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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Filmclips
„Klar, ich zeig’ auf den Dreck“
Von Peter Kleinert



Lore LorentzZusammen mit ihrem Mann Kay gründete die 1920 geborene Lore Lorentz 1947 - ohne Theatererfahrungen - in Düsseldorf das erste deutsche Nachkriegskabarett “Das Kom(m)ödchen“. Zum Team des Programms „Positiv dagegen“, mit dem am 29. März 1947 Premiere gefeiert wurde, gehörten Werner Vielhaber, Bernd Nesselhut, Hans Walter Clasen, Eduard Marwitz, Iris Fanslau und Ruth Henrichs, und Lore Lorentz gehörte bald zu den bedeutendsten Figuren des politisch-literarischen Kabaretts. Ihre besondere Stärke war der Sprechgesang, mit dem sie Texte von Autoren wie Eckart Hachfeld und Martin Morlock vortrug.
 
Wenig beliebt bei Politikern machte sich Lore Lorentz 1963 mit ihrem Auftritt in „Zustände wie im alten Rom“, in dem sie sich mit der Adenauer-Regierung und deren Vorbereitung der Militarisierung Deutschlands auseinandersetzte. Nach einigen Auszeichnungen für ihre Arbeit wie dem „deutschen Kleinkunstpreis“ lehnte sie 1976 gemeinsam mit ihrem Mann die Annahme des Bundesverdienstkreuzes ab.
 
Nachdem das “Kom(m)ödchen“-Programm von seinen Besuchern zunehmend als „systemstabilisierend“ kritisiert worden war, verließ Lore Lorentz das Ensemble 1983 und trat nur noch in Soloprogrammen auf – mit Texten wie „Wer unbequem ist, der muß doch ein Lump sein... Seit 40 Jahren werd’ ich Nestbeschmutzer genannt. Klar, ich zeig’ auf den Dreck… Ich möchte gern wissen, wann die Schmerzgrenze bei uns erreicht ist.“ Erst als Kay Lorentz 1993 starb, gab sie diese Solokarriere auf, übernahm die Leitung des “Kom(m)ödchen“ und feierte mit dem Programm “Verfassungslos“ eine erfolgreiche Premiere. Seit ihrem Tod 1994 wird die Bühne von ihrem Sohn Kay Sebastian Lorentz weiter geführt.
 
Mit Filmmaterial aus dem Deutschen Kabarett-Archiv und mit der Unterstützung von dessen Gründer und Leiter Reinhard Hippen konnte das KAOS Film- und Video-Team Köln Lore Lorentz wie andere “historische Vorbilder“ ab Februar 1991 in seine 15teilige Fernsehserie "90 Jahre Satire gegen den Zeitgeist“ aufnehmen und dort einem aktuellen Abend mit der frechen Frankfurter "Frauenkabarettistin" Hilde Wackerhagen voranstellen. Wie die anderen aktuellen KabarettistInnen in dieser Sendereihe des von 1988 bis 1998 von der Landesrundfunkanstalt NRW zugelassenen und dann  mit Nichtverlängerung seiner Lizenz abgestraften unabhängigen Fernsehfensters KANAL 4 gehörte auch Hilde Wackerhagen damals zu den bis dahin von den öffentlich-rechtlichen Sendern Ausgeblendeten, weil sie zu sehr mit dem herrschenden Zeitgeist in Konflikt geriet. (PK)

Foto: Lore Lorentz | KAOS Kunst-und Video Archiv

 
Mehr zu „90 Jahre Satire gegen den Zeitgeist“ finden Sie im KAOS Kunst- und Videoarchiv unter http://www.kaos-archiv.de/

 

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 221  vom 23. Oktober 2017



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