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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Sport
Nationalspielerin Simone Laudehr vom FCR 2001 Duisburg
NACH DEM SPIEL OHNE BALL – Folge 3
Von Johann Blaha

Nachdem das das Team des FCR 2001 Duisburg mit einem 2:1 die Frauen des 1. FFC Frankfurt - auch noch vor heimischer Kulisse - aus dem Kampf um die Meisterschaft herausgekickt hatte, sprach Fußballexperte Johann Blaha mit Simone Laudehr, die mit einem gefühlvollen Heber zum 2:0 eingeschossen hatte. – Die Redaktion

Simone Laudehr - im Dress 
der Sportfördergruppe der 
Bundeswehr in Warendorf
Foto: BW
Johann Blaha: Sie stammen aus der Oberpfalz mit der “Hauptstadt“ Regensburg, der Residenzstadt der Fürstin Thurn & Taxis. Ihr Vorname Simone klingt eher französisch, oder? 
Simone Laudehr: Ist aber ganz deutsch. By the way: zur Hälfte bin ich rumänischer Abstammung.

Sportler essen gerne. Was würden Sie kochen, wenn Sie einige Mitspielerinnen zu sich nach Hause zum Essen einladen würden? Haben Sie für unsere Leser(innen) einen Rezeptvorschlag?

Ich habe da ein Lieblingsgericht bei meinem Lieblings-Italiener in Duisburg. Riesengarnelen auf Spaghetti. Wie der die macht, will er nicht verraten, aber sehr lecker. Ich krieg das Rezept aber noch raus, dann werde ich es meinen Freunden servieren.

Stellen Sie einmal Ihre Schwester vor, spielt sie auch Fußball?
Nee, meine Schwester spielt nicht Fußball. Sie arbeitet in einer Werbeagentur. Ich bin sehr vertraut mit ihr. Sie ist ein wenig älter, aber wir begegnen uns auf Augenhöhe.

Sagen Sie uns, wie Sie aus Regensburg an der Donau über München an der Isar nach Duisburg an die Wedau gekommen sind?
Der übliche Weg. Die Bayern haben mich gesehen und entdeckt. Weil ich mit einigen Personen dort nicht gut konnte, habe ich das Angebot aus Duisburg angenommen, vor allem wegen des damaligen Trainers Jürgen Krust. Da habe ich dann sozusagen meinen Meister gemacht. Das war eine gute Entscheidung, obwohl mir der Abschied aus Bayern schwer gefallen ist.

Viele Hochleistungssportler sind bei der Bundeswehr Sportfördergruppe. Wie kamen Sie persönlich auf die Idee nach Warendorf zu gehen? Sind Sie Zeitsoldatin?

Ich bin in der Sportfördergruppe der Bundeswehr (BW), auf Zeit. Das gibt uns die Möglichkeit, professionell Fußball zu spielen. Sportler(innen) aus "Randgruppen-Sportarten" können sich es sonst nicht leisten, auf oberstem Niveau ihren Sport zu betreiben. Ich bin der BW sehr dankbar, für diese Möglichkeit, die im Frauenfußball nur für Nationalspielerinnen angeboten wird.

Simone Laudehr im Länderspiel Deutschland gegen Brasilien 1:1 
Foto: A2 Bildagentur

Ihnen wurde in Berlin das Silberne Lorbeerblatt verliehen. Wie wir wissen, hatten Sie bei der Verleihung die Bundeswehruniform an. Sind in Ihrer Kompanie nur Frauen? Wenn nein, wie hoch ist der Anteil der Frauen?
Nein, in der Kompanie sind Frauen und Männer, aber der Anteil der Männer ist wesentlich größer, drei- bis viermal so groß.

Haben Sie in der Bundeswehrkompanie politischen Unterricht, wird in der Kompanie die Frage Afghanistan auch angesprochen?
Ja, es wurde auch über Politik und Afghanistan gesprochen. Ich halte mich da gerne raus. Wir Sportler stehen doch anders als "normale" Soldaten in einem ganz anderen Berufszusammenhang. Anlässlich der Olympiade in China kam auch die Frage der Menschenrechte auf, da waren wir näher dran am Thema.

Sie haben im Verein mehrere Sponsoren wie zum Beispiel die Duisburger Hafenlogistik, dem Betreiber des größten Binnenhafens in Europa. Wie häufig sind Ihre Promotionsauftritte?

Kaum über die Vereinssponsoren. Der Spielbetrieb ist die Promotion. Anders ist das bei privaten Sponsoren. Diese Termine muss ich koordinieren und das ist manchmal zeitlich nicht einfach.

Sie hatten beim Länderspiel Deutschland gegen Brasilien Ihr Comeback. Was hat Ihnen geholfen, so schnell wieder fit zu werden nach Ihrer Schulterverletzung?
Ein guter Chirurg, viel Geduld, hartes Rehatraining und ganz wunderbare Physiotherapeuten, sowie viel "mentale" Anstrengungen.

Die Ballzauberinnen aus Brasilien waren kein einfacher Gegner. Wie sahen Sie aus Ihrer Sicht die spielerischen Vorteile der deutschen Elf?
Die Brasilianerinnen fand ich diesmal mannschaftlich sehr schwach, kein Mittelfeldspiel, eine flatterige Abwehr. Unser Vorteil waren die Geschlossenheit der Mannschaft und der Heimvorteil vor den vielen Fans, ansonsten reichte uns eine durchschnittliche Leistung. Zur EM müssen wir uns noch erheblich steigern. Ich war sehr froh, mal wieder für eine kurze
Zeit dabei zu sein.

Sind die Telefongespräche mit Ihren Freund(innen) nach Ihren TV-Auftritten mit Sponsoren-Shirt und Logopräsenz wie zum Beispiel in der "ARD Sportschau" und dem "WDR Kölner Treff" zahlreicher geworden?
Nach der WM hatten die besagten Auftritte nachgelassen. Das Interesse steigt nach großen Ereignissen und Erfolgen. So sind die Medien.

Weltfußballerin Marta sagte uns nach dem großem Spiel in Frankfurt am Main, dass der internationale Frauenfußball immer schneller wird und dass die Spielhärte zugenommen hat. Wie sehen Sie das?
Da hat die Marta Recht, in der Spitze hast du nur noch eine Chance, wenn du das Tempo und die Zweikampfhärte mithalten kannst.

Nach der knappen Heimniederlage Ihrer Mannschaft FCR Duisburg im März dieses Jahres während Ihrer Verletzungspause gegen den Mitkonkurrenten FC Bayern kündigte ihre Trainerin Martina Voss in der Pressekonferenz einige Veränderungen an. Können Sie uns sagen, ob die Trainingseinheiten variiert wurden?
Die Trainerin ist sehr variabel in ihrer Trainingsarbeit. Aber nach empfindlichen Niederlagen drohen die Trainer ja alle Änderungen an. Da gehts dann um Zeichensetzen.

Durch Recherchen haben wir festgestellt, dass sich nach dem olympischen Fußballturnier in Peking viele Nationalspielerinnen verletzt hatten – durch Überbelastung in Beruf, Sport und Turnieren. Was war der Grund ihrer sechs Monate dauernden Verletzung?
Ein unglücklicher Sturz auf die Schulter, sonst nix in diesem Fall. Das hätte auch jedem Hobbykicker passieren können. Richtig ist aber: Die Belastung geht mittlerweile bis an die Grenze.

Ist die Regeneration durch angemessene Erholungsphasen nach großen
Turnieren ausreichend?
Nein, weil die Organisation des Frauenfußballs noch "hinterm Mond" ist. Die Jahresplanung ist „völlig zerfleddert“. Da muss sich noch was ändern, finde ich.

Sie sind bekannt geworden durch entscheidende Tore in wichtigen Spielen, sie haben auch heute wieder gegen den 1.FFC Frankfurt das spielentscheidende 2:0 geschossen, wie fit gegen fühlen Sie sich im Moment für den Rest der Spielsaison?
Fast ein halbes Jahr Pause hinterlässt Spuren. Aber ich bin sicher, dass ich bald wieder ganz oben auf bin.

Den Rasen im Stadion am Brentanobad finden wir sehr holprig. Hatten Sie durch Ihre technisch besseren Einzelspielerinnen dadurch mehr vom Spiel? Waren die Platzverhältnisse am heutigen Spieltag für Ihre Mannschaft ein Vorteil?
Ach, mit dem Platz hatte das nichts zu tun. Wir waren ganz gut drauf und wollten unbedingt gewinnen. Frankfurt hat gerade Probleme, war ersatzgeschwächt und befindet sich im Umbruch. Und: Unsere Spielanlage ist einfach gut, wir haben einen Lauf und waren in Bestbesetzung, das hat´s gebracht.

Sie sind persönlich Vizerekordhalterin im Frauenfußball. Nach dem 2:1 Sieg heute und dem 7:0 Sieg des FC Bayern gegen die Herforder, sieht es nach Meinung vieler Fachleute und Journalisten so aus, als ob Sie trotzdem wieder nur Vizemeister werden können. Denn die zusätzlichen Belastungen durch Pokalendspiel und UEFA Women´s Cup Endspiele gegen Perm werden doch an den Kräften zehren. Der FC Bayern hat dies nicht. Wie werden Sie das meistern? 
Bayern ist klar im Vorteil. Wir werden alles versuchen, aber es wird eng. Wir denken von Spiel zu Spiel und werden sehen, was unterm Strich herauskommt. Und ich bin sicher: Ohne Titel geht diese Saison nicht zu Ende, dazu haben wir zu viel Klasse.

Das mit der Klasse stimmt. Meine Prognose: Wer viermal hintereinander Vizemeister war, dem verleiht der Fußballgott Flügel und der wird beim fünften Mal sicher Champion, denn Ihr habt 26 Spielerinnen im Pool und nicht wie andere Spitzenvereine nur eine gute Mannschaft.
Chapeau, auch für Ihre Trainerin Martina Voss und für den weitsichtigen Manager Guido Lutz
. (PK)


Online-Flyer Nr. 196  vom 06.05.2009

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