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Aktueller Online-Flyer vom 30. Juli 2016  

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Arbeit und Soziales
Von der Finanzkrise in die 20:80-Gesellschaft
Brot und Tittytainment für den Rest
Von Jens Berger

Die Weltwirtschaft befindet sich im freien Fall – wie wird die Gesellschaft mit der zu erwartenden Massenarbeitslosigkeit umgehen? Als die Digitale Revolution und die Globalisierung in den 1990er Jahren ihren Siegeszug antraten, sagten Zukunftsforscher den Weg in eine 20:80 Gesellschaft voraus. Nur 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung würden im 21. Jahrhundert ausreichen, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. 80 Prozent der Bevölkerung wären demnach arbeitslos und müssten mit „Tittytainment“ bei Laune gehalten werden.

Da die Ursachen für diese Entwicklung weniger im globalen Handel, als vielmehr im technischen Fortschritt liegen, wird die kommende Weltwirtschaftskrise ein Beschleuniger für diese Entwicklung sein. Konzepte, wie unsere Gesellschaft mit der kommenden Massenarbeitslosigkeit umgehen soll, gibt es allerdings wenige und weder Politik noch Wirtschaft scheinen ein Interesse daran zu haben, sich den Fragen der Zukunft bereits jetzt zu stellen.

Werden wir in einer Gesellschaft mit Massenarmut und Chaos leben oder aber in einer Gesellschaft, in der sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten können? Die Weichen dafür müssen in den nächsten Jahren gestellt werden.

Die 20:80 Gesellschaft


Im September 1995 traf sich die globale Elite im noblen Fairmont Hotel in San Franzisco. Auf Einladung der Gorbatschow-Stiftung kamen 500 führende Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler aller Kontinente zusammen, um über den „Weg ins 21. Jahrhundert“ zu diskutieren.

Hauptdiskussionsthema der Veranstaltung war die These, nach der im 21. Jahrhundert nur noch 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreichen würden, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten.

Als geistiger Vater der 20:80 Gesellschaft gilt der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin, der in seinem Buch „Das Ende der Arbeit" die Folgen des technischen Fortschritts analysierte und dabei zu dem Schluss kam, dass die Arbeit sich selbst abschafft. Die fortschreitende Rationalisierung der Prozesse im Produktions- und Dienstleistungsbereich und der weltweite Einsatz der Informationstechnologien führen laut Rifkin zu einem Produktivitätsschub, der viele Millionen Arbeitsplätze überflüssig macht. Die kapitalistische Logik, nach der technologischer Fortschritt und gesteigerte Produktivität zwar alte Jobs vernichten, dafür aber mindestens genauso viele neue schaffen würden, hält Rifkin für einen Trugschluss. Es sei keine Frage, ob die 20:80 Gesellschaft kommt, sondern wie wir damit umgehen, denn die Entwicklung sei unumkehrbar – langfristig wird die Arbeit verschwinden.

Arbeitsplatzkiller Fortschritt

In der vorindustriellen Zeit arbeiteten über 80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Die Bruttowertschöpfung lag damals bei wenigen hundert Euro pro Kopf und Jahr. Mit dem technischen Fortschritt hat sich dies umgekehrt – heute sind rund 2,5 Prozent der Bevölkerung im Agrarsektor tätig, erzeugen dabei aber eine vergleichbare Menge an Produkten und erwirtschaften rund 15.000 Euro pro Kopf und Jahr.

Die gleiche Entwicklung findet seit längerem im industriellen Sektor statt. Vom Ende der industriellen Revolution bis in die 1970er Jahre waren zwischen 40 und 50 Prozent der Bevölkerung Deutschlands in der Güterproduktion tätig. Der Siegeszug der Produktivitätssteigerung durch moderne Technik ließ den Anteil der Beschäftigten seitdem stetig auf den heutigen Wert von rund 30 Prozent sinken. Dennoch steigerte sich von Jahr zu Jahr sowohl der Produktausstoß als auch die Wertschöpfung. Im produzierenden Sektor findet laut Rifkin momentan ein Wandel hin zu einem Markt statt, der zum allergrößten Teil ohne menschliche Arbeitskraft funktioniert. Er prognostiziert für die kommenden Jahrzehnte einen massiven Arbeitsplatzabbau in der Industrie, analog zu dem in der Landwirtschaft zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Über zwei Drittel aller deutschen Arbeitnehmer sind heute im Dienstleistungssektor beschäftigt, der mit über 72 Prozent auch den höchsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat. Die „dritte industrielle Revolution“, als die der Siegeszug der Informationstechnologie der letzten zwei Jahrzehnte auch bezeichnet wird, stellt jedoch auch hier die Weichen zu einem Wachstum des Umsatzes bei gleichzeitigem Rückgang des Faktors menschliche Arbeit.

Jobless Growth

Paul Saffo vom IFTF in Palo Alto meinte einmal, dass sich das Geschäft der Informationstechnologie in den 1980ern darum drehte, dass Menschen mit Menschen reden. Heute ginge es darum, Maschinen mit Maschinen reden zu lassen, der Faktor Mensch wird dabei überflüssig. Jahrzehnte der boomenden Weltwirtschaft haben weltweit eines demonstriert: Die Produktion steigt, die Produktivität steigt, aber die Arbeitsplätze nehmen ab – Jobless Growth ist zum Normalzustand geworden.


Grafik: Jens Berger 

Sogar in den boomenden Schwellenländern Asiens ist mit dem exorbitanten Wirtschaftswachstum die Zahl der Arbeitslosen nicht etwa gesunken, sondern sogar gestiegen. Wenn die Löhne in diesen Ländern mit der Zeit steigen werden, wird auch dort die Produktivität weitere Arbeitsplätze vernichten. Fabrikhallen, die mit tausenden Arbeitern gefüllt sind, die Tätigkeiten ausführen, die auch eine moderne robotergesteuerte Produktionsstrasse erfüllen könnte, wird es nur so lange geben, wie die menschliche Arbeitskraft billiger als die Maschine ist. Das Endstadium dieser Entwicklung ist auch dort die 20:80 Gesellschaft – der Fortschritt lässt sich weder zurückdrehen, noch kennt er Grenzen.

Autos kaufen keine Autos


Während jedes einzelne Unternehmen diese Entwicklung begrüßt, da sie die eigene Konkurrenzfähigkeit steigert und die Rendite erhöht, steht die Volkswirtschaft vor einem Dilemma. Produkte und Dienstleistungen müssen schließlich auch von Kunden gekauft werden und wenn immer weniger Menschen zu immer niedrigeren Löhnen Produkte und Dienstleistungen erwirtschaften, gibt es auch immer weniger Kunden für diese Produkte.

Im Zeichen der 20:80 Gesellschaft muss das marktwirtschaftliche System daher einen Weg finden, um die Zahl der Konsumenten möglichst groß zu halten. Gelingt dies nicht, kollabiert das System.

Auf dem Weg in die Weltwirtschaftskrise

Die USA galten über Jahrzehnte hinweg als Motor der Weltwirtschaft. Doch das schmutzige Geheimnis hinter dem US-Wirtschaftsboom ist – so Rifkin – die wahnsinnige Verschuldung der privaten Haushalte. Laut der US-Notenbank Federal Reserve beträgt das Volumen der US-Verbraucherkredite stolze 2,56 Billionen Dollar – rund 9.000 Dollar pro Kopf, vom Baby bis zum Greis. Die Zahl der Privatinsolvenzen wird in diesem Jahr die Millionengrenze erreichen, dies entspricht fast der Zahl der Universitätsabsolventen. Die Finanzkrise und ihre Folgen sind daher eine verheerende Lawine für das Schneeballsystem des amerikanischen Wachstums auf Pump. Die Arbeitslosenzahlen werden über kurz oder lang [extern] steigen, der drohende Bankrott der US-Automobilindustrie ist dabei nur eines von vielen Menetekeln.

Damit befinden sich die USA auf dem besten Wege in die 20:80 Gesellschaft. Wenn der irrationale Faktor Verschuldung sich aufgelöst hat, wird sich die amerikanische Volkswirtschaft auf einem bereinigten Niveau wieder finden. Wie sie damit umgehen wird, ist eine andere Frage, denn kaum ein anderes Land ist durch mangelhafte Sozialsysteme derart schlecht vorbereitet auf die 20:80 Gesellschaft wie die USA.

Exportweltmeister am Scheideweg

Der weltweite Nachfragerückgang wird neben den Importeuren allerdings auch die Exporteure bis ins Mark treffen. Kein anderes Industrieland hat sich in den letzten Jahrzehnten so sehr auf den Export konzentriert wie Deutschland und daher wird auch kein anderes Industrieland derart hart vom Exporteinbruch, der einer Weltwirtschaftskrise zwangsläufig folgt, getroffen werden. Während in den USA die private Verschuldung Jobs im Dienstleistungssektor geschaffen hat, hat die amerikanische Nachfrage in Deutschland vor allem im Industriesektor auf die Arbeitsmarktzahlen gewirkt. Ohne die weltweit auf Pump verkauften Güter wäre der Arbeitsplatzrückgang im produzierenden Sektor wesentlich signifikanter gewesen. Der Rationalisierungsfortschritt in der Produktion konnte in Deutschland so über Jahre hinweg durch einen gesteigerten Produktausstoß kompensiert werden.


Grafik: Jens Berger

Jahrelang schien es so, als sei der Welthandel ein Perpetuum Mobile, bei dem die eine Seite das konsumiert, was die andere Seite produziert. Die täglich eintreffenden Hiobsbotschaften aus der produzierenden Industrie zeigen nun auf, dass Deutschland keine Insel der Glückseligen in einem weltwirtschaftlichen Orkan ist. Auch in Deutschland wird sich die Weltwirtschaftskrise massiv auf die Arbeitslosigkeit auswirken. Um dies vorherzusagen, muss man wahrlich kein Prophet sein.

Die Finanzkrise hat letztendlich nur eine Phase des irrationalen Aufschwungs auf Pump beendet. Für die Weltwirtschaft ist sie ein Korrektiv, technischer Fortschritt und eine gestiegene Produktivität lassen sich allerdings bei zurückgehenden Produktionszahlen nicht zurückdrehen. Der Fortschritt bleibt, die Arbeit geht. Was zurückbleibt ist ein Heer von Arbeitslosen.

Das Industriezeitalter mit seinem Massenwohlstand ist nicht mehr als ein Wimpernzucken in der Geschichte der Ökonomie, John Naisbitt, amerikanischer Zukunftsforscher

Mythos Vollbeschäftigung

Schon heute stehen 22 Mio. sozialversicherungspflichtigen Vollzeitarbeitskräften nicht nur 25 Mio. Rentner, sondern auch 1 Mio. Empfänger von Arbeitslosengeld I und 8,3 Mio. Empfänger von staatlichen Transferleistungen zur Sicherung ihres grundlegenden Lebensunterhalts gegenüber. Die Zahl derjenigen, die ihren Lebensunterhalt mit klassischer Vollzeiterwerbstätigkeit verdienen, ist in allen OECD-Staaten rückläufig und eine Rückkehr zur Vollbeschäftigung ist nicht zu erwarten.

Der Siegeszug der Globalisierung hat nicht nur zu einem weltweiten Wirtschaftsaufschwung beigetragen, sondern auch zu Renditeerwartungen, die in vielen Bereichen der Wirtschaft bei der gegebenen Marktsituation nicht mehr erreichbar sind. Wer mit der hoch produktiven Wirtschaftsleistung nicht mithalten kann, wird sein Produkt oder seine Dienstleistung nicht mehr verkaufen können. Diese Entwicklung ist nicht eben neu. Ganze Berufszweige sind von der Bildfläche verschwunden, weil sie von der Produktivität in anderen Bereichen verdrängt wurden.

So ist das Berufsbild des Schuhmachers in Deutschland weitgehend von der Bildfläche verschwunden, da handgefertigte Produkte mit der Konkurrenz aus der Massenproduktion in modernen Fabriken nicht mehr mithalten können. Das Verhältnis von menschlicher Arbeitszeit pro Produkteinheit ist durch diese Produktionsumstellung massiv gesunken. Dieser Prozess ist unumkehrbar. Lange hat man auf ein Wachstum der Absatzmärkte gehofft. Sind diese allerdings ebenfalls gesättigt, geht das Angebot an Arbeitsplätzen durch vorhandene und zukünftige Produktivitätsverbesserungen nur noch in eine Richtung – abwärts.

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen

Da der Mythos der Vollbeschäftigung in einem gesättigten Markt bei steigender Produktivität nicht aufrecht erhalten werden kann, ist es auch an der Zeit, sich vom Golden Kalb „Arbeit“ zu verabschieden. Wenn „Arbeit“ nicht mehr die dominierende Erwerbsform in der Gesellschaft ist, wird man sich auch von der gesellschaftlichen Norm der Erwerbstätigkeit verabschieden müssen. Arbeit als zentraler Lebensinhalt ist sowohl ein puritanisches, als auch ein sozialistisches Dogma. In einer Gesellschaft, in der ein kleiner Teil des vorhanden Arbeitspotentials ausreicht, um die Güter und Dienstleistungen hervorzubringen, mit denen eine hohe Lebensqualität aufrecht erhalten werden kann, wirkt der Ruf nach „Arbeit für alle“ anachronistisch.

Es kann nicht die Erfüllung des Menschen sein, jeden Tag dieselbe stupide Tätigkeit auszuführen. Warum sollten Menschen tagaus tagein dieselben Handgriffe in einer Produktionsstrasse ausführen oder dieselben Fragen am Telefon beantworten, wenn dies auch Maschinen tun können? Die gewonnene Freizeit könnte endlich sinnvoll genutzt werden. Das eigentliche Problem der Arbeitslosigkeit ist nicht sie selbst, sondern ihre Finanzierbarkeit.

Wenn genügend Leute glauben, dass die krasse ökonomische Vernunft sie ihrer Lebenschancen beraubt, werden sie sich erheben. Jedenfalls kann selbst in unserem Teil der Welt niemand die Hand dafür ins Feuer legen, dass es künftig keine Revolution mehr geben wird. Man sollte die Geschichte nicht durch einen Mangel an Fantasie beleidigen, Theo Sommer, ehemaliger Herausgeber der ZEIT

Brot und Spiele

Im alten Rom wurde versucht, die ökonomische Schieflage zwischen reichen und armen Bürgern der Stadt, die durch eine stetig wachsende Zahl von Sklaven forciert wurde, durch Brot und Spiele zu entschärfen. Was im alten Rom die Sklaven waren, sind heute die Maschinen, und was Brot und Spiele waren, sind heute Hartz-IV und RTL. Der alte Haudegen Zbigniew Brzezinski brachte dafür den Begriff „Tittytainment“ ins Spiel. Dabei geht es nicht um den sexuellen Inhalt der Unterhaltung für die Massen, sondern um die Milch, die aus der Brust einer stillenden Mutter strömt. Die Bevölkerung soll mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und einem Mindestmaß an Lebensqualität bei Laune gehalten werden. Je besser eine Gesellschaft den Zusammenhalt durch eine Wahrung an Lebensqualität für breite Schichten erhalten kann, desto zukunftsträchtiger wird diese Gesellschaft sein. Große Teile der Bevölkerung vom allgemeinen Wohlstand fernzuhalten, würde nicht nur Chaos und Revolution hervorrufen, sondern den ökonomischen Kern der modernen Marktwirtschaft zerstören, wenn die Massen die hochproduktiv erzeugten Produkte und Dienstleistungen nicht mehr nachfragen können, kollabiert das System. Die Wahrung eines komfortablen Lebensstandards für die nicht werktätige Bevölkerung ist somit kein altruistisches Ideal, sondern vielmehr ein gesamtwirtschaftlicher ökonomischer Zwang.

Die drei Pseudotheorien

Die Arbeit verschwindet – das will kein Politiker seinen Wählern erzählen. Stattdessen – so Jeremy Rifkin – hat sich die Politik drei Pseudotheorien ausgedacht, um diese Entwicklung zu erklären. Wir verlieren in unserem Land Jobs, weil die bösen Unternehmer Stellen ins Ausland verlagern. Wir haben genug Jobs, die Leute sind nur nicht richtig ausgebildet. Wir haben zu wenig Jobs, weil die Sozialabgaben zu teuer sind. Alle drei Argumente sind für Jeremy Rifkin absurd.

Ideen für die Zukunft

Die 20:80 Gesellschaft kann nur dann bestehen, wenn die 80%, die keinen Vollzeitarbeitsplatz haben, durch eine breite Verteilung des Wohlstandes an der Gesellschaft teilhaben können, ohne sich ausgestoßen zu fühlen und ihrer Chancen zu beraubt sehen. Die potentiell zu verteilende Masse ist in einer hochproduktiven Volkswirtschaft vorhanden. 2006 hatte Deutschland ein Bruttonationaleinkommen von über 2,3 Billionen Euro – rund 28.000 Euro pro Kopf.

An einer Form des bedingungslosen Grundeinkommens (siehe [local] Bedingungsloses Grundeinkommen) wird man also kaum vorbeikommen – es ist nicht die Frage, ob ein solches Grundeinkommen kommen wird, sondern in welcher Form und in welcher Höhe. Auf dem Weg dorthin werden auch noch viele Detailfragen zu klären sein. Auf EU-Ebene harmonisierte Grundeinkommen und Steuersysteme könnten beispielsweise negative Konkurrenzeffekte minimieren. So lange nationale Politik sich zuförderst aus Konkurrenzdenken speist, ist dies allerdings noch ein langer Weg.

Utopien sind gefragt

Wenn die Verteilungsfrage auf diese Art und Weise gelöst würde, gäbe es mannigfaltige Wege, wie sich die von der Arbeit befreiten Menschen individuell entfalten und damit der Gesellschaft einen Dienst erweisen können. Das Ehrenamt könnte dann beispielsweise seinen Status als Hobby für Besserverdienende ablegen und breiten Kreisen eine sinnvolle Tätigkeit im sozialen, kulturellen oder pädagogischen Bereich ermöglichen. Auch Bildung und der Zugang zum Wissen, den Jeremy Rifkin in seinem Buch „Access“ als den Schlüsselfaktor für die Zukunft der Arbeit ansieht, könnten dann abseits jeglicher Marktlogik abseits von Rentabilitätszwängen vermittelt werden.

Dem Menschen der Zukunft würde so etwas wiedergegeben, dass ihm in den Zeiten der industriellen Revolution genommen wurde – die Zeit. Überstunden und die 40-Stunden Woche könnten in einer 20:80 Gesellschaft der Vergangenheit angehören, da Arbeit besser organisiert wäre. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ – Marx hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass sein Ideal ausgerechnet durch die Abschaffung der Arbeit umsetzbar sein könnte. Generationen von Ökonomen haben sich damit beschäftigt, die Marktwirtschaft zu analysieren und die Produktivität zu steigern – heute ist die Marktwirtschaft so produktiv, dass ein Festhalten am eingeschlagenen Weg die Marktwirtschaft selbst bedroht. Ohne einen tief greifenden Paradigmenwechsel und ohne Utopien wird die Gesellschaft am Fortschritt scheitern.

-Das Ende der Arbeit kann für die Menschheit einen großen Sprung nach vorn bedeuten. Wir müssen ihn aber auch wagen, Jeremy Rifkin (HDH)

Der Artikel erschien am 9.12.2008 bei telepolis/heise.
Unser Anreißerbild stammt von geralt/pixelio

Online-Flyer Nr. 177  vom 17.12.2008

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