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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Filmclips
Der WDR und die Stunksitzung
Von Peter Kleinert



Foto: A. & W. Bartscher / dea-NewsInfo.NetRechtzeitig bevor der Karneval in Köln richtig los ging, warfen der WDR über seine Tochter mediagroup licensing GmbH und die Kölner FEEZ Entertainment GmbH (ein Label der Sony Music Entertainment GmbH) eine DVD mit dem Titel „Stunksitzung – Extrascharf! Bissiges aus 25 Jahren“ auf den Markt. Auf der Scheibe fehlt – natürlich – die vor zwei Jahren vom WDR nach einem Protest von Kardinal Meisners Kirchenzeitung aus dem Programm der Stunker-Sendung von 2006 geworfene Nummer "Ratze & Meise". Die finden "Meise"-Freunde dafür noch mal in dieser NRhZ-Ausgabe.

Gut 30.000 Zuschauer der "Stunker" hatten 2006 ihren Spaß an den beiden Figuren, die eigentlich Papst Benedikt XVI. und Joachim Kardinal Meisner heißen, und "laaachten sich kapott", obwohl viele unter ihnen sicher mal katholisch getauft wurden. Auch dem Kölner Stadt-Anzeiger gefielen die beiden zunächst so gut, dass er sie mit "Ernie und Bert aus der Sesamstraße" verglich: „Mit dem kleinen Unterschied, daß es in der Sesamstraße stets getrennte Betten für die beiden Freunde gab. Ratze und Meise dagegen landen auf derselben Matratze. Gutenachtkuß inklusive."
 
"Meise" gefiel der Sketch überhaupt nicht, und so wies er seine Kirchenzeitung an, zum Boykott der Stunksitzung auf- und den WDR zur Ordnung zu rufen, der die Stunksitzung seit 1991 ausstrahlt. Ein Mitglied von "Meises" Kirche erstattete Anzeige unter Berufung auf § 166 Strafgesetzbuch, der „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschaungsvereinigungen" unter Strafe stellt, und Oberstaatsanwalt Rainer Wolf („Wir müssen jeder Anzeige nachgehen.") teilte mit, er werde sich „den Sketch ansehen – notfalls live im E-Werk". Ergebnis: Die Stunker durften "Ratze und Meise" weiter vorführen.

Jugendliche: 'Ah, Benedetto. Ich will kein  Kind von Dir'
Jugendliche: 'Ah, Benedetto. Ich will kein Kind von Dir'
Foto: A. & W. Bartscher / dea-NewsInfo.Net


Der damalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen und sein TV-Direktor Ulrich Deppendorf dagegen entschieden im Sinne von "Meise" und ordneten an, dass der und "Ratze" aus dem Karnevalssamstagabendprogramm gekippt wurden. Begründung: „Die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung sind zu stärken und zu achten."

Nicht so pingelig wie mit dem Kardinal ist der WDR dagegen, wenn es um Urheberrechte von fremden Filmproduktionen geht. Für seine Sendung "20 Jahre Stunksitzung“ hatte nämlich das Kölner KAOS Film- und Video-Team dem dafür verantwortlichen WDR-Redakteur zu einem Freundschaftspreis ein paar Stunker-Nummern aus dem Jahr 1990 zur Verfügung gestellt. Die Stunksitzung 1990 hatte KAOS auf dem unabhängigen Fernsehfenster KANAL 4 auf den Frequenzen von RTL gesendet und durch den Riesenerfolg den WDR dazu gebracht, die bis dahin von dessen Verantwortlichen boykottierten "Stunker" ab 1991 endlich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auszustrahlen. Zwei der "Stunker"-Auftritte von 1990 kann man nun – ohne dass KAOS danach gefragt wurde, ohne dass die Kölner TV-Produktion als Urheber genannt wird und natürlich auch ohne dafür zu bezahlen - auf der eingangs erwähnten neuen DVD von WDR und FEEZ bewundern. Der Kölner Rechtsanwalt Eberhard Reinecke hat sich der Sache angenommen. Mal sehen, mit welchem Ergebnis. (PK)
 
Die ganze Geschichte von "Ratze & Meise" und dem WDR finden Sie in der NRhZ-Ausgabe 33 vom 28. 2. 2006 unter dem Titel „Zensur an Stunksitzung und MONITOR“ und den "Ratze & Meise"-Film natürlich noch einmal in dieser aktuellen NRhZ. Die komplette Stunksitzung 1990 kann man als DVD unter www.kaos-archiv.de bestellen. 

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Online-Flyer Nr. 185  vom 12. Dezember 2017



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