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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Sport
Spielte erst nach der 71.Minuten die Traumelf der Bundestrainerin?
Deutschland gegen Brasilien 1:1
Von Bernd J.R. Henke

„Der Frauenfußball ist körperbetonter und schneller geworden", entgegnete Weltfußballerin Marta einer portugiesisch sprechenden jungen deutschen TV-Journalistin vom ZDF-Kinderkanal während der Pressekonferenz. Marta, die neuerdings erfolgreich in der neuen amerikanischen Frauen-Profi-Liga Women´s Professionel Soccer (WPS) spielt, stieß erst zwei Tage vor dem Duell zum Pool der durch Coach Kleiton Lima stark verjüngten brasilianischen Frauenmannschaft.

WPS Chefin Mary Harvey, die selbst jahrelang im Bundesliga-Tor des FSV Frankfurt gestanden hat, hatte dafür gesorgt, dass Marta vom Team der Los Angeles Sol und von der WPS eine Spielgenehmigung für diese renommierte Werbeveranstaltung für den Weltfrauenfußball erhielt. 

Wochenlang wurde die ambitionierte Partie mit Bildern von Birgit Prinz und ihrer brasilianischen Widersacherin Marta beworben. Das tolle Freundschaftsspiel fand vor europäischer Rekordkulisse mit 44.825 Zuschauern statt, aber schon nach 40 Minuten musste der deutsche Superstar vom Feld. Minutenlang saß Birgit Prinz weinend auf der Ersatzbank.

Die dreifache Weltfußballerin hatte sich die fünfte Rippe gebrochen, weswegen sie schon beim Ausgleichstreffer der Brasilianerin Maurice nicht energisch genug stören konnte. Die unglaublich hohen Dauerbelastungen ohne Regenerationspausen fordern ihren Tribut. Olympische Spiele, Bundesliga, DFB-Pokal, UEFA-Pokal, Länderspiele, Trainingseinheiten, Lehrgänge, dazu seit Jahren strapaziöse Reisen zu Turnieren und während der Turniere - da bleibt nur wenig Zeit, um den leeren Akku wieder aufzuladen.

Anja Mittag brachte die DFB-Elf in der 24. Minute nach Vorarbeit von Linda Bresonik in Führung. „Wir müssen den brasilianischen Aufbau früh im Keim ersticken, um sie nicht in ihren Spielrausch kommen zu lassen," bemerkte Bundestrainerin Neid. Das deutsche Pressing behagte den Brasilianerinnen überhaupt nicht. Die mit 19 Jahren jüngste deutsche Spielerin Kim Kulig aus Hamburg überraschte im Mittelfeld mit Spritzigkeit, athletischer Fitness und Selbstbewußtsein im gesamten Spielgeschehen. Ihr Lattenschuß in der 57. Minute überzeugte. Insgesamt erschienen die Youngster wie auch Bianca Schmidt aus Potsdam topfit zu sein und der taktischen Aufgabe gewachsen.

Doch mit einem Freistoß der Stürmerin Grazielle von rechts an die Strafraumgrenze überspielte die brasilianische Mannschaft in der 35. Minute die deutsche Abwehr, die wiederum die gefährliche Maurine komplett übersehen hatte, und die traf freistehend kompromisslos und überwand die chancenlose Weltklasse Torfrau Nadine Angerer zum 1:1.

Als dann in der 71. Minute die an diesem Tag unauffällig spielende Frankfurterin Kerstin Garefrekes gegen die jüngere Duisburgerin Fatmire Bajaramaj ausgewechselt wurde, gelang der deutschen Mannschaft eine kollossale Steigerung punkto Schnelligkeit und Spielwitz vom rechten Flügel her. Auch die Einwechselung einer zweiten Duisburgerin, der selbstbewußten Simone Laudehr, offenbarte dann wohl den Weg von Bundestrainerin Silvia Neid zur erneuerten Traumformation. Brasiliens Coach Kleiton Lima lobte die deutsche Mannschaft: „Dem Druck in der zweiten Hälfte konnten wir nichts mehr entgegensetzen." Er nannte auch die kurzfristige Anreise seines Teams als Fehler.

Fußballexperte Johann Blaha fragt: „Spielte erst nach der 71. Minute die Traumelf der Bundestrainerin?" Die nächsten Länderspiele am 29. Juli 2009 gegen Japan in Mannheim und am 6. August 2009 gegen Rußland in Bochum werden es zeigen. Sollte der risikobereite DFB im Oktober ein zusätzliches Megaspiel gegen den Oympiasieger USA organisieren, würde
ein neuer Zuschauertest stattfinden und die Frankfurter amerikanische Nationalspielerin Ally Krieger hätte wohl ihr verdientes Comeback gegen Deutschlands Traumelf in der Münchner ALLIANZ Arena - Deutschland gegen USA, Weltmeister gegen Olympiasieger. (PK)
 
Lesen Sie auch die beiden anderen Frauenfußball-Beiträge in dieser Ausgabe.




Online-Flyer Nr. 195  vom 29.04.2009

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