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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Deutsche Umwelthilfe (DUH) wirft Autoindustrie erneuten Wortbruch vor
„Tricksereien“ bei Pkw-Klimaanlagen
Von Peter Kleinert

Die im Herbst 2007 von der Automobilindustrie mit viel Trara angekündigte Umstellung auf das natürliche Kältemittel Kohlendioxid wird nicht umgesetzt. Die Autohersteller arbeiten nach DUH-Recherchen trotz eines gegenteiligen Beschlusses ihres Verbandes weiter an herkömmlicher Fahrzeugkältetechnik auf Basis chemischer Kältemittel. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch warnt die Autobauer vor einem „endgültigem Offenbarungseid beim Klimaschutz“

Die im Herbst 2007 von der Automobilindustrie mit viel Trara angekündigte Umstellung auf das natürliche Kältemittel Kohlendioxid wird nicht umgesetzt. Die Autohersteller arbeiten nach DUH-Recherchen trotz eines gegenteiligen Beschlusses ihres Verbandes weiter an herkömmlicher Fahrzeugkältetechnik auf Basis chemischer Kältemittel. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch warnt die Autobauer vor einem „endgültigem Offenbarungseid beim Klimaschutz“.


Klimaanlage im Auto – bald kein Grund mehr zum Lächeln?
Quelle: www.kfzgewerbe.de


Die Autohersteller in Deutschland sollten „nicht schon wieder wortbrüchig zu werden und weitere Klimaschutzzusagen mutwillig und gezielt unterlaufen“, fordert die DUH. Hintergrund ihres Vorwurfs ist eine im September 2007 bekannt gemachte Entscheidung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zur Einhaltung ab 2011 geltender EU-Vorgaben in Pkw-Klimaanlagen nur noch das Umwelt und Klima am wenigsten belastende natürliche Kältemittel Kohlendioxid (R744) einzusetzen.
 
VDA-Ankündigung auf der IAA 2007
 
"Der Einsatz der bisher bekannten neuen chemischen Kältemittel wird nach gründlicher Untersuchung nicht weiter als eine Alternative verfolgt. Deutsche Hersteller und Zulieferer haben vereinbart, in Zukunft bei Klimaanlagen nur noch natürliche Kältemittel einzusetzen, die für die Umwelt die geringste Belastung bedeuten und alle künftigen europäischen Grenzwerte deutlich unterbieten", hatte VDA-Präsident Matthias Wissmann pünktlich zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) im Herbst 2007 in der Presse verkündet. Damit schiebe sich die deutsche Autoindustrie auf diesem „ökologisch bedeutsamen Feld an die Weltspitze“. Er gehe davon aus, sagte Wissmann weiter, „dass zu Beginn des nächsten Jahrzehnts diese Klimaanlagen in der Großserie zum Einsatz kommen“.
 
Bei der Eröffnungsfeier zu dieser von der Bundeskanzlerin eröffneten IAA wurden, wie es auf der VDA-homepage heißt, „als Symbol des Klimabewusstseins der deutschen Automobilindustrie“ Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender DaimlerChrysler AG, der  Bundeskanzlerin, Matthias Wissmann selbst und Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt/Main, „Sonnenblumen überreicht“.


Sonnenblumen für Daimler-Boss Zetsche, Merkel, Wissmann und OB Roth auf der IAA 2007, Quelle: obs/VDA

Einige Wochen vor dieser medienwirksamen Ankündigung hatten sich die CDU Baden-Württemberg und Ministerpräsident Oettinger von ihrem langjährigen Stellvertretenden Landesvorsitzenden Wissmann feierlich verabschiedet, um ihm den Weg an die VDA-Spitze freizugeben. „Matthias Wissmann als Spitzenvertreter aus unserer Region und als ein Mann aus unserer Mitte sitzt jetzt im Herzstück der deutschen Wirtschaft“, hatte Günther Oettinger. dazu erklärt. Dies sei „keinesfalls ein Nachteil gerade für Baden-Württemberg, in dem Autobauer und –Zulieferer beheimatet sind“.


Oettinger verabschiedet Matthias Wissmann (dritter von rechts)
Quelle: CDU/BW, Heike Herrmann


Nach Recherchen der DHU spricht für Wissmanns IAA-Ankündigung aber im Moment fast nichts. Im Gegenteil. Laut DUH arbeiten deutsche Hersteller stattdessen „unter Hochdruck an einer chemischen Alternative mit der Bezeichnung 1234yf, die von den beiden Weltkonzernen Honeywell und Dupont in den Führungsetagen der Automobilhersteller angepriesen wird“..
 
Endgültiger Offenbarungseid?
 
„Wir sind fassungslos, dass die deutschen Autohersteller schon wieder drauf und dran sind, klare Zusagen für den Verbraucher- und Klimaschutz zu brechen. Zuletzt hatten sie den für dieses Jahr verbindlich vereinbarten CO2-Zielwert von 140g/km für Pkw-Neuwagen weit verfehlt. Aktuell kämpfen sie - tatkräftig unterstützt von Kanzlerin und Umweltminister - gegen die von der EU geplanten Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor ab 2012. Wenn nun bei den Pkw-Klimaanlagen die Verlässlichkeit klarer Zusagen auf die Frist einer angeblich ´grünen´ Automobilmesse zusammenschrumpft, droht der endgültige Offenbarungseid“, erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Die DUH hatte die VDA-Entscheidung im vergangenen September als ersten Schritt zur Wiederherstellung der klimapolitischen Glaubwürdigkeit der deutschen Autohersteller begrüßt.
 
Hintergrund für die Ankündigung der Autohersteller, ein alternatives Kältemittel in ihren Fahrzeugen einzusetzen, ist eine EU-Verordnung, die ab 2011 ein Verbot des derzeitigen Kältemittels R134a bedeutet. Fahrzeugklimaanlagen dürfen dann nur noch mit einem Kältemittel befüllt werden, das ein Treibhauspotenzial von maximal 150 hat. Mit der EU-Verordnung soll die Verwendung der massiv klimaschädlichen sogenannten F-Gase eingedämmt werden. Das Treibhauspotenzial von R134a beträgt 1.300, das natürliche Kältemittel R744 (CO2) hat lediglich ein Treibhauspotenzial von 1.
 
Leben der Autoinsassen in Gefahr
 
In einem Schreiben an die Vorstandsvorsitzenden der im VDA organisierten, deutschen Autohersteller erinnert Resch daran, dass die Toxizität des neuen chemischen Kältemittels 1234yf und seiner Reaktionsprodukte noch weitgehend unbekannt sei. Neben der ungeklärten Gifthaltigkeit des neuen chemischen Mittels sowie vor allem seiner Abbauprodukte habe es noch einen ganz besonders bedrohlichen Nebeneffekt: Im Gegensatz zum bisherigen Kältemittel und zu CO2 kann es sich entzünden. Die Brennbarkeit von 1234yf müsste nach Überzeugung der DUH ein absoluter Ausschlussgrund für den Einsatz in Pkw-Klimaanlagen sein. „Bei Unfällen und Zusammenstößen, bei denen die Klimaanlage Leck schlägt oder ganz zerstört wird, gerät das Leben der Autoinsassen in Gefahr. Es ist völlig unverständlich, dass ein brennbares Kältemittel überhaupt ernsthaft als Alternativlösung diskutiert wird“, sagt Resch.

1234yf werde zudem um ein Vielfaches teurer sein als das derzeitige Kältemittel R134a, so dass zu befürchten sei, dass R134a weiterhin in vielen Ländern außerhalb und innerhalb der EU zum Einsatz kommen wird. Die klimaschädlichen F-Gase würden so weiter in die Atmosphäre gelangen. Mit R744-(CO2)Anlagen wären diese kontraproduktiven Effekte ausgeschlossen, eine Fehlbefüllung mit R134a ist in diesen anders konstruierten Anlagen, die zudem mit einem höheren Druck arbeiten, nicht möglich. Der erwünschte das Klima entlastende Effekt würde also in diesem Fall sicher eintreten, vor allem wenn ab 2011 - wie angekündigt und zugesagt - alle Pkw-Neuwagen deutscher Hersteller mit CO2-Klimaanlagen zum Einsatz kämen. Nicht zuletzt deshalb empfehle auch das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium den Einsatz von CO2 als Pkw-Kältemittel der Zukunft.
 
CO2-Zusage endlich umsetzen!
 
Resch rief die Unternehmen dazu auf, ihrer Verantwortung für Klima und Umwelt gerecht zu werden und die im VDA-Vorstand von den Spitzenmanagern der fünf größten deutschen Pkw-Hersteller persönlich getroffene Entscheidung für den Einsatz von CO2 als natürliches Kältemittel und den Stopp an der Arbeit an chemischen Alternativen endlich umzusetzen. „Bisher vermissen wir jegliches Anzeichen, dass die Hersteller den gesetzlichen und klimapolitischen EU-Anforderungen entsprechen wollen“, sagte Resch „Die EU-Verordnung gilt bereits ab 2011, die technischen Entscheidungen über die zukünftigen Fahrzeugmodelle werden in diesem Moment getroffen. Was wir jetzt brauchen, ist ein klares Signal für den Klimaschutz und kein neues Glaubwürdigkeitsdebakel.“ (PK)

Online-Flyer Nr. 151  vom 18.06.2008

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Von Kostas Koufogiorgos
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