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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Sand- und Kiesabbaufirma bringt Greenpeace wegen sieben Steinen vor Gericht
Sitzung geschlossen - Prozess vertagt
Von Peter Kleinert

Eigentlich wollte das Hamburger Landgericht am 2.Dezember wegen einer
Schadensersatzforderung der Sand- und Kiesabbaufirma OAM-Deme-Materialien gegen Greenpeace-Aktivisten verhandeln. Die hatten im Sommer 2008 große Natursteine im Sylter Außenriff versenkt, um dort den gesetzlich zugesicherten Schutz durchzusetzen. Die Richter entschieden jedoch, den Prozess zu vertagen und erst im Februar 2010 über die Klage zu verhandeln.


Einer der tonnenschweren Natursteine, die Greenpeace am 12.8.08 im Sylter Außenriff versenkte
Foto: Bente Stachowske / Greenpeace 
 
Das Sylter Aussenriff ist 2004 zum Meeresschutzgebiet erklärt worden. Dennoch wird in dem Gebiet Grundschleppnetzfischerei betrieben und der Meeresboden zerstört. Erst durch den Einsatz der Greenpeace-Aktivisten wurde ein Teil des Gebietes wirkungsvoll geschützt. Insgesamt wurden 320 Steine versenkt, von denen sieben in einen Bereich fielen, der von der Firma als ein Abbaugebiet beansprucht wird.
 
„Nicht der Umweltschutz, sondern die Zerstörer des Schutzgebietes gehören vor Gericht", erklärt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Das Unternehmen OAM-Deme-Materialien schädigt mit seinem Sand- und Kiesabbau massiv das Meeresökosystem. Bei dem Abbau werden täglich im gesamten Sylter Außenriff Millionen Meeresorganismen getötet. Obwohl seit Sommer 2007 kein Sand und Kies in dem einen besagten Gebiet gefördert wurde und die Verlängerung der entsprechenden Erlaubnis bis heute nicht erfolgt ist, klagt die Firma jetzt auf Schadensersatz wegen des Versenkens von sieben Natursteinen. Das ist absurd." OAM-Deme-Mineralien mit Hauptsitz in Hamburg ist eine der größten Sand- und Kiesförderfirmen Deutschlands. Sie beliefert viele regionale Grossbaustellen wie die der Elbphilharmonie.
 
Die Steine ermöglichen ein vielfältiges Leben
 
Ein Jahr nach der Versenkung der Steine habe die Auswertung eines unabhängigen Gutachterbüros ergeben, so Greenpeace, dass die Steine die Artenvielfalt vor zerstörerischen Fischereimethoden schützen. „Seenelken und Moostierchen siedeln sich an, Butterfisch und Zwergbutt wird Nahrung und Schutz geboten, Tintenfische legen hier ihren Laich ab. Im Außenriff können sich Schollen und Seezungen erholen und zukünftig außerhalb des Schutzgebietes wieder vermehrt gefangen werden. Die Taucher konnten sogar Schweinswale, die zur Paarung und Geburt in das Schutzgebiet kommen, beobachten.“


Stein auf dem Grund des Sylter Außenriffs mit Bewuchs und Krebs am 20.5.09
Foto: Peter Jonas / Greenpeace
 
Die Untersuchung der versenkten Steine habe auch gezeigt, dass dort im letzten Jahr keine Schleppnetz-Fischerei mehr stattgefunden hat. Das sei der Grund, warum zahlreiche Arten die mehr als 300 Tonnen Felsgestein besiedeln können. „Bei unseren Meeresschutz-Steinen bleibt die Natur sich selbst überlassen", sagt Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Schutzgebiete wirken wie eine Atempause für die übernutzten Meere. Hier können sich Fischbestände und Lebensräume erholen." Selbst die Bundesregierung habe am 26.6.2009 nach umfassender fachlicher Prüfung festgestellt, dass durch die versenkten Steine kein Umweltschaden verursacht wurde.
 
Keine wirksamen Maßnahmen für das Schutzgebiet
 
Das Sylter Außenriff ist eines der seltenen Steinriffe in der Nordsee. Obwohl das 5.300 Quadratkilometer große Gebiet vor Sylt und Amrum schon vor fünf Jahren als europäisches Meeresschutzgebiet ausgewiesen wurde, darf dort der Meeresboden abgetragen werden. Bis heute hat die Bundesregierung aber keine Maßnahmen ergriffen, um das als Natura 2000-Schutzgebiet gemeldete Sylter Außenriff zu sichern. Die Greenpeace-Schutzmassnahme wurde als illegal bezeichnet und verboten. Die schwedische Regierung erkennt hingegen den Nutzen von Natursteinen zum Schutz des Meeres an. Mit Billigung der schwedischen Regierung hat Greenpeace in schwedischen Küstengewässern im August dieses Jahres über 100 Steine versenkt, um sie vor der zerstörerischen Fischerei zu schützen. (PK)

Online-Flyer Nr. 227  vom 09.12.2009

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