebische Elster Inka“  hatte wieder zugeschlagen. Sekunden danach erfolgte der Abpfiff, Enttäuschung bei den besiegten Schwedinnen und wahrhaft glückliche und stolze Gesichter bei der kompletten „Lionne Équipe de Duisburg“. Linköping wird aber dem europäischen Wettbewerb weiterhin nächstes Jahr zur Verfügung stehen, da dank der gewonnenen Meisterschaft in der Damallsvenskan (1. Schwedische Frauenfußball-Liga) die Nominierung für den Wettbewerb 2010/2011 schon feststeht.

Linköpings FC:
Lundgren – M. Karlsson (88. J. Karlsson), Ikidi, Rohlin, Johansson-Skalberg – Heimersson (80. Sharro), S. Larsson, Seger, P. Larsson – Landström, Asllani.

FCR Duisburg:
Holl – Wensing, Bresonik, Krahn, Popp – Oster (68. Knaak), Kiesel (59. Prießen), Laudehr, Hegering – Maes (90. +1 Kayikci) – Grings.

Schiedsrichter: Dorcioman (Rumänien), Tore: 0:1 Popp (59.), 0:2 Grings (90.+3). Gelbe Karte: Asllani – Prießen,
Zuschauer: 1.200.

Umeå IK (SWE), ASD Torres Calcio (IT), Arsenal ( GB), Olympique Lyon (F), Røa (NOR)  im Achtelfinale

Die europäischen Träume der „Tre Kronors“ Frauenfußballfans sind mit dem Ausscheiden von Linköping aber nicht ganz untergegangen. Die Spielerinnen des schwedischen Rekordmeisters Umeå IK schafften es zu Hause,  im Rückspiel gegen das Team des WFC Rossiyanka (RUS) mit einem 1:1 Unentschieden den Vorsprung vom Hinspiel (0:1) zu verteidigen. Mit der Gesamttorzahl von 2:1 zog Umeå IK ins Viertelfinale ein. Der letztjährige italienische Vizemeister ASD Torres Calcio wiederholte gegen den österreichischen Klub SV Neulengbach das Ergebnis aus dem Hinspiel mit 4:1 (Gesamt: 8:2). Bis zur Halbzeit fielen keine Tore, aber Sekunden nach Wiederbeginn war es Raffaella Manieri, die den Bann brach. Zwar konnte Nina Burger für die Gäste ausgleichen, doch Elisabetta Tona, Daniela Stracchi und Silvia Fuselli schossen in den letzten 16 Minuten noch drei Tore für Torres. Arsenal London schlug Sparta Prag mit 2:0 (Hinspiel 5:0) und Olympique Lyon  überfuhr Fortuna Hjorring  mit einem 5:0 Kantersieg (Hinspiel 1:0). Die norwegische Mannschaft Røa Idrettslag hingegen kam mit viel Glück gegen Zvezda 2005 Perm eine Runde weiter. Nach dem 1:1  Hinspiel in Russland erzielte Røa zu Hause ein weiteres, aber diesmal torloses Remis nach Verlängerung. Durch das erzielte Auswärtstor kam Røa eine Runde weiter.


Umeå IK – zweifacher UEFA Women´s Cup Sieger 2002/2003 und 2003/2004
Bild: UEFA


Aus für FC Bayern München (D) , HSC Montpellier (F) weiter Der deutsche Vizemeister und derzeitige Tabellenfünfte der Bundesliga aus München dagegen verlor sein Heimspiel gegen den französischen Vertreter HSC Montpellier nach Verlängerung im Sportpark Aschheim unglücklich mit 0:1 (0:0). Die französische Nationalspielerin Hoda Lattaf versetzte den Münchnerinnen mit dem Siegtreffer in der Nachspielzeit der 105. Minute den K.o., nachdem die Bayerinnen viele Chancen ausgelassen hatten. Die Taktik der HSC-Trainerin Sarah M´barek war von Anfang an abgestellt auf die totale Defensive. Acht Feldspielerinnen verteidigten konsequent in der eigenen Spielhälfte und bedienten lediglich zwei schnelle Sturmspitzen, die 112fache Nationalspielerin Hoda Lattaf und Marie-Laure Delie. Montpellier überließ Bayern bis zur zwanzig Meter Grenze die gesamte Feldüberlegenheit und lauerte auf  schnelle Konter. Bei München erzwang Nina Aigner in der 19. Minute einen Heber, der von oben auf die Latte knallte. München drängte ohne wirksame Folgen, sodass gegen Ende der ersten Halbzeit  Ramos (31.) und Lattaf (41.) zu Torschüssen kamen. Und dann brannte es hinten bei den Bayerinnen mächtig.

Ohne Folgen

Kurz nach der Pause (46.) stand Elodie Ramos plötzlich ganz alleine vor der Bayern Torhüterin Kathrin Längert, die aber reaktionsschnell zur Ecke abwehren konnte. Der körperliche Einsatz der Bayerinnen und die konsequente Gegenwehr der Südfranzösinnen verlangte sein Tribut. Verletzungsbedingt sah sich Bayern-Trainer Wörle gezwungen Vanessa Bürki gegen Isabell Bachor (54.) und Nicole Banecki  gegen Stefanie Mirlach (59.) zu wechseln. Die gut gestaffelte Abwehr vom HSC wurde zwar nach einem  Foul von Hamou Maamar und dem nachfolgenden Aigner Freistoss fast überwunden (65.), aber das Bollwerk hielt auch nach zweimaliger Ecke von Bachor (73./74.)  und dem folgenden Seitfallzieher von Aigner. Delie schoss vom 16er am Tor vorbei (82.) Das Spiel wurde härter, Léa Rubio bekam Gelb (86.) von Schiedsrichterin Alexandra Ihringova, folglich tauschte Trainerin M´barek sie mit Charlotte Lozé aus. Die Dramatik stieg, als die pfeilschnelle Hoda Lattef, die Französin aus Bordeaux mit marokkanischer Herkunft,  als Abschluss einer Konter (89.) einen scharfen Schuss abzog knapp am Tor vorbei, Aigner einen Freistoß nach Foul an Lattaf (90+2) verursachte und Ramos (90+3) eine Ecke in den Bayernstrafraum trat. Ohne Folgen, es ging in die Verlängerung.


Simone Laudehr im Interview mit NRhZ-Redakteur Bernd J.R. Henke
Foto: Bildagentur A2 Hartenfelser

Nachspiel


Beide Mannschaften spielten  nun etwas ruhiger ohne größere Höhepunkte. Als Bayern gegen Ende der ersten Nachspielhalbzeit zulegte, Bianca Rech offensiver und aggressiver spielte und Zweikämpfe gewann, erhöhte Julia Simic mit zwei Distanzschüssen (105.) den Druck auf Montpelliers Bollwerk. Als in der Nachspielzeit Elodie Ramos über die rechte Seite durchbrach und ihr es gelang, quer auf Lattaf zu legen, fiel das Siegestor für Montpellier  (105.+3). Hoda Lattaf vollendete eiskalt zum 0:1. Die glückliche und selbstbewusste HSC-Trainerin Sarah M‘barek meinte nach dem Spiel: „Wir kamen als Außenseiter nach München. Das Wichtigste war heute unsere Defensive, in der wir sehr gut gearbeitet haben. Wir haben das bis zum Schluss durchgezogen und den entscheidenden Konter erfolgreich abgeschlossen. Aber selbst vor einem Elfmeterschießen hätte ich keine Angst gehabt: Darin ist unsere Torfrau Spezialistin!“ Bayern Trainer Günther Wörle erklärte: „Montpellier ist in der Abwehr sehr stark. Wir sind nur schwer in die Gänge gekommen. Montpellier hat uns zermürbt, immer wieder gedoppelt und auf einen Fehler gewartet.“

Revanche


Nach dem 1:0-Heimsieg im Achtelfinal-Hinspiel gewannen die Brandenburgerinnen das Rückspiel am Mittwochabend bei Bröndby IF klar mit 4:0 (1:0). Mit diesem Sieg nahm Potsdam eindrucksvoll Revanche für das in der Saison 2006/07 gegen Brøndby erlittene Aus im Viertelfinale. Zwar hatten die Brandenburgerinnen das Hinspiel nur knapp gewonnen, doch diesmal gingen sie von Beginn an entschlossen zur Sache und erzielten in der sechsten Minute durch Nadine Kessler die frühe Führung. Jessica Wich und Anja Mittag trafen Mitte der zweiten Hälfte in schneller Folge, ehe Kessler zwei Minuten vor dem Ende ihr zweites Tor schoss. „Wir haben das Spiel jederzeit kontrolliert“, sagte der sichtlich zufriedene Cheftrainer Bernd Schröder. Souverän zog Turbine Potsdam in die Runde der letzten Acht ein. Das Champions League Spiel fand vor einer wahren Geisterkulisse statt. 400 Zuschauer im 29 000 Zuschauer fassenden Brøndby-Stadion waren sicherlich keine gute Visitenkarte für den norwegischen Frauenfußball. Die UEFA sollte sich Gedanken machen, wie dem norwegischen Frauenfußball auf die Sprünge geholfen werden kann.

Viertelfinale

Die Auslosung im schweizerischen Nyon, dem Hauptsitz der Union des Associations Européennes de Football (UEFA),  ergab für die deutschen Vereine die erwartet schweren Gegner. Der FCR 2001 Duisburg trifft im Viertelfinale der UEFA Women‘s Champions League auf Arsenal LFC. Die Potsdamerinnen  treffen in ihrem Viertelfinale auf Røa IL aus Norwegen. Umeå IK aus Schweden bekommt es mit Montpellier Hérault SC zu tun. Die Siegerinnen dieser Partie treffen  im Halbfinale auf die Siegerinnen der Begegnung Olympique Lyonnais gegen ASD Torres Calcio. Es wurde also durch die Auslosung vorbestimmt, dass beide deutsche Mannschaften im Halbfinale aufeinander treffen werden, sofern sie sich beide im Viertelfinale durchsetzen sollten. Dem selbigen Umstand muss auch der französische Fußballverband entsprechen, der mit Lyon und Montpellier auch zwei Vereine im Rennen hat, die auch bei beidseitigem Weiterkommen sich im Halbfinale begegnen würden. „Der schwedische Rekord UEFA Women´s Cup Sieger Umeå IK hat mit dem Montpellier HSC einen leichteren Gegner erhalten und wird auch im möglichen Halbfinale auf keine der beiden deutschen Teams treffen. Schweden hat mit Umeå IK alle Chancen ins Endspiel zu kommen,“ erklärte die schwedische Außenverteidigerin vom 1. FFC Frankfurt, Sara Thunebro, die bei der „Fotbollsgalan” in Malmö zur besten Abwehrspielerin Schwedens gewählt wurde.

Viva Espania

Ab dieser Saison 2009/2010 gibt es nur noch ein Endspiel, das zwei Tage vor dem Finale der UEFA Champions League der Männer in Madrid ausgetragen wird. Schauplatz des Frauenendspiels wird der Madrider Vorort Getafe sein, wo am 20. Mai 2010 im Coliseum Alfonso Pérez  um 20.30 Uhr MEZ das Frauenfinale stattfinden wird. (HDH)

Die Johann Blaha und Bernd Henke werden über das Endspiel aus Madrid direkt berichten und bei ausreichender Nachfrage eine Fan-Gruppenreise mittels Reisebüro mit organisieren sowie die Fans begleiten. Sämtliche anfallenden Kosten und Versicherungen sind von den Reisenden zu tragen. Näheres hierzu:
„Viva Espania"
Johann Blaha und Bernd J.R. Henke

Webseite: Frauenfußball
               
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Online-Flyer Nr. 230  vom 30.12.2009

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Von Kostas Koufogiorgos
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