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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Warum Mobilfunkstrahlung krank macht
Risiko Mobilfunk – Teil 2
Von Peter Hensinger

Durch die 100%ige Handydichte und den Siegeszug der kabellosen Technologien ist jede/r von uns mit deren Auswirkungen konfrontiert - privat, im Betrieb, als Nutzer oder unfreiwillig Bestrahlter, selbst wenn er oder sie Handynutzung ablehnt. Im zweiten Teil der Serie “Risiko Mobilfunk“ geht Peter Hensinger von der Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart West der Frage nach, warum Mobilfunkstrahlung krank macht. Sie hat nicht nur Auswirkungen auf Erwachsene und Jugendliche, sondern sogar auf neugeborene Kinder. – Die Redaktion

Siemenswerbung für Gigaset – zu Gesundheitsrisiken kein Wort
Quelle: http://gigaset.com
 
Das schnurlose DECT-Telefon, z.B. das Siemens Gigaset, funktioniert wie ein Handy, mit gepulster Mikrowellenstrahlung. Die Auswirkungen beschreibt die Broschüre „Zellen im Strahlenstress“(1): „Im Januar 2009 rief uns die Großmutter der Familie G. an, ihr Enkel leide unerträglich an Kopfschmerzen und Schlafstörungen, kein Arzt finde eine Ursache. Ob die Bürgerinitiative die Strahlenbelastung messen könnte? Wir wurden von einem Arztehepaar begrüßt. Sie erklärten uns die dramatische Situation. Ihr Sohn N. hat meist 5 Tage in der Woche starke Kopfschmerzen und dauernd Schlafstörungen. Auch wenn er mit dem Bus oder der Bahn fahre, bekomme er diese. Wir messen, das Kinderzimmer ist so hoch mit Mikrowellenstrahlung belastet, dass unser Messgerät die Höhe nicht mehr anzeigen kann (weit über 10.000 µWatt/m2). Die Quellen sind schnell festgestellt: das schnurlose DECT-Telefon der Familie, das des Nachbarn in der Nebenwohnung und des Nachbarn darüber, sie alle strahlen voll ins Kinderzimmer. In der nächsten Woche wurden alle Strahlenquellen entfernt, die Telefone durch neue ersetzt, seither hat N. keine Kopfschmerzen und Schlafstörungen mehr.“
 
Der Mensch - ein elektrisches Wesen
 
Dieser Fall ist weder ein Einzelfall noch ist die Heilung ein “Wunder“. Mobilfunkkritische Ärzte haben Dokumentationen darüber angelegt, wie “unspezifische Symptome“ wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Herzrasen u.a. verschwanden, wenn diese Strahlungsquellen entfernt wurden.(2) Mobilfunkstrahlen sind Störsender für Lebewesen, denn der Mensch ist selbst ein elektrisches Wesen. Elektrische Wechselwirkungen, Potentiale und Ströme in den Zellen sind von zentraler Bedeutung. Man kann sie messen, z.B. beim EKG- oder EEG, als Gehirn- oder Herzströme. Jede Zelle, jeder Organismus ist Sender und Empfänger natürlicher elektromagnetischer Signale, die mit Lichtgeschwindigkeit für die Aufrechterhaltung der Lebensvorgänge sorgen. Mobilfunkstrahlung greift direkt in die Steuerung dieser biologischen Regelkreise ein. Die künstlichen technischen Frequenzen des Mobilfunks liegen genau im Frequenzbereich der natürlichen Regelkreise. Über Resonanzphänomene lösen diese technischen Signale falsche - weil nicht biologisch sinnvolle - Reaktionen aus. Das heißt: Technische Information - die hochfrequente Mobilfunkstrahlung - wird in den Zellen zur biologischen Desinformation.
 
Spermien und Zellen werden schwer geschädigt
 
Diese Folgen belegt drastisch eine neue australische Studie von Aitken et al. mit dem Titel „Mobilfunkstrahlung bewirkt die Produktion von freien Radikalen(ROS)und DNA- Schäden in männlichen Spermatozoen ” (Juli 2009)(3): 
1. Mobilfunkstrahlung generiert freie Radikale in den Mitochondrien(4) der Spermien
2. Dadurch entstehen DNA- Schädigungen
3. Eine Folge kann eine Schädigung der Spermien bis zur Unfruchtbarkeit sein
4. Diese Schädigungen können Folgewirkungen bei Neugeborenen haben
 

Neugeborenes – kann schon im Mutterleid 
durch Mobilfunkstrahlung geschädigt werden
Quelle: www.klinikum-konstanz.de
Diese Ergebnisse der Aitken-Studie kündigen einen Super-Gau an. Eine DNA- Schädigung ist meist der Ausgangspunkt einer Krebserkrankung. Die Autoren schlussfolgern, dass der Mechanismus der Zellschädigung, den sie in den Spermien gefunden haben, verallgemeinert werden kann. Die Ergebnisse bestätigen die Metastudie von Prof. H.W. Rüdiger (Med.Uni Wien) „Gentoxische Effekte von radiofrequenten elektro- magnetischen Feldern“ (2009)(5), die Studienzusammenfassungen von Adlkofer u.a. in der Broschüre „Wie empfindlich reagieren die Gene auf Mobilfunkstrahlung?“ (2009) und die populärwissenschaftliche Gesamtdarstellung in der Broschüre „Zellen im Strahlenstress. Warum Mobilfunkstrahlung krank macht.“(2009) Die Österreichische Ärztekammer warnt deshalb schon lange: „Das Handy in der Hosentasche oder SMS unter der Schulbank versenden, könnte die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und sollte daher unterlassen werden“. (6)
 
Mobilfunk-Grenzwerte sind Betrug

Diese Schädigungen finden weit unterhalb der Grenzwerte statt. Die offiziell gültigen Mobilfunk-Grenzwerte sind ein Betrug, denn sie erfassen nur Schädigungen des biologischen Systems durch Wärme, nicht aber diese entscheidenden nicht-thermischen Effekte, d.h. die unmittelbare Wirkung der Strahlung auf die Moleküle der Zellen. Grenzwerte - von der Lobby durchgesetzt - schützen die ungestörte Verbreitung der Mobilfunktechnologie und nicht die Menschen.
 
Gepulste Mikrowellenstrahlung

Der Informationsträger der Mobilfunkkommunikation ist die gepulste Mikrowellenstrahlung, also elektromagnetische Strahlung zwischen 400 MHz (Tetra), 900 -1800 MHz (GSM Handy), 1900 MHz (UMTS), 2450 MHz (DECT), 2450-5000 MHz (WLAN), gepulst und amplitudenmoduliert.
 
Elektrische und magnetische Felder sind auf der Erde natürlicherweise vorhanden und haben sich über Jahrmillionen wenig verändert. Sie besitzen beim Menschen hinsichtlich der Zell-, Gehirn- und Herzaktionsströme eine lebensentscheidende Bedeutung. Bei den Tieren üben sie wichtige Funktionen in der Orientierung aus, v.a. bei Bienen, Vögeln und Fischen. Damit zählen diese Felder zu den natürlichen Lebensgrundlagen. Innerhalb nur einer Generation wurden diese den Menschen und die Natur umgebenden natürlichen Felder massiv von künstlichen Feldern überlagert. Gerade die Frequenzen der Mobilfunkkommunikation waren bisher den biologischen Systemen vorbehalten. Die gepulste Strahlung ist technisch hergestellt und der Natur fremd. Sie wirkt als Störstrahlung.
 
Die gesundheitlichen Folgen dieser Störungen der biologischen Steuerungs- und Lebensvorgänge reichen von unspezifischen Stressreaktionen über körperliche und psychische Krankheitsmanifestationen bis hin zu Auslösung und Beschleunigung von Krebserkrankungen. Naturgemäß sind diese Erkrankungen bei jedem Menschen verschieden, je nach Vorbelastung, Immunstärke, Lebensabschnitt und der Intensität und Dauer der Strahlenbelastung.
 
In Zahlen: Die evolutionär bedingte natürliche Hintergrund-Mikrowellenstrahlung beträgt nur ca. 0,001 µWatt/m2 (Leistungsflussdichte) und störte die Zellkommunikation nicht. Der Dauer-Strahlungspegel durch Mobilfunkmasten liegt in den Städten bei durchschnittlich 10.000 µWatt/m2, beim Telefonieren können es am Kopf bis zu 10.000.000 µWatt/m2 sein, das ist das Milliardenfache der Dosis, an die unser Organismus angepasst ist.
 
Grenzwerte haben mit lebenden Menschen nichts zu tun

„Die Grenzwerte werden eingehalten!“ - Mit diesem Argument werden alle Proteste abgeschmettert. In Deutschland regelt die 26. Bundesimmissionsschutz Verordnung (26.BImSchV) die Grenzwerte. Sie beruhen auf den Empfehlungen der ICNIRP, einem privaten Verein industrienaher Wissenschaftler mit Sitz in München. Bei der Mobilfunk- Strahlung unterscheidet man zwischen thermischen und nicht-thermischen Wirkungen. Der thermische Effekt bezieht sich auf die Erwärmung des biologischen Systems durch die Strahleneinwirkung. Entscheidend aber sind die nicht-thermischen Effekte, d.h. die unmittelbare Wirkung des eingestrahlten Wechselfeldes auf die Moleküle der Zellen. Industrie und ICNIRP leugnen die Existenz nicht-thermischer Wirkungen, sie wurden deshalb bei der Grenzwertfestlegung nicht berücksichtigt. Die Grenzwerte schützen nur vor Erwärmung, die letztlich keine entscheidende Gefährdung ist. Das wäre so, als würde man die Wirkung und Höhe radioaktiver Strahlung mit dem Thermometer statt mit dem Geigerzähler messen. Die biologischen Effekte treten weit unterhalb des Grenzwertes auf. Der Grenzwert für die UMTS-Strahlung beträgt in Deutschland 10.000.000 Mikrowatt/m2 und bezieht sich
 
• nicht auf biologisch-medizinische Wirkungen (nicht-thermische) in den Zellen, der eigentlichen Gefahr, sondern nur auf den Erwärmungseffekt
• nicht auf gepulste Mikrowellenstrahlung des Mobilfunks, sondern auf ungepulste Mikrowellenstrahlung
• nicht auf Langzeitwirkungen. Die Richtlinien ( ICNIRP ) selbst sagen aus, dass der Grenzwert nur vor „kurzfristigen, unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen“ durch „erhöhte Gewebetemperaturen“ schützt
• nicht auf lebende Organismen. Der Wert wurde durch Messungen am toten Gewebe festgelegt.
 
Staat und Industrie halten kompromisslos an den hohen Grenzwerten, die praktisch nie überschritten werden können, fest. Der bestehende Grenzwert hat nur eine politische Funktion:
 
• Er ist für die Mobilfunkbetreiber die Ersatz-Haftpflichtversicherung, denn die Versicherungsgesellschaften verweigern den Mobilfunkbetreibern wegen unkalkulierbarer Risiken die Haftung.
• Er legitimiert den unkontrollierten Antennenwildwuchs.
• Er legitimiert die Untätigkeit von Staat und Gesundheitsbehörden in der Schutzpolitik.
• Er legitimiert die Justiz in der Ablehnung der Befassung von Klagen auf Verletzung der körperlichen Unversehrtheit und der Unversehrtheit der Wohnung.
 

„Warum Grenzwerte schädigen, nicht
schützen“
Quelle: http://www.kompetenzinitiative.de/
Die Grenzwerte geben freie Fahrt für die flächendeckende Verstrahlung! Europaweit werden sie in Frage gestellt. Das Landesparlament Salzburg forderte im November 2007 die österreichische Bundesregierung auf, den Grenzwert auf 1.000 Mikrowatt/m2 zu senken Das Parlament von Liechtenstein hat die Senkung des Grenzwertes ab 2013 auf 1.000 Mikrowatt/m2 beschlossen, der BUND fordert die sofortige Senkung auf 100 Mikrowatt/m2.
 
Zur Grenzwertproblematik ist im September 2009 die hier abgebildete Broschüre der Kompetenzinitiative erschienen: „Warum Grenzwerte schädigen, nicht schützen – aber aufrechterhalten werden. Beweise eines wissenschaftlichen und politischen Skandals.“
 
Strenger Schutz der Arbeiter in der Sowjetunion
 
Der BRD-Regierung war übrigens bereits vor der Einführung des Mobilfunks bekannt, dass diese Technologie krank macht. Das Bundesamt für Telekommunikation vergab in den 90er Jahren an Prof. Karl Hecht (Charité Berlin) den Forschungsauftrag, sowjetische Studien zu Mikrowellentechnologie auszuwerten. In der ehemaligen Sowjetunion wurden die Arbeiter, die daran arbeiteten, zu ihrem Schutz regelmäßig untersucht. Prof. Hecht in einem Interview: 
 

Prof. Karl Hecht – Verfasser der Studie 1996
Quelle: www.der-mast-muss-weg.de
„Ich selbst habe mich 1996/97 zusammen mit meinem Kollegen Hans-Ullrich Balzer intensiv mit einem in der Welt geradezu einmaligen Fundus an Ergebnissen der Mikrowellenforschung befassen müssen. Das geschah im Auftrage des Bundesamtes für Telekommunikation, also einer staatlichen Behörde - der heutigen Regulierungsbehörde. Wir durchforsteten über 1.500 wissenschaftliche Arbeiten der russischsprachigen Literatur dazu - flächendeckende Langzeituntersuchungen, die in Russland bzw. der ehemaligen Sowjetunion zu diesem Thema über Jahrzehnte durchgeführt wurden.“ Die Ergebnisse waren eindeutig: diese Technologie ist hoch gesundheitsschädlich. Prof. Hecht zum Schicksal seiner Studie: „Unsere Literaturrecherche verschwand sofort im Archiv. Bis heute hat sich kaum eine offizielle Stelle dafür interessiert, noch nicht einmal zu Zeiten der rot-grünen Regierung. Die Industrie und ihre Forschungseinrichtungen erst recht nicht.“ (PROVOkant, 2/2009)
 
Auch in der DDR gab es strenge Schutzvorschriften und mehrtausendfach niedrigere Grenzwerte wie im Westen. Prof. Hecht hat dies in der Broschüre: „Der Wert der Grenzwerte für Handystrahlung“, 2009 dokumentiert. Kostenloser Download auf www.broschuerenreihe.net. (PK)
 
Mehr zur Mobilfunklobby in der nächsten Folge
 
(1) „Zellen im Strahlenstress. Warum Mobilfunkstrahlung krank macht. Eckpunkte internationaler Mobilfunkforschung“, Autorenteam Stuttgart-West, 2009
(2) „Protokoll des Fachgesprächs „Gesundheitliche Auswirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks-Befundberichte“ im Bundesamt für Strahlenschutz, Neuherberg, 02.08.2006“. Waldmann-Selsam u.a.: Starke Indizien der Schädigung. In: Richter/Zimmer: Die Gefährdung und Schädigung von Kindern durch Mobilfunk, 2008, S. 16
(3) Mobile Phone Radiation Induces Reactive Oxygen Species Production and DNA Damage in Human Spermatozoa In Vitro, Geoffry N. De Iuliis, Rhiannon J. Newey, Bruce V. King, R. John Aitken, 2009.
(4) Mitochondrien sind kleine Organellen in den Zellen, die Energie in Form von ATP durch oxidativen Abbau von Nährstoffen gewinnen. Die Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen.
(5) H.W. Ruediger, Genotoxic effects of radiofrequency electromagnetic fields, Pathophysiology(2009),doi:10.1016/j.pathophys. 2008.11.004.: “Taking altogether there is ample evidence that RF-EMF can alter the genetic material of exposed cells in vivo and in vitro and in more than one way. This genotoxic action may be mediated by microthermal effects in cellular structures, formation of free radicals, or an interaction with DNA-repair mechanisms.” (Abstract)
(6) Huber, Erik u.a.: Nebenwirkung Handy, Wien 2007, S.31

Online-Flyer Nr. 228  vom 16.12.2009

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