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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Sport
Überraschungsteam siegt in München und thront an Tabellenspitze
Kaum zu bremsen
Von Bernd J.R. Henke

Der SC 07 Bad Neuenahr hat die erste Pflichtspielniederlage im Pokal gegen Frankfurt überraschend gut verkraftet. Das 1:0 (1:0) im Spitzenspiel bei Bayern München war bereits der fünfte Sieg im fünften Saisonspiel der Frauen-Bundesliga. Mit dem Erfolg kletterte das Überraschungsteam der Liga an die Spitze der Tabelle und verwies den FCR Duisburg, der sich bereits am Samstag in einem weiteren Topspiel des fünften Spieltags 2:2 (1:2) von Turbine Potsdam trennte, auf Rang zwei. Der 1.FFC Frankfurt kehrt mit dem Sieg beim HSV in die Favoritenrolle zurück und rückt auf den dritten Tabellenplatz vor dem Pokalsieger aus Potsdam.

Nicole Banecki (FCB) wird gebremst durch von Celia Okoyino da Mbabi (SC 07 Bad Neuenahr)
Foto: FC07
 
Ein Tor von Marie Pyko (8.) reichte Bad Neuenahr, das weiter ohne Gegentreffer bleibt, zum Sieg in der bayerischen Landeshauptstadt. „Wir hatten zwar nicht die meisten Spielanteile, kein Wunder, sind wir doch mit einem Altersschnitt von 19,1 Jahren aufgelaufen. Aber wir hatten die besseren Torchancen und darum ist der Sieg heute unterm Strich verdient," freute sich Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers nach dem Schlusspfiff über die „schöne Momentaufnahme" der Tabellenführung. „Neuenahr stand in der Defensive sehr gut", lobte Bayern-Trainer Günther Wörle den neuen Spitzenreiter.
 
Was ist passiert?

Warum gelang dem SC Bad Neuenahr dieser perfekte Saisonstart? Und wieso konnte die Mannschaft das bittere Pokal-Aus gegen den 1. FFC Frankfurt vergangenen Donnerstag so gut wegstecken? Die Abwehr hat sich deutlich weiterentwickelt. Null Gegentore in fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Vergangene Spielzeit musste Bad Neuenahr insgesamt 74 Treffer hinnehmen. Die Abwehr war instabil und unerfahren, Nationaltorfrau Ursula Holl wurde immer wieder alleine gelassen. Zur neuen Saison legte Trainer Thomas Obliers in der Vorbereitung deshalb einen Schwerpunkt auf Defensivarbeit. Mit Erfolg. Spielerinnen wie etwa Innenverteidigerin Laura Störzel zeigen sich deutlich verbessert. Zwei Nationalspielerinnen gingen: Und trotzdem konnte der Qualitätsverlust nach den Wechseln von Torfrau Ursula Holl (zum FCR 2001 Duisburg) und Isabell Bachor (zum FC Bayern München) aufgefangen werden.

Die "jungen Wilden"                                                                                                        
Dafür verpflichtete der SC 07 Bad Neuenahr viele Talente aus den DFB-Nachwuchs-Mannschaften. Wie etwa U 19-Nationalspielerin Julia Debitzki und die U 17-Europameisterinnen Claudia Götte und Ramona Petzelberger. Zudem holte man die südkoreanischen Nationalspielerinnen Yunhee Cha und Hee-Young Park. Neben Qualität bringen die "jungen Wilden" auch jede Menge Engagement mit. Spaß am Spiel und jugendliche Unbekümmertheit sind wichtige Schlüssel zum Erfolg. Trainer Thomas Obliers brachte es fertig, ganze elf Neuzugänge innerhalb kürzester Zeit zu integrieren. Gleich vier Spielerinnen holte der charismatische junge Trainer von seinem ehemaligen Verein SG Wattenscheid 09. Zudem legte er den Schwerpunkt neben der Arbeit an der Defensive auf Kraft und Kondition.
 
Bodenhaftung
                                                                                                                   
Celia Okoyino da Mbabi und Lena Goeßling geben der jungen Mannschaft Sicherheit und Halt. Die beiden Nationalspielerinnen gehen voran, füllen ihre Rolle als Führungsspielerin optimal aus. Vor allem Celia, die vergangene Saison monatelang verletzungsbedingt ausfiel, tut der Mannschaft gut. Die Europameisterin hat schon sechs Tore erzielt. „Nur eine Momentaufnahme“ - dies ist der derzeitige Höhenflug des Überraschungsteams laut Trainer Thomas Obliers. Er hatte vor der Spielzeit übrigens das Saisonziel „gesicherter Mittelfeldplatz“ ausgegeben. Daran hält der Klub auch jetzt noch fest. Bodenhaftung bewahren und sich am Ist-Zustand freuen - das ist die Devise beim SC Bad Neuenahr.
 
Doppeltorschützin Prinz                                                                                              
Zwei Spiele, 8:0 Tore. Die Bilanz von Sven Kahlert lässt sich sehen. Der neue Coach vertraute auf die gleiche Formation wie im Pokalspiel gegen Bad Neuenahr (s.hierzu den Bericht in dieser Ausgabe) und stellte sieben nominelle Offensivspielerinnen auf. „Unsere Stärke liegt in der Offensive. Deshalb ist es nahe liegend, zum Erfolgsrezept zurückzukehren, mit dem der 1. FFC führendes Team in Europa geworden ist“, erklärte der Trainer, der nicht nur mit dem Resultat zufrieden war, sondern auch mit der Art und Weise, wie dieses 4:0 beim Hamburger SV zustande kam. In Hamburg verfolgten lediglich 870 Zuschauer die Partie. Die Gäste dominierten das Spiel 90 Minuten lang. Der HSV hatte vier gute Konterchancen, die FFC-Torfrau Nadine Angerer allesamt bravourös meisterte. Ansonsten ging es nur in eine Richtung. „Wir haben auf dem kleinen und unebenen Platz eine starke Leistung gezeigt, teilweise sehr konsequent die Chancen genutzt und selbst in dieser Höhe verdient gewonnen“, so Trainer Sven Kahlert.
 
Pressing ohne Pause                                                                                                                     
Die Treffer waren das Resultat des enormen Drucks, den der 1. FFC Frankfurt permanent ausübte. Das 1:0 markierte Birgit Prinz. Dzsenifer Marozsan trat einen Eckball und die Torjägerin hämmerte den Abpraller rein. Etwa 20 Minuten später, setzte sich Sandra Smisek rechts durch, passte von der Toraus-Linie zurück und die am langen Eck lauernde Birgit Prinz beförderte den Ball per Vollspann ins Netz. Dann durfte auch Laura del Rio ihr schon obligatorisches Tor machen. Diesmal war es Svenja Huth, die sich auf dem rechten Flügel behauptete. Ihre Flanke landete bei der spanischen Nationalstürmerin, die bisher in keinem Spiel ohne Treffer blieb, und diese köpfte den Ball aus vollem Lauf ins Tor. Den Schlusspunkt setzte Petra Wimbersky in der 90. Minute. Dzsenifer Marozsan trat erneut eine Ecke und die am zweiten Pfosten lauernde Wimbersky staubte ab. 
 

Sara Thunebro, die schwedische 
Weltklasseverteidigerin, beidfüßig spielend 
irritiert jede Gegnerin
Bildagentur A2 Hartenfelser, Neu-Isenburg
                                                                                                             
Ein noch höherer Sieg wäre möglich gewesen: Sara Thunebro mit einem Freistoß und Petra Wimbersky mit einem Heber trafen lediglich die Latte. Sara Thunebro zeigte schon im Pokalspiel gegen SC 07 Bad Neuenahr ihre Weltklasse. Sie schießt und spielt beidfüßig. Ihre Flanken und Freistöße werden bald in den Analysen der Trainer und Trainerinnen zu finden sein. Ex-Trainer Günther Wegmann erkannte das frühzeitig. Jetzt begreift es auch die gesamte Mannschaft. Fußballexperte Johann Blaha bemerkte: „Der 1. FFC Frankfurt konnte den Schwung aus dem gewonnenen DFB-Pokalspiel gegen den SC Bad Neuenahr nutzen. Ich warne aber vor allzu großer Euphorie. Am kommenden Sonntag gegen Duisburg muss die Abwehr besser harmonieren gegen Grings, Laudehr und Co. Deshalb sollte Nadine Angerer die Abwehr von hinten dirigieren. Das fehlte gegen München.“


Europameisterin Uschi Holl - spielt seit Saisonbeginn in Duisburg
Foto: FCR
 
Europameisterin Inka Grings hat UEFA Womens Cup-Sieger FCR Duisburg vor der ersten Saison-Niederlage bewahrt. Die Torschützenkönigin erzielte acht Minuten vor Schluss den 2:2 (1:2)-Ausgleichstreffer im Spitzenspiel gegen Meister Turbine Potsdam. Für Grings war es schon der neunte Treffer im fünften Saisonspiel. Vor 2118 Zuschauer war Duisburg durch Femke Maes (21.) mit 1:0 in Führung gegangen. Anja Mittag (30.) und Jessica Wich (40.) gaben dem Spiel aber noch vor der Pause eine Wende. Duisburgs Torhüterin, Europameisterin Ursula Holl rettete vor klaren Potsdamer Chancen, war aber am 0:2 recht glücklos.


Torgefährliche Potsdamerinnen - von links: Anja Mittag, Babette Peters, Leni Larsen Laurin, Bianca Schmidt, Fatmire Bajramaj, Jennifer Zietz
Foto: FFCTURBINE
 
Die Duisburger Mannschaft hatte noch nicht alle Potentiale im Griff. Die Mannschaft bewies aber, dass sie stark genug ist, auch mal einen Rückstand aufzuholen. Gegen Potsdam fehlten aber über weite Strecken der Kampf und die nötige Aggressivität, die man gegen eine Spitzenmannschaft braucht. Erst ab der 70. Minute wachte der UEFA Womens Cup-Sieger auf. Bis dahin dominierte Potsdam das Spiel. Sie waren konditionell besser eingestellt. In einer Begegnung, in der Duisburg über weite Strecken nicht überzeugen konnte, machte damit wieder einmal Inka Grings den Unterschied. Inka Grings meinte nach dem Spiel: "Wir wissen jetzt, wo wir stehen"
 
Sorgenkind Freiburg

Der SC Freiburg bleibt auch nach dem fünften Spieltag weiter ohne Punktgewinn. Die Mannschaft von Trainer Günter Rommel verlor am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 (0:1). Vor 421 Zuschauern erzielte Zsanett Jakabfi kurz vor der Pause den ersten Treffer im Duell der Pokal-Achtelfinalisten (42.). Navina Omilade erhöhte nur wenige Minuten nach dem Seitenwechsel per Foulelfmeter auf 2:0 (48.). Julia Zirnstein (85.) konnte kurz vor Schluss noch einmal verkürzen, doch Eve Chandraratne (88.) stellte den Endstand her.
 
Kein Sieger im Aufsteigerduell                                                                                                
Keinen Sieger gab es beim 2:2 (1:2) im Duell der Aufsteiger zwischen Tennis Borussia Berlin und dem 1. FC Saarbrücken. Maike Trach brachte die Gäste aus dem Saarland in Führung (8.), Anna Fechner konnte ausgleichen (26.). Noch vor der Pause ging Saarbrücken durch Selina Dambier wieder in Führung (40.), doch Jana Teodoridis sorgte mit ihrem Tor für den zweiten Punkt in der laufenden Saison (48.). Im Zweikampf: Fechner (l.) und Teague
 
Remis in Essen      
                                                                                                                            In der Begegnung der SG Essen-Schönebeck gegen FF USV Jena kam es zum Remis 3:3 (1:3). Stefanie Weichelt sorgte bereits in der 3. Minute für das 1:0 der Gastgeberinnen, doch Susann Utes (22.) und zweimal Sylvia Arnold (29., 45.) drehten die Partie zunächst zugunsten der Gäste. Stephanie Goddard (57.) und Melanie Hoffmann (78.) sicherten der SG im zweiten Durchgang aber doch noch einen Punkt. (PK)
 
Bericht über Spiele der 2. Frauenfußball-Bundesliga Gruppe Süd mit 1.FC
Köln und Bayer 04 Leverkusen: http://www.kulturexpress.de.
Direkter Kontakt zur FF-Redaktion www.myspace.com/frauenfussball2011

Online-Flyer Nr. 220  vom 21.10.2009

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