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Aktueller Online-Flyer vom 04. Dezember 2016  

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Lokales
Wem gehört die Stadt?
Stifter wollen öffentlichen Raum vereinnahmen
Von Fred Schierlinge

Mäzenatentum hat in Köln eine lange Tradition, dient der Förderung von Kunst und Kultur und unterstützt zunehmend auch Bereiche, die seitens der öffentlichen Hand als so genannte „freiwillige Leistungen“ angesichts der klammen Haushaltslage weggespart werden. Die anstehende Debatte um den Umbau des Kölnischen Stadtmuseums vulgo Zeughaus durch eine Schenkung wird allerdings Fragen aufwerfen, wie weitreichend die Bedingungen der Stifter sein können. Die NRhZ wagt den Blick in die Kristallkugel und sieht ein Bild der bislang anonymen Stifter.

Zweifelsohne ist die geplante Schenkung großzügig: Ein vollständiger Umbau nebst Erweiterungsbauten für das Kölnische Stadtmuseum. Geschätzter Wert: 5 Millionen Euro. „Schlüsselfertig“ soll das dann so gut wie neue Museum der Stadt übergeben werden. Der Kölner Architekt Hanspeter Kottmair hat den Entwurf gezeichnet, für den Bau soll die Gesellschaft für Bauausführung von Günther Fischer verantwortlich sein. Und für das Ganze will ein bislang noch anonymes Stifterehepaar zahlen, das erst benannt und dann so richtig bekannt werden möchte, wenn die Stadt ihre eindeutige Zusage zur Annahme der Schenkung abgegeben hat. Allerdings soll der vorliegende Entwurf von Architekt Kottmair eins zu eins umgesetzt werden und - selbstredend - das Museum soll den Namen der Stifter tragen. 


Kölner Zeughaus – demnächst umgebaut und nach Stifterehepaar benannt?
Quelle: Wikimedia


Entwurf für das Kölner Stadtmuseum mit gläsernem Turm
Quelle: Architekturbüro Kottmair
 
Geschenkter Gaul
 
Würde es sich nur um einen Gaul handeln, dann hätte der Volksmund sicher Recht, dass man ihm nicht ins Maul schaut. Doch zum einen ist ein Museum kein Pferd und mit dem Entwurf des Architekten geht weitaus mehr einher, als die überfällige Umgestaltung des Stadtmuseums. Es geht auch um die Gestaltung des Quartiers, denn die vorgelegten Pläne sehen Verkehrsberuhigungen, eine neue Verkehrsführung und eine Modellierung des öffentlichen Raumes vor. So soll der bislang einspurig geführte Verkehr „An der Burgmauer“ in beide Fahrtrichtungen fließen, indem die Parkplätze auf der rückwärtigen Seite des Museums der Straße zugeschlagen werden. Zwischen Bezirksregierung und Museum soll im Gegenzug eine Fußgängerzone mit gepflasterten Freiflächen angelegt werden. Das Quartier erführe eine grundlegende Veränderung.
 
Versäumnisse der Stadt
 

In der Kritik: Kulturdezernent
Georg Quander
Foto: Stadt Köln
Dass in den städtischen Gremien jetzt beklagt wird, dass es sich hierbei um einen weitgreifenden Eingriff handelt, der diskutiert gehört – ist durchaus zutreffend. Allerdings wäre genau das schon vor Jahren möglich gewesen, wenn die Kulturverwaltung mit Kulturdezernent Georg Quander an der Spitze dazu bereit gewesen wäre. Erste Gespräche zu dem Projekt sind bereits im Jahr 2003 geführt worden, damals noch unter der Ägide von Quanders Vorgängerin Marie Hüllenkrämer. Seit April 2005 jedoch ist Quander in der Verantwortung und hat offenbar die Zeit verstreichen lassen, ohne einen ernsthaften Diskurs mit den Stiftern zu führen. So verwundert es nicht, dass Quander die Rückendeckung in der Politik verliert und ihm – quer aus allen Fraktionen – „Konzeptlosigkeit und Untätigkeit“ vorgeworfen wird.
 
Politik uneins
 
Die Kölner Politik zeigt sich angesichts der misslichen Situation uneins. Während CDU und FDP das großzügige Engagement der Stifter über den grünen Klee loben und bestenfalls für eine rechtliche Prüfung eintreten, ob eine Ausschreibung zwingend notwendig sei, ziehen sich SPD und Grüne – bei allem Dank und Lob an die Stifter – auf einen formalen Standpunkt zurück und fordern einen Architektenwettbewerb. Das Projekt sei zu groß und bedeutend, als das es einfach so durchgewunken werden könnte, hieß es. Vorsichtig formulieren sie auch die Frage nach den Folgekosten für die Stadt und wünschen deswegen Klarheit, ob wegen der vergrößerten Ausstellungsfläche ein erhöhter Personalbedarf und steigenden Betriebskosten zu erwarten seien.
 
Heiteres Stifterraten
 
Die Namen des anonymen Stifterehepaars werden derzeit unter Verschluss gehalten und regen zu Spekulationen an. Wer aus der Kölner Bürgerschaft ist vermögend genug, um ein solches Geschenk zu machen? Wer möchte sich mit der eigenen Handschrift verewigen? Wer gehört seit Jahren den Freunden und Förderern des Kölnischen Stadtmuseums an? Hat einer der Kölner Ehrenbürger vielleicht noch eine angekündigte Zuwendung an die Stadt ausstehen? Welche Referenz an ein bereits bestehendes Gebäude lässt sich im Entwurf für den Museumsneubau erkennen? Die Antworten auf all diese Fragen könnten im Umfeld der Verlegerfamilie Neven DuMont zu suchen sein.

Ehrenbürger Alfred und Ehefrau Hedwig Neven DuMont
Quelle: Stadt Köln und NRhZ-Archiv  
 
Die Kriterien „vermögend“, „an der Umsetzung der eigenen Ideen interessiert“, „engagiert bei den Freunden und Förderern des Stadtmuseums“, „Ehrenbürger mit noch offener Zuwendungsankündigung“ treffen passgenau zu. Auch ein Verlagsgebäude mit einem gläsernen Turm gibt es bei den Eignungskriterien, der dem Glasturm im Architektenentwurf für das Stadtmuseum ähnelt und eine nette „architektonische Referenz“ sein könnte.
 

Der Glasturm des Verlagshauses
Foto: NRhZ-Archiv
Hilfreich beim Stifterraten ist auch das Stiftungsverzeichnis NRW, denn hier findet sich nämlich eine „Alfred Neven DuMont-Stiftung“, bei der auch Alfred und Hedwig Neven DuMont (Ehepaar!) namentlich erwähnt sind.
 
Tue Gutes und schweige darüber
 
Ob die angekündigten Wohltaten tatsächlich aus dem Kreis der Verlegerfamilie kommen werden und das Stadtmuseum dann einen entsprechenden Namenszusatz erhält, das wird sich zeigen. Vielleicht gilt ja im Hause DuMont der eherne Grundsatz „Tu Gutes und schweige darüber“, und die Umbenennung fällt weniger spektakulär aus, als hinter vorgehaltener Hand vermutet wird. Ganz gleich, wer stiftet und schenkt – Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit werden sich mit der Frage beschäftigen müssen, wie weitreichend die Bedingungen für eine Schenkung sein dürfen. (PK)

Online-Flyer Nr. 145  vom 07.05.2008

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