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Aktueller Online-Flyer vom 13. November 2018  

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Inland
Ralph Giordano verteidigt die rassistischen Sprüche von Sarrazin
Bald Ehrenmitglied von Pro Köln?
Von Peter Kleinert

Na da wollen wir uns doch auch mal antisemitisch äußern und Henryk M. Broders Zorn provozieren: Der vom KStA ausdrücklich als „jüdischer Publizist“ vorgestellte Ralph Giordano, dem dieses Blatt schon einmal Gelegenheit gegeben hatte, mit einem ksta.tv-Interview zur geplanten Köln-Moschee Bravo-Rufe auf der Webseite der Rechtsextremen von Pro Köln einzuheimsen, meint natürlich auch: „Sarrazin hat vollkommen recht“. Und prompt macht die Redaktion das am „13.10.09, 14:11h, aktualisiert 13.10.09, 15:39h“ ganz oben auf der online-Seite des DuMont-Blattes zur Schlagzeile. Beim dritten Mal wird Giordano wohl von Markus Beisicht zum verdienten Ehrenmitglied ernannt werden.

Normalerweise durften ja die Journalisten von Verleger Alfred Neven DuMont und dessen – wie Giordano – vom Kommunisten zum liberalen Demokraten gewendeten Ex-Chefredakteur Franz Sommerfeld zu rassistischen Sprüchen von Prominenten wie Ralph Giordano gegen Migranten schon mal einen Kommentar schreiben. Diesmal war im Kölner Stadtanzeiger (direkter Link) allerdings keiner zu finden. Ob es wohl eine/r der KollegInnen versucht hat?
 
Ralph Giordano, Thilo Sarrazin, Foto: Militärhistorisches Museum, Bundesbank, Montage: C. Heinrici
Ralph Giordano springt Thilo Sarrazin zur
Seite | Foto: Militärhistorisches Museum,
Bundesbank | Montage: C. Heinrici
Noch bevor der Sozialdemokrat und ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, gegen den seit August 2009 die Berliner Staatsanwaltschaft wegen „Untreue“ ermittelt, am Dienstag mit Recht vom Vorsitzenden Axel Weber und den Vorstandskollegen in der Deutschen Bank für seine migrantenfeindlichen Sprüche degradiert worden war, hatte sich Giordano im Radiosender MDR-Info mit folgendem Satz für ihn eingesetzt: „Sarrazin beschreibt die Wirklichkeit so wie sie ist, und nicht wie seit vielen Jahren von der politischen Korrektheit dargestellt". Seine Begründung für diese Behauptung auf dem Sender laut KStA: „Wir müssen in der Familienpolitik völlig umstellen, nämlich weg von der Geldleistung, vor allem bei der Unterschicht. Er hat doch recht, wenn er sagt, 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung würden diesen Staat ablehnen und nichts Vernünftiges für die Ausbildung ihrer Kinder tun." Stattdessen, so hatte Sarrazin öffentlich gewarnt, „erobern (die Türken) Deutschland genauso wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate." 
 
Woher Giordano und Sarrazin das mit den 70 und 90 Prozent wissen, die „nichts Vernünftiges für die Ausbildung ihrer Kinder tun“, haben sie beide nicht vorgetragen. Wahrscheinlich vom lieben Gott. Der hatte ja immer schon was dagegen, dass sich im Land von Abraham, Moses und Jakob eines Tages die Araber breit machten, und natürlich hat er auch vor knapp tausend Jahren durch seinen Bevollmächtigten Papst Urban II. zur Befreiung Jerusalems und des „Heiligen Landes“ aus der Hand der Muslime aufgerufen – ein Befehl dem die christlichen Kaiser und ihre braven Kreuzritter nur allzu gerne folgten. Natürlich nur, um die Heiligtümer des Christentums zu retten und keineswegs aus imperialistischen und wirtschaftlichen Gründen, die natürlich auch beim Überfall auf den Irak und heute beim Krieg in Afghanistan und Pakistan keine Rolle spiel(t)en.

Der Vorstand der Bundesbank lacht – in der Mitte Thilo Sarrazin | Foto: Bundesbank
Der Vorstand der Bundesbank lacht – in der Mitte Thilo Sarrazin
Foto: Bundesbank
 
Immerhin - mit seiner Forderung an die Familienpolitiker „Weg von der Geldleistung, vor allem bei der Unterschicht“ dürfte Herr Giordano - nachdem er seinem Schützling Sarrazin nun doch nicht aus der Patsche helfen konnte - wenigstens den Verhandlungspartnern von Union und FDP einen wertvollen Tipp gegeben haben. Nach diesem Motto dürfte Schwarz-Gelb vielleicht - trotz des Desasters, in das auch die Regierung von den Finanzhaien gebracht worden ist - das Wahlversprechen von Steuersenkungen für die Mittel- und Oberschicht wenigstens teilweise einhalten können.

Konrad Adenauer-Preis für Sarrazin?
 
Am Donnerstag, 15.10., hat die Fraktion Pro Köln für die erste Sitzung des Kölner Rates in der neuen Legislaturperiode beantragt, dem ehemaligen Berliner Finanzsenator und degradierten Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin den Konrad-Adenauer-Preis zu verleihen. Die offenbar ernst gemeinte Begründung: „Der Sozialdemokrat Thilo Sarrazin hat unlängst durch eine couragierte Beurteilung der gesellschaftlichen Situation in Deutschland, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Verschärfung der integrationspolitischen Schieflage, eine wichtige und breite öffentliche Diskussion angestoßen...“ (PK) 


Siehe auch
„Pro Köln-Hetzer erfreut über Ralph Giordanos Unterstützung

Im KStA-TV gegen die Moschee
NRhZ 97 vom 30.05.2007




 
 
 

Online-Flyer Nr. 219  vom 14.10.2009

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