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Aktueller Online-Flyer vom 17. Dezember 2017  

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Sport
Großer Empfang für die Fußball-Heldinnen in Frankfurt
„2011 neue Maßstäbe setzen!“
Von Christel Mertens und Johann Blaha

„Ich habe meine Stimme wohl in Helsinki verloren. Aber wenn man so wie wir Europameister wird, kann man sich´s auch mal gut gehen lassen“, lachte Inka Grings, 30 Jahre alte Stürmerin vom FCR Duisburg, die mit ihren sechs Turnier-Toren - davon zwei beim 6:2-Finalerfolg gegen England - wesentlich an diesem EM-Titel für Deutschlands Fußballfrauen beteiligt war, beim Empfang für die Europameisterinnen im Frankfurter Römer. Mehr als 8.000 jubelnde Frauenfußballfans hatten sich auf dem Kaiserplatz zum Gratulieren eingefunden.

 

Fatmire Bajramaj vom 1. FFC Turbine
Potsdam mit dem Europapokal der
deutschen Fußballfrauen im Frankfurter
Kaisersaal
Die „Mann“schaft der Europameisterinnen hatte bereits eine lange Partynacht im Club "the tiger" in Helsinki hinter sich, als sie am Freitag auf dem Frankfurter Römerberg begeistert empfangen wurde. Selbst Bundestrainerin Silvia Neid, die sonst immer schon „das nächste schwere Spiel“ vor Augen hat, war diesmal richtig ausgelassen: „An die nächsten Spiele denken wir erst übermorgen. Nach dem fünften Sieg in Folge dürfe „man das jetzt auch mal genießen“. Sie habe sich in der Party-Nacht in Helsinki zwar schon gegen 4 Uhr in ihr Hotel-Zimmer zurückgezogen, aber: „Dann konnte ich nicht schlafen, weil noch so viel Halli-Galli auf dem Flur war.“ Man dürfe sich aber „in Zukunft nicht auf den Lorbeeren ausruhen. 2011 haben wir die WM im eigenen Land, darauf werden wir uns vorbereiten. Nicht morgen. Aber übermorgen."
 

Jubelndes Dreamteam auf dem Balkon des Römers. Von links: Birgit Prinz mit dem Pokal, Babette Peter, Linda Bresonik und Inka Grings

Heute hatten die Frauen jedenfalls ihre Fußballtrikots erstmal gegen die "kleinen grauen Kostümchen" ausgetauscht, so der HR3-Moderator vor deren Auftritt auf dem Römer-Balkon über der Menschenmenge - ein Scherz, mit dem die Frauen gut leben konnten. Völlig undamenhaft hüpften sie auf dem steinernen Balkon auf und ab und warfen die im Haus empfangenen Blumensträuße ins Publikum und dessen schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer.


Mehr als 8.000 Frauenfußballfans in Feierstimmung auf dem Römerberg in Frankfurt am Main
 
„So viele Leute, das ist Wahnsinn", sagte Spielführerin Birgit Prinz, nachdem sie der feiernden Menge auf dem Balkon den silbernen EM-Pokal präsentiert hatte: „Mit so einem Empfang hatte ich nicht gerechnet." Gleichzeitig erklärte sie, mindestens bis zur Weltmeisterschaft im eigenen Land spielen zu wollen.



Balkonfreude von links mit Fatmire Bajramaj, Martina Müller, Ariane Hingst, Melanie Behringer, Anja Mittag, Celia Okoyino da Mbabi, Kerstin Garefrekes, Torfrau Nadine Angerer, Birgit Prinz mit Pokal

Wie sie richtete auch DFB-Präsident Theo Zwanziger nach dem inzwischen siebten EM-Titel den Blick nach vorn: „Unsere Mädchen und Frauen haben sich das verdient, sie sind gut, sie sind die Besten“, erklärte er, und er sei sicher, dass das WM-Turnier 2011 im eigenen Land neue Maßstäbe setzen werde. Dort könnten die Gastgeberinnen dann Rekordweltmeisterinnen werden. Die Chancen dafür seien gut, denn das Team von Silvia Neid dürfte bis dahin zusammen bleiben, meinte Zwanziger und trug sich anschließend gemeinsam mit dem Team ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt ein. 12.000 Euro hatte der Deutsche Fußballbund zuvor jeder seiner neuen Europameisterinnen spendiert.
 

Oberbürgermeisterin Petra Roth
mit DFB-Vizepräsidentin Ratzeburg
und der Mannschaft auf dem Wege
in den Kaisersaal
Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth war voll des Lobes und gab sich - obwohl CDU-Mitglied - ein wenig feministisch: „Für das WM-Qualifikationsspiel in Moskau sollten sich die Männer ein Beispiel an unseren Frauen nehmen.“ Und Steffi Jones, Leiterin des Organisationskomitees für das Ereignis 2011 im eigenen Land, sah im grandiosen 6:2-Finale gegen die Engländerinnen „eine ganz tolle Werbung für den Frauen- und Mädchenfußball“. Neid. „2011 - Wiedersehen macht Freude", stand auf einem Banner an einer Häuserwand.
 








Sonja Fuss vom 1.FC Köln mit unserem
Fußballreporter Bernd J.R. Henke
(Energo East Sport)
Am Rande der Feierlichkeiten stellte sich dann noch, wie nach jedem Sieg der Nationalmannschaft, die Frage: Was bringt der Titel der Liga? Werner Fuss, der
sportliche Leiter der Abteilung Frauenfußball des 1.FC Köln und Vater der Europameisterin Sonja Fuss, betonte, dass dieser EM-Titel auch den Spielen in der Zweiten Bundesliga in den nächsten zwei Jahren hinsichtlich Zuschauerzahlen und TV-Übertragungen neue Impulse geben werde. Die Stadt Köln wird im Jahr 2010 zum ersten Mal Austragungsort des deutschen Fußballpokals der Frauen sein, und sein FC werde alles daran setzen, bis 2011 in die Erste Bundesliga aufgestiegen zu sein. FFC-Manager Siegfried Dietrich ist überzeugt, dass der EM-Gewinn „die beste PR-Aktionwar, die es für die Bundesliga und die WM 2011 geben konnte. Die Qualität in der Liga wird weiter steigen und mehr Fans binden”, zeigte sich Dietrich zuversichtlich. (PK)


Römer-Balkon mit Europameisterinnen von links: Linda Bresonik, Inka Grings, Simone Laudehr, Kim Kulig, Sonja Fuss, Annike Krahn, Martina Müller, Ursula Holl, Saskia Bartusiak, Co-Trainerin Ballweg, Trainerin Neid und OB Petra Roth
Alle Fotos: Peter Hartenfelser

 

Online-Flyer Nr. 215  vom 16.09.2009

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