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Aktueller Online-Flyer vom 29. Mai 2016  

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Kommentar
Mit der Querfront gegen die Antideutschen ist auch keine Lösung…
„Arbeiterfotografie“ naiv?
Von Hans Christoph Stoodt

Indem wir uns in einem Bericht über eine Frankfurter „Club Voltaire“-Veranstaltung kritisch sowohl mit zwei Kölner KollegInnen der Gruppe „Arbeiterfotografie“ (AF) wie mit den gegen sie protestierenden „Antideutschen“ auseinandergesetzt hatten, haben wir uns offenbar zwischen viele Stühle gesetzt. Die Arbeiterfotografen und andere Linke werfen uns in Leserbriefen und online-Artikeln einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit vor. Gleichzeitig wurde ein gerade in den AF-Vorstand gewählter NRhZ-Redakteur in einer Sondersitzung  "wegen mangelnden  Vertrauens" wieder aus dem Vorstand rausgeschmissen. Nun erreichte uns zum Thema ein Kommentar des bekannten Frankfurter Antifa-Aktivisten Dr. Hans Christoph Stoodt. – Die Redaktion

Hans Christopf Stoodt
Foto: Dietmar Treber
Am 9. Oktober veranstaltete der traditionsreiche Sammelpunkt der Frankfurter
Linken (fast) aller Strömungen, der 46 Jahre alte „Club Voltaire“ einen Abend, zu dem Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann von der Gruppe „Arbeiterfotografie“, die Hip-Hopper von „Die Bandbreite“ sowie Elias Davidson eingeladen worden waren. Bereits im Vorfeld gab es dazu heftige Debatten. Der Abend selbst verlief turbulent, konnte aber, wenn auch mit
Störungen, fast wie geplant stattfinden. Das feiern Anneliese Fikentscher, Andreas Neumann und Jürgen Elsässer als einen großen Sieg. Aus meiner Sicht als jeder Sympathie mit antideutschen Positionen unverdächtiger antifaschistischer Aktivist aus Frankfurter kann ich in dieses Triumphgeheul nicht einstimmen.
 
Die Wahl zwischen Pest und Cholera
 
Denn bei dieser Veranstaltung gab es letztlich die Wahl zwischen Pest und Cholera: auf der einen Seite Fikentscher/Neumann und die Hip-Hop-Band „Die Bandbreite“ mit, wie sich immer deutlicher herausstellt, im Kern für Linke absolut inakzeptablen Querfrontvorstellungen, auf der anderen Seite mit Kräften um die Frankfurter Gruppen antifa [f] und „Faites votre jeux“, die beide dem erweiterten Umfeld des antideutschen Milieus zuzurechnen sind.

Fikentscher/Neumann arbeiten seit langem aus ihrem Interesse einer Aufklärung um die wirklichen Vorgänge rund um 9/11 mit Gerhard Wisniewski zusammen. Wisniewski hat, ausgehend von seinen Erkenntnissen an diesem Punkt, auch ein Buch über den Tod Jörg Haiders verfaßt, das eine ziemliche Apologie dieses Politikers wurde. Sein Buch wird auf der Seite der AF von Andreas Neumann differenziert, aber unter dem Strich positiv rezensiert – unter dem Titel „Feindbild zerstört“ (!) 1). Es wird nahegelegt, Haider sei das Opfer einer imperialistisch-israelischen Geheimdienstoperation geworden. Seine Positionen z.B. in Fragen der Finanz- und Währungspolitik sei den Mächtigen ein Dorn im Auge gewesen.
Darum habe er sterben müssen. Edith Bartelmus-Scholich hat vor kurzem Fikentscher/Neumanns Position zutreffend als „naive, ja geradezu umarmende Würdigung des Faschisten Jörg Haiders“ 2) bezeichnet. Sie hat aus meiner Sicht leider völlig Recht.
 
Haider war kein Antiimperialist
 
Das alles ist schon mehr als grenzwertig. Das Buch Wisniewskis aber erscheint auch noch im Kopp-Verlag – weit rechtsaußen. Das wird in der Rezension auf der AF-Seite weder erwähnt noch problematisiert. Ich habe Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann darauf persönlich angesprochen. Ich bekam keine plausible Antwort darauf, warum das so ist.

Jörg Haider war – auch in einem objektiven Sinn – kein Antiimperialist. Es ist beschämend, das in einem linken Kontext überhaupt feststellen zu müssen. Noch allgemeiner, und das ist vermutlich der eigentliche politische Konflikt in dieser ganzen Angelegenheit: rechte, nationalistische Positionen wie die Haiders, Positionen unter dem notorischen Einschluß von Rassismus, Militarismus, NS-Verherrlichung, Antisemitismus können keine antiimperialistischen sein. Es gibt keine politische Frage, in der es eine Art antiimperialistischer Aktionseinheit mit Figuren wie Haider geben kann. Es sei denn, man hält vielleicht die Positionen zum Beispiel der „Volksinitiative“ Jörg Elsässers für richtig – die rief denn auch folgerichtig zur Verteidigung  der Frankfurter Veranstaltung auf. Das aber ist nur die zunächst sichtbare Oberfläche der Querfrontaktivitäten, die, wie ich vermute, im Hintergrund der Frankfurter Veranstaltung standen.
 
Die „Volksinitiative“?
 
Zunächst: worum geht es Jürgen Elsässers „Volksinitiative“? – „Hauptaufgabe der Linken ist der Aufbau einer Volksfront, die das national bzw. ‘alt-europäisch’orientierte Industriekapital einschließt“ … Weiter in den ausgetretenen Pfaden des„Klassenkampfs“ zu wandeln, sei dagegen „sektiererischer Unsinn“ - so charakterisiert es, zustimmend und anerkennend die neu-rechte „Junge Freiheit“ im Januar 2009 3). Das „national bzw. alteuropäische orientierte Industriekapital“ – aha. Hier zählt jedes Wort, um den Sinn dieser sogenannten „Volksfront“ wirklich zu verstehen, deren Gegner also das internationale, außereuropäische (sprich: US-) Finanzkapital ist, auf das hier offenbar der Imperialismus reduziert werden soll. Vom deutschen Imperialismus ist hier nicht die Rede 4). Oder wenn, dann soll offenbar mit ihm eine Art zeitweiliger nationaler Burgfrieden geschlossen werden. Karl Liebknecht dreht sich im Grab herum – hoffentlich taucht der scheinbar auf den Spuren der SPD von anno 1914 wandelnde Elsässer nicht beim nächsten LLL-Treffen auf. Aus dieser Sicht also: mit allen, jeder/jedem, der gegen „das (US-) Finanzkapital“ ist, gegen den so verstandenen Imperialismus. Also auch mit dem Schlächter der irakischen KommunistInnen und vormaligen US-Verbündeten Saddam Hussein, mit dem Todfeind der iranischen Linken und unzweifelhaften Antisemiten Ahmadinedschad?
 
Saddam, Ahmadinedschad und Haider
 
Ja, es war richtig und verdienstvoll, daß Fikentscher/Neumann in einer zähen Auseinandersetzung nachweisen konnten, daß es ein absichtsvoll gefälschtes Zitat Ahmadinedschads gab, mit dem diesem zu Unrecht „nachgewiesen“ werden sollte, es sei Ziel der iranischen Politik, Israel „von der Landkarte zu tilgen“. Aber war das etwa der einzige Beleg für dessen Antisemitismus? Nein, aus der oben erfolgten Charakterisierung Saddams und Ahmadinedschads folgt keineswegs eine Billigung der imperialistischen oder auch israelischen Kriegspläne gegen Irak oder, aktuell, Iran – Kriege, die zuerst die dortigen Bevölkerungen treffen. Aber eine Antikriegsposition in dieser Frage bedeutet doch für eine/n Linke/n keine Billigung der Verbrechen der dortigen Regimes. Seit wann bedeutete das denn Internationalismus? Die Grenzen verlaufen zwischen Oben und Unten und nicht zwischen den Völkern und Staaten – und sowohl Saddam als auch Ahmadinedschad waren/sind zweifellos „oben“ in ihren Staaten. Sie waren und sind Feinde - und so verhielten, so verhalten sie sich auch der Linken ihrer Länder gegenüber.
 
Mag man, wie es bekanntlich ja ist, unter Umständen über diese Frage in linken Debatten auch völlig anderer Ansicht sein, als es hier – notwendig kurz – skizziert wurde: endgültig irrsinnig wird es aber, wenn diese Position nun auch noch auf Jörg Haider ausgedehnt werden soll. Wer aber Veranstaltungen organisiert, die publizistisch im Vorfeld und im Nachgang
von Elsässers „Volksinitiative“ unterstützt werden und zugleich kein wichtigeres Thema für eine Rezension hat, als ein Buch, in dem der Tod Haiders wie beschrieben interpretiert wird, und dabei auch noch die Information unterschlägt, daß dieses Buch in einem knallrechten Verlag erschienen ist, der wird es künftig ohne Frage sehr schwer haben, sich gegen den Vorwurf zu wehren, Haider als Teil einer Art antiimperialistischer Volksfront für diskussionswürdig zu halten. Mit einer solchen Position aber wird der Antiimperialismus insgesamt diskreditiert.
 
Vergewaltigung verherrlicht
 
Die Gruppe „Die Bandbreite“, auf deren Beteiligung an der Veranstaltung im Club Voltaire Fikentscher und Neumann während langer Diskussionen im Vorfeld der Veranstaltung dezidiert bestanden, hat mit Texten der Lieder „Eingelocht“, „Miesmuschel“ und anderen außerordentlich
frauenverachtende und sexistische Positionen bezogen. „Eingelocht“ verherrlicht die Vergewaltigung einer Frau durch zwei Männer 5). „Miesmuschel“ schildert einen One-Night-Stand, der nach der angeblichen Verführung des Mannes durch eine Frau zustande kommt. Im Verlauf des Beischlafs beschimpft der Mann die Verführerin der völligen sexuellen
Unfähigkeit, kotzt vor Ekel und das Ganze endet mit der Zeile „ich plädiere für Vergewaltigung“. Von diesen Texten gab und gibt es seitens der Gruppe bis heute keinerlei klare Distanzierung oder Selbstkritik.
 
Ich kann keine Sekunde lang erkennen, wie Leute, die sich für Linke halten, so etwas wieder und wieder öffentlich singen können, oder was eine solche Band in einem linken Zentrum oder Zusammenhang zu suchen hat. Ebenso ist der in dem populären Song der Gruppe „Kein Sex mit Nazis“ geäußerte Hinweis auf den angeblich schwulen Adolf Hitler, der es im Hotel mit Röhm getrieben habe, potentiell das Einfallstor für ziemlich problematische „Bündnispartner“, um es mal vorsichtig zu sagen. Ferner verkehrt „Die Bandbreite“ im Umfeld des Blogs „Alles Schall und Rauch“, in dem ebenfalls querfrontkompatible Positionen bezogen werden.
 
Ihre Position zu 9/11, zu hören in dem Song „Das habt ihr selbst gemacht“ tut so, als wisse die Band genau, wer für das Verbrechen vom 11.September 2001 verantwortlich ist. Bei aller Anerkennung der Tatsache, daß es so, wie es die offiziellen Stellen der USA zu diesem Vorgang behaupten, nicht gewesen sein kann, was spätestens seit Michael Moore’s „Fahrenheit 9/11“ zu Recht Allgemeingut sein dürfte: wer dazu Texte wie „Das habt ihr selbst gemacht“ verfaßt, hat offenbar keinerlei Probleme mit Applaus von ganz rechts 6). Und als sie nach einem Interview in der neu-rechten „Jungen Freiheit“ (!) heftig kritisiert wurde, distanzierte sich die Gruppe meines Wissens nicht etwa wenigstens nachträglich und selbstkritisch von diesem Frontblatt der deutschen Neuen Rechten, sondern zog es vor, sich als verfolgtes Opfer der political correctness zu inszenieren.
 
All das und einiges mehr war übrigens auch der Hintergrund, daß die Gruppe linker GewerkschafterInnen und Attacies, die am 28.3. in Frankfurt die Demonstration „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ organisiert haben, die ursprünglich eingeladene Gruppe „Die Bandbreite“ schleunigst wieder ausgeladen haben, nachdem sie sich auf Hinweis von AntifaschistInnen deren Texte genauer angeschaut haben.
 
Leichtes Spiel für „Antideutsche“
 
Dies alles kann dem 1. Vorsitzenden des Club Voltaire, Andreas Waibel, nicht unbekannt gewesen sein, als er Ende März (!) der Vereinbarung über die Veranstaltung mit Fikentscher/Neumann und „Die Bandbreite“ zustimmte. Monatelang schwieg er zu alledem. Im September wurde dann plötzlich deutlich, daß Waibel, von dem sich dabei seine große Nähe zu den beiden oben genannten Gruppierungen aus dem antideutschen Umfeld herausstellte, nunmehr öffentlich und in einer breit gestreuten Rundmail zur Verhinderung oder Sprengung der von ihm selbst mitbeschlossenen Veranstaltung am 9. Oktober aufrief.

Es fällt sehr schwer, hier nicht an eine Intrige zu denken, die von langer Hand vorbereitet war und zur „Entlarvung“ des Rests der die inhaltliche Arbeit des Clubs tragenden Gruppen zu denken, die im Unterschied zu Waibel erfreulicherweise allesamt antideutschen Positionen völlig fern stehen.
 
Die beiden oben genannten antideutschen Gruppen hatten nun leichtes Spiel. Es fiel ihnen nicht schwer, sachlich völlig zu Recht auf den sexistischen und querfrontkompatiblen Inhalt der von ihnen selbstverständlich als „antisemitisch“ etikettierten Veranstaltung hinzuweisen und zu ihrer Verhinderung aufzurufen. Sofort verhärteten sich die Fronten und nach einer
ganzen Anzahl höchst problematischer und schmerzhafter Erfahrungen mit antideutscher „Bündnispolitik“ in Frankfurt beschloß der gesamte Vorstand des Club Voltaire – mit Ausnahme seines inzwischen unter heftigem Druck zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Waibel – nach längeren Debatten die Veranstaltung „nun erst Recht“ wie geplant laufen zu lassen – leider ohne auf die auch von anderer Seite vorgebrachten Rückfragen an „Die Bandbreite“
und Fikentscher/Neumann einzugehen oder etwa das Veranstaltungskonzept zu revidieren.
 
Zugleich trat alsbald Elsässers „Volksinitiative“ auf den Plan, rief zur Verteidigung der Veranstaltung gegen den (O-Ton) „linksfaschistischen Mob“ bzw. die „antideutsche SA“ 7) und Fikentscher/Neumann sprachen von einer gegen sie entfesselten antideutschen Hexenjagd.

Hierzu ist zu sagen, daß es keinerlei verantwortungsvolle und wie auch immer faschismustheoretisch begründete Position geben kann, die die Angehörigen von antifa [f] und „Faites votre Jeux“ als Faschisten oder gar SA betiteln kann. Es ist vielmehr so, daß ungeheuerliche Begrifflichkeiten wie „Linksfaschismus“ oder auch „Rote SA“ bislang widerwärtigen Erzeugnissen wie dem Blog „Politically Incorrect“ besonders eigentümlich sind. Ist Elsässer, völlig verrückt geworden, daß nun auch er als (Ex-)Linker solche Begriffe auch noch salonfähig macht?
 
Gewerkschaftsfeindlich und antikommunistisch
 
Auch nach meiner Auffassung handelt es sich bei den beiden genannten, mehr oder weniger antideutschen Gruppierungen objektiv nicht um Linke, wie auch immer deren einzelne Mitglieder das subjektiv sehen mögen. Das Politikkonzept beider Gruppen ist, wie antideutsche Positionen nach meiner Auffassung generell, elitär, unerträglich verbalradikal, abstrakt gewerkschaftsfeindlich und explizit antikommunistisch. Man könnte es Erscheinungsform des extremen Liberalismus bezeichnen. Aber es ist selbstverständlich nicht faschistisch. Wer so mit dem Begriff des Faschismus hantiert, wie es z.B. Elsässer tut, weiß, was er damit erreichen
will. Oder er weiß es nicht, was fast noch schlimmer wäre.
 
Es kam am Veranstaltungsabend zu mehr oder weniger gewaltsamen Szenen. Die antideutschen AktivistInnen versuchten erstaunlicherweise erfolglos eine Verhinderung der Veranstaltung, griffen in ihrem Frust über die eigene praktische Unfähigkeit die an diesem Abend tätige ehrenamtliche Kassiererin des Clubs körperlich an und raubten die Abendkasse. Ansonsten erwiesen sie sich als argumentativ unfähig, der im Verlauf des Abends unverständlicherweise sogar noch ad hoc an sie erfolgten Einladung, ihre Positionen im Rahmen der Veranstaltung vorzubringen, Folge zu leisten. Stattdessen trompeteten sie per Megaphon den Text ihres allen bereits bekannten Flugblatts in den (relativ kleinen) Raum und gingen dann wieder. Inhaltliche Überlegenheit sieht anders aus.
 
Querfronthintergründe
 
Die tatsächlichen Querfronthintergründe der von ihnen bekämpften Veranstaltung haben die Antideutschen selbst nicht begriffen. Sonst wäre es ihnen ein gefundenes Fressen gewesen, das sie sicherlich zu thematisieren versucht hätten. Womit sie inhaltlich sogar Recht gehabt hätten. Denn was nun wirklich dem Faß den Boden ausschlägt, ist für mich die kurz darauf erfolgte Veröffentlichung eines Berichts über die Ereignisse aus der Sicht von Fikentscher/Neumann - ausgerechnet in der Internetzeitung „Berliner Umschau“, einem Erzeugnis, dessen Querfrontaktivitäten seit Jahren bekannt sind 8). Dies geschah zwei Tage vor der Veröffentlichung des Interviews in der jW 9). Wenn Fikentscher und Neumann noch einen letzten Mosaikstein hinzufügen wollten, um den Verdacht der aktiven und bewußten Querfrontpolitik auf sich zu lenken, dann haben sie das mit diesem Vorgehen für mich jedenfalls geschafft: in der Berliner Umschau schreibt vor allem Martin Müller-Mertens, der gemäß seit langem bekannter detaillierter Recherchen seit Jahren als aktiver Querfrontler unterwegs ist 10). Aus demselben dubiosen Projekt stammt Charly Kneffel, der am 9. Oktober in Frankfurt als Fotograf tätig war. Seine seit Tagen im Internet kursierenden Fotos vom Abend zeigen - sicher zur Freude von Polizei und Nazis - Gesichter von AktivistInnen beider Seiten völlig unverfremdet.
 
Aufgrund dieser Veröffentlichung, die von Fikentscher/Neumann sofort breit gestreut wurde, veröffentlichte die „junge Welt“ ihrerseits ein ganzseitiges Interview mit den beiden. Dies wurde tags darauf von Elsässer dankend aufgenommen und gleichsam grinsend in seinem Blog gelobt 11) – wer die Auseinandersetzungen zwischen dem Ex-jW-Autor und der Redaktion dieser im Übrigen der „Volksinitiative“ deutlich kritisch gegenüberstehenden verdienstvollen Zeitung kennt, kann sich denken, warum. So spielt man erfolgreich über die Bande und verhilft den Positionen der „Volksinitiative“ zu einem leichten Erfolg.
 
Zur Kritik der antideutschen Ideologie und Praxis haben seit Jahren z.B. Robert Kurz 12), Moshe Zuckermann 13) oder auch Arnold Schölzel 14) alles Wesentliche gesagt. Zuletzt hat sich Peter Gingold in seiner posthum erschienenen Autobiographie klar und deutlich von ihnen distanziert 15). Jedes weitere Wort über diese schillernde Sumpfblüte des deutsch-imperialistischen Zeitgeistes wäre zuviel.
 
Man sollte es ihnen darum ganz bestimmt nicht so leicht machen, wie es leider am 9. Oktober im Frankfurter Club Voltaire geschehen ist – nämlich sich selbst im Kontrast zu einer sich immer deutlicher abzeichnenden Querfrontstrategie in Szene setzen zu können, für die Nationalismus bis hin zu Jörg Haider Teil eines in meinen Augen völlig falschen Konzepts von „Antiimperialismus“ ist. (PK)
 
Fußnoten:
 
1) http://www.arbeiterfotografie.com/politische-morde/index-2008-10-11-joerg-haider.html
2) http://www.scharflinks.de/46.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=7110&tx_ttnews%5BbackPid%5D=56&cHash=270c32e192
3) http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display.154+M5fa1e0455c0.0.html
4) Die regelmäßige Lektüre der Texte von „German Foreign Policy“ bewahrt unter Umständen vor solchen Positionen (http://www.german-foreign-policy.com/)
5) Der Text des Songs „Eingelocht“ wurde, wie zu hören war, von der Gruppe aus dem Internet entfernt.
Das Lied kann aber dort – als Vorhörversion auch kostenlos – gehört werden (http://www.musicload.de/die-bandbreite/eingelocht/musik/single/2956700_4). Der Text von „Miesmuschel“ findet sich hier: http://lyrics.wikia.com/Die_Bandbreite:Miesmuschel. Von ähnlicher Qualität ist „Man kennt uns“ (http://lyrics.wikia.com/Die_Bandbreite:Man_Kennt_Uns). Fikentscher/Neumann wurden vor der Veranstaltung von mir und anderen mehrfach auf diese Texte angesprochen. Sie behaupteten, sie nicht zu kennen. Das ist, angesichts der massiven Kritik und zahlreicher Hinweise auf deren Sexismus und Homophobie für mich sehr schwer vorstellbar. Ich stehe zu der Position, daß Texte dieser Art in keinem linken Zentrum etwas zu suchen haben.

6) http://www.secret.tv/artikel2625741/Die_Bandbreite_911__Selbst_Gemacht
7) http://juergenelsaesser.wordpress.com/2009/10/15/jw-gegen-linke-sa/
8) http://www.berlinerumschau.com/index.php?set_language=de&cccpage=13102009InterviewArbeiterfotographie1
9) http://www.jungewelt.de/2009/10-15/003.php
10) http://de.indymedia.org/2003/08/58827.shtml; http://de.indymedia.org/2003/08/58876.shtml; sowie, bei allem Vorbehalt gegenüber dem Veröffentlichungsort: http://rotefahne.mlpd.de/rf0623/rfart4.htm)
11) vgl. die Einleitung zum oben zitierten Text Elsässers
12) Robert Kurz, Die Antideutsche Ideologie, Freiburg 2003; vgl. dazu die ausgezeichnete Rezension von Dietmar Wolf unter http://www.telegraph.ostbuero.de/110/wolf2.htm.
13) Antisemitismus, Antizionismus, Israelkritik. Tel Aviv, 2005
14) Gaga im Mainstream – die Antideutschen, in: jW 18.3.2005 (http://www.jungewelt.de/2005/03-18/004.php?sstr=Gaga%7Cim%7CMainstream)
15) Peter Gingold, Boulevard St. Martin no. 11, Köln 2009, S. 178 – 180.
 
Den im Anreißer erwähnten Artikel von Christel Mertens finden Sie unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14369
 
Autor Hans Christoph Stoodt kann über HCStoodt@web.de erreicht werden.  

Online-Flyer Nr. 220  vom 21.10.2009

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