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Aktueller Online-Flyer vom 31. März 2020  

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Lokales
„Reclaim the streets“
Die Verhältnisse zum Tanzen bringen
Von Fred Schierlinge

Mit einer spontanen Demonstration haben am Samstagabend (12.04) bis zu 1.000 Teilnehmer die Kölner Ringe zur autofreien Zone umgestaltet. Unter dem Motto „Reclaim the streets” forderten sie den öffentlichen Raum zurück. Bis Mitternacht tanzten und musizierten die Demonstranten auf den Ringen.Die Polizei hat nach eigenen Angaben Strafverfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet.


Party auf den Kölner Ringen                          
Sind die Kölner Ringe an Samstagabenden in der Regel vom abendlichen Einkaufsverkehr vereinnahmt und werden wenige Stunden später von einer PS-bewussten Schickeria in tiefergelegten, breitbereiften und bespoilerten Protzautos geräuschvoll und zügig befahren, wurden die Verhältnisse am gestrigen Abend auf den Kopf gestellt: Kein Autoverkehr auf der Partymeile, stattdessen entspannte Jongleure, Tänzer, Flaneure, Musikanten oder Fußball- oder Frisbee-Spielende. Ausgehend vom Rudolfplatz hatte eine knapp einhundertköpfige Gruppe das Regiment auf den Ringen übernommen. Musizierend und tanzend zogen sie quer über alle vier Fahrspuren hinweg zum Friesenplatz. Die Polizei sperrte die Ringe, und der übliche Verkehr musste kleinere Umwege in Kauf nehmen. Im Laufe der Aktion „Reclaim the streets“ versammelten sich zeitweise bis zu 1.000 friedliche Aktivisten, die sich so „Freiräume erkämpfen und verteidigen“ wollten.

Polizei nah dabei


Ordnungshüter ahnden Landfriedensbruch

Die Kölner Polizei teilte mit, dass gegen Teilnehmer Strafverfahren wegen Landfriedensbruch und Straftaten nach dem Versammlungsgesetz eingeleitet worden sind. Zumal – so der Polizeibericht – Feuerwehrleute, die ein Feuer auf der Fahrbahn hätten löschen wollen, von Demonstranten bedrängt worden seien und deswegen Einsatzkräfte eingreifen mussten. Etwa 300 Polizisten waren im Einsatz und beobachteten pflichtbewusst und -gemäß das ungewohnte Bild. 

Selbstbestimmte Lebensräume gefordert


Make capitalism history                   
Fotos: NRhZ-Archiv
Die Bewegung „Reclaim the streets“ fordert selbstbestimmte Räume und spricht sich gegen eine zunehmende Reglementierung des Lebens aus. Mit spontanen und unangemeldeten Parties – vornehmlich auf Hauptverkehrsstraßen – wird der urbane, öffentliche Raum zurückgefordert und gegen die Vormacht des Autoverkehrs in den Städten sowie gegen eine rein profitorientierte, kapitalistische Nutzung der Stadt protestiert. Der Protest auf den Kölner Ringen hat gezeigt, dass Party auch ohne kommerzielle Clubs und Diskos, Cafes und Sportbars geht, und dass sich dabei rasch die Feierstimmung eines Public Viewings einstellen kann, das ja gerade konservative und liberale Politiker der Stadt während der Fußballeuropameisterschaft so gerne in der Innenstadt sähen. (PK)

Online-Flyer Nr. 141  vom 13.04.2008

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