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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Sport
Selbstbewusste Bayerinnen schlagen 1.FFC Frankfurt auswärts 3:2
„Mir sann mir“
Von Bernd J.R. Henke

Dass auch Frauenfußball ein Kampfspiel ist, wurde im Duell des FC Bayern gegen den 1.FFC Frankfurt auf höchstem Niveau vor 2.580 Zuschauern und den wachen Augen der Bundestrainerin Sylvia Neid vollauf bestätigt. Auf der einen Seite die ballsichere, fast unbekümmerte Spielfreude der Bayerinnen und auf der anderen Seite die nervenstarke, konditionsreiche Kampfeslust der Hessinnen. Am Ende siegte das Team mit der effizienteren Torverwertung und dem Quentchen mehr an Glück. In der druckvollen Schlussphase der Frankfurterinnen mit vier Minuten Nachspielzeit war Frankfurt einem gerechten Unentschieden sehr nahe. Mit der Niederlage rutscht der FFC auf den fünften Tabellenplatz.


FCB-Flügelflitzerin Nicole Babecki blickt in die Zukunft: „Mir sann mir"

Foto: A2 Bildagentur

Die erste große Torgelegenheit am Frankfurter Brentanobad hatte in der 17. Minute der schwedische Neuzugang Sara Thunebro, die mit einem Freistoß von der linken Seite rechtsfüßig einen langgezogenen Gewaltschuss abzog, den die Ex-Duisburgerin im Bayern-Tor, Katrin Längert, nur mit großer Mühe parierte und an den rechten Außenpfosten vorbei touchierte. Die nächste große Chance ermöglichte ein präziser Eckball von Neuzugang Dzsenifer Marozsan auf den Kopf der Frankfurter Europameisterin Kerstin Garefrekes, die einen artistischen Aufsetzer-Kopfball zum Bayern-Tor setzte. Katrin Längert reagierte mit Reflex und schob den todsicheren Ball mit den Fingerspitzen über das Tor. Das war eine Menge Fußballglück für die Münchnerinnen. Im direkten Gegenkonter überlief auf der linken Seite Nicole Banecki ihre Gegenspielerin Karolin Thomas und flankte aus vollem Sturmlauf, vorbei gezirkelt an den zurücklaufenden Frankfurterinnen Saskia Bartusiak und Thunebro, auf den Elfmeterpunkt, wo Mandy Islacker nervenstark in das rechte obere Toreck zum überraschenden 0:1 für die Bayern abzog. „Wenig Aufwand, aber maximaler Ertrag, effektive Bayern“, bemerkte Fußballexperte Johann Blaha.


Vanessa Bürki (FCB) im Clinch mit Sara Thunebro (1.FFC)
Foto: A2 Bildagentur

Frankfurt gab nicht auf und hatte weiterhin die Feldüberlegenheit. Nach einer Ecke von rechts durch Dzsenifer Marozsan in den Strafraum und einer trickreichen Rückgabe von Birgit Prinz erwischte die Mittelfeldspielerin Meike Weber das runde Leder und zog aus 25 Meter einen scharfen Schuss mit Effet ab, den die überragende Katrin Längert nur mit einer Glanzparade entschärfen und mit der Faust über Torlatte lupfen konnte. Sie rettete damit den Bayern die Führung. Unter den Augen von Bundestrainerin Sylvia Neid empfahl sich die Münchner Torhüterin schon vor der Pause mit einer Weltklasseleistung für die Deutsche Nationalelf. Nach der Pause wechselte Frankfurts Trainer Günther Wegmann und brachte in der 55.Minute zum richtigen Zeitpunkt die spanische Weltklassestürmerin Laura del Rio Garcia, die die Bayerinnen recht schnell das Fürchten lernte.

Abwehrschwächen                                                                                                                  
Aber Schwächen in der Frankfurter Abwehr nutzte die sehr bewegliche Nicole Banecki, die nach einem Einwurf von Katharina Baunach den Ball erhielt, die Mittelfeldspielerin Meike Weber ausspielte, im Strafraum Abwehrspielerin Tina Wunderlich versetzte, das Leder zu Teamkollegin Julia Simic schob, die aus zwölf Metern Entfernung sehr abgeklärt ins Frankfurter Tor von Europameisterin Nadine Angerer zum 0:2 einnetzte(57.). Frankfurt war sichtlich geschockt, aber hatte die Kraft zum Konter. In der 60. Minute flankte Sara Thunebro aus 30 Metern auf Kerstin Garefrekes , die den Ball mit der Brust annahm, ihn zur Spanierin Laura del Rio Garcia schob, die mit einem sensationellen Flachschuss die Supertorfrau Katrin Längert mit dem Anschlusstreffer 1:2 bezwang. Frankfurt witterte Morgenluft und erhöhte den Druck. 

Konter                                                                                                                                     
Die Freude der Hessinnen währte jedoch nicht lange. Nach einem Doppelpassspiel der gut aufgelegten Bayerin Katharina Baunach mit der schweizerischen Nationalspielerin Vanessa Bürki erhielt Mandy Islacker in abseitsverdächtiger Position das Leder und stellte in der 68. Minute den Zwei-Tore-Abstand wieder her. Pech für das Frankfurter Team in seiner Druckphase ein weiteres Tor einzufangen. Als aber Birgit Prinz nun endlich auf ihre angestammte Position in die Sturmspitze wechselte, lief es wieder für Frankfurts Torfabrik. Nach einer exzellenten Vorlage (81.) durch Del Rio in die Gasse aus 20 Metern erkämpfte sich die erfahrene Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz den Ball und überwand die komplette Bayern-Abwehr einschließlich Torfrau Längert zum Anschlusstreffer 2:3. Ab der 84. Minute mussten die Gäste ohne die tüchtige Bianca Rech auskommen. Die Verteidigerin sah nach einem wiederholten Foulspiel Gelb-Rot. Auch ihre knallhart spielende Teamkollegin Carmen Roth erhielt im Laufe des Spiels eine gelbe Karte.

Zweikämpfe bis zum Abpfiff

Das Schiedsrichterteam unter der Leitung von Marija Kurtes hatte keinen guten Tag erwischt. „Frankfurts Spielerinnen waren im Körpereinsatz etwas zögerlicher. Das war wohl spielentscheidend“, bemerkte Fußballexperte Johann Blaha. Nun spielten die Münchnerinnen mit 10 Spielerinnen. Die „Kampfmaschine Frankfurt“ witterte nochmal Morgenluft. Der Druck im Strafraum des FC Bayern wurde immer größer. In der 88. Minute hatte die Elf von Trainer Günter Wörle wohl das größte Glück des Spieles, als die offensive Weltklasse-Verteidigerin Sara Thunebro einen tollen Freistoß mit Effet über die gesamte Münchner Mauer zirkelte, auch über den Kopf der Torfrau Längert hinweg. Der Ball flog mit Millimeterpapierabstand über die Münchner Querlatte. Das Spiel währte bis zur 94. Minute, da Torfrau Katrin Längert sich wegen Spielverzögerung in der turbulenten Endphase eine gelbe Karte einfing. Das erlösende Tor zum Ausgleich für den 1.FFC Frankfurt unterblieb.                                                                                                                    
Stimmen zum Spiel:

Bundestrainerin Silvia Neid eilte nach dem Schlusspfiff auf das Spielfeld und wechselte einige Worte mit dem Münchner Trainer Günter Wörle. Anschließend sagte sie der versammelten Journaille: „Bayern war effektiver. Frankfurt hatte mehr vom Spiel, konnte seine Chancen aber nicht nutzen. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen“.

„Spielkibitzer“ und Vorstandsvorsitzender Guido Lutz des Spitzenreiters FCR Duisburg, fand den Sieg der Bayern hingegen in Ordnung: „Das beste Spiel, das ich in der laufenden Saison in dieser gesamten Bundesliga gesehen habe.“ „Mir sann mir. Das ist ein historischer Tag für uns heute. Der erste Sieg in Frankfurt. Das 3:2 ist eine wunderbare Geschichte, wir sind derzeit wirklich am Rande unserer Möglichkeiten,“ freute sich FCB-Trainer Wörle nach dem Spiel. „So ist Fußball“, sagte FFC-Trainer Günter Wegmann nach der Partie mit Respekt. „Wir haben es in der ersten Halbzeit versäumt, aus unseren Möglichkeiten Kapital zu schlagen.“

Bayern-Spielerin Katharina Baunach: „Wir wollten kompakt stehen, aber dennoch Zug zum Tor haben. Eine unsere Stärken ist derzeit, dass wir schnell von hinten nach vorne umschalten können. Für mich war heute wichtig, in der Viererkette zu stehen und nach vorne Impulse zu. In Unterzahl zum Ende zeigten wir das, was unser Team gerade besonders auszeichnet: Teamgeist und jeder kämpft für jeden."

Kathrin Längert: „Mit meiner Leistung bin ich heute sehr zufrieden. Es freut mich sehr, dass ich heute meinen Teil zum Sieg beitragen konnte." Torjägerin Mandy Islacker: „Ich wusste, dass es ein schweres Spiel wird. Wenn wir aber kämpfen und zusammenhalten, können wir es schaffen. Beim 1:0 habe ich mich von meiner Gegenspielerin gelöst und mit rechts abgezogen. Beim 3:1 bekam ich den Ball von Vanessa von links und wieder war er drin! Am Schluss zitterten wir uns in Unterzahl zum Sieg. Unser heutiger Sieg zeigt, was man mit Teamgeist alles erreichen kann."


Bad Neuenahr weiter ohne Gegentor

Der SC Bad Neuenahr hingegen bleibt weiter die Überraschungsmannschaft der Saison. Das Team von Trainer Thomas Obliers gewann am vierten Spieltag 3:0 (0:0) gegen Tabellenschlusslicht SC Freiburg und ist nun Zweiter. Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi brachte die Gastgeberinnen mit ihrem sechsten Saisontreffer in Führung (68.).


Celia Okoyino da Mbabi, Europameistern        
2009 |
Foto: A2 Bildagentur
Ramona Petzelberger (75.) und Lydia Neumann (89.) erhöhten das Ergebnis noch auf 3:0. Der SC Freiburg ist nach der neuerlichen Niederlage weiterhin ohne jeglichen Punkt und Treffer. Das Spiel selbst war mäßig und litt an vielen Fehlpässen beider Mannschaften. Erst die dramatische Schlussphase ließ die konsequente Torgefährlichkeit der Rheinländerinnen aufblitzen. Freiburgs Fehlerquote war höher. Die bis zur 68. Minute absolut überzeugende Schweizer Nationaltorhüterin Marisa Brunner unterschätzte den Ball von da Mbabi zum 1:0 total und ließ den Ball durch die Finger gleiten. Die überragende Spielerin auf dem Platz war Europameisterin Celia Okoyino da Mbabi, die auch die Vorarbeit zum Tor von Ramona Petzelberger besorgte, die wiederum aus großer Distanz Marisa Brunner mit einem Heber zum 2:0 bezwang. Und last not least beim dritten Tor war „Cher Celia” auch beteiligt, als sie mit einem Pass die elffache deutsche A-Nationalspielerin und Sportsoldatin Lena Goeßling, bediente, die aus kurzer Distanz vollstreckte. „Der zweite Tabellenplatz ist eine traumhafte wunderschöne Momentaufnahme, die man genießen sollte. Die schweren Gegner für uns kommen ja erst,“ meinte Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers nach dem Spiel. Fußballexperte Johann Blaha frohlockte: „Mit diesem Sturm kann Bad Neuenahr auch die Großen der Liga schlagen.“Fazit: Zwölf Punkte aus vier Spielen, zehn Tore, kein einziger Gegentreffer und der zweite Tabellenplatz. "

Meister in Torlaune                                                                                                            
Turbine Potsdam hat beim 6:0 (3:0) gegen den Hamburger SV nichts anbrennen lassen. Die Europameisterinnen Fatmire Bajramaj (9./69.), Anja Mittag (12./30./62.) und Jennifer Zietz per Foulelfmeter (60.) erzielten die Treffer für die "Torbienen".                                          
Tabellenführer FCR Duisburg hat die Hürde Jena hingegen ohne Mühe genommen. Alexandra Popp (7.), Femke Maes (14.), Inka Grings (43./82.), Simone Laudehr (61.) sowie Linda Bresonik (88.) trafen beim ungefährdeten 6:0-Auswärtssieg.
 
Überraschung pur

Aufsteiger 1. FC Saarbrücken hat nur knapp eine Überraschung verpasst. Die Saarländerinnen kamen beim VfL Wolfsburg zu einem 2:2 (1:0), sahen aber bis kurz vor Schluss wie der Sieger aus. Nachdem Wolfsburg durch Selina Wagner (8.) früh in Führung gegangen war, brachte ein Doppelpack von Christina Arend (46./61.) den FCS auf die Siegerstraße. Fünf Minuten vor dem Ende sorgte Wagner mit ihrem zweiten Treffer jedoch noch für den Wolfsburger Ausgleich (85.).

Absteiger-Remis 

Keinen Sieger sah die Begegnung zwischen der SG Essen-Schönebeck und Aufsteiger TeBe Berlin. Nachdem die Hauptstädterinnen durch Anna Fechner (41.) und Jana Teodoridis (78.) zweimal in Führung gehen konnten, glichen Kyra Malinowski (51.) und TeBe-Torfrau Kerstin Prusas per Eigentor (90.) jeweils für Essen aus. (PK)


Bericht über Spiele der 2. Frauenfußball-Bundesliga Gruppe Süd mit 1.FC Köln und Bayer 04 Leverkusen: http://www.kulturexpress.de.
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Online-Flyer Nr. 219  vom 14.10.2009

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