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Krieg und Frieden
„Girls’ Day" 2008: über umstrittene Werbemethoden der Bundeswehr
„Weil’s Spaß macht und interessant ist!“
Von Bärbel Helweg
Die Idee zum Aktionstag für Mädchen in „Männerberufen“, der diesjährig am 24. April stattfindet, kommt wie fast alle „gute Ideen“ in der letzten Zeit aus den USA: Seit 1993 findet dort an jedem vierten Donnerstag im April der „Take our daughters and sons to work day“ statt – bringt unsere Mädels und Jungs mit zur Arbeit und in Arbeit, könnte man frei übersetzen. Das hört sich ja zuerst gar nicht so schlecht an, bringt es doch eben „wieder Leute in Arbeit“ und trägt wohl auch zur Emanzipation bei, da es um Mädchen oder Frauen in klassischen Männerberufen geht.
Was in anderen gesellschaftspolitischen Systemen, wie in vielen „Ostblockstaaten“, die Normalität war, soll nun – kindgerecht aufgepopt – mit einem „Aktionstag“ gelöst werden. Die Industrie beklagt auch in Deutschland einen „Fachkräftemangel“, und versucht durch die Förderung der Initiative für Gleichstellung die Jahrzehnte alten, schwerwiegenden strukturellen Versäumnisse im Schul- und Bildungswesen auszugleichen.
Rekrutierungsstand der Bundeswehr auf der CeBIT 2005 | Foto: gamsbart
Aber auch der Bundeswehr mangelt es ganz offensichtlich an „Fachkräften“ – denn wie sonst wären ihre zunehmenden Werbeoffensiven nicht nur bei den öffentlichen Gelöbnissen, sondern auch mit Infoständen auf Messen und öffentlichen Plätzen, und sogar vor Abhängigen in der „Arbeitsagentur“ und in Schulen zu erklären? Alleine durch die schleichende Faschistoisierung der Gesellschaft?!
Malin findet auch, dass der „Girls’ Day“ eine gute Sache ist, denn er „bietet jungen Mädchen mal die Chance, unkompliziert in Männerberufe hineinzuschnuppern“ – wie in diesem Fall in den „Beruf der Mörderin“, wie Kurt Tucholsky wohl anmerken würde. Malin ist 21 Jahre alt, im Jahre 2003 durch besagte Initiative zur Bundeswehr gekommen und wirbt nun mittlerweile als Stabsunteroffiziöse auf der für Kids gestylten Webseite vom „Girls’ Day“ dafür, dass noch viel mehr Mädchen mit Hilfe der „Initiative“ über die „Ausbildung zur Soldatin“ „informiert“ werden können.
Kritisch und Fanta-Sie-Voll: Aktivistin der Clowns-Armee in Münster
Richtig, „informiert“ in Anführungsstrichen, denn „informiert“ wird hier richtig falsch, wie schon in der ersten Frage des Interviews: „Seit wann arbeitest du im Betrieb?“ – sie suggeriert, dass es sich bei der Bundeswehr um einen normalen Betrieb handelt. Weiter dann wird verharmlosend von einer „Ausbildung bei der Bundeswehr“ gesprochen, so als ob der „Dienst an der Waffe“ irgendwie mit einer Ausbildung zur Schreinerin oder Dachdeckerin gleichzusetzen wäre.
„Trotz Tarnung finden immer mehr Mädchen
ihren Traumjob..."
Malin selbst durfte den „Girls’ Day“ bei der Bundeswehr, in der Schule „Strategische Aufklärung“ in Flensburg verbringen. „Meine Mutter hat in der regionalen Zeitung vom Girls’ Day gelesen, mich gefragt, ob mich das interessieren würde, und mich angemeldet.“, erklärt die Soldatin, wie sie ihren Traumjob gefunden hat, und weiter: „Der Girls’ Day war Anlass mich für diesen Beruf zu bewerben. Er hat bei mir das Interesse geweckt. Ohne den Girls’ Day wäre ich heute wahrscheinlich nicht Soldatin, sondern wahrscheinlich in einem Beruf, in dem Frauen öfter vertreten sind.“ Richtig, die Bundeswehr, das Bollwerk der Emanzipation!
Auf die Frage, was Malin denn beim „Girls’ Day“ bei der Bundeswehr erlebt habe, antwortet sie weiterhin vollkommen unkritisch: „Wir haben uns Zelte und Lagerfeuerstellen angeschaut und auch einen Panzer. Eben das, was man mit dem ‚Soldat sein’ in Verbindung bringt. Wir haben auch viel über die Auslandseinsätze erfahren, diesmal aber aus erster Hand und nicht nur aus den Nachrichten.“ Richtig – denn die bösen über die sensible öffentliche Meinung bemühten Medien in Deutschland berichten ja auch vollkommen übertrieben kritisch über die Bundeswehr im Ausland. Obwohl sie einen Nachteil in den häufigen Versetzungen sieht, stellen die „Auslandseinsätze“ für Malin eine Herausforderung und eine Abwechselung dar. Na dann, viel Spaß auf der „Spielwiese Afghanistan“, möchte man ihr zurufen.
Und später tönt sie in verharmlosender Sprache, die fast an BDM-Jargon erinnert: „Es ist unheimlich abwechslungsreich. Man kommt gerade in der Ausbildung viel herum. Zudem kann man bei uns eine technische oder sogar eine sprachliche Ausbildung machen, also z.B. Englisch, Französisch, Russisch oder weitere Sprachen. Gerade in meinem Bereich bin ich sehr nah am Weltgeschehen und ich freue mich immer, wenn ich zu der ‚großen Sache’ meinen kleinen aber nicht unwichtigen Teil beitragen kann.“ Genau, Malin, Deutschland ist auch stolz auf deinen kleinen Beitrag zu der neuen Weltpolitik, die die Bundeswehr im Auftrag der US-Streitkräfte und im „Interesse Deutschlands“ betreibt. Danke, Malin!
Auf die Auslandseinsätze, die sich nicht nur mittlerweile über den ganzen Globus, sondern auch durch das ganze „Interview“ auf girls-day.de ziehen, ist Malin anscheinend vollkommen versessen: Man müsse sich darüber im klaren sein, dass man öfter mal von „daheim“ weg sei, erklärt Malin, und es klingt fast wie eine Einschränkung. „Aber das sind Herausforderungen, die einen in der eigenen Entwicklung weiter bringen können.“, heißt es gleich danach und klingt wie aus einem Bundeswehr-Werbeprospekt. Ob da wohl ein Presseoffizier ganz mafiös Pate gestanden hat?! Dürfen oder können Soldaten überhaupt frei sprechen?!
Langsam frage ich mich, ob „Malin“ wirklich existiert oder etwa mit einem Zahnpastalächeln in einer schlechten PR-Agentur auf die Welt kam. Ganz positiv steht sie im Moment in Bezug auf ihre Berufs- und Zukunftsaussichten „ Allem offen gegenüber, weil’s Spaß macht und interessant ist...“ Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie wirklich, denn die menschliche Dummheit hat sich ja auch schon in der Vergangenheit ganz offensichtlich als „unausrottbar“ erwiesen – auch bei Frauen.
Wer jetzt noch nicht genug hat,
kann sich noch weiter auf www.girls-day.de umtun. (CH)
Online-Flyer Nr. 143 vom 23.04.2008
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Krieg und Frieden
„Girls’ Day" 2008: über umstrittene Werbemethoden der Bundeswehr
„Weil’s Spaß macht und interessant ist!“
Von Bärbel Helweg
Die Idee zum Aktionstag für Mädchen in „Männerberufen“, der diesjährig am 24. April stattfindet, kommt wie fast alle „gute Ideen“ in der letzten Zeit aus den USA: Seit 1993 findet dort an jedem vierten Donnerstag im April der „Take our daughters and sons to work day“ statt – bringt unsere Mädels und Jungs mit zur Arbeit und in Arbeit, könnte man frei übersetzen. Das hört sich ja zuerst gar nicht so schlecht an, bringt es doch eben „wieder Leute in Arbeit“ und trägt wohl auch zur Emanzipation bei, da es um Mädchen oder Frauen in klassischen Männerberufen geht.
Was in anderen gesellschaftspolitischen Systemen, wie in vielen „Ostblockstaaten“, die Normalität war, soll nun – kindgerecht aufgepopt – mit einem „Aktionstag“ gelöst werden. Die Industrie beklagt auch in Deutschland einen „Fachkräftemangel“, und versucht durch die Förderung der Initiative für Gleichstellung die Jahrzehnte alten, schwerwiegenden strukturellen Versäumnisse im Schul- und Bildungswesen auszugleichen.
Rekrutierungsstand der Bundeswehr auf der CeBIT 2005 | Foto: gamsbart
Aber auch der Bundeswehr mangelt es ganz offensichtlich an „Fachkräften“ – denn wie sonst wären ihre zunehmenden Werbeoffensiven nicht nur bei den öffentlichen Gelöbnissen, sondern auch mit Infoständen auf Messen und öffentlichen Plätzen, und sogar vor Abhängigen in der „Arbeitsagentur“ und in Schulen zu erklären? Alleine durch die schleichende Faschistoisierung der Gesellschaft?!
Malin findet auch, dass der „Girls’ Day“ eine gute Sache ist, denn er „bietet jungen Mädchen mal die Chance, unkompliziert in Männerberufe hineinzuschnuppern“ – wie in diesem Fall in den „Beruf der Mörderin“, wie Kurt Tucholsky wohl anmerken würde. Malin ist 21 Jahre alt, im Jahre 2003 durch besagte Initiative zur Bundeswehr gekommen und wirbt nun mittlerweile als Stabsunteroffiziöse auf der für Kids gestylten Webseite vom „Girls’ Day“ dafür, dass noch viel mehr Mädchen mit Hilfe der „Initiative“ über die „Ausbildung zur Soldatin“ „informiert“ werden können.
Kritisch und Fanta-Sie-Voll: Aktivistin der Clowns-Armee in Münster
Richtig, „informiert“ in Anführungsstrichen, denn „informiert“ wird hier richtig falsch, wie schon in der ersten Frage des Interviews: „Seit wann arbeitest du im Betrieb?“ – sie suggeriert, dass es sich bei der Bundeswehr um einen normalen Betrieb handelt. Weiter dann wird verharmlosend von einer „Ausbildung bei der Bundeswehr“ gesprochen, so als ob der „Dienst an der Waffe“ irgendwie mit einer Ausbildung zur Schreinerin oder Dachdeckerin gleichzusetzen wäre.
„Trotz Tarnung finden immer mehr Mädchen
ihren Traumjob..."
Auf die Frage, was Malin denn beim „Girls’ Day“ bei der Bundeswehr erlebt habe, antwortet sie weiterhin vollkommen unkritisch: „Wir haben uns Zelte und Lagerfeuerstellen angeschaut und auch einen Panzer. Eben das, was man mit dem ‚Soldat sein’ in Verbindung bringt. Wir haben auch viel über die Auslandseinsätze erfahren, diesmal aber aus erster Hand und nicht nur aus den Nachrichten.“ Richtig – denn die bösen über die sensible öffentliche Meinung bemühten Medien in Deutschland berichten ja auch vollkommen übertrieben kritisch über die Bundeswehr im Ausland. Obwohl sie einen Nachteil in den häufigen Versetzungen sieht, stellen die „Auslandseinsätze“ für Malin eine Herausforderung und eine Abwechselung dar. Na dann, viel Spaß auf der „Spielwiese Afghanistan“, möchte man ihr zurufen.
Und später tönt sie in verharmlosender Sprache, die fast an BDM-Jargon erinnert: „Es ist unheimlich abwechslungsreich. Man kommt gerade in der Ausbildung viel herum. Zudem kann man bei uns eine technische oder sogar eine sprachliche Ausbildung machen, also z.B. Englisch, Französisch, Russisch oder weitere Sprachen. Gerade in meinem Bereich bin ich sehr nah am Weltgeschehen und ich freue mich immer, wenn ich zu der ‚großen Sache’ meinen kleinen aber nicht unwichtigen Teil beitragen kann.“ Genau, Malin, Deutschland ist auch stolz auf deinen kleinen Beitrag zu der neuen Weltpolitik, die die Bundeswehr im Auftrag der US-Streitkräfte und im „Interesse Deutschlands“ betreibt. Danke, Malin!
Auf die Auslandseinsätze, die sich nicht nur mittlerweile über den ganzen Globus, sondern auch durch das ganze „Interview“ auf girls-day.de ziehen, ist Malin anscheinend vollkommen versessen: Man müsse sich darüber im klaren sein, dass man öfter mal von „daheim“ weg sei, erklärt Malin, und es klingt fast wie eine Einschränkung. „Aber das sind Herausforderungen, die einen in der eigenen Entwicklung weiter bringen können.“, heißt es gleich danach und klingt wie aus einem Bundeswehr-Werbeprospekt. Ob da wohl ein Presseoffizier ganz mafiös Pate gestanden hat?! Dürfen oder können Soldaten überhaupt frei sprechen?!
Langsam frage ich mich, ob „Malin“ wirklich existiert oder etwa mit einem Zahnpastalächeln in einer schlechten PR-Agentur auf die Welt kam. Ganz positiv steht sie im Moment in Bezug auf ihre Berufs- und Zukunftsaussichten „ Allem offen gegenüber, weil’s Spaß macht und interessant ist...“ Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie wirklich, denn die menschliche Dummheit hat sich ja auch schon in der Vergangenheit ganz offensichtlich als „unausrottbar“ erwiesen – auch bei Frauen.
Wer jetzt noch nicht genug hat,
kann sich noch weiter auf www.girls-day.de umtun. (CH)
Online-Flyer Nr. 143 vom 23.04.2008
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