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Aktueller Online-Flyer vom 24. August 2019  

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Inland
KCE an der Saar
Das ging ins Auge!
Von Gisela Segieth

Während die ganze Welt noch mit dem “Schweinevirus“ beschäftigt ist, an dem die Pharmakonzerne mächtig verdienen, hat sich längst ein anderer Virus im Saarland ausgebreitet. Der Adenovirus, der die gefürchtete KCE (Keratoconjunctivitis epidemica) verursacht, treibt hier sein Unwesen. Zunächst wurde er übersehen, da man wohl zu sehr auf die versprochene Pandemie durch die “Wutzefregg“ wartete, die sich allerdings nirgendwo in Deutschland einstellte. Dabei kann man ihn gar nicht übersehen, denn er betrifft eins der wichtigsten Organe, die der Mensch hat – die Augen.

So sieht ein geschädigtes Auge aus
Quelle: http://audiovision.de/assets
 
Reichlich spät meldete denn auch der SR - erstmals am 30.11. und dann wieder am 2.12.: „In einigen Betrieben im Saarland und auch in Kindergärten hat sich das Virus in letzter Zeit rasend ausgebreitet, denn KCE ist hoch ansteckend.“(1) Und weil die KCE hoch ansteckend ist, gehört sie auch zu den meldepflichtigen Krankheiten! Doch meistens wird die KCE nicht rechtzeitig erkannt, so dass die Viren im Labortest nicht mehr nachgewiesen werden können. Deshalb ist die Dunkelziffer der Zahl der Infizierten relativ hoch. Trotzdem hätte dieser Virus eigentlich nicht übersehen werden können. Doch was steckt eigentlich hinter den drei Buchstaben KCE?
 
Was verbirgt sich hinter der KCE?

Hinter dieser Erkrankung steckt eine infektiöse Bindehaut- und Hornhautentzündung des Auges, die durch Adenoviren verursacht wird. Doch sie betreffen längst nicht nur die Augen, denn es gibt zahlreiche Typen dieses Virus. Allein für die KCE sind drei davon verantwortlich. Andere wiederum können die Atemwege und/oder den Magen-Darm-Trakt schädigen. Und sogar Entzündungen des Gehirns (Meningoenzephalitiden), Leberentzündungen und Harnwegsinfektionen können durch Adenoviren entstehen.

Adenovirsus-Infektionen kommen weltweit beim Menschen vor, dennoch wird mangels erforderlicher Laboruntersuchungen eine Häufung der Zahl der Erkrankten seltener festgestellt. Denn in der Regel sichert der Arzt zwar den Befund am Patienten, veranlasst jedoch keine Laborkontrollen. Dabei ist der Adenovirus hoch ansteckend. Und die Viren sind sehr resistent, so dass sie bei Zimmertemperatur über Wochen für eine Ansteckung sorgen können.
 
Wie kommt es zur Infektion?

Die Übertragung des Virus erfolgt als Schmier- oder Tröpfcheninfektion des Augensekrets, zum einen direkt von Mensch zu Mensch, genauso aber auch durch die gemeinsame Benutzung von Gebrauchsgegenständen. Dabei reicht es aus, wenn sich der Virus auf einer Türklinke, an einem Wasserhahn, auf Gemeinschaftshandtüchern, an einer Einstiegshilfe bei öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Kaleidoskopen oder ähnlichen Spielzeugen etc. befindet, um eine Ansteckung zu verursachen. Manche Adenovirenarten werden sogar durch verunreinigtes Schwimmbadwasser übertragen.
 
Auch bei einer Untersuchung beim Augenarzt oder Optiker kann man sich mit dem Adenovirus infizieren. Das geschah vor vielen Jahren auch bei der AG der Dillinger Hüttenwerke, bei der sich an einem einzigen Tag 70 Arbeitnehmer mit dem Adenovirus infizierten, weil sie die “Woche der Gesundheit“ ihres Arbeitgebers besuchten. Denn jeder Arbeitnehmer, der damals seine Sehkraft messen ließ, kehrte mit dem Adenovirus nach Hause zurück und infizierte meist die ganze Familie damit. Die Folge war ein massenhafter Anstieg der Krankenscheine in dieser Zeit.


So sehen die Viren aus
Quelle: www.microbiologybytes.com
 
In der Regel beträgt die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung (Inkubationszeit) 5 bis 12 Tage, doch dies ist nur ein Richtwert. Denn die Inkubationszeit kann auch wesentlich länger sein. Ansteckend ist die KCE vom Beginn der Ansteckung bis der Augenarzt keinen Virus mehr im Auge findet, in der Regel zwei Wochen. Doch das bedeutet nicht, dass man nicht viel länger Überträger des Virus sein kann. Denn infiziert sich eine ganze Familie, so geschieht das in der Regel nicht zum gleichen Zeitpunkt sondern einer nach dem anderen. Und damit kann der Virus so lange übertragen werden, bis beim letzten Familienmitglied kein Virus mehr festgestellt werden kann!
 
Anzeichen für eine Infektion mit dem Adenovirus
 
Bemerkt man ein Kribbeln oder Brennen der Augen, ähnlich als hätte man einen Fremdkörper darin, und röten sich die Augen, dann sollte der Augenarzt aufgesucht werden. Denn in diesem Fall liegt der Verdacht nahe, dass man sich mit dem Adenovirus infiziert hat. Auch eine ringförmige Bindehautschwellung oder die Schwellung der Lymphknoten vor den Ohren lassen auf KCE schließen. Lichtscheue, ein immenser Juckreiz und Tränenfluss sind typisch für diese Virusinfektion. Da die Augenlider bei dieser Erkrankung anschwellen, hängen sie meist auch herunter, was als Ptosis bezeichnet wird.
 
In ca. 20 bis 90 Prozent aller Infektionen der Augen kann es zu einer Beteiligung der Hornhaut und einer oberflächlichen Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis) kommen. Diese Entzündung klingt in der Regel in der zweiten bis vierten Woche ab, doch eventuelle Hornhauttrübungen können noch wesentlich länger nachweisbar bleiben. Und wenngleich auch bei den meisten Menschen die KCE wieder völlig ausheilt, gibt es doch auch Fälle in denen sich durch diese Virusinfektion eine dauerhafte Verschlechterung des Sehvermögens einstellen kann.
 
Der einzige Vorteil einer Infektion ist die Tatsache, dass man im Anschluss daran gegen den Virus, an dem man erkrankte, immun ist. Doch auch dieser scheinbare Vorteil ist nur minimal, denn es gibt zahlreiche Arten von Adenoviren, so dass man jederzeit an einer weiteren Adenovirenart erkranken kann.
 
Weitere Infektionsformen
 
Eine weitere Infektionsform ist das so genannte Pharyngokonjunktivalfieber, das vor allem bei Kindergarten- und Schulkindern auftritt, und an dem selten Erwachsene erkranken. Hierbei kommt es zu einer Entzündung des Rachens und der Nasenschleimhaut, einer Schwellung der Halslymphknoten sowie zu Fieber und ebenfalls einer Augenentzündung. Allerdings verläuft die Augenentzündung in diesem Fall in der Regel milder als bei der KCE. In schweren Fällen kann sie aber auch zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen!

Doch auch zu einer so genannten follikulären Konjunktivitis kann es durch eine Infektion mit dem Adenovirus kommen. Sie tritt in der Regel bei Kindern und jungen Erwachsenen auf und hat meist einen relativ milden Verlauf. Auch bei ihr kann es zu einer Bindehautentzündung der Augen kommen, in Verbindung mit einer Schwellung der Lymphknoten vor den Ohren. Allerdings kann diese Erkrankung bei Kleinkindern und Kindern einen relativ schweren Verlauf nehmen.
 
Wer ist besonders gefährdet?
 
Besonders gefährdet durch den Adenovirus sind kleine Kinder und Menschen, deren Immunsystem nicht in Ordnung ist. Denn auch bei der Gabe immunsuppressiver Medikamente können Adenovirus-Infektionen erneut aufflammen. Das sind Medikamente, welche die Funktionen des Immunsystems vermindern. Eine immunsuppressive Therapie wird beispielsweise nach einer Organtransplantation angewendet. Ebenso werden diese Medikamente angewendet bei chronisch entzündlichen Autoimmunkrankheiten wie Rheuma oder Erkrankungen, deren Ursache eine Fehlfunktion des Immunsystems ist. Auch bei der Therapie von nicht autoimmunen Entzündungsreaktionen, etwa schwerem allergischem Asthma, kommen diese Medikamente zum Einsatz. Deshalb sollten diese Menschen besondere Vorsicht walten lassen, wenn sie wissen, dass der Adenovirus unterwegs ist. Denn gerade bei diesen Menschen kann es, wenn auch selten, zu lebensbedrohlichen, verstreuten Infektionen mit Beteiligung mehrerer Organe kommen!
 
Wie wird die Infektion festgestellt?
 
Festgestellt wird eine Infektion mit Adenoviren nur durch eine ärztliche Untersuchung. Dabei wird ein Abstrich von der Bindehaut vorgenommen, die nach verschiedenen Verfahren erfolgen kann. Dabei ist der Nukleinsäure-Nachweis mit Feststellung des Entzündungsmarkers PCR das Mittel der Wahl. Allerdings können auch ein Antigen-Nachweis sowie die Virusisolierung in Zellkultur vorgenommen werden, wobei eine Virusisolierung sehr zeitaufwändig ist und von daher eher vernachlässigt wird. Wichtig aber ist, dass beim Abstrich ein gewisser Druck ausgeübt werden muss, da nur beim Vorliegen einer ausreichenden Anzahl von Bindehautzellen ein sicherer Befund erhoben werden kann. Dass diese Untersuchung manchmal als unangenehm empfunden wird ist klar, doch in diesem Fall nicht vermeidbar.
 
Da bislang keine spezifische Therapie gegen Adenoviren besteht, können lediglich die Symptome der Krankheit behandelt werden. Auch einen Impfstoff gegen diesen Virus gibt es nicht, so dass auf eine intensive Hygiene geachtet werden sollte. Denn einen anderen Schutz gibt es nicht.
 
Sinnvolle Maßnahmen
 
Wenn Sie also das Gefühl haben, an einer Bindehautentzündung erkrankt zu sein, dann gehören Sie umgehend zum Augenarzt, um die Ursache abklären zu lassen! Und bestätigt dieser eine Infektion mit dem Adenovirus, dann achten Sie bitte darauf, dass möglichst kein anderer in Ihrem Umfeld mit den gleichen Gegenständen in Berührung kommt wie Sie. Teilen Sie sich mit niemandem Handtücher oder Hyieneartikel.
 
Lassen Sie Ihre Handtücher auch nicht mit denen anderer Menschen in Berührung kommen. Denn das allein kann schon ausreichen, um einen anderen zu infizieren. Darüber hinaus müssen Handtücher etc. auch bei mindestens 60°C gewaschen werden, da sonst der Virus weiterlebt. Benutzen Sie keine Stofftaschentücher und werfen Sie Papiertaschentücher nicht einfach in den Müll, sondern sichern Sie sie in verschlossenen Behältnissen zur Entsorgung, um den Virus nicht weiter zu verteilen. Ganz gleich was Sie auch benutzen, teilen Sie es nicht mit anderen Menschen. Denn die Ansteckungsgefahr ist ganz immens!


Hände waschen nicht vergessen!
Quelle: http://www.epochtimes.de
 
Desinfizieren Sie alles sorgsam, was Sie berührt haben. Berühren Sie nach Möglichkeit auch nicht Ihre Augengegend und waschen Sie nach jeder Berührung Ihrer Augen die Hände mit Wasser und Seife, um jede mögliche Übertragung der Viren zu vermeiden. Benutzen Sie auch keine Gegenstände von Menschen die infiziert sein könnten, sonst stecken Sie sich vermutlich an. Verzichten Sie, wenn Sie erkrankt sind, auf Gemeinschaftseinrichtungen wie Sauna oder Schwimmbad.
 
Fazit: Haben Sie den Verdacht, sich mit dem Adenovirus infiziert zu haben, dann rufen Sie bitte ihren behandelnden Arzt an, bevor Sie ihn aufsuchen, damit man Sie von anderen Menschen isoliert behandeln kann. Schützen Sie soweit wie möglich Ihre Kontaktpersonen, zu Hause wie auch außer Haus. Und sollten Sie jetzt noch Unsicherheiten haben, dann fragen Sie bitte Ihren Arzt, Apotheker oder Ihr Gesundheitsamt! (PK)
 
(1) http://www.sr-online.de/sr1/1645/
 
Weiterführende Informationen:
http://wapedia.mobi/de/Humane_Adenoviren
http://www.medizin.de/ratgeber/themen-a-z/k/keratokonjunktivitis-epidemica.html
http://www.landkreis-leer.de/media/custom/58_1142_1.PDF?1149242443

Online-Flyer Nr. 227  vom 09.12.2009

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