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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Fotogalerien
Eine Ausstellung der Arbeiterfotografie Köln, von Portraits und Statements zu '68
„68er Köpfe“
Von Christian Heinrici und der Arbeiterfotografie Köln

Sie sind ganz verschieden, die „68er Köpfe“, so wie ihre Werdegänge und vielleicht auch die Beweggründe, die sie dazu gebracht haben, 1968, davor und danach, zu rebellieren, jede und jeder auf die ganz eigene Art. Die Portraitierten zeugen von der Vielfalt der Bewegung und davon, dass längst nicht jeder bei dem „Marsch durch die Institutionen“ ebendort stecken geblieben ist. Mit ihrer Ausstellung legt die Arbeiterfotografie ein eindrucksvolles Dokument der Rebellion vor – damals wie heute.

In der Ausstellungshalle der Alten Feuerwache in Köln sind sie noch bis zum 19. Oktober zu sehen, die „68er Köpfe“: Menschen die sich vor vierzig Jahren an den Schulen, Unis oder in den Betrieben politisiert haben und die nicht aufgehört haben zu kämpfen. Die Ausstellung zeigt großformatige Portraits und die 68er, von denen viele eine Verbindung zu Köln haben oder dort stadtbekannte Persönlichkeiten sind, in ihrer heutigen Umgebung, ihrem Aktionsfeld. In einem dokumentierten Fragenkatalog geben die Portraitierten Auskunft über ihre Motivationen, Aktivitäten, Ereignisse, die sie besonders geprägt haben, Ziele, Wirkung und Rezeption der 68er Jahre.

„68er Köpfe“ hat ohne Zweifel zeitdokumentarischen Wert, doch die Fragen und die Antworten der Exponenten weisen in die Zukunft. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind sehr persönlich, kommen den Menschen nah – auch dem Betrachter: Sie bewegen, durch die Geschichte und die Geschichten, die sie erzählen, die Geschichte der menschlichen Emanzipation, die noch lange nicht zu Ende geschrieben ist. Die Ausstellung mit Fotografien von Anneliese Fikentscher, Senne Glanschneider, Hans-Dieter Hey, Andreas Neumann, Karin Richert und Gabriele Senft, hat auch der Kinder- und Enkelgeneration etwas zu sagen und wird hoffentlich noch in anderen Zusammenhängen zu sehen sein.

Die NRhZ zeigt in den kommenden Ausgaben weitere Fotografien der „68er Köpfe“ sowie die Antworten aus dem Fragenkatalog – in dieser Ausgabe gibt es einen Vorgeschmack mit Auszügen aus der Biografie der Portraitierten:

Klaus Schmidt
„Der Kampf geht weiter – global“

Klaus Schmidt 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln

            
Foto: Andreas Neumann

Klaus Schmidt,
geboren 1935 in Reydt +++ Studium der Theologie, Geschichte und Soziologie +++ 1961/62 Antirassismus-Training unter Martin Luther King in den USA +++ 1965 Berufsschulpfarrer in Köln +++ 1969/70 Sprecher der „Aktion Kirchenreform“ +++ 1970 Vorsitzender des „Republikanischen Clubs Köln“ +++ trotz Widerstände der Kirchenleitung Wahl zum Studentenpfarrer in der Kölner Ev. Studentengemeinde +++ Begleitung von Günter Wallraff und seine Arbeit +++ Publikation zum Thema Christen und Sozialismus, gemeinsam mit Dorothee Sölle, Walter Dirks und Martin Stankowski +++ Aktionen für Nicaragua +++ Freundschaft mit dem ASTA-Auslandsreferenten Enrique Schmidt +++ Abwehr von Berufsverbotsversuchen +++ 1978 Pfarramt in Troisdorf (trotz sog. „Sympathisanten“-Verdächtigungen) +++ 1987/88 theologische Dozentur und Menschenrechtsarbeit auf den Philippinen +++ dort Inhaftierung durch das Militär (absurder Vorwurf: Beteiligung an Guerilla-Aktionen) +++ Freilassung nach wochenlangen Interventionen (durch Botschaft, Außenminister u.a.) +++ danach kontinuierliche Mitarbeit im Philippinenbüro +++ nach langjähriger Mitgliedschaft Austritt aus der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“ (insbesondere wegen Kosovo-Politik) +++ sechsjährige Unterstützung der „Kölner Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung“ +++ ab 1996 Rückbesinnung auf die demokratischen Wurzeln und Freiheitsbewegungen im eigenen Land: Publikationen über die Revolution 1848/49 in der preußischen Rheinprovinz.


Kurt Holl:
Als Verliebtsein und Rebellieren eins waren

Kurt Holl 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Kurt Holl, geboren 1938 in Nördlingen +++ überlebt den Krieg auf dem Hof seiner Großeltern, umsorgt von zwei russischen Zwangsarbeitern +++ 1953 verschlägt es ihn nach Köln +++ hat während seiner Schulzeit Kontakt zur algerischen Befreiungsfront (FLN) +++ erhält 1959 während seines Theologiestudiums zum ersten Mal Besuch vom Verfassungsschutz +++ als die BRD nicht nur den Kolonialkrieg der Franzosen unterstützt, sondern auch den Vernichtungskrieg der USA gegen das vietnamesischeVolk, tritt er aus der SPD aus +++ Staatsexamen als Lehrer +++ kurzer Marsch durch die Institutionen, „Entfernung aus dem Schuldienst“ nach 1968 als SDS-Mitglied (Begründung: „Herr Holl hat nicht die für einen Beamten notwendige charakterliche Eignung“) +++ Versuch der Stadt, ihn durch „Pflichtarbeit“ auf dem Melatenfriedhof zu „resozialisieren“, misslingt: Verbot, den „Friedhof weiterhin zu betreten“, er habe die anderen „Pflichtarbeiter“ zum Streik aufgestachelt +++ bereitet einen Einbruch in das „EL-DE Haus“ vor, in dessen Kellerräumen sich die Zellen des ehemaligen Gestapogefängnisses befinden, wo Tausende von Wandinschriften der Häftlinge einer „Renovierung“ zum Opfer fallen sollen (lichtete in einer Nacht gemeinsam mit dem Fotografen Goni Huber 1200 Graffitis der Inhaftierten ab) +++ als er wieder Lehrer sein darf, fällt er unter die Zigeuner, die von der Wiese hinter seiner Schule vertrieben werden sollen, und versucht gemeinsam mit ihnen, die unverschämtesten Angriffe auf ihre Rechte abzuwehren +++ wenn er manchmal resignieren will, machen ihm seine Frau Hanne und seine Söhne Hannes und Benjamin wieder Mut.


Erasmus Schöfer
„Ein Frühling irrer Hoffnung“


Erasmus Schöfer 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Andreas Neumann

Erasmus Schöfer,
geboren 1931 in Altlandsberg bei Berlin +++ studiert an den Universitäten in Berlin, Köln, Bonn und Freiburg im Breisgau Germanistik, Sprachwissenschaft und Philosophie, unterbrochen von einer dreijährigen Tätigkeit als Fabrikarbeiter in Berlin und Köln +++ 1960 Promotion zum Doktor der Philosophie +++ seit 1962 als freier Schriftsteller tätig +++ zieht 1965 nach München, wo er sich gegen die Notstandsgesetze und später in der Ostermarschbewegung engagiert +++ 1969 Mitgründer des „Werkkreises Literatur der Arbeitswelt“, dessen Sprecher er bis 1973 ist und für den er zahlreiche Veröffentlichungen betreut +++ nachdem er einige Jahre auf den griechischen Inseln Patmos und Ithaka gelebt hat, wohnt er seit 1970 in Köln +++ ist seit 1970 Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller (zeitweise Bundesvorstand) und seit 1980 des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland +++ zwischen 2001 und 2008 erscheint die Sisyfos-Tetralogie, ein auf vier Bände angelegter Romanzyklus „Die Kinder des Sisyfos“ über die deutsche und europäische Geschichte zwischen ’68 und ’89.



Maria Mies
„Unter dem Pflaster, da liegt das Land“


Maria Mies 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Maria Mies, geboren 1931 als Kind einer Bauernfamilie in der Eifel +++ kann als erstes Mädchen ihres Dorfes eine Höhere Schule besuchen +++  wird Lehrerin für Englisch und Deutsch, arbeitet von 1963 bis 1968 als Lektorin für Deutsch am Goethe-Institut in Puna, Indien +++ studiert Soziologie an der Universität Köln und wird dort von der Studentenbewegung stark beeinflusst +++ Professorin für Soziologie am Fachbereich für Sozialpädagogik an der FH Köln +++ gründet mit ihren Studentinnen 1976 das erste autonome Frauenhaus in Deutschland +++ ist bis heute eine Aktivistin und Theoretikerin der Internationalen Frauenbewegung +++ 1979-1982 Gastprofessur am Institute of Social Studies in Den Haag +++ untersucht die Zusammenhänge zwischen Patriarchat und Kapitalismus, engagiert sich in Ökologiebewegung, Friedensbewegung und Bewegung gegen Kolonialismus und kämpft seit 1997 aktiv gegen die neoliberale Politik und Privatisierung +++ Mitbegründerin der Bewegung gegen das MAI (Multilateral Agreement on Investment) +++ veröffentlicht Bücher wie „Frauen, die letzte Kolonie“, „Patriarchat und Kapital“, „Ökofeminismus“, „Die Subsistenzperspektive“, „Lizenz zum Plündern“, „Globalisierung von unten“, und „Krieg ohne Grenzen“. 2008 ist ihre Biographie „Das Dorf und die Welt – Lebensgeschichten, Zeitgeschichten“ erschienen.


Dieter Höss
„Ein Beginn hoffnungsvoller Zeiten“


Dieter Höss 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Senne Glanschneider

Dieter Höss, geboren 1935 in Immenstadt im Allgäu +++ macht Abitur am Abendgymnasium in Köln +++ ist nach einer Ausbildung zum Grafiker über zehn Jahre selbständig in diesem Fach tätig +++ beginnt daneben, schriftstellerisch zu arbeiten +++ seine ersten satirischen Gedichte erscheinen im „Simplicissimus“, danach regelmäßig Texte in „pardon“, „Die Zeit“, „stern“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Rundschau“, „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Augsburger Allgemeine“, „Nürnberger Nachrichten“ uvm. sowie im Radio +++ veröffentlicht zahlreiche Bücher +++ erhält im Jahr 2000 in Siegburg den Rheinischen Literaturpreis für sein Lebenswerk +++ ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt als freier Autor in Köln.


Birgit Netschert
„Gegen alle Formen der Macht“


Birgit Netschert 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Hans-Dieter Hey

Birgit Netschert, geboren 1944 +++ herangewachsen im Jahrzehnt der Ideologie der „Sozialen Marktwirtschaft“ und des Antikommunismus, der Entpolitisierung der Massen +++ Konsequenz: Einzelgängerin, Flucht ins Kulturstudium (Theaterwissenschaft, Germanistik, Philosophie) +++ 1968 Wissenschaftskritik, Basisgruppenarbeit „Wem nützt das, was wir lernen“ +++ Ergebnis: Bruch mit der Perspektive bürgerlichen Kulturschaffens, Aufgabe: Kapitalismus als Herrschaftsform angreifen +++ 1970 Mitwirken in der Gruppe „Arbeiterkampf“ (Ford von außen) +++ 1971-73: 4711, Betriebsarbeit in Frauenbetrieb +++ 1973-76 Frauenzentrum Ehrenfeld +++ 1976-77 Einzelkampf als Lehramtsanwärterin +++ 1977 Kampf in der „Nippeser Baggerwehr“ gegen den Bau der Stadtautobahn +++ 1977-79 Hauptschullehrerin +++ 1979-80 „Exil“ (Belgien, Frauenzentrum und kämpferische ArbeiterInnen-Kultur) +++ 1980 Besetzung von Stollwerck und Kartäuserwall, Frauenkneipe, Anti-Knast-Arbeit +++ ab 1981 Mitarbeit im „Kölner Volksblatt“ +++ 1991 Hausbesetzungen Zülpicher Wall und Kartäuserwall +++ Mitarbeit im Selbsthilfe-Kollektiv Anti-Knast-Werkstatt +++ 1992 Gründung der Mitmachzeitung „von unge“ – seit 1998 unter dem Titel „kumm erus“.


Werner Rügemer
„Nochmal, aber besser!“


Werner Rügemer 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Werner Rügemer, geboren 1941 in Amberg +++ studiert in München, Tübingen, Berlin, Paris, Bonn +++ aktiv in „Marxistischer Studentenbund Spartakus“ und Studentenparlament Bonn +++ Promotion an der (damaligen) Reformuniversität Bremen zu „Philosophische Anthropologie und Epochenkrise“ +++ 1975-1989 Redakteur von „Demokratische Erziehung“ (Pahl-Rugenstein Verlag) +++ Publizist und Lehrbeauftragter an der Universität zu Köln +++ Vorsitzender von „Business Crime Control“ +++ Politische Stadtführungen durch Köln +++ Einige Veröffentlichungen: Letzte Bücher: „Colonia Corrupta“ (2002), „Cross Border Leasing. Lehrstück zur Enteignung der Städte“ (2004), „Die Berater“ (2004), „Der Bankier. Ungebetener Nachruf auf Alfred von Oppenheim“ (2006), „Heuschrecken im öffentlichen Raum. Public Private Partnership“ (2008) +++ zahlreiche Verleumdungsklagen durch Unternehmen und Politiker +++ Veranstaltungsverbot in der Kölner VHS und allen städtischen Räumen wegen „Colonia Corrupta“ +++ drei Journalistenpreise +++ durch Gerichtsurteil Aushändigung des aberkannten Preises des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) +++ ausgezeichnet mit dem Kölner Karls-Preis 2008 der Neuen Rheinischen Zeitung +++
www.werner-ruegemer.de



Wolfgang Bittner
„Gegen latenten Faschismus, für demokratische Verhältnisse“


Wolfgang Bittner 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
             Foto: Andreas Neumann

Wolfgang Bittner, geboren 1941 in Gleiwitz +++ lebt als freier Schriftsteller in Köln +++ der promovierte Jurist schreibt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, erhielt mehrere Preise und Auszeichnungen und ist Mitglied im PEN +++ Mitarbeit bei Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen; Lehrtätigkeit im In- und Ausland +++ von ihm erscheinen mehr als 60 Bücher, u.a. die Romane „Niemandsland“, „Narrengold“ und „Der Aufsteiger oder Ein Versuch zu leben“ (siehe auch diese Ausgabe der NRhZ) – ein, wie Martin Walser sagte, „exemplarischer Entwicklungsroman“ vor dem Hintergrund des deutschen Wirtschaftswunders und der Studentenrevolte, sowie der Erzählband „Das andere Leben“ und das Sachbuch „Beruf: Schriftsteller“ +++ www.wolfgangbittner.de


Walter Herrmann
„Nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen“


Walter Herrmann 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Walter Herrmann, geboren 1939 in Würzburg +++ lebt seit 1967 in Köln +++ von Beruf Lehrer +++ 1968 Mitwirkung beim Aufbau der Sozialistischen Selbsthilfe Köln (SSK) +++ Engagement für das autonome Kulturzentrum Stollwerck und die Bäume am Kaiser-Wilhelm-Ring (Platania) +++ 1. Klagemauer: Protest gegen das Abholzen von Platania +++ 2. Klagemauer: zur Wohnungsnot, in der Schildergasse +++ 3. Klagemauer: für Frieden und Völkerverständigung, auf der Domplatte (seit Beginn des Golfkriegs 1991) – gegen den Widerstand von Stadt und Kirche, in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen (2008 zu den Themen Hiroshima/Nagasaki und Israel/Palästina) +++ „Klagemauer-Gastspiele“ in Bonn, Koblenz, Leipzig, Amsterdam, Aachen, Berlin, Mainz +++ 2001 Engagement gegen die Veräußerung der Flora/Botanischer Garten an die „Zoo AG“ +++ 2003 Engagement gegen die Veräußerung der GAG- und Grubo-Wohnungen an eine auswärtige Heuschrecke.


Lothar Gothe
„1968: notwendige Revolte – unvollendet“


 Lothar Gothe 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Lothar Gothe, geboren 1944 im Oberbergischen +++ katholische Dorfvolksschule +++ Aufbaugymnasium, 1963 Abitur, Studium in Köln (Germanistik, Philosophie, politische Wissenschaften) +++ 1967 politische Happenings an der Uni +++ 1968 Aktionen im antiautoritären SDS (Rektoratsbesetzung/Barrikade u.a.) +++ Studium nach acht Semestern abgebrochen +++ später Examen als Sozialarbeiter +++ 1969 Wohngemeinschaft Salierring 41 +++ dort entsteht 1969/70 der SSK (Sozialistische Selbsthilfe Köln) +++ 1970 Familiengründung (drei Kinder) +++ leben, arbeiten und kämpfen im SSK +++ Versuch eine Utopie zu leben +++ 1986: Tschernobylschock +++ aus dem SSK heraus entstehen zwei ökosoziale Projekte im Bergischen Land (Subsistenzbauernhof/neuartige Kompostieranlage für Küchenabfälle) +++ erfolgreiche Aktionen mit attac gegen grüne Gentechnik, cross-border-leasing-Projekt u.a.


Ellen Diederich
„Wir werden die Welt verändern“


Ellen Diederich 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Anneliese Fikentscher

Ellen Diederich, geboren 1944 in Dortmund +++ seit 1961 Beteiligung an Aktionen der Friedens-, der Frauenbewegung, gegen Herrschaftsstrukturen, Krieg und Gewalt, konzerngesteuerte Globalisierung, Privatisierungspläne und Liberalisierung +++ vor und 1968 Beteiligung an der Kampagne gegen die Notstandsgesetze, nach dem Attentat auf Rudi Dutschke an den Aktionen gegen den Springer Verlag, Mitwirkung im Republikanischen Club in Dortmund +++ Beteiligung an allen Festivals auf der Burg Waldeck +++ Solidaritätsarbeit gegen Krieg und Gewalt in El Salvador, Chiapas, Bosnien, Nordirland, USA, Kanada, China, Nairobi, Marokko und in vielen europäischen Ländern gegen Atomwaffen und Rüstung +++ Organisation von Friedensmärschen und dem Frauenfriedensbus +++ Schaffung von Foren, in denen Frauen aus sogenannten Feindesländern miteinander in Dialog treten +++ Herstellung von Öffentlichkeit durch Veranstaltungen, Rundfunkarbeit, Bücher, Zeitungen, Fotoausstellungen und Filme, neben den obigen Themen auch zu Globalisierung, Erwerbslosigkeit, Kindererziehung +++ betreibt das Internationale Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen in Oberhausen.


Hans-Günther Obermaier
„Ablehnung von Obrigkeit, aller Ismen und Zwänge“

Hans-Günther Obermaier 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Senne Glanschneider

Hans-Günther Obermaier, geboren 1943 in Oberbayern +++ 1955 Umzug nach Bottrop +++ 1961, nach der mittleren Reife, Lehrzeit bei einem Dekorationsmaler +++ in Essen Studien an der Folkwangschule  in Bildhauerei und Grafik +++ seit 1967 verheiratet, lebt und arbeitet in Köln +++ seit 1974 als freischaffender Maler und Bildhauer tätig +++ es entstehen politische Gemälde und Objekte, insbesondere zum Thema Ökologie +++ 1975 Max-Ernst-Preis der Stadt Brühl +++ 1976 bis 1987 öffentliche und private Aufträge für große Wandbilder in Köln, Brühl, Wuppertal, Münster, Dortmund +++ seit 1988 nur noch Skulpturen in Holz und Bronze in zahlreichen Ausstellungen und im öffentlichen Raum


Klaus der Geiger
„Nein! Wir woll’n nicht Eure Welt!“

Klaus der Geiger 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
 
           Foto: Senne Glanschneider

Klaus der Geiger, geboren 1940 als Klaus von Wrochem +++ lebt anfangs ein relativ normales bürgerliches Leben trotz Aufwachsens in Kriegs- und Nachkriegszeiten (Erzgebirge und Berlin) +++ geht 1960 zum studieren nach Köln an die Musikhochschule +++ heiratet 1965 +++ verdient das Geld als Aushilfs-Geiger in diversen Sinfonie-Orchestern und im WDR und versucht sich auch als moderner Komponist +++ in dieser Funktion geht er in die USA (Buffalo, N.Y. und San Diego, California) +++ wird durch Vietnam-Krieg und Hippie-Kultur geprägt – nach seiner Rückkehr 1970 Kommunarde und Straßenmusiker, wird als „Klaus der Geiger“ („Asphalt-Paganini“) auch bundesweit bekannt, zumal er bei fast jeder größeren links-politischen Aktion angefordert wird +++ leitet neben zahlreichen Konzerten mit verschiedenen Formationen das Orchester des Kölner Kunstsalons, gibt Kurse in Improvisation (u.a. LAG Musik NRW, Musikschule Papageno, Festival Vielsaitig).


Gisela Kochs
„Kapitalismus ist überall – und überall muss Widerstand geleistet werden“

Gisela Kochs 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
            Foto: Senne Glanschneider

Gisela Kochs, geboren 1938 in Osnabrück +++ diverse soziale Praktika u.a. in England und in der Schweiz +++ 1960 Studium christlicher Sozialwissenschaften in Münster, Soziologie in Frankfurt +++ Diplomarbeit über Revolution, Religion und Armut in Frankreich +++ 1968 Abschluss in besetzter Uni +++ 1969 Mitwirken am „Politischen Nachtgebet“ in Köln zu den Themen Randgruppen und Frieden +++ 1970 Stelle in der alternativen Obdachlosenarbeit (Ökumenischer Verein) +++ 1972 Kündigung des gesamten Teams wegen Besetzungen in Obdachlosensiedlungen +++ 1973 Stelle in der evangelischen Gemeinde Köln-Mülheim +++ Aufbau erfolgreicher Stadtteilarbeit „Mülheimer Selbsthilfe Teestube e.V.“ +++ 1976 Kündigung, Weiterarbeit unter anderer Trägerschaft +++ 1980 Besetzung einer Tankstelle in Köln-Mülheim als Straßencafé +++ 1990 „Durchkämpfen der MÜTZE“ auf besetztem Gelände (Bürgerzentrum in Köln-Mülheim) +++ Ab Mitte der 90er Jahre private Pflege der Mutter und teilweise Rückzug aus der „MÜTZE“ +++ Friedensarbeit und Unterstützung der Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung.


Gunter Demnig
„Wachgerüttelt“

Gunter Demnig 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
           
Foto: Karin Richert

Gunter Demnig, geboren 1947 in Berlin +++ ab 1967 Studium Kunstpädagogik, HfbK Berlin bei Prof. Herbert Kaufmann +++ 1969-1970 Studium „Industrial Design“, HfbK Berlin +++ ab 1971 Studium Kunstpädagogik, Kunstakademie/GhK Kassel +++ 1974 Erstes Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien +++ 1974-1977 Studium Freie Kunst, Universität Kassel, FB Kunst, Atelier Kramer +++ 1977-1979 Denkmalsanierung; Planung, Bauleitung, Ausführung +++ 1980-1985 künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im FB Kunst, Universität Kassel +++ ab 1985 Atelier in Köln +++ seit 1987 Mitglied im Internationalen Künstlergremium +++ 1990 erste Aktion zur Erinnerung an die Deportation von Sinti und Roma aus Köln im Jahre 1940 +++ 1993 Entwurf zum Projekt STOLPERSTEINE (Erinnerung an die während des NS-Zeit aus ihren Wohnungen Deportierten) +++ 1997 erste Stolperstein-Verlegung in Berlin-Kreuzberg (nicht genehmigt; später legalisiert) +++ ab 2000 STOLPERSTEINE in ganz Deutschland.


Eusebius Wirdeier
„Es sieht ganz so aus, als wärst Du frei...“

Eusebius Wirdeier 68er Köpfe Ausstellung Arbeiterfotografie Köln
           
Foto: Hans-Dieter Hey

Eusebius Wirdeier, geboren 1950 in Dormagen +++ 1967-1973 Kunststudium an den Kölner Werkschulen/FH Kunst und Design im Fachbereich Kunst und Design +++ seit 1968 Einzel- und Gruppenausstellungen, Fotoprojekte, Editionen und Bücher, so wie 1990 Buch und Ausstellung „kölsch? – Heimatphotographie“, 1991 Ausstellung und Buchgestaltung „Trotzdem Alaaf! – Kölner Rosenmontag zum Golfkrieg“, 1996 Buch mit Wolfgang Niedecken „noh un noh – Texte und Fotografien aus Köln“, 1998 Gestaltung und Herstellung des Bildtextbandes „1968 am Rhein – Satisfaction und Ruhender Verkehr“ +++ lebt in Köln und beschäftigt sich fotografierend mit Alltag und öffentlichem Raum im Rheinland +++ arbeitet als Gestalter, Herausgeber und Kurator.


Rainer Kippe
„1968: Die erste Revolution, die nicht gescheitert ist“

reiner kippe foto: arbeiterfotografie
           
Foto: Anneliese Fikentscher

Rainer Kippe,
geboren 1944 +++ diplomierter Sozialarbeiter +++ gehört 1968 zum antiautoritären Flügel des Kölner SDS +++ ist 1969 beteiligt am Versuch, Funktionäre der „Kölner Studenten Union“ daran zu hindern, an der Rektorwahl teilzunehmen +++ verlässt 1969 die Kölner Universität und entscheidet sich für ein Leben mit ausgestoßenen Jugendlichen +++ gründet mit dem Journalisten Jens Hagen, der Malerin Dorothee Joachim, Lothar Gothe u.a. die Underground-Zeitung „Ana et Bela“, die zur Kontaktadresse für viele der mehr als 1000 illegal in Köln lebenden Jugendlichen wird +++ die Sozialistische Selbsthilfe Köln (SSK) entsteht – zunächst unter dem Namen „Sozialpädagogische Sondermaßnahme Köln“ +++ beteiligt sich 1979 an der Besetzung einer alten Schnapsbrennerei in Köln-Mülheim +++ wird Mitbegründer der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM), die in der alten Fabrik eine integrative Arbeit mit Behinderten und eingeschränkt arbeitsfähigen Menschen aufbaut (1993 langfristiger und günstiger Mietvertrag mit der Stadt Köln).


Norman Paech
„1968: Die Entrümpelung der Republik“

Norman Paech Foto: Gabriele Senft arbeiterfotografie
           
Foto: Gabriele Senft

Norman Paech, geboren 1938 in Bremerhaven +++ 1957-1959 Studien der Geschichte und des Rechts an den Universitäten Tübingen, München und Paris +++ 1959-1962 Jura-Studium an der Universität Hamburg +++ 1962-1965 Dissertation über ein Thema im Bereich Arbeits- und Öffentliches Recht +++ 1967-1968 Zusatzstudium am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik Berlin +++ 1968-1972 tätig im Bundesministerium für Wirtschaftliche Entwicklung in Bonn +++ 1972-1974 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) in Hamburg +++ 1969 Eintritt in die SPD +++ 1972-1973 Mitglied im Juso-Landesvorstand Hamburg +++ 1975-1982 Professor für Politische Wissenschaft an der Einstufigen Juristenausbildung der Universität Hamburg +++ 1982-2003 für öffentliches Recht an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg +++ Mitglied der „Vereinigung demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, der „Freundschaftsgesellschaft Vietnam-BRD“, im Wissenschaftlichen Beirat der IALANA und bei IPPNW, Attac und im Auschwitz Komitee +++ 1977-1986 Vorsitzender der Vereinigung demokratischer Juristen in der BRD +++ 2001 Austritt aus der SPD +++ 2007 Eintritt in die Partei DIE LINKE +++ seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages +++ außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE.


„68er Köpfe“
Portraits mit Statements zur 68er Bewegung
Ausstellung der Arbeiterfotografie Köln
5. bis 19. Oktober 2008
in der Ausstellungshalle Alte Feuerwache
Melchiorstraße 3, 50670 Köln
Öffnungszeiten: mi./do. 19-21 Uhr
Sa. 11-14 Uhr und nach Vereinbahrung

(CH)


Online-Flyer Nr. 167  vom 08.10.2008

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