NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

zurück  

Filmclips
„Im Liebesrausch“
Von Peter Kleinert



Ferdinand KratzlDer Wiener Kabarettist Karl Ferdinand Kratzl trat 1992 zum ersten Mal in Köln auf. Er war für eine TV-Aufzeichnung ins Belgische Viertel, in das kleine Theater in der Genter Straße, angereist – nicht für einen der öffentlich-rechtlichen oder privaten Sender, sondern für das unabhängige Fernsehfenster KANAL 4. Das stellte ihn in seiner 15teiligen Sendereihe „90 Jahre Satire gegen den Zeitgeist“ vor, neben anderen, den “großen Sendern“ zu unbequemen KabarettistInnen. Demnächst wird Kratzl mit seinem Programm "Im Liebesrausch" wieder in Köln auftreten können – im “Weißen Holunder“ und in der “Filmpalette“, weil der Wiener Verlag Hoanzl ihn und andere KollegInnen nun in der DVD-Serie „The best of Kabarett“ herausgibt.

Eingeladen hatte den Kabarettisten, Autoren und Schauspieler – nach im TV damals ebenso unbeliebten KabarettistInnen wie Dietrich Kittner, Martin Buchholz, Helmut Ruge, Barbara Thalheim, Wenzel & Mensching, Wolfgang Krause-Zwieback, Rosa K. Wirtz, Franziska Bodmer, Heide Bartholomäus und Gina Pietsch, Hilde Wackerhagen und der Kölner Gruppe “Heiter bis Wolkig“ – das KAOS Film- und Video-Team Köln. Dem hatten es auch die Leute von der Kölner “Stunksitzung“ zu verdanken, dass sie im Karneval 1990 – nach jahrelangem TV-Boykott – vom WDR angerufen und gefragt wurden, ob sie nicht nächstes Jahr dort auftreten wollten. Klar wollten sie das und freuten sich gemeinsam mit dem KAOS-Team, dass sie es durch dessen KANAL 4-Sendung mit den Stunkern auf diese Weise endlich doch ins Öffentlich-Rechtliche geschafft hatten.
 
„Nur die tiefe Wahrheit“ 
 
„Keine Satire! Kein Spott! Kein Hohn! Nur die tiefe Wahrheit“ schrieb nun am 11. Oktober die Wiener Zeitung “Kurier“ begeistert über den „Meister der verbalen Floretts“, weil er mit "Im Liebesrausch" dem „Theaterabend für und von Karl F. Kratzl mit heilsamen und liebevollen Worten. Und irrlichternden Pointen“ nun endlich auch für alle Österreicher, Schweizer und deutschen KabarettfreundInnen zu sehen sein wird.

Im Liebesrausch
Kratzl „im Liebesrausch“ | Foto: KAOS-Team/Kurier
 
„Eigentlich bin ich ein Grantscherben. Ich leide unter Ängsten und großem Misstrauen gegenüber der Welt", zitiert der Kurier Kratzl, dabei wirke er „doch so gemütlich“. Dessen Antwort: „Das bin ich auch. Jeder Mensch ist viel. Ich versuche aber durchlässig zu sein und meine Ängste zu bewältigen, damit sie mich nicht erdrücken."
 
Mit seinem dritten Solo ist Kratzl im literarischen Liebesrausch gelandet: bei Liebe und Hieben. „Gott wirft uns Neugeborene nackt in die Welt - aber keine Strickweste hinterher", sagt er. Oder reimt kalauernd: „Keiner kennt die Menschen besser als ein dicker Menschenfresser." „Wie immer bei Kratzl“, so der Kurier, „geht es um die Rettung der Welt, um die Liebenden, um die Kriegführenden. Alles ist mit Liebe heilbar. Deshalb spricht der Herr Primarius - Medizinalrat Dr. Dr. Herbert - zu uns. Heilsame Worte. Liebevolle Worte. Zuerst röntgt sich der Liebesarzt selbst, stellt Diagnosen. Dann - im zweiten Teil - wühlt er hemmungslos in Ganglien und Gedärmen, und schwingt das Skalpell.“
 
„Frauen sind Blumen“
 
Seine Pointen irrlichtern durch den Saal. Kratzl lächelt dazu. „Frauen sind Blumen“, sagt er. „Aber sie beißen“ - er zertritt sie alle. Aus der männlichen Rippe gebiert er eine Kerze. Auch die erlischt. "Warum heißt die Unterhose Unterhose? - Weil man sie unter der Oberhose trägt. Wer die Unterhose über der Oberhose trägt, wer also sein Innerstes nach außen kehrt, ist ein Außenseiter."
 
Karl Ferdinand Kratzl, 1953 in Wien geboren, begann seine Laufbahn beim Theater. 1971 bis 1974 war er Mitglied der “Youth Drama Group“, dann bis 1976 beim “Ensemble K“, von 1978 bis 1982 beim “Serapionstheater“. 1991 arbeitete er eine Saison beim Schauspielhaus Wien. Danach folgten erste Filme in den 90er Jahren (z.B. „Schlafes Bruder“) und Preise  wie der “Salzburger Stier“ und der “Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises“ 1992. Im Fernsehen wurde er bekannt ab 1998 als Herr Claus in der erfolgreichen ORF-Serie “MA 2412“ und im gleichnamigen Kinofilm. Im Jahr 2000 veröffentlichte er das Buch “Au! Schau: Himmel, Jö!“, eine Sammlung absurder Kurzgeschichten. 2001 wurde das Theaterstück “Justus Neumann erschlägt sich mit dem Bügeleisen“ uraufgeführt, das er zusammen mit Justus Neumann geschrieben hat. 2002 erfolgte die Uraufführung seines Theaterstücks “Parzifal“.
 
Ab November 2008 stand Kratzl im Linzer Theater Phönix in der erfolgreichen Farce “Der Zwerg ruft“ auf der Bühne. Seit dem 12 Januar 2009 denkt er in der Phönix-Eigenproduktion „In Love with Adolf“ über eine Ehe mit Adolf Hitler nach, wobei die Sterne zu Rate gezogen werden, ein Liebeshoroskop erstellt wird und Einblick in ein fiktives Zusammenleben gegeben wird.

„Nicht umsonst wird Kratzl von seinen Fans als Hohepriester des unvorhersehbaren Assoziierens, der absurd anmutenden Abschweifung und der kuriosen Groteske verehrt. Und das Ganze mit so viel Herz und Humor, dass sich beim Betrachter Staunen und Lachen unweigerlich zu einem glückseligen Geisteszustand konglomerieren“, fasst der österreichische Autor Peter Blau seinen Eindruck zusammen. – Ob das stimmt, können sie im Filmclip sehen oder demnächst den ganzen Film im “Weißen Holunder“ in der Gladbacher Straße oder in der Filmpalette in Köln. (PK)

Foto oben:
Karl Ferdinand Kratzl auf der Bühne | Quelle: www.kabarett.at

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 220  vom 18. Dezember 2017



Startseite           nach oben

KOSTARIKATUREN


Von Kostas Koufogiorgos
FOTOGALERIE